Der Freiburger Informatiker Bernd Becker hat eine App für den Hörsaal entwickelt. Wie kann man die Interaktion zwischen Studierenden und Dozenten in Massenlehrveranstaltungen verbessern? Klare Sache, wenn es nach Bernd Becker geht: mit einer App.





Entschuldigt, ich komme aus dem letzten Jahrtausend. In meiner Zeit wurde einfach gefragt, ob es noch Fragen oder Unklarheiten zum letzten Abschnitt gibt. Das ist wohl nicht mehr zeitgemäß.
Aber hey, eine weitere Gelegenheit aufs Smartphone zu starren, neuen Nachrichten und Facebook-Einträgen sofort sklavisch hinterherzuhechten! Das wird die Aufmerksamkeit in der Vorlesung sicher fördern.
Sehr durchdacht die neuen Medien.
Ja, es wird gefragt, ob es Unklarheiten gibt und die Leute trauen sich nicht, sich zu melden, weil sie denken die Frage könnte trivial sein. Oder sie sitzen einfach zu weit hinten oder haben keine Lust darauf zu reagieren.
Mit der App kann man einfach anonym bewerten, ob man das Thema zum aktuelle Zeitpunkt versteht.
Auch wenn eine Abstimmung gemacht wird und die Frage sehr schwierig ist, ist es oft so, dass Leute sich erst gar nicht melden, weil sie denken, es könnte falsch sein.
Am hilfreichsten wird das aber aus der Sicht des Profs sein. Wer schon einmal selbst Unterricht gegen hat, der weiß, wie oft es Situationen gibt, in denen man überlegt: Haben das die Leute nicht gecheckt? War das zu trivial? Konzentrieren sie sich einfach und sind deswegen so ruhig?
Durch die App kann der Prof dann einfach auf seinen Bildschirm gucken und sehen, woran es liegt.
Ich habe auch schon Lehrgänge gehalten.
Am schlimmsten und verunsichersten waren für mich die sichtlich teilnahmslosen Zuhörer, bei denen man dann nicht wusste ob sie längst über diesen Kenntnisstand hinaus sind und sich nur langweilen oder ob sie es längst nicht mehr blicken und sich ausgeklinkt haben.
Da waren mir die direkt Fragenden doch wesentlich lieber!
Aber ob das jetzt auf diesem Wege wirklich effektiv ist ?
Soso... "anonym" soso. Und im realen Leben brauchen die später von der Universität Entlassenen dann auch eine App um sich zu trauen irgendwie doch noch ihre Meinung in die Welt zu setzen?
Prima Idee. Der neue Markt. Und hey: Humanimus ist doch eh voll 19. Jahrhundert.
Aber: Mit Ausbildung einer Persönlichkeit hat das nur noch wenig zu tun (ich weiß: neue Medien und so, wir brauchen Laptops in den Schulen, dann ist Deutschland aus der Pisa-Krise... klar).
dass leute die im selben raum zusammenarbeiten miteinander per internet kommunizieren ist schlicht bizarr
Find ich nicht.
Massenkommunikation ist schwierig. Und ich kann Biber nur zustimmen: bei wenigen Zuhörern kann man als Dozent Körpersprache und Gesichtsausdrücke interpretieren und sich in Stil und Geschwindigkeit dem Publikum anpassen. Schon in einer typischen Schulklasse ist das schwierig, und in einem vollen Hörsaal stell ich es mir fast unmöglich vor.
Und wenn so eine app dabei hilft (ich kenn sie nicht, meine Ausführung oben ist nur die Schlussfolgerung als Teilnehmer auf beiden Seiten), dann ist das doch eine gute Sache, warum denn nicht.
(das ist ein anderes Thema als die verwandte Frage: ist eine typische "Vorlesung" denn überhaupt sinnvoll zur Wissensvermittlung).