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Leben für die Kunst: Der Kunstmaler Ralph Surber

Warum entscheiden sich Menschen dazu, für die Kunst zu leben? Welche Ziele, Ideale und Ängste haben sie dabei? In unserer Reihe "Leben für die Kunst" stellt fudder-Autorin Julia Mungenast Künstler vor und stellt ihnen genau diese Fragen. In der vierten Folge: der Freiburger Maler Ralph Surber.



Das Bild zeigt den Kopf eines jungen Mann mit geschlossenen Augen. Er neigt ihn schräg nach unten. Teilweilse ist sein nackter Oberkörpers zu sehen. Er hat einen muskulösen Hals, ausgeprägte Wangenknochen, ein markantes Kinn mit einem Grübchen. Der Ausschnitt aus einer Parfum-, Mode-, oder Duschgelwerbung ist aus einer Zeitschift herausgeschnitten. Unterlegt ist das Magazinbild mit ornamentalen Mustern, die in dunkelblau, gold, rosé, rot und braun kleine Kreise und feine Linien unter das Bild legen. Wie Schuppen eines Reptils liegen die Zeichen auf seinem Gesicht und Oberkörper des jungen Mannes. 

Ralph Surber, 39, erschafft Bilder, die vom handwerklichen an Ikonenmalerei erinnern. Doch statt sich mit gemalten Gebeten zu beschäftigen, kombiniert er Fotos von jungen Männer, die zum Beispiel aus der GQ und Men's Health stammen, mit ornamentalen Flächen auf Goldgrund. Die Fläche, die Ralph für seine Lasurmalerei in Anspruch nimmt, ist nicht größer als ein iPad; fast jedes seiner Werke hat ein Format von 20 mal 15 Zentimetern. "Natürlich ist ein großes, knallbuntes Bild ein Hingucker, aber die Größe verändert die Qualität nicht. Ich finde etwas Kleines wertvoller."

Eigentlich will Ralph Grafikdesigner werden. Er entscheidet sich aber nach der Schule für eine Laborausbildung. "Ich war immer naturwissenschaftlich interessiert, auch bei meiner Malerei interessieren mich die Prozesse dahinter." Ralph sagt, dass verwendetes Silberblatt mit der Zeit oxidiert, das erzeugt eine Veränderung des Bildes: Es wird vollständig schwarz. Mit Lack kann er verhindern, dass ein Kunstwerk verloren geht, doch Ralph nutzt diese Eigenschaften bis zu einem bestimmten Grad aus. "Ich finde die Veränderungen am Bild eigentlich spannend. Das Bild altert, genau wie der Mensch, das finde ich interessant." 

Als das Labor für Ralph zu Routine wird, bricht er mit 20 Jahren diese Arbeit ab, leistet seinen Zivildienst und verbringt einige Zeit im Ausland. Mit 27 Jahren beginnt er ein Studium der Malerei an der Hochschule für Kunst, Design und Populäre Musik Freiburg (hKDM). Er arbeitet freischaffend vier Tage die Woche in seinem Atelier in Tiengen. Dort herrscht gerade Chaos, denn er renoviert. Er braucht einen Arbeitsplatz, an dem er konzentriert und ruhig arbeiten kann. Momentan ist das nicht der Fall: "Da steht gerade alles voller Matratzen und Farbe", sagt Ralph. 

Wenn Ralph ein neues Bild beginnt, setzt er sich nicht mit einer fertigen Idee des Bildes an seine Staffelei, sondern überlegt sich allein die Größe und die Farbe im Vorfeld. "Wenn ich mir vornehme, dass ein Bild zum Beispiel vor allem grün sein soll, und wenn ich beim Arbeiten feststelle, dass es nicht funktioniert, dann entscheide ich lieber spontan, wie ich weiterarbeite, als dass ich krampfhaft versuche mit der Farbe grün zu malen."



Ralph übernimmt zwar die Ornamente und sammelt sich die Portraits der Männer aus Zeitschriften zusammen, doch er möchte aus etwas, das es schon gibt, etwas Neues machen. Dabei ist ihm der kreative Prozess wichtig und, dass er selbst etwas geschafft hat. "Ich habe mit ornamentalen Arbeiten begonnen und kam mit ihnen irgendwann nicht weiter." Ralph findet daraufhin bei Werbebildern von idealtypisch schönen Männern Inspiration: "Die Portraits eifern einem Ideal nach, einer Idee von Schönheit und Perfektion, wie wir sie in der Werbung heute überall finden." Ralph verändert sie, bis man sie nicht kaum wieder erkennt. Er nennt diese Arbeiten 'Erscheinungen' und 'Lichtbilder', die wie ein Traumbild verschwinden, wenn man versucht danach zu greifen.

An einem Bild arbeitet Ralph zwischen sechs und acht Wochen und lässt es bis zu drei weitere Wochen in seinem Atelier hängen. Er betrachtet es wieder und wieder und es kann vorkommen, dass er sich noch einmal an die Arbeit macht. Erst nach einem halben Jahr ist er bereit seine Werke öffentlich auszustellen und zu verkaufen. Es kann vorkommen, dass er mit zu viel Farbe seine Arbeit von vielen Stunden zerstört. Es lassen sich zwar obere Farbschichten wieder entfernen, aber es geht dabei mehr verloren, als gewünscht. "Wenn mir etwas nicht gelingt, so wie ich es mir vorstelle, bin ich frustriert. Manchmal male ich über einen Punkt hinaus, an dem noch alles gut war; dann überlege ich lange, was falsch gelaufen ist." 



Wenn es sich anbietet, organisiert er sich für seine Kunst Ausstellungen in Galerien und Cafés. Er stellt bei Post Fine Arts in Freiburg, im Kunstverein Kirchzarten und beim Kunst Block in Frankfurt aus. Im Freiburger Café Sedan hängt noch seine Fotografie-Reihe 'Lips'. Ralph weiß, dass er noch aktiver in die Öffentlichkeit treten könnte, doch die Kunstszene hat Regeln, denen er sich nicht anpassen möchte. "Ich bin überzeugt von meinen Arbeiten und schäme mich nicht für meine Frühwerke; sie haben Qualität. Doch ich habe keine große Lust, zu Vernissagen gehen. Meistens geht es da nicht so sehr um die Kunst als vielmehr darum, zu sehen und gesehen zu werden." 

Aber nur Malen kann Ralph nicht. Drei Tage in der Woche jobbt er deshalb fernab des ruhigen Ateliers in einem Gastrobetrieb. Dort geht es laut, hektisch und gesellig zu. "Ich brauche diese Abwechslung und den Austausch mit anderen Menschen. Es ist ein Ausgleich, denn wenn ich zu lang allein bin, dann fehlt mir etwas." Der Nebenjob hat gleichzeitig eine positive finanzielle Wirkung: Das Geld ist knapp und Ralph kann nicht von seiner Malerei leben. Er bedauert nicht, dass er weder ein Auto besitzt, noch viel in Urlaub fahren kann. "Ich möchte etwas Geheimnisvolles ins Leben bringen, ein Kleinod schaffen und einen Wert transportieren. Das meine ich nicht finanziell, sondern ideell. Die Malerei ist eine Bereicherung des eigenen Lebens." 







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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 2
+om
Freitag, 30.11.12 12:06
 

schick!

Montag, 03.12.12 14:17
 

Sehr schön gemacht Frau Mungenast!

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