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SC-Fans im Exil: Süße Mädels, bitteres Bier

Sie fiebern hunderte Kilometer entfernt von ihrer Mannschaft für den SC– und lassen so manche Demütigung über sich ergehen. Die Hamburger „Alsterfüchse“ sind ein Fanclub, ohne den man sich im Exil Spiele wie das gestrige nicht ansehen kann. Hier gilt: Geteiltes Leid ist halbes Leid. fudder war zu Besuch bei den Fans in der Hansestadt.



Tannenzäpfle gibt’s hier nicht, nur herbes Jever. Mittwochabend in der „Schramme“ in Hamburg-Eppendorf, 764 km entfernt vom Mage-Solar-Stadion. Männer überall, Bundesligatag ist Stammtischtag. Während die meisten an den massiven Kneipentischen das Hausgericht „Schnitzel mit zwei Spiegeleiern“ essen, starren kaum ein halbes Dutzend Männer in rot-schwarz so gebannt auf die Leinwand, als säßen sie im Kino. Alsterfüchse nennen sie sich. Ihr Wohnort: Hamburg. Ihre Heimat: der Breisgau.

Die Freiburgfans im Exil sind stolz auf ihren Club, vor allem an diesem Abend: Der sagenhafte Triumph gegen Stuttgart vom vergangenen Wochenende ist noch frisch, zahlreiche Artikel über Trainer Streich bevölkerten an diesem Tag die nationalen Internetportale. Tagesspiegel, SPON und BZ-Online, alle lieben Streich. Die Fußballpresse schaut gern nach Freiburg, denn hier ist Fußball ehrlich, gut und bodenständig.

Die Enttäuschung kommt schon vor dem Spiel: Kristian Zwerger, Gründungsmitglied und Anführer des Hamburger SC-Fanclubs, hat es nicht geschafft, den Wirt davon zu überzeugen, nur das Spiel Bayern-Freiburg zu zeigen. Stattdessen: Konferenzschaltung. Marcell Brunn aus Emmendingen ist unzufrieden, er muss in der Halbzeit weg, Nachtschicht im Krankenhaus. Aber er bleibt, schaut wenigstens die paar Minuten, in denen Thomas Müller einen Handelfmeter verwandelt und Fallou Diagne mit einer roten Karte zurück in die Kabine geschickt wird.



„Bayernfans gibt’s wie Sand am Meer“

Marcell (Bild unten links) ist einer von 15 SC-Freiburg-Fans, die sich in der Hansestadt regelmäßig zum gemeinsamen Fußballgucken treffen, zusammen zu Auswärtsspielen fahren und beim Hamburger Fan-Cup selbst den Ball über den Platz kicken. Dann spielen sie gegen die Exil-Fans von Dynamo Dresden, dem Stuttgarter VfB oder dem Karlsruher SC (ja, das gibt es auch).

In erster Linie aber geht es darum, an Spielen wie diesen zusammenzuhalten. „In Hamburg sind alle für den HSV oder St. Pauli, Bayernfans gibt’s wie Sand am Meer“, sagt Marcell. „Allein zu gucken ist schwierig, gerade weil man doch als Freiburger in der Bundesliga häufiger leiden muss.“ Auf der Suche nach mentaler Unterstützung hat der 27-Jährige im Internet die Alsterfüchse gefunden.



Bierchen mit Finke im Mannschaftshotel

Weil es Clubchef Kristian Zwerger (Bild oben rechts) 1996 beruflich aus Bad Säckingen in den Norden verschlug, musste er seine Dauerkarte für’s – damals noch – Dreisamstadion abgeben. „Ich dachte, das war’s mit dem Fansein“, sagt der 43-Jährige. Doch bei einem Spiel im Norden traf er auf einen alten Bekannten und gründete mit ihm und weiteren fünf Mitgliedern den Fanverein.

Fünf Euro Mitgliedsbeitrag im Jahr kostet die offizielle SC-Liebe. Zwerger erinnert sich voller Stolz: „Zu Volker-Finke-Zeiten wurden wir Alsterfüchse bei Auswärtsspielen in Hamburg auch mal zum Bierchen im Mannschaftshotel eingeladen.“ Kristian Zwerger ist ein Mann, der trotz der 17 Jahre Hamburg seine Heimat nicht vergisst. Er kauft Kaiserstühler Grauburgunder beim badischen Weinhändler in der Hansestadt, liest die Bad Säckiger BZ-Ausgabe auf dem iPad. Sein Alsterfüchse-Fanschal wärmt nicht nur seinen Hals, sondern auch sein Herz für den Breisgau.




Schaltung nach Freiburg. Mit jedem Ballbesitz der Bayern wird die Stimmung unerträglicher, das Feixen der anderen Kneipengäste fieser. Ein wohl frisierter Schnitzelesser mit hochgestelltem Polohemdkragen und norddeutschem Zungenschlag grölt: „Was wollen eigentlich die ganzen Freiburgfans hier, ist hier irgendwo ein Nest?“ Johlendes Gelächter.

Dann passiert etwas Wunderbares: Zwei Mädchen, beide bildschön, fragen in der Halbzeit, ob sie sich zu den Alsterfüchsen setzen dürfen. Meret (Bild rechts) und Olivia kommen aus Freiburg, sind begeisterte SC-Fans und haben von dem Hamburger Fanclub gehört. „Wir dachten, wir schauen mal vorbei, wenn wir schon nicht ins Stadion können“, sagt Olivia und lächelt.  Dem Polohemd bleibt das Spiegelei im Halse stecken, er sagt nichts mehr.

Vor den Freiburgern sitzen süße Mädels, vor ihm steht nur bitteres Bier.




SC-Fantum im Exil: 7 Freunde sollt ihr sein

Du wohnst in einer neuen Stadt und vermisst den SC? Hier findest Du Ansprechpartner:


Noch mehr Fanclubs gibt's auf der Website der SC-Fangemeinschaft. Du kannst natürlich auch selbst einen eigenen SC-Fanclub gründen: um ein offiziell eingetragener SC-Fanclub zu sein, musst Du einfach sieben Leute zusammentrommeln.









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» vdp1100

re: Suche Schaufensterpuppe
...oder mal bei Breuninge...

» ShinjiIkari

re: Suche Schaufensterpuppe
Ok das hat natürlich was....

» grundel

re: Aus Easy Sports wurden Sportpark City Club´s
Hallo Jan, danke für ...

» Tatoocheck

re: Suche Schaufensterpuppe
Oft zu teuer, kann nicht ...

» ShinjiIkari

re: Suche Schaufensterpuppe
Mal bei E-bay gucken ?

» Alvarez

Geige mit Bogen und Kasten gestohlen - Finderlohn!
Hallo zusammen, am ver...

» Tatoocheck

Suche Schaufensterpuppe
Ich suche eine Schaufenst...

» Tatoocheck

re: Mahnwache für Frieden in Freiburg und Offenburg
Ich habe auch Angst vor K...

» mza

re: Mahnwache für Frieden in Freiburg und Offenburg
ohh die antifa macht auch...