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Nick Waterhouse und Allah-Las in der Kaserne: Feuerwerk zum Abschluss

Das kalifornischen Label Innovative Leisure hat in diesem Jahr alles richtig gemacht. Erst die Hanni El Khatib-Platten, auf der der Solokünstler den kompletten Bluespunk in den Schrank räumt, dann der spannendste R&B-Act der letzten Jahre, Nick Waterhouse und um dem ganzen die Krone aufzusetzen, haben sie vor kurzem die Platte der mellow-psychedelic Garage-Band Allah-Las veröffentlicht. Am Mitwochabend waren zwei dieser drei großartigen Acts in Basel. Wie's bei Allah-Las und Nick Waterhouse in der Kaserne war:


Während die Konzerte der Tour in Deutschland bereits Wochen zuvor restlos ausverkauft waren, füllt sich die Kaserne nur zögerlich. An den Plattenspielern im Barraum steht das Basler DJ-Team The Muddy River Ya Yas und Lil Miss Pearl aus Zürich. Sie servieren Soul, R&B und Popcorn und zwingen bereits die ersten Gäste zum Tanzen. Das Publikum ist extrem heterogen, von 18 bis Mitsechziger ist alles vertreten.

Mit Schweizer Pünktlichkeit geht es los. Die Allah-Lahs erscheinen in Strick und Cord in warmen Erdtönen gekleidet mit lässigen dylanesken Kunststudenten-Frisuren. Ihr gesamtes Auftreten ist mit dieser coolen, unaufgesetzten kalifornischen Lässigkeit durchzogen, eine Melange aus Surf, Sonne, Americana. Ihr Midtempo-Psychedelic-Westcoast-Rock hat genau den Flow, der einem das stete Bild ins Gehirn projeziert, man sässe Pilze zerkauend in plüschigen Kissen, rauche vor überfüllten Aschenbechern lümmelnd seltsame Kräuterm die das Bewusstsein ins Unendliche erweitern in einer anderen Wirklichkeit - vorzugswiese Sonnenuntergang, Golden State of Milk and Honey, Pazific, Big Sur.

Man spürt die sanfte Wärme der Sonne, die unendliche Freiheit, den lauen staubigen Wind, das Rauschen des Ozeanes. Dazu kommt was von Tom Petty in den besten Jahren, dem jungen Bob Dylan und irgendwie auch den Doors. Unaufgeregte Gelassenheit, ein mäanderndes Songwriting das einen einlullt in Wahnsinn!

Von den Melodien und dem Rasseln des Tamourines kommt man nicht mehr los, man will nicht mehr los kommen, die Realität verschwimmt und die Zeitrechnung verschwindet und es sind doch nur 50 Minuten in der peinlich sauber-ordentlichen Kantine in Basel und draussen regnet es bei fünf Grad.

Nick Waterhouse
wird von seinem Saxophonisten und Keyborder stilecht angekündigt: Da ist er. Ein kleines weisshäutiges bebrilltes Würstchen, wohlfrisiert mit Seitenscheitel macht er eher den Eindruck, er sei ein schüchterner Student zur Betriebswirschaftslehre im ersten Semeter. Das ist also des neue Wunderkind des Rhythm and Blues?

Der heute 25-Jährige hat bereits vor ein paar Jahren eine Single veröffentlicht, die es bei Ebay gerne mal auf 150 bis 300 Dollar bringt. Er wird im GQ-Magazin als Stilikone gefeiert, und seine aktuelle LP "Time's all Gone" lässt das musikalische Talent und Potential des Jungspundes mehr als nur erahnen.

Bass, Drums, zwei Background-Sängerinnen, zwei Saxophonisten - von denen einer ab und zu an Piano beziehungsweise Orgel wechselt - Nick Waterhouse spielt die einzige Gitarre, dazu seine Stimme. Die Band transportiert Rhythm and Blues der 50er Jahre, frühen Soul und 60ies Popcorn ins Jahr 2012 - frisch und absolut reduziert auf das Wesenliche. Die ersten zwanzig Minuten der Show sind solide Arbeit, Perfektion.

Ich wünsche mir trotzdem irgendjemand würde der Kapelle endlich den ellenlangen Stock aus dem Hintern ziehen und sie allesamt ordentlich versohlen. Noch fehlt das Feuer, die Hitze, die von der eigenen Musik Getriebenheit. Die bestechende Dramaturgie innerhalb der einzelnen Songs kommt in der Show noch nicht ganz an. Während das Publikum schön längst das Parkett betanzt, überträgt sich die Energie nur langsam auf die Band. Wohlgemerkt, ich jammere auf hohem Niveau und der Durchbruch kommt gewaltig.

Kaum ist das Eis gebrochen gibt es kein Halten mehr, die Reduziertheit der Musik setzt unbändige Kraft frei, die Saxophone beschränken sich auf Flächen oder pumpenden Druck, Nick Waterhouses Gitarre jault nur hier und da während der Drummer mal knochentrocken, mal dunkeldonnernd Beats liefert. Break, Fläche, Schub, Shouts, Gesang, Break, die Spannungskurven der Stücke sind abenteuerlich bis zum Zerreissen, bis zur Erlösung des tosenden Ausbruchs, auf die Zwölf.

Zur Zugabe kommen die Allah-Lahs mit auf die Bühne und alles zusammen geben den Bobby Womack Klassiker "It's All Over Now" zum Besten. Ein Feuerwerk zum Abschluss!

Den The Muddy River Ya Yas und Lil Miss Pearl gelingt es im Barraum das Publikum zum Bleiben zu bewegen, der Dancefloor verlagert sich von vor der Bühne kurzerhand vor die Plattenspieler. Eine schöne Aftershowparty mit dem tanzenden Nick Waterhouse irgendwo zwischen seinen Fans. Ein gelungener Abend, einiges Minus: der Merch war komplett ausverkauft...

Wer sich am Donnerstagabend langweilt: ein weiteres Highlight in der Kaserne, Mulatu Astatke. Daumen hoch fürs Booking!




 
Foto-Galerie: Alex Ochs

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