
Das Klischee: Musikwissenschaftler interessieren sich nur für 'ernste Musik' wie Bach, Beethoven und Brahms und nicht für 'Unterhaltungsmusik' wie die
Beatles, Bon Jovi und Burial. Dass hier gerade ein Umdenken stattfindet, zeigt die internationale Tagung “Geschichte wird gemacht: Zur Historiographie populärer Musik” an der Uni Basel.
“Wir befinden uns in einer Übergangsphase”, sagt Simon Obert, Organisator der Tagung und Wissenschaftlicher Assistent am Musikwissenschaftlichen Seminar der Uni Basel. “Jüngere Historische Musikwissenschaftler haben sehr viel weniger Berührungsangst mit populärer Musik.” Obert selbst ist dafür das beste Beispiel: Er hat über kurze Musik von Ives, Satie, Schönberg, Strawinsky und Webern promoviert und arbeitet zur Zeit an einer
Habilitationsschrift zu den Rolling Stones. “Ich untersuche dort einen Song anhand der Methoden der Historischen Musikwissenschaft - also im Prinzip so, wie man eine Beethoven-Sonate behandeln würde.” Damit will er beiden Seiten zeigen, dass das geht: den Historischen Musikwissenschaftlern wie den Popularmusikforschenden. “Ich arbeite auf einen Dialog zwischen den Disziplinen hin.”
Das sieht man dem
Tagungsprogramm an. Ein Best-of der Vortragstitel: “Ästhetik und Musikökonomie in der ‘Dot-Com- Gesellschaft’”, “Potential und Analyse fangenerierter ‘Geschichtsschreibung’ (zum Thema
Black Metal) auf YouTube und Amazon” und “‘Anhaltendes Geheul’, ’organisierter Massenwahn’, ’Vernebelung jugendlicher Konsumentenhirne’ – Die bundesdeutsche Presse und die Beatles 1964-1967”.
Peter Wicke, der bekannteste deutsche Popmusikforscher musste wegen Krankheit absagen. Wissenschaftsprominenz ist trotzdem da: zum Beispiel Martin Pfleiderer, einer der wenigen, die eine
Uni-Professur für Popmusikforschung bekleiden - davon gibt’s im deutschsprachigen Raum nur vier. Und Derek Scott, einer der bekanntesten Popmusikforscher Großbritanniens.

Was: Internationale Tagung “Geschichte wird gemacht: Zur Historiographie populärer Musik”
Wann: Freitag, 23. bis Sonntag, 25. November 2012 (
Programm)
Wo: Musikwissenschaftliches Seminar der Uni Basel, Petersgraben 29, Basel (
Google Maps)
Eintritt: frei
[Bild: Promo]