zur Startseite
Passwort vergessen?
 

 

Prädikat: Tight! Seeed in der Rothausarena

Elf Mann, ein neues Album und viele alte Hits: Am Sonntagabend sind Seeed in der Rothausarena aufgetreten. Wie's war:

Tight. Dieses Wort wird unter Musikern gerne benutzt, um zu erklären, dass jemand sein Instrument beherrscht und es auch noch in Einklang bringt mit anderen Könnern eines musikalischen Fachs und dessen Fachgriffe. Tight, das steht im Englischen für eng oder fest. Einfacher: wenn etwas sitzt.

Bei Seeed aus Berlin, der bekannten Reggae- und Dancehallband, die mit elf Mitgliedern auch als Mannschaft bezeichnet werden kann, sitzt auf der Bühne im Grunde alles: Musik, Tanzschritte - und sogar die Anzüge. So, in klassisch schlichter Garderobe mit schwarzen Sakkos und Krawatten über weißen Hemden standen sie am Samstag auf der Bühne der ausverkauften Rothaus Arena und spielten sich durch ihre mehr als zehnjährige Bandgeschichte. 6500 Besucher waren gekommen, das Konzert bereits seit Monaten ausverkauft. Dreadlocks oder kreisrunde Glatze, im Publikum fanden sich die verschiedensten Altersklassen und Typen.

Dabei hatte man seit gut sechs Jahren nichts mehr von der Gruppe als solche gehört, nachdem sie sich von 2001 an im Zweijahresrhythmus mit ihren Alben und vor allem ihren Live-Shows einen immer größeren Namen machten, 2006 spielten sie etwa bei der Eröffnung der Fußball-Weltmeisterschaft. Den größten Namen innerhalb des Kollektivs hat Pierre Baigorry, besser bekannt als Peter Fox. Unter diesem Pseudonym veröffentlichte er während der Bandpause vor drei Jahren mit „Stadtaffe“ ein sensationell erfolgreiches Album. Es sei sein erstes und letztes Soloalbum gewesen, der Rummel um seine Person ihm zu viel, erklärte er danach. Im Bandkosmos fühle er sich wohler. Kürzlich ist das vierte Album der Band erschienen, die neben Baigorry zwei weitere Frontmänner am Mikrofon hat, mit denen er sich zwischen deutschen, englischen und Texten auf jamaikanischem Patois abwechselt: Frank A. Dellé und Demba Nabé, beide veröffentlichten in der Bandpause ebenfalls Soloalben.

Das Trio betrat nach einem langen Intro der Band, in das nach Gitarrenzupfen immer mehr Instrumente einstiegen und es zu einem Hip Hop Beat (A Milli von Lil Wayne) wandelten, als letztes das Geschehen und stimmte mit „Dancehall Caballeros“ direkt den ersten Hit aus dem eigenen Katalog an: „Wir sind Seeed / Und das ist unser Gebiet“, hieß es im Refrain. Gemeint war damit die Bühne. Vierköpfige Bläsersektion, Gitarrist, Bassist, Drummer, Percussionist, Keyboarder und DJ, auf einem zweistufigen Holzverschlag, auch die Boxen auf der Bühne waren in diese Optik gekleidet, stärkten die Instrumentalisten nicht nur musikalisch die Rücken von Enuff, Eased und Ear, wie Baigorry, Dellé und Nabé im Seeed-Kontext genannt werden. Mit „Schwinger“ und „Waterpumpee“ ging es weiter, zwei weitere Hits, in denen es um die Seeed-typischen Themengebiete geht: Tanzen, am besten mit einer schönen Frau.

„Molotov“ markierte dann das erste von insgesamt acht live präsentierten Stücken vom aktuellen vierten, schlicht mit dem Bandnamen betitelten Album, das im September auf Platz eins in die Charts eingestiegen war. Untermalt von einer großen Lichtshow baute die Band immer wieder einen Spannungsbogen in die einzelnen Songs sowie in die ganze Show. Das Trio an den Mikrofonen hatte in jeden Song eine kleine Tanzroutine eingebaut, vor allem in den Instrumentalpassagen bewegten sich die drei Frontmänner synchron, meist mit großen ausladenden Schritten und doch auf der Stelle stehen bleibend.

Der erste große Block, die Songs wurden ohne große Unterbrechungen benahe nahtlos aneinandergereiht, endete mit dem Seeed’schen Urhit „Dickes B“, einer von Trompeten dominierten Hymne  auf die Heimstatstadt Berlin. „Dickes B / Home an der Spree / Im Sommer tust du gut und im Winter tut’s weh“, heißt es dort. Die Berliner Kälteproblematik im Gegensatz zum warmen Breisgauer Gefilde war dann auch Inhalt einer kurzen Publikumsansprache von Bandleader Baigorry, dessen Song „Alles Neu“ zuerst in einer seichten Reggae- und danach in der treibenden Originalversion gespielt wurde. Weitere Peter Fox-Songs wie „Schwarz zu Blau“ oder „Schüttel deinen Speck“ waren ebenso im Programm.

Das Publikum in der Rothaus-Arena johlte und applaudierte nach jedem Song begeistert. „Ding“, der größte Seeed-Hit wurde zum Abschluss als letzte richtige Nummer in eine Marathon-Version verpackt, die darin gipfelte, dass die Bläsersektion unten am Bühnenrand stand und Baigorry das Publikum per Auforderung, ihm nachzuschreien, schier auf die Bühne zog. Wie einige seiner Kollegen hatte er das schwarze Jackett da bereits ausgezogen. Insgesamt zwei Stunden, inklusive einer langen und einer zusätzlichen überraschenden kurzen Zugabe, als viele Besucher schon aus der Halle und hernach wieder in sie zurück strömten, dauerte die Show. Ein Konzert, in dem so gut wie alles saß. Die Menschen auf der Sitzplatztribüne jedoch schon zu Beginn des Konzertes nicht mehr. Tight.







Foto-Galerie: Janos Ruf

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.




Artikel als E-Mail verschicken Artikel auf Facebook weiterempfehlen Artikel twittern Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen Diesen Artikel bei del.icio.us bookmarken
 



Kommentare
Anzahl der Kommentare: 6
Montag, 19.11.12 19:41
 

es war soooooooooo geil:)
Wisst ihr von fudder zufällig wie die Vorband hieß?

Montag, 19.11.12 20:21
 

Waren das denn jetzt 11 oder 13? Ich hab 13 gezählt.

Montag, 19.11.12 21:18
 

Die Vorband war "Theophilus London".

Dienstag, 20.11.12 08:45
 

Fuck, der London war in Freiburg?Seeed kann man ja durchaus auch ankucken......ahhh!

Dienstag, 20.11.12 14:18
 

Waren 13, seit dem neuen Album sind 2 neue Bläser dabei, also davon 4, 3 Sänger, 2 "Drummer"+ einer mit special Effects, 1 DJ, je 1*Gitarre&Bass.

Heißt es "Home an der Spree" oder doch "oben an der Spree"?

Dienstag, 20.11.12 23:11
 

Jau, spaß hats gemacht... War übrigens erst das dritte Konzert der Tournee.

Um einen Kommentar zu verfassen, benötigst du ein fudder-Profil. Registriere dich kostenlos oben rechts auf fudder.






Diese Funktion steht nur für eingeloggte fudder-User zur Verfügung.

» fudder-Netiquette





» christianhauck

re: 15 Euro für Teilnahme an Studie
Als Naturwissenschaftler ...

» Pippa1980

re: Wohnungsmarkt Freiburg
Single, keine Familie. Pr...

» ShinjiIkari

re: Wohnungsmarkt Freiburg
Also mein Tip, Hände weg ...

» Franzel-Peter

re: Wohnungsmarkt Freiburg
Was willst du denn wissen...

» Pippa1980

re: Wohnungsmarkt Freiburg
Danke :-)

» Tatoocheck

re: 15 Euro für Teilnahme an Studie
Als Nicht-Student fühle i...

» Tatoocheck

re: Wohnungsmarkt Freiburg
Wir sind härter als Berli...

» Pippa1980

Wohnungsmarkt Freiburg
Hallo Zusammen, ich ha...

» B.Breyer

15 Euro für Teilnahme an Studie
STUDIENTEILNEHMER GESUCHT...

» PC_Ente

re: Mahnwache für Frieden in Freiburg und Offenburg
Auch gestern haben wir di...