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Barcamp Freiburg: Un-Konferenz mit Ausprobiercharakter

Am Wochenende fand – organisiert von der Dialogwerkstatt der Uni – das erste Barcamp in Freiburg statt. Ziel der Spontankonferenz: Nachdenken über eine Social-Media-Strategie für die Uni. Das Barcamp war ein Erfolg – vor allem in der Kategorie „muss man mal gemacht haben“.



Kekse und Apfelschorle vom Discounter. Sehr gemütlich und sehr Barcamp. – „FRIAS Lounge“ im Elfenbeinlook. Sehr kalt und zahnarztpraxisch.

Spontaner Antrag, nach jedem Workshop eine Auswertung im Plenum vorzunehmen, geht im Desinteresse des Plenums unter. Sehr Un-Konferenz. Dankesworte zur Begrüßung, Scheckübergabe von Sponsoren und Preisverleihung an absente Sieger eines obskuren Videowettbewerbs. Sehr Uni.

Freiburgs erstes Barcamp ist so ein bisschen dazwischen: Zwischen der Idee einer ad hoc organisierten Un-Konferenz, wo Kreativität aus Chaos wächst, und der guten alten Uni – genauer: der Dialogwerkstatt –, die ein bisschen zwanghaft doch irgendwie Rahmen geben möchte und sich Ergebnisse wünscht.

Aber das BarCamp wirkt. Die Methode verändert die Teilnehmer. Halten die ersten Referenten noch Vorträge mit vorbereiteten Powerpoints, bis sie von Fragen unterbrochen werden und sich die Diskussion verselbständigt, machen mehr und mehr Referenten es gleich richtig: Sie stellen Fragen, die sie sich selbst noch nicht beantwortet haben und moderieren bestenfalls sanft dazwischen.

Privatsphäre im sozialen Netzwerk?

Wie Claudia Gayer von der Servicestelle E-Learning. Ihr Thema: „Was ist privat, was beruflich? oder: Bedeutet Social Media das Ende der Sphärentrennung?“ Sie ist selbst nicht fertig entschieden. Wie bringt sie ihren Wunsch nach Privatsphäre und Anonymität unter einen Hut mit dem Anspruch, durch den Twitterkanal, den sie für ihren Arbeitgeber betreut, auch als Mensch und lebendiger Ansprechpartner durchzuscheinen? Die Debatte ist lebhaft und findet auf zahlreichen Ebenen statt. Die einen geben Tipps, wie man auf Facebook Nachrichten für Personenkreise unsichtbar machen kann. Die anderen wiegen Abgrenzung und Freizeitgygiene gegen 24/7-Kommentarmoderation und ein menschliches Auftreten im Twitterkanal ab.

Von den über 50 angemeldeten Teilnehmern stammt ungefähr die Hälfte aus Uni-Einrichtungen und die andere Hälfte von außerhalb. So wie Birgit Janetzky. Die Theologin stellt kurz ihre Dienstleistung vor, die Hinterbliebene bei der Auswertung des „digitalen Nachlasses“ von Verstorbenen unterstützt – zum Beispiel Benutzerzugänge zu sozialen Netzwerken und anderen Online-Diensten sichert. Ihr Workshopthema bietet eigentlich an, über Trauer und Gedenken im Internet zu diskutieren. Für die Teilnehmer der Session drängen aber doch persönliche Fragen in den Vordergrund: Wem überantworte ich eigentlich meine ganzen Passwörter? Wer löscht mein Facebook-Profil, wenn ich sterbe?



So ist eben BarCamp: Kaum Rahmen, kaum vorgegebene Struktur. Eher selten endgültige Lösungen und greifbare Ergebnisse, aber regelmäßig spannende Diskussionen und natürliche Gespräche. Das gilt für die Binnenstruktur innerhalb der Sessions genau wie für die übergreifende Organisation der ganzen Un-Konferenz. „Wir haben bewusst erst kurz vorher eingeladen, um es spontaner zu machen“, sagt Reiner Fuest, der als Leiter der Stabsstelle Marketing und Wissensmanagement das Barcamp auf die Beine gestellt hat. Sechs Wochen vorher wurde erstmals eingeladen. Die Organisation sei auch viel einfacher als bei öffentlichen Veranstaltungen sonst gewesen: Die Räumlichkeiten im FRIAS reservieren, das Ereignis bekannt machen. Um Übernachtungen mussten sich die Teilnehmer gegebenenfalls selber kümmern. Kürbissuppe und Kaffee gab es nur unter der Bedingung, dass Sponsoren sie stellten.

Deswegen findet Reiner Fuest auch nicht schlimm, dass es zur Eröffnung erst mal eine Runde Danksagungen an die Sponsoren gab. „Ohne Kaffee und Kekse zwischendurch wär’s nicht so schön gewesen.“ Spenden seien auch von Leuten gekommen, die inhaltlich am Barcamp gar nicht teilnehmen wollten. „Das zeigt mir, dass sie die Idee an sich gut finden“, sagt Fuest. Und aufgegangen sei die Idee auch, findet eher. „Es war ein Erfolg für unsere Interessen, aber viele Teilnehmer haben sich auch direkt bedankt. Das Barcamp ist eine sehr gute Methode, die ich gern wieder einsetzen möchte, wenn sich das nächste Mal ein Thema dafür anbietet.“

Während das Barcamp noch lief, habe er schon sehr viel dazu gelernt. Zum Beispiel gegen den von „normalen“ Konferenzen gewohnten Impuls, alles durchzumanagen. „Anfangs war ich noch unruhig: Was passiert als nächstes? Muss ich eingreifen? Erwarten die Teilnehmer, dass ich jetzt Kaffee organisiere oder holen sie sich den selber?“ Antwort: Sie holen ihn sich selber. Die „FRIAS Lounge“ mag meilenweit entfernt sein vom kuscheligen Hackerloft mit Sperrmüllsofas – aber Kaffee und Discounterkekse machen sie doch irgendwie Barcamp.





  [Fotos: Uni Freiburg - Stabsstelle Marketing + Wissensmanagement]




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 1
Mittwoch, 31.10.12 15:05
 

ist barcamp auch ein brutcamp?

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