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Die Orsons im Jazzhaus: Wie im Freizeitpark

Rap-Konzert ist nicht gleich Rap-Konzert. Das bewiesen gestern Abend im Jazzhaus Die Orsons, die dort zum Start ihrer „Das Chaos und die Orsons Tour“ eine unterhaltsame Show zeigten. fudder-Autor Daniel Weber war vor Ort:



Ganz am Ende ging es wieder zum Anfang zurück. Die Orsons verabschiedeten sich von ihrem Publikum mit einem Schnelldurchlauf aller gespielten Titel. Jeweils wenige Sekunden lang rauschte dann ein Refrain oder eine Songzeile über die Bühne. Im abschließenden Gangnam-Style-Tanz, interpretiert von Plan B, kulminierte dieses besondere Rapkonzert einer besonderen Rap-Kombo.

Vier komplett unterschiedliche Charaktere finden sich in dieser Band. Da wäre zum einen Maeckes, ein nachdenklicher Poet mit Hang zum Dadaismus, der die Klampfe zupfen kann und einmal ein komplettes Album aus der Sicht von erschöpften Kindern in der Midlife-Crisis gemacht hat. Dann gibt es Tua, den tendenziell schlecht gelaunten Charakterkopf, der sich als Solokünstler immer mehr weg vom Rap hin zur düsteren elektronischen Musik bewegt und als Produktions-Genie gilt.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Gefühlsspektrums befindet sich Kaas, der meditierende Paradiesvogel und Fan von Eurodance trägt als Kopfschmuck einen Kindergürtel mit angesteckter Indianerfeder und predigt die Liebe. Dazu kommt mit Plan B ein sympathisch liebenswerter Rap-Kabarettist, immer auf der Suche nach dem nächsten Wort Witz. Allesamt sind sie herausragende Rapper und zudem auch intelligente Texter, die es verstehen, mit dem Stilmittel der Ironie das Große im Kleinen zu karikieren.

Ein Konzert der Orsons ist vergleichbar mit einem Besuch im Freizeitpark. Überall gibt es etwas Neues zu entdecken. Vor allem für die Ohren, aber auch für die Augen. Im Quartett präsentieren die Orsons ihre Stücke im Verbund mit DJ, Drummer und Backgroundsängerinnen und immer wieder eingebrachten kleinen einstudierten Choreografien oder ganzen Brüchen im Stück.

In einem Rap-Part duckt sich Kaas auf einmal, und Maeckes taucht zeitgleich hinter dem DJ-Pult auf und spricht einen kurzen Werbeblock für das eigene Merchandise, ein anderes Mal verbreitet Kaas rappend die Botschaft der Liebe, während ihm die Kollegen hinter seinem Rücken mit ausgestreckten Mittelfingern folgen.

An einer anderen Stelle der Show performt Plan B zusammen mit einer der beiden Backgroundsängerinnen Wort für Wort und Move für Move die Tanzszene aus Pulp Fiction zwischen Mia Wallace und Vincent Vega, um anschließend in den Gangnam Style überzugehen. Jedes Mitglied bekommt seinen Slot, um Solostücke zu präsentieren. Auch das im fudder-Interview thematisierte dadaistische Outro des Songs „Zambo Kristall Merkaba“ zieht Kaas komplett durch.

Im Song „Horst und Monika“ stellt Tua den Weltrekord im Rollen des R auf: „Er hieß Horrrrrrrrrst.“ Am Ende zeigt Plan B seine erfundene Zeitmaschine, die zwei Sekunden in der Zeit zurück reisen lässt ... bis Tua sie ihm aus der Hand reißt und mit „Vodka Apfel Z“ den Abriss-Track des Konzertes einläutet, der in wildes Dubstep-Gewitter umschlägt.

Das Publikum im gut gefüllten Jazzhaus ist euphorisch und textsicher. In der ersten Reihe am Bühnenrand sitzt inmitten der tobenden Menge Rollstuhlfahrer Phil. Nach dem Konzert postet er auf seiner Facebook-Seite: „Inklusion ist für mich, auf dem Orsons Konzert in der ersten Reihe zu sein und vor lauter Gedränge und Geschubse auch mal fast aus dem Rollstuhl zu fallen.“ Weiter hinten steht Matthias, der die beste Sicht auf die Bühne hat - er ist 2,20 Meter groß. Nach dem Konzert stehen die vier Orsons dann verteilt im Gewölbekeller herum, geben Autogramme und machen Fotos mit den Fans.

An diesem Abend ist jeder auf seine Kosten gekommen. Als direkt nach dem Konzert langsam die Lichter angingen, puckerte das ruhigste Stück des neuen Orsons-Albums aus den Boxen. „Wir waren da“. In Freiburg haben sie Eindruck hinterlassen.







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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 1
Samstag, 27.10.12 11:51
 

drei dinge zum konzi:
1. man wird älter
2. hip hop ist nich mehr baggypants und hoody und rucksackrapper und karl-kani-prollo. die kids sind jetzt halt hipster aber sie feiern den scheiß.
3. mein bruder sagt maeckes hat den besten style, doch ich sage euch: tua !! ist die rap-bombe !!

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» Overlord

re: Demo für bessere Medien
Sehr interessanter Artike...

» christianhauck

re: Demo für bessere Medien
#gut/boese - hab ich gesc...

» Wolke

re: Demo für bessere Medien
"Aber von Demokratie...

» jabajabadu

re: Aus Easy Sports wurden Sportpark City Club´s
So langsam müßten die ja ...

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re: Demo für bessere Medien
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» christianhauck

re: Demo für bessere Medien
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