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Interview mit Kaas von den Orsons: "Ich wollte einen Wald pflanzen, in den auch mal ein Hirsch kackt"

Das Chaos und die Ordnung - auf diesen Titel hört das neue Album des Rap-Quartetts 'Die Orsons'. Am Donnerstag starten sie im Jazzhaus ihre Tournee und versprechen ordentlich Chaos auf der Bühne. Daniel hat sich davor mit dem Orson Kaas unterhalten - unter anderem über Feindschaften innerhalb der Kombo.

Die Orsons Interview

fudder: Was packst du zum Tourstart in deine Tasche?


Kaas (auf dem Foto ganz rechts): Ich habe 16 Bücher dabei, die ich versuche zu lesen. Am Ende les ich aus jedem Buch wieder circa 20 Seiten. Ansonsten haben wir zur Unterhaltung Filme dabei. Und ich denke mal, wir werden 'NBA Live 2k13' zocken. Als die Dallas Mavericks mit Dirk Nowitzki vor kurzem in Berlin gespielt haben, saßen wir direkt am Court in der ersten Reihe. Das war geil.

Welcher Orson packt die größte Tasche?


Mein erster Gedanke geht direkt zu Plan B, der Diva der Band. Er muss alle Hot Pants und Pumps auf Tour dabei haben, um sich dann doch jeden Tag für das gleiche Hemd zu entscheiden. Tua hat auch eine große Tasche. Da sind dann nur graue und schwarze Sachen drin.

Euer Album-Artwork ziert unter anderem ein Zauberwürfel. Hast du schon einmal einen gelöst?


Nee. Ich habe mir das mal zeigen lassen, wie das mit diesen Algoritmen funktioniert. Ich habe gar nix kapiert. Aber ich habe mir vorgenommen, mal einen zu lösen. Wie schon viele andere Dinge in meinem Leben, die ich dann doch nicht durchgezogen habe.

Die Produktion soll sehr anstrengend gewesen. Passt da der Vergleich mit dem Zauberwürfel?


Die Albumproduktion war für Orsons-Verhältnisse wirklich, wirklich anstrengend. Wenn man das mit den ersten beiden Alben vergleicht, die jeweils aus einer Laune heraus in kurzer Zeit entstanden sind, dann war dieses Album ein sehr interessanter Prozess. Wir haben uns zum ersten Mal richtig Zeit genommen und gesagt, wir stecken da so viel Energie rein wie in ein Soloprojekt. Was wir nicht bedacht haben, ist dass wir uns irgendwann die Köpfe einschlagen, wenn wir zu lange zusammen Musik machen. Das kann man auf jeden Fall mit dem Abmühen an einem Zauberwürfel vergleichen, ja.

Wie muss man sich das vorstellen?


Wir haben sehr viel diskutiert - und gestritten. Es gab so viel Frust bei dieser Albumproduktion wie zuletzt bei der Produktion meines eigenen Albums, das ich mit Tua zusammen produziert habe. Das war direkt vor dem Orsons-Album, ich bin dabei fast depressiv geworden und danach direkt in das nächste große Ding reingegangen.

Tua und ich, wir sind sehr widersprüchlich, wir stehen im Grunde für Chaos und Ordnung. Es war wirklich sehr anstrengend. Auch weil es das erste Major-Album war und wir uns selbst unter Druck gesetzt haben, um Hits rauszukloppen. Wir saßen lange da und haben uns gefragt: Wie schreiben wir jetzt 'nen Hit? Das war sehr, sehr nervig teilweise.

Der Song „Horst & Monika“ hat anfangs auch für Diskussionen gesorgt. Darin thematisiert ihr die wahre Geschichte einer Geschlechtsumwandlung eines ehemaligen NPD-Mitglieds hin zur Kandidatin für Die Linke. Die Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V. hat Unterlassungsklage erhoben.


Ja, das ist aber inzwischen alles cool. Der Verein fand, dass die humoristische Art des Songs dem Thema nicht gerecht wird und hat ein Statement von uns gefordert. Das haben wir dann auch abgegeben, und ich habe auch mit den Verantwortlichen dort telefoniert.

Transsexuelle werden in Deutschland auf hohen politischen Ebenen immer noch als Geisteskranke bezeichnet. Um die Genehmigung zu bekommen, eine Geschlechtsumwandlung zu vollführen, müssen sie das vor Gericht praktisch bestätigen, dass sie sozusagen geisteskrank sind. Das ist schon unglaublich.

Ihr habt auch Monika selbst getroffen.


Ja, das wollten wir eh. Die Dynamik hat aber angezogen, als wir kurz nach der Veröffentlichung des Songs mitbekommen haben, dass sie es nicht so feiert. Sie war irritiert bis genervt davon und dann kam die Sache mit der Klage. Relativ bald haben wir dann telefoniert und darüber gequatscht und uns ausgesprochen. Aus Orsons-Verballertheit haben wir sie nicht vor der Veröffentlichung des Songs kontaktiert. Vor kurzem hat das Treffen dann geklappt, wenn auch mit Trubel drumherum. Jetzt ist aber alles cool zwischen uns.

Man glaubt das ja immer nicht so, aber durch die ganze Geschichte ist mir bewusster geworden, was für einen Impact Musik haben kann. Unsere Absichten sind sehr gute und ich freue mich, da in Zukunft noch mehr machen zu können.

Monika wohnt ja nur ein paar Kilometer von Freiburg entfernt. Habt ihr sie aufs Konzert eingeladen?


Selbstverständlich. Ich bin gespannt, ob sie kommt.

Zurück zur Musik. Ihr habt vor vier Jahren als reines Spaßprojekt angefangen. Euer erstes Album war eine Art Hiphop-Hörspiel mit Songs wie „Die Orsons bauen eine Schaukel“ oder „Die Orsons baden im Weiher“.  Kannst du dir das noch anhören?


Ich bin der größte Fan unseres ersten Albums. Für mich ist das Kult und immer noch genau so, wie ich die Orsons haben möchte. Ich möchte vor allem Quatsch mit den Orsons machen. Natürlich gefällt mir die Entwicklung, die wir genommen haben sehr gut - dass wir uns auch für die Solo-Seiten innerhalb der Orsons geöffnet haben. Aber der absolute nonsens-dadaistische Quatschfaktor, der fehlt mir auf dem neuen Album.

Deswegen hatte ich auch diesen Ausbruch im Outro vom Song „Zambo Kristall Merkaba“. Das war ein bisschen auch Rebellion gegen das Major-Geschwätz, das in unsere Arbeit reindrang. Viel mehr war es meine Rebellion gegen die klinisch reine Produktion von Tua. Wir sind musikalische Feinde innerhalb der Orsons. Er produziert alles so perfekt, er macht alles so glatt. Wenn wir singen, und wir können nicht singen, macht er das glatt. Ich sage halt, lass doch die Scheiße drin, wir können es halt nicht besser. Er flippt dann aus, er ist der Ordnungsfreak, was so was angeht.

Musstest du dafür kämpfen, dass das aufs Album kommt?


Ey, als Tua das gehört hat ... Ich wollte aber pure Natur auf diesem Album haben, in dieses klinisch reine Album einen Wald pflanzen, in den auch mal ein Hirsch kackt. Ich habe mir gedacht, ich mache jetzt einfach mal irgendwas und singe irgendwelche Sachen. Aber nur One Take, und doppele das dann. Egal wie krumm und schief das ist. Es war auch das Letzte, was für das Album entstanden ist.

Für mich klingt das herrlich. Die Leute finden das vielleicht anstrengend und skippen das, aber ich finde, das ist eines meiner größten Werke.

Die Orsons, seid ihr eine Band oder zählt das noch als Projekt?


Wir sind eine Band. Ich weiß nicht, wie lange noch. Aber gerade schon noch. (Lacht.)

Welches Feature hättest du lieber auf einem Orsons-Album: Helge Schneider oder Udo Lindenberg?


Helge auf jeden Fall.

Jay-Z oder Lil B?


Oah, das ist fies. Beide.



Was: Das Chaos & Die Orsons Tour 2012
Wann: Donnerstag, 25. Oktober 2012, 20 Uhr
Wo: Jazzhaus
Eintritt: ab 16 Euro im Vorverkauf, 19 Euro an der Abendkasse


[Foto: Promo]




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von daniel weber | 24.10.12, 18:00 | Kommentare (0)
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