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Get Well Soon im Jazzhaus: Ein üppiges Überangebot für Ü30er

Am Sonntag bespielte die jetzt-wieder-Mannheimer-Band Get Well Soon das Jazzhaus. Felix hat den Abend in Schwarz-Weiß festgehalten. Alex seine Gedanken in Worte gefasst:


Klassisches Konzertdilemma: Gehen wir zu den Haldern-gerühmten Emanuel & The Fear oder zum dritten Mal zu Get Well Soon? Zumal beide Voracts interessant sind: Denis Jones bei den Kammerfolk-Rockern, David Lemaitre, früher ein Drittel von SchulzeMeierLehmann, bei den Mannheimer Kunst-Poppern. Die x-te SMS sorgt für die Entscheidung: "wäre am Start im jazzhaus. viertel vor vor ort?"

Was machen Get Well Soon vor geschätzt 300 Zuschauern zur besten Sendezeit? „Schön, dass ihr für uns auf den Tatort verzichtet. Aber wir ja auch für euch“, scherzt der sonst etwas bieder wirkende Konstantin Gropper, der Multiinstrumentalist aus Biberach, der mit seinen Eigenkompositionen, alles im Alleingang im heimischen Schlafzimmer eingespielt, vor vier Jahren die Indieszene im Sturm eroberte und dabei einen überragenden Auftritt auf dem ZMF 2008 hinlegte. Schwächer fanden wir dann den zweiten, wieder im Spiegelzelt, zwei Jahre darauf, Anno 2010.

Wieder zwei Jahre später ist die Combo mit ihrem dritten Album auf Tour. Und, um es vorwegzunehmen, ich fand es ähnlich wie 2010. Nur, dass diesmal gar kein Song ihres ersten und besten Albums mehr auf der Setlist war. Stimmt nicht ganz: Die zweite Zugabe, 'I Sold My Hands For Food So Please Feed Me', bildet die Ausnahme.

Zu Beginn ein klassischer Einheizer? Fehlanzeige: Gaaanz ruhig lassen es die Groppers vorne, Konstantin mit Schwester Verena zu seiner Linken, angehen und ihre vier Mitstreiter. Das erinnert ein bisschen ans ZDF-Programm vom Vorabend, eine Spur Wetten-Dass-Feeling: zur Primetime etwas behäbig, etwas erwartbar. Aber gut. Außerdem war das ja nur der Opener, der ‚Prologue‘, so der Titel.

Post-barocker Eklektizismus

Der Sound gefällt, und zwischen den vielen elegischen, düsteren Passagen im fast stockdunklen Kellergewölbe scheinen immer wieder rockige Momente durch. Insgesamt lässt sich der Abend musikalisch im Art-Pop-Bereich verorten (nicht zu verwechseln mit Pop-Art!). Oder im post-barocken Eklektizismus.

Breitwandiger 80er Synth-Wave-Pop bratzt aus den Boxen, kurz schaut Dave Gahan vorbei, und überhaupt ist das Set sehr filmisch angelegt. Auch das ein oder andere Zitat (aus einem Film?) wabert durch den Raum. Die neue Platte 'The Scarlet Beast O'Seven Heads' verschreibt sich ja der Kunst der Kinematographie. Daher vielleicht auch die ein oder andere – beim Schreiber so empfundene – Länge. Und das trotz der Fülle an guten Ideen und Instrumenten.

Fazit: Insgesamt bringen Get Well Soon ein Triple Ü, ein so genanntes ÜÜÜ: ein üppiges Überangebot für die Ü30er.

Wenn man das Ganze mall literarisch aufzieht, stolpert man über das Günter-Grass-Phänomen und man stellt sich die Frage: Was tun, wenn dein erstes Werk in jungen Jahren das beste ist? (Und die Ansprüche, die Erwartungen entsprechend hoch ...) Einfach ist das nicht.

Bester Spruch des Abends (neben dem Tatort-Spruch): „Beim ZMF stand über uns im Programm: Get Well Soon machen wertkonservative Musik. Das hat mich sehr - ein bisschen getroffen. Deswegen haben wir uns was von den Kids abgeschaut: Wir ham jetzt nen Plattenspieler auf der Bühne.“

Ach ja, David Lemaître und seine beiden Begleiter waren sehr gut: Kings Of Convenience in spannender.


Fotos: Felix Pacholleck

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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 2
Montag, 08.10.12 13:22
 

coole bilder! cooles konzert! aber warum stinkt das jazzhaus so extrem nach schweiss und das schon vor dem konzert?

Donnerstag, 11.10.12 14:44
 

wertkonservativ - schönes Kompliment dass er sich immer noch an diesen Text aus der 2008er ! ZMF-Programmheft erinnert :)
Dabei war das einfach aus der cityslang Albuminfo gemopst und so steht es z.Bsp immer noch auf amazon
http://www.amazon.de/Rest-Weary-Head-Will-Well/dp/product-description/B0012Z07GY

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