Rund 1,3 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Demenz. Und ihre Krankheit beeinflusst und verändert auch ihre Familien. fudder-Autorin Julia Nikschick über das Leben und Fühlen mit einem Familienmitglied, das an Demenz erkrankt ist.






Ein Artikel den ich Wort für Wort nachvollziehen kann, wobei die Ausprägungen dieser Degeneration so unterschiedlich sein kann wie die Individualität der Menschen die sie bekommen.
Meine Großmutter wusste mit 101 Jahren noch meinen Namen und wie sie selbst den Krieg als Krankenschwester erlebt hatte.
Dafür wusste sie weder welches Jahr grade war noch wo sie sich befand (Zuhause, wo sie fast ihr ganzes Leben gelebt hatte).
Aber selbst Essen konnte sie noch ohne Probleme.
Zeitgleich, ein Stockwerk darunter die gleiche Krankheit aber in ganz anderer Ausprägung:
"Robert?" (ein Onkel dem ich angeblich sehr ähnlich sehe)
"Nein Papa, Mike, dein Sohn"
Dafür wusste er welches Jahr wir haben, wo er ist und was mit ihm gerade passierte. Das war immer das heftigste für uns alle.
Eigenständig Essen können ging dafür gar nicht mehr.
Dement werden wir ab einem bestimmten Alter alle, das ist der Lauf der Natur. Manche erwischt es früher, das ist brutal aber vermutlich ebenfalls diesem Lauf geschuldet.
Aber einen Satz meines Vaters in einem "hellen Moment" werde ich nie vergessen: "Wenn ich vor ein paar Jahren gewusst hätte was mit mir wird, hätte ich mir einen Strick genommen"
In dem Moment hat es mir das Herz zerrissen, ein Jahr später konnte ich ihn verstehen.
Demenz ist grausamer als andere Krankheiten. Man kann so gar nichts dagegen tun und es wird nur schlimmer. Wenn man von der eigenen Großmutter mit "Sie" angesprochen wird, weil sie einen nicht mehr erkennt, tut das richtig weh. Es hilft auch nichts, wenn man weiß, was da passiert.
Wie muss es da den leiblichen Kindern gehen ...?
"Doch Demenz bringe nicht nur negative Veränderungen mit sich"
ach nein? Das sehe ich anders, s.o.
"Ganz neue Eigenschaften kommen zum Vorschein: Sanftmut und Schalk."
Das kommt sehr auf den Einzelnen an. Oft wird der Frust über den Verlust der eigenen Fähigkeiten in gesteigerte Aggressivität umgeleitet. Leider.
' "Ganz neue Eigenschaften kommen zum Vorschein: Sanftmut und Schalk."
Das kommt sehr auf den Einzelnen an. Oft wird der Frust über den Verlust der eigenen Fähigkeiten in gesteigerte Aggressivität umgeleitet. Leider. '
Bei meinem Opa kam da eine permanente Albernheit zum tragen. Mit Sicherheit anfangs einfacher als manch andere, augenscheinlich negativere Wesensänderung. Das hat sich aber ziemlich schnell in die gleiche Ohnmacht, zu einem geliebten Menschen einfach nicht mehr richtig durchdringen zu können, verwandelt.
Ein wunderbar beschriebener Artikel :)
Auch wenn man leider sagen muss, aber jeder Satz entspricht der Wirklichkeit.
Ich bin zwiegespalten was die möglichen "Gewinne" auf der einen und, auf jeden Fall vorhandenen, "Verluste" (u.a. Verlust der Beziehung zu einem geliebten Menschen) auf der anderen Seite angeht. Ich meine es gibt auch Beispiele, die dafür sprechen, von "Gewinnen" zu sprechen, auch wenn diese meist eher auf einer individuellen Ebene zu liegen scheinen (z.B. Walter Jens)
SEHR treffende Darstellung und zugleich unendlich traurig machend.
Gerade die Generation Flüchtlinge und Vertriebene haben oft erstaunliche Fähigkeiten und meistern ihr Leben nach all den Schrecknissen mit Ausdauer und Beharrlichkeit.
Bin bei meiner Großmutter aufgewachsen und sie war auch mit 98 Jahren noch in der Lage anspruchsvolle Gespräche über das aktuelle politische, kulturelle Leben mit großem Wissen und Verstand führen zu können.
Leider hat sie ab und zu Kleinigkeiten wie einen Schlüsselbund vergessen (sie wußte nicht wohin sie ihn gelegt hat) - bin sehr dankbar das sie in unverändertem Wesen immerhin 103 Jahre alt werden durfte.
Frage mich ob es mir auch gegeben ist ohne Demenz alt werden zu dürfen.