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Lenny Kravitz auf dem Stimmen-Festival: Sex-Appeal, der klingt

Eng sitzen die Jeans, locker die Stiefel, das Hemd hängt auf die genau richtige Art nachlässig aus der Hose, die Sonnenbrille ist verspiegelt. „I’m in love with your love and I’m coming to get it“ singt Lenny Kravitz, vom Stroboskop-Licht beschienen, die rechte Hand am Mikrofon, die linke am Mikrofonständer und das Becken lasziv gen Metallstange geschoben, als sei das Mikro eine zu verführende Frau. Wie's bei seinem Gig auf dem Stimmen-Festival war:

Lenny Kravitz

’Leidenschaft die klingt’, ist der Werbeslogan des Stimmen-Festivals in Lörrach.  ’Sex-Appeal der klingt’ könnte der Werbeslogan für den Mann sein, der am Sonntagabend die diesjährige Marktplatz-Konzertreihe mit einem seit Monaten ausverkauften Konzert beschloss.

Ein bisschen spröde wirkt der so nachlässig gestylte supersexy Superstar Kravitz auf der Bühne zunächst. Mit einem gehauchten „Good evening!“ begrüßt er das Publikum auf dem ausverkauften Martkplatz - und lässt dann erstmal seine Musik sprechen. Mit gar nicht spröden, sondern röhrenden Gitarren – und allen Superhits in der Setlist. Schließlich soll es am letzten Abend der Black-and-White-America Tour um Musik gehen, nicht nur um Style und Sex-Appeal.

Routiniert drehen Kravitz und Band musikalisch auf. Genregrenzen mochte der vierfache Grammygewinner nie. Und auch auf der Marktplatz-Bühne verwebt er Rock, Pop, Funk, Soul und Psychedelic Sound zum ganz eigenen Kravitz-Klang, im Zentrum des Klangs:  die Gitarren. Ausgelassen duellieren sich Kravitz und Gitarrist Craig Ross mit leichtfingrig gespielten aber tonnenschweren Riffs. Routiniert, ja, aber weder abgeklärt noch müde.

Lenny Kravitz

Kravitz bemüht sich am Sonntgabend sehr, nicht als Einzelkünstler wahrgenommen werden und  schiebt immer wieder sanft seine Musiker in den Vordergrund und lässt ihnen Platz für Aufmerksamkeitsmomente. Und die hat die Band verdient: Neben dem wild frisierten Gitarristen Ross sind das Keyboarder George Laks, die beständig etwas grimmig guckende kahl rasierte Bassistin Gail Dorsey, Drummer Franklin Vanderbilt und das gut gelaunte Bläser-Trio Harold Todd, Ludovac Louis und Steve Baxter.

Sehr höflich stellt er jedes Bandmitglied mehrfach vor, jeder darf sein Können in Soli präsentieren. Die Highlights des Sets: die energiereichen Hits aus den Anfängen der  Kravitz-Karriere: „Mr. Cab Driver“, „Are you gonna go my way“ und „Always on the run“. Zu den Balladen wird auf dem Marktplatz gekuschelt, natürlich. Besonders schön: „Stand by my woman“.

Lenny Kravitz

Schade nur, dass die Energie von der Bühne nicht so richtig ins Publikum überspringen will, egal wie motiviert Kravitz mit großen Schritten und mit geschüttelten Tambourine oder geschwungener Gitarre die Bühne abmisst. Direkt davor stehen in den ersten Reihen ein paar Fans in T-Shirts früherer Touren neben fein frisierte Mädchen, die in den Jahren Kravitz’ größter Erfolge geboren sein dürften, dahinter Event-Publikum, das sich über den Besuch des Weltstars mehr zu freuen scheint, als über seine Musik.

Im Publikum wird auch während der ruhigen Stücke laut gesprochen und die Unsitte des sich-selbst-mit-der-Bühne-im-Hintergrund-mit-dem-Smartphone-Fotografierens eifrig kultiviert. So richtig in Schwung kommt es nur bei den Nummer-Eins-Hits - wie gut, dass Kravitz davon einige hat.

„Aber er redet gar nicht mit uns!“ beschwert sich eine etwas angetrunkene junge Schweizerin, irgendwo weit hinten im Publikum bei ihrer Konzertbegleitung in der Mitte des Konzerts. „Jetzt red' doch endlich mit uns!“ ruft sie in Richtung Bühne. Während des letzten regulären Songs „Are you gonna go my way“ fliegt ein leuchtend roter Stringtanga auf die Bühne. Kravitz hängt ihn an den Mikrofonständer, streift seine Sprödheit ab und kommentiert amüsiert und in Anspielung auf den Text des Lieds: „Und wo rennst Du jetzt hin, so ganz ohne Unterhosen?“

Danach folgt eine hinreißende und bescheidene  Liebeserklärung ans Publikum:„Danke für eure Liebe und dafür, dass ihr es uns ermöglicht, um die Welt zu reisen und für euch Musik zu spielen“ sagt Kravitz. Dass der Star reden kann, das scheint die junge Schweizerin zufrieden zu stellen. „Geil isch'er schon!“






Foto-Galerie: Carolin Buchheim

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.




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