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Studitours: Wochenendausflug mit dem Studentenwerk

Freiburg weitab vom Schuss? Von wegen! Mit den "Studitours" des Studentenwerk kommen Freiburger Studierende für wenig Geld in ganz Europa herum; besonders Austauschstudenten nutzen das Angebot gerne. fudder-Autor Martin war bei einer Tagesfahrt nach Zürich und Luzern mit dabei. Wie's war:

Sommerlich warm strahlt die Sonne auf den Platz vor dem Freiburger Konzerthaus, obwohl es erst kurz vor halb neun ist. Etwas oberhalb der Bushaltestelle an der Bismarckallee steht Robert Kühne und wartet auf den Bus. Man könnte meinen, er warte an diesem Samstagmorgen auf die Linie 11 Richtung IKEA. Dabei ist er nicht alleine: 45 andere warten mit ihm.

Die Gruppe ist bunt gemischt. 19 Nationalitäten sind hier versammelt – Mexikaner, Neuseeländer, Inder sind auch mit dabei. Robert ist Rudolstädter, er kommt aus Thüringen. Von allen Kontinenten kommen seine Mitfahrer. Sie alle wollen heute aber nicht zu IKEA, sondern weiter hinaus. Heute geht es in die Schweiz. Zürich und Luzern stehen auf dem Tagesplan, den Robert in der Hand hält.

Unterwegs ist er heute mit Studitours. Veranstaltet werden die Tagesfahrten mit Zielen in ganz Europa vom Studentenwerk. Von morgens bis abends geht es da für 50 Euro bis nach Mailand oder Lyon. Wo sonst kommt man für so wenig so weit?



Das Gute liegt in Freiburg so nahe

Aleksandra „Ola“ Pojda de Perez und Anja Gleißner (Bild oben) sind heute die Guides. Insgesamt sechs Fahrten betreuen beide dieses Semester. Hauptberuflich koordiniert Ola an der Uni den Studiengang Harvard Abroad. Anja studiert im zehnten Semester VWL auf Diplom. „Im Semester geht es samstags in eine Stadt. Sonntags sind dann Wanderungen“, sagt Ola, die schon seit einigen Jahren bei Studitours als Begleiterin dabei ist.

Wenig später steigen die Reisenden die fünf Stufen hinauf in den Reisebus. Ganz losgehen kann es noch nicht, wie Ola und Anja erklären. „Es fehlen noch zwei aus Littenweiler. Ihr Zug hat Verspätung“, erklärt Ola (Bild unten). Wenige Minuten später sind auch sie da und der Bus setzt sich in Bewegung.



„Ich bin nach Freiburg gekommen, um etwas von der Welt zu sehen“, sagt Robert. Würde er etwas von Deutschland sehen wollen, in Freiburg wäre er falsch. Mit seiner Anbindung an den Rest der Republik ist Freiburg nicht gerade gesegnet. Vergisst man allerdings die Grenzen in Freiburgs Nähe, liegt die Stadt am Fuße des Schwarzwalds schnell im Zentrum Europas.

Die Grenzen zu vergessen, das fällt den Reisenden von Studitours heute nicht besonders schwer. Auf dem Weg in die Schweiz wird der Bus langsamer, passiert ein Nadelöhr. Links und rechts an Kassenhäuschen vorbei. Dann fährt der Bus wieder schneller. Das war es schon. Als sich der Bus Zürich nähert, fährt er an einem großen Schild vorbei, das neben der Autobahn steht. IKEA steht in gelben Buchstaben auf blauem Hintergrund.

In der Reihe vor Robert (Bild unten rechts) sitzen Nils (Bild unten, Mitte) und Albert (Bild unten links) aus dem IKEA-Land Schweden. Nils kommt aus Göteborg und ist Medizinstudent, Albert kommt von der Insel Gotland und studiert Jura. Beide im 8. Semester. „Wir sind mit Erasmus in Freiburg“, erzählen sie. „Ich hätte auch nach Berlin gehen können“, erklärt Nils. „Das Wetter in Freiburg ist aber besser“, sagt er schmunzelnd. Das gelte insgesamt für Freiburgs Lage. „Ich habe das Gefühl in Berlins Umgebung kann man nicht so viele schöne Dinge sehen wie hier.“ Der Schwarzwald, das Elsass, die Schweiz – das Gute liegt in Freiburg so nah.



Lindenhof, Fraumünster, Zürichsee

Auch wenn man von Freiburg aus an einem Tag vieles erreichen kann, für ganz Europa reicht es nicht. Karl-Heinz Hermle ist Sozialberater beim Studentenwerk und koordiniert Studitours. „Mit Mehrtagesfahrten geht es noch weiter hinaus“, sagt er. „Zuletzt war eine Vier-Tages-Fahrt nach Amsterdam dran.“ Die kostete 270 Euro.

Angekommen in Zürich, beginnen die beiden Begleiterinnen Ola und Anja am Hauptbahnhof mit ihrer Stadtführung. Die Führung ist auf deutsch. Für die Mitreisenden, die gar kein Deutsch verstehen, wiederholt Anja alles auf Englisch. So international wie heute sind die Gruppen immer, sagt sie. „Nicht nur die Gruppen. Insgesamt sind sieben Guides bei Studitours. Und da bin ich auch die einzige Deutsche.“

Mittlerweile ist die Gruppe am Lindenhof angekommen. Von hier aus hat man einen schönen Blick auf Zürich. Anja erzählt der Gruppe hier etwas über die Geschichte der Stadt. Neben Robert, Nils und Albert hört auch Vadim Budnik interessiert zu. Er macht in Freiburg gerade seinen Doktor in Biologie. Ursprünglich kommt er aus Charkiw in der Ukraine. Julia Timoschenko sitzt dort im Gefängnis. Und am 9. Juni eröffneten dort die Niederlande und Dänemark die Fußballeuropameisterschaft für die Gruppe B in der auch Deutschland spielt.

„Für die EM kann ich nicht nach Hause fahren“, erklärt Vadim bedrückt. „Dann setze ich mich halt in Freiburg in einen Biergarten und schaue mir da die Spiele an“, sagt er wieder fröhlicher und folgt Anja und Ola zu den nächsten Stationen ihres Rundgangs - durch das Fraumünster und vorbei an einem Haus in der Spiegelgasse, in dem Lenin vom 1916 bis 1917 gelebt hat.

Am hölzernen Stadtmodell im Haus zum Rech endet die Führung. Nils und Albert machen sich auf den Weg zum Zürichsee. Dort angekommen, setzen die beiden sich in den Schatten. Dass es so warm wird, erleben sie in Schweden selten. „Zuhause ist das Wetter im Sommer nur ein paar Wochen lang so warm“, sagt Albert. „Und 30 Grad haben wir sowieso nie.“

Das traurigste Stück Stein der Welt

Um kurz nach drei sind beide zurück am Bus, in dem es mittlerweile brütend heiß geworden ist. In der Hand haben sie den „Blick am Abend“, eine kostenlose Boulevardzeitung, die sie sich auf der Straße aus Zeitungskästen mitgenommen haben. Lesen können sie nicht mehr viel. Auf der Fahrt nach Luzern sind beide schnell eingeschlafen. Eine erschöpfte Stille macht sich auf der einstündigen Fahrt breit.

Erst während der Führung in Luzern über die hölzerne Kapellbrücke und am Ufer des Vierwaldstätter Sees entlang werden sie wieder wach. Etwas unpassend endet der Rundgang an einem Denkmal, von dem Mark Twain gesagt haben soll, es sei das traurigste Stück Stein der Welt. Es ist ein großer Löwe, der in eine Felswand gehauen ist. Davor liegt ein kleiner See. Erinnern soll das Denkmal an den Tod von 760 Schweizer Gardisten, die während der französischen Revolution starben, als sie den Palast des Königs verteidigten. Der war längst heimlich geflohen.

Erschöpft sitzen Nils und Albert auf einer Bank an dem kleinen See. Auch Vadim hat sich dazu gesetzt. „Ich finde es toll, dass es in der EU das Erasmus-Programm gibt und Studenten damit in andere europäische Länder können“, sagt er. Die beiden Schweden stimmen zu. Dann unterhalten sie sich über Fußball. Am 11. Juni spielen Schweden und die Ukraine gegeneinander bei der EM.

Auf der Rückfahrt unterhalten sich einige, andere schauen aus dem Fenster. Kaum aus Luzern raus, fährt der Bus wieder an einem großen Schild vorbei. Gelb auf blau steht auch dort wieder in Großbuchstaben IKEA. Der scheint überall zu sein. „Das ist toll“, freut sich Nils. „Ich war erst vor kurzem wieder da. Da hat wirklich alles einen schwedischen Namen. Das ist wie ein Stück zu Hause“, sagt er.

Um kurz vor halb neun ist der Bus zurück am Platz vor dem Konzerthaus. Die Sonne scheint noch wie am morgen. Robert, Nils, Albert und Vadim verstreuen sich schnell in alle Himmelsrichtungen. Noch nicht zurück in den Rest der Welt – aber in die Wiehre, die Vauban und nach Littenweiler.





 
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