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"In Haiti": Wie zwei Freiburger versuchen, einen Dokumentarfilm durch Crowdfunding zu finanzieren

Haiti – da denkt man an Erdbeben, Cholera, vielleicht auch an schöne Strände und schöne Mädchen. Dass das längst nicht alles ist, wollen zwei Freiburger zeigen: Florian Wiesner und Fabian Bohnet-Waldraff waren 2008 dort und haben einen Monat lang gefilmt. Jetzt soll der Dokumentarfilm endlich fertig werden – finanziert mit Hilfe von Kickstarter, einer Crowdfunding-Seite.



Wie macht man aus 20 Stunden Filmmaterial einen 30- bis 45-minütigen Dokumentarfilm? Noch dazu, wenn man eigentlich etwas ganz anderes studiert hat, etwa Biologie, wie Florian Wiesner (28) oder Physik, wie Fabian Bohnet-Waldraff (27)? Man muss viel Zeit investieren und auch eine ganze Stange Geld.

„Das Teuerste ist die Animation, mit der wir die Geschichte Haitis erklären wollen“, sagt Florian (Bild unten links), „aber die halten wir für nötig, um nachvollziehbar zu machen, wie die reichste Kolonie Frankreichs zu einem der ärmsten Ländern der Welt werden konnte.“ Um die Animation und den Rest der Postproduktion finanzieren zu können, haben die beiden ihr Projekt "In Haiti - A road trip documentary " auf Kickstarter registriert, einer amerikanischen Crowdfunding-Website.




Das Prinzip: Jedermann kann das Projekt unterstützen, mit einem Dollar oder mit 500 - und jeder bekommt, abhängig von der Summe, ein persönliches Dankeschön – etwa ein Gespräch mit den Machern via Skype, eine DVD, einen Fotokalender von der Reise. „Wir mussten ein Ziel angeben, wie viel Geld wir sammeln wollen“, sagt Fabian. Das sind 5600 US-Dollar, derzeit sind rund 4200 zusammengekommen. „Dabei gilt das All-or-nothing-Prinzip“, sagt Florian, „wenn wir das Ziel nicht erreichen, wird das Geld nicht von den Konten der Spender abgebucht und wir bekommen nichts“. Der Countdown läuft noch bis zum 27. Juni 2012.

Wenn es gut läuft, können die beiden dann ein Projekt zu Ende bringen, das schon vor vier Jahren seinen Anfang nahm. 2008 waren Florian und Fabian einen Monat lang in Haiti unterwegs, von Nord nach Süd, von Süd nach Nord. „Der Film soll ein vollständigeres Bild von Haiti zeichnen“, sagt Florian, der Halb-Haitianer ist. Es geht um das Schulsystem, Umweltzerstörung, die politische Lage und die Religionen, vor allem Voodoo.

Viele Dinge vor Ort waren zu erwarten – andere nicht. „Mir war nicht klar, dass es so teuer ist“, sagt Fabian, „vor allem die Nahrungsmittel, aber auch der ganze Rest, Benzin zum Beispiel."

Überrumpelt hat die beiden auch die Rolle, in die sie schnell geschlüpft sind – oder viel mehr gesteckt wurden. „Obwohl ich ja ein halber Haitianer bin und für deutsche Verhältnisse eher dunkel", sagt Florian, „gelte ich dort als Weißer. Und zwei Weiße, die auf Haiti mit einer Kamera unterwegs sind, das ist schon sehr ungewöhnlich. Wir wurden schnell für Journalisten gehalten, weil es dort sonst schlicht keine Touristen gab. Gespräche mit Botschaftern, Kontakte – vieles war plötzlich viel einfacher.“

Natürlich kam es auch vor, dass kritische Fragen nicht so gern beantwortet wurden. Viele Haitianer sind sehr arm, die ärmsten können sich nicht einmal Lebensmittel leisten: Etwas Salz und Fett, vermischt mit Lehm. Die Kekse verursachen oft Darmleiden und andere Erkrankungen. „Als wir die auf dem Markt gesehen und gefilmt haben, wurde uns gesagt, das sei ein Schönheitsprodukt, für die Haut“, sagt Florian. Auch die kubanischen Ärzte, die in Haiti vor allem in den ländlichen Gegenden arbeiten, haben sich nicht getraut mit ihnen zu reden. „Jeder hat uns an eine höhere Stelle verwiesen“, erzählt Fabian, „an den kubanischen Botschafter, den Konsul, dann an das zuständige Ministerium in Kuba“. Die kubanischen Ärzte werden überwacht und hatten Angst mit einer falschen Äußerung alles aufs Spiel zu setzen.

Das alles sind Geschichten, die die wenigsten über Haiti wissen. „Klar, nach dem Erdbeben hat sich einiges verändert“, sagt Florian, der 2010 nach der Katastrophe mit der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen noch einmal auf Haiti war. „Auf einmal waren viele NGOs und Hilfsorganisationen vor Ort, die humanitäre Camps errichtet und auch den Staat ersetzt haben.“

Das Bild, das die meisten Menschen von Haiti haben, wurde durch das Erdbeben ergänzt, unvollständig ist es aber nach wie vor. Das wollen Florian und Fabian mit ihrem Film ändern, der, wie sie glauben, durch das Erdbeben noch einmal eine ganz neue Bedeutung bekommen hat.

„Unser Ziel ist nicht, mit dem Film Geld zu verdienen“, sagt Fabian, „sondern dass ihn so viele Menschen wie möglich sehen. Tausende Klicks auf YouTube würde uns viel mehr freuen, als damit 10.000 Euro zu verdienen.“

Der Film soll im Internet frei verfügbar sein, vielleicht ergänzend in regionalen Kinos laufen. Voraussetzung dafür ist aber, dass bis zum 27. Juni die 5600 Dollar zusammenkommen – denn nur dann bekommen Fabian, Florian und ihr Team das Geld, um den Film vollenden zu können.


Der Crowdfunding-Trailer: In Haiti - A roadtrip documentary
Quelle: Kickstarter





 


[Bilder: Maria-Xenia Hardt, Privat]





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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 5
Dienstag, 12.06.12 09:32
 

Tippfehler im Titel: Dokumentarfilm durch Corwdfunding

bak
Dienstag, 12.06.12 10:15
 

klasse Sache, hoffentlich klappts...
***

Dienstag, 12.06.12 18:12
 

+

Dienstag, 07.05.13 13:49
 

Die große Premiere ist am 16. Mai um 21:00 Uhr im CinemaxX.

Pay after!

Kartenreservierungen unter:
facebook.com/InHaitiFilm oder per E-Mail an InHaitiMovie@gmail.com

Wir freuen uns auf euch!

Sonntag, 08.09.13 19:43
 

Die Seite ist seit gestern online:

http://www.inhaitifilm.com

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