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Verkehrsregeln für das Internet

Was darf ich im Internet? Und vor allem: Was darf ich alles nicht? Was mache ich, wenn ich im Internet gemobbt werde? Um Urherberrecht, Abmahnungen und Cybermobbing ging es Donnerstagabend bei einem Vortrag in der Max-Weber-Schule. Martin war für fudder dabei.



„In irgendeine Falle, tappt man immer“, oder „Ich habe das Gefühl, mehr Ärger zu bekommen, wenn mein Sohn sich zwei Lieder für 1,50 Euro aus dem Internet runterlädt, als wenn er zwei Fahrräder für 400 Euro klaut.“ Angesichts der Fragen und Kommentare aus dem Publikum, war am Donnerstagabend im Filmsaal der Max-Weber-Schule schnell klar, dass große Unsicherheit im Umgang mit dem Internet besteht. Knapp 100 Leute kamen, um sich über ihre Rechte und Pflichten im Internet zu erkundigen. Einige jüngere und ältere Schüler waren dabei. Den Großteil des Publikums stellten allerdings besorgte Eltern und Lehrer. Nicht wenige von ihnen schrieben vorsichtshalber einmal mit, was Malte Dedden ihnen erklärte. Der Rechtsanwalt aus Kehl, selbst auf Marken und Urheberrecht spezialisiert, klärte über das Internet und seine zahlreichen Fallen auf.

„Das Internet ist ähnlich wie der Straßenverkehr. Wenn sie einfach rausgehen und nicht wissen was sie tun und einfach auf die Straße laufen, werden sie schnell von der Straßenbahn überfahren“, sagte Dedden. Wenn man aber die Verkehrsregeln beachte, habe man das Risiko schonmal reduziert. „Passieren kann aber immer was. Man weiß nie, was der andere macht und ob der Fahrer im anderen Fahrzeug sich an die Regeln hält.“

Im Internet lauern für die Nutzer zahlreiche Fallen. Neben Konflikten mit dem Urheberrecht durch Tauschbörsen, oder weil man selbst unwissentlich geschützte Inhalte auf seine Seite stellt. Auch Abofallen oder sogar der eigene Router stellen Gefahren für den Internetnutzer dar. So sei es nahezu sicher, dass man nachher zahlen müsse, wenn man zum eingeben seiner Kontodaten aufgefordert werde. Wer das Programm seines Routers nicht regelmäßig aktualisiert, läuft zudem Gefahr schuldig gesprochen zu werden, wenn sich jemand einhackt und über diesen Internetzugang illegale Dinge tut.

Unterschieden werden muss zwischen Konsum und Verbreitung. „Das schlimmste was man machen kann, ist Sachen zu verbreiten“ warnte Dedden die Zuhörer. Stelle man etwas urheberrechtlich geschütztes auf seine Internet- oder Facebookseite, laufe man Gefahr eine Abmahnung zu bekommen. „Hat man etwas im Internet gesehen, was einem gefällt, sollte man es lieber verlinken als komplett zu übernehmen“, empfahl Dedden für diesen Fall. Weniger gefährlich ist der bloße Konsum von Internetinhalten. Für den Fall, dass doch einmal eine Abmahnung im Briefkasten landet, sollte man sich genau überlegen, was man tut. „Auf keinen Fall sollte man die Abmahnung einfach ignorieren“, warnte Dedden die Zuhörer. Einfach unterschreiben, was einem vorgelegt wird, solle man jedoch auch nicht. „Kostenfrei aus der Sache herauszukommen ist auch eher unwahrscheinlich.“ Letztlich gehe es darum, eine Unterlassungserklärung mit flexiblen Strafsätzen für den Wiederholungsfall auszuhandeln.

Als Grundregel, konfliktfrei mit dem Internet umzugehen, riet Dedden möglichst selten Daten wie zum Beispiel seinen Namen zu hinterlassen. „Und wenn man sich etwas aus dem Internet herunterlädt, dann möglichst urheberrechtskonform.“ Das muss allerdings nicht immer was kosten. Auf Internetseiten wie Youtube bestünde abgesehen von dessen AGB grundsätzlich das Recht für Internetnutzer sich etwas herunterzuladen. Auf Streamingseiten, die offensichtlich illegal sind, sieht das anders aus. „Ob das bloße Anschauen von gestreamten Videos im Internet tatsächlich illegal ist, darüber streiten sich die Rechtsgelehrten in Deutschland noch“ berichtete Dedden. Im Gegensatz dazu sei das Hochladen von urheberrechtlich geschützten Werken aber klar gegen das Gesetz.

Angesichts der vielen Fragen aus dem Publikum zum Thema Urheberrecht musste Dedden auf das Thema Cybermobbing drängen. „Früher wurde man in der Schule gehänselt, dann ging man nach Hause und hatte seine Ruhe. Heute geht das im Internet weiter.“ Nur dass es hier nicht mehr nur die Klasse mitkriege. Stattdessen sei es nun weltweit abrufbar, so Dedden.

Ist man selbst Opfer von Cybermobbing geworden, dann kann man dagegen strafrechtlich vorgehen. Damit könnten Strafmaßnahmen gegen den Täter und Schmerzensgelder für das Opfer erwirkt werden. Bei Schülern können auch schulische Erziehungsmaßnahmen angewendet werden. In Baden-Württemberg rechtfertigt das Mobbing von Mitschülern sogar einen Schulausschluss.

„Die schlechten Dinge, die einmal über einen im Internet stehen, kann man mit dem sogenannten Reputation Management eingrenzen“ empfahl Dedden. Dabei könne man zum einen versuchen die Behauptungen der Täter von den betreffenden Seiten entfernen zu lassen. Wichtiger sei vielleicht noch gute Sachen bei Googlesuchen möglichst weit nach vorne zu bringen.

Die Gefahren, die im Internet lauern, bestünden allgemein für alle Altersgruppen, so Dedden. Und am Ende des Abends steht fest: So wie Grundschüler eine Einweisung in den Straßenverkehr brauchen, bräuchten Kinder und Jugendliche eine Einweisung ins Internet.










[Bild 1: © thingamajiggs - Fotolia.com; Rest: Martin Honecker]




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