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#dekanonym: Dekan Engelhardt und Pirat Martens diskutierten über Anonymität im Internet

Daumen hoch oder runter? Am Donnerstagabend diskutierten der evangelische Stadtdekan Markus Engelhardt und der Freiburger Pirat André Martens im Kollegiengebäude I der Freiburger Uni über die Auswirkungen der Anonymität im Internet auf die Demokratie. Unter dem Hashtag 'dekanonym' wurde die Debatte gleichzeitig auch auf Twitter verfolgt und geführt:



In einem Hörsaal, dessen Interieur noch aus der Zeit stammt, als das Telefax den Höhepunkt der elekronischen Kommunikation darstellte, findet eine Diskussion zwischen den Freiburger Piraten, vertreten durch André Martens, und Markus Engelhard, dem Dekan des evangelischen Kirchenbezirks Freiburg, statt. Doch wie bei den Piraten nicht anders zu erwarten läuft parallel und doch zugleich die Diskussion im Internet weiter, genauer gesagt auf Twitter.

Die Karfreitagspredigt und der offene Brief

Grund für die Diskussion war die vorausgegangene gegenseitige Kritik von Dekan und Piraten. In seiner am Karfreitag in der Auferstehungskirche in Littenweiler gehaltenen Predigt ging der Dekan auf die Hetzjagd auf den mutmaßlichen Mörder eines elfjährigen Kindes in Emden zu sprechen, der sich am Ende als schuldlos herausstellte. Und kritisierte anschließend die Piraten, da deren Forderung nach Freiheit und vor allen Dingen Anonymität im Internet den „übelsten Bodensatz“ der menschlichen Meinungen befördere.

Die Piraten antworteten mit einem offenen Brief, in dem sie betonten, dass es solche Hetzjagden auch ohne Internet gab und gebe und betonten die Wichtigkeit und Vorzüge von Freiheit und Anonymität im Internet.

Zusammen mit dem offenen Brief erging eine Einladung an den Dekan zu einem Gespräch im Rahmen des Stammtisches der Piraten, die er auch annahm. Als Ort für das Gespräch wurde dann aber doch ein Hörsaal und als Rahmen eine Diskussion gewählt. Etwa 40 Menschen nahmen daran teil. Die Grauhaarigen unter den Besuchern waren eher wegen des Dekans gekommen, die Zuschauer im studentischen Alter eher wegen des Piraten, wobei letztere in der Mehrheit waren.

Hashtag 'dekanonym'

Einen Laptop hatte kaum einer der Zuhörer im Einsatz, viele ihr Smartphone, einige begnügten sich auch, gar klassisch, mit Stift und Papier zur Ergebnissicherung. Schnell entwickelte sich ein lebhaftes Gespräch, auch mit zahlreichen Fragen aus dem Publikum.

Zumindest für Techniklaien ebenso interessant ist, dass die Diskussion eine zweite Spielebene besaß. Im Internet wurde unter dem Hashtag (das heißt: dem Stickwort) 'dekanonym' über diese Veranstaltung auf Twitter diskutiert und die Kommentare bewertet – und das nicht nach der Veranstaltung, sondern in der laufenden Diskussion. Der fleißigste Twitterer brachte es so auf 40 Beiträge in der knapp zweistündigen Veranstaltung. Selbst Moderator Martin Brink-Abeler warf hin und wieder einen Blick auf sein Smartphone und kommentierte selbst. Auch Außenstehende konnte sich also anhand der Kommentare ein Bild von der Debatte machen und ihre Meinung äußern. Den nicht nur virtuell, sondern auch physisch Anwesenden stand es danach frei, diese Meinungen in den Hörsaal miteinzubringen.

Eine Diskussion im Ultra-Mehrspieler-Modus also. Früher, in der Bauzeit des Hörsaals, nannte man so etwas vermutlich 'Multimedia' oder 'interaktiv'. Wirklich mittendrin statt nur dabei war ich dann, als mein Nebensitzer mich fotografierte, mein Bild auf Twitter veröffentlichte und ich mich zu einem Kommentar darauf veranlasst sah. Wer multitaskfähig ist, ist klar im Vorteil.

Der Dekan und der Pirat

Auch die Offline-Debatte kam durchaus in Fahrt. Grundgedanken des Dekans waren, dass die Anonymität des Netzes eher Gefahr als Chance sei. Meinungsäußerung solle daher stets mit Namen, also erkennbar, erfolgen. Ansonsten drohen, wie man im Fall des Mordes von Emden sehen kann, eine ungezügelte Lynchjustiz im Netz. Anonymität kehre das schlechteste im Menschen heraus, ein respektvoller Umgang sei nur und besser durch Namensnennung gewährleitet.

Dem widersprach André Martens von den Freiburger Piraten. Seiner Ansicht nach überwiegen die Chancen der Anonymität im Internet die Risiken bei weitem. Nur durch Anonymität ist Kritik, gerade in der Arbeitswelt, möglich. Verbale Ausfälle und unangebrachte Meinungsäußerungen solle man am besten ignorieren und sich vielmehr darum bemühen, Menschen mit solchen Einstellungen argumentativ zu widerlegen anstatt sie in die Illegalität abzudrängen. Eine Zensur sei kaum möglich und überhaupt nichts wünschenswert, zumal die negativen Begleiterscheinungen der freien Meinungsäußerungen kein Internet-Phänomen seien, sondern ein gesamtgesellschaftliches.

Immer wieder kamen auch die Fragen aus dem Publikum zu selben Thema: Wann ist Anonymität im Internet schädlich, wann nützlich? Oder kann man Anonymität nur ganz oder gar nicht schaffen, eine „Teilzeitanonymität“ im Netz deshalb ein Ding der Unmöglichkeit? „Ich halte die Debatte für ausgesprochen interessant“, meine einer der grauhaarigen Diskussionsteilnehmer, der die Anonymität nach der Debatte dem Klarnamen erst einmal vorzog.

„Die jungen Leute setzen sich mit den gleichen politischen Fragen auseinander wie wir vor 30, 40 Jahren. Wie weit darf Überwachung gehen? Und wo sind die Grenzen der freien Meinungsäußerung? ich finde es super, wie die jungen Leute im Zeitalter des Internets versuchen, Antworten auf diese Fragen zu finden.“ Deshalb auch die Quintessenz des Abends: Miteinander statt übereinander reden hilft. Egal ob offline oder online.

 




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