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28. Schwule Filmwoche im Kandelhof: Schön, politisch wichtig und brisant

Das älteste schwule Filmfestival geht in die 28. Runde: Vom 2. bis 9. Mai 2012 findet die Schwule Filmwoche im Kino Kandelhof statt. Warum die ausgewählten Filme nicht nur schön, sondern auch politisch wichtig und brisant sind, erklärt Organisator Tilman Betz im fudder-Interview:

Auf eurem Plakat sind dieses Jahr zwei sich küssende Männer zu sehen. Die letzten Jahre waren die Poster eher nur knallig bunt. Wolltet ihr jetzt wieder mehr politisch Stellung beziehen, provozieren oder was steckt dahinter?


Tilman Betz: Stimmt, die letzten Jahre waren die Poster eher schlicht. Obwohl wir letztes Jahr ganz viele kleine Penisse auf dem Plakat hatten. Und dieses Jahr hatten wir eine große Diskussion ums Plakat und haben uns dann für das küssende Paar entschieden. Und ich verstehe das nicht als Provokation, sondern als Selbstverständlichkeit: Wenn wir Schwule Filmwoche heißen und schwule Filme zeigen, dann ist es auch gut, wenn das Plakat eindeutig ist.

Der Eröffnungsfilm „Tomboy“ der am 2. Mai um 21:15h läuft ist eigentlich kein eindeutig schwuler Film. Warum zeigt ihr den dennoch?


„Tomboy“ ist ein Coming-of-Age-Film und war ein Angebot vom Kino. Die haben gefragt, ob wir den als Vorpremiere vor dem offiziellen Deutschlandstart zeigen wollen. Und ja, es ist keine schwule Geschichte. Aber die Frage ist doch eher, ob man sich immer in seinem eigenen Kreis drehen sollte oder nicht auch mal seine Grenzen ausloten sollte.

Was ich an „Tomboy“ schön finde ist, dass es um das Finden der eigenen Geschlechterrolle geht. Und das ist ja bei Schwulen oder bei Homosexuellen überhaupt ein großes Thema. Der Hetero ist einfach hetero, der muss sich nicht groß erklären. Aber unsereiner hat ja irgendwann den Moment, wo er seine Sexualität findet und zu der stehen muss. Deswegen passt „Tomboy“ sehr gut ins Programm.

Tomboy - Trailer
Quelle: YouTube


Hofft ihr mit diesem Film auf mehr Hetero-Publikum?


Die Filmwoche hat in erster Linie schwules Publikum. Ein Drittel der Besucher etwa sind Frauen, Heteros und andere. Und es wäre sicher gut, wenn gerade mit diesem Film auch andere Menschen ins Kino gelockt werden. Die, die schwul sind, dazu stehen und die Szene kennen, für die ist es zwar schön, wenn sie auf der Filmwoche ihre Freunde treffen. Aber es ist ja auch gut, wenn da mal ein paar neue Gesichter auftauchen, die vielleicht Fragen haben oder neugierig sind.

Welcher der Filme ist dein Lieblingsfilm?


„Keep The Lights On“ ist toll. Von dem war ich auf der Berlinale schon beeindruckt. Der Film handelt von zwei Männern, die sich in den 1990er kennenlernen und von der Kamera zehn Jahre begleitet werden. Die Jungs verändern sich, die Beziehung verändert sich und man bekommt die Höhen und Tiefen mit. Das ist keine leichte Kost, aber ein sehr guter Film. „My Brother The Devil“ ist auch zu empfehlen: Der spielt in einem tristen Londoner Stadtteil und zeigt zwei Brüder zwischen Gangalltag und Drogen. Dann komm raus, dass der ältere Bruder schwul ist. Ein sehr einfühlsamer und authentischer Film.




Viele Filme im Programm haben Filmpreise abgeräumt: „Keep The Lights On“ hat zum Beispiel dieses Jahr einen Teddy bekommen; „Beauty“ war bester südafrikanischer Film. Gibt es immer mehr richtig gute Filme mit schwulem Inhalt?


Es wäre schön, wenn dem immer so wäre. Aber dieses Jahr hatten wir wirklich sehr viele gute Filme zur Auswahl. Auf der Berlinale gab es dieses Jahr sehr viel schwules Material. Es ist eben ein ganz langsames Ankommen in der Normalität. Es gibt jetzt Filmemacher, die nicht unbedingt schwul sein müssen, um schwule Filme zu machen. Die Regisseure Ira Sachs und Tim Staffel trauen sich an schwules Material ran und machen dabei einfach nur gute Filme.

2008 wurde bei fudder schon mal ein Interview mit der Schwulen Filmwoche veröffentlicht. Da gab es damals sehr viele Kommentare und heftige Diskussionen mit wüsten Anfeindungen und offener Diskriminierung. Vielleicht passiert das jetzt wieder. Wie seid ihr damit umgegangen?


Ja, da gab es dann Kommentare wie: Warum braucht es denn eine schwule Filmwoche? Es gibt doch auch keine heterosexuelle Filmwoche...Naja und eigentlich ist ja 51 Wochen im Jahr Hetero-Filmwoche. Wir sind eine Minderheit und wir haben einmal im Jahr ein Kino mit einem Raum in dem wir mal unser Programm machen. Und das ins Lächerliche zu ziehen, finde ich absolut unangebracht. Kritik, die wirklich begründet ist und nicht auf falschen Bibelzitaten beruht, gern!

Und das Internet ist nicht gerade die schönste Seite der Menschheit wenn es um Anonymität geht. Wer meint er oder sie hat eine fundierte Frage und möchte sich mit dem Thema Homosexualität auseinander setzen, dann bitte gern!

In Russland gibt es seit Kurzem ein Gesetz gegen 'Homo-Propaganda', der CSD in Budapest wurde erst nicht genehmigt und beim Eurovision Song Contest in Baku sieht es für Lesben und Schwule auch nicht gut aus. Wie wichtig ist da eine schwule Filmwoche noch?


Solange es notwendig ist, sich als Mensch outen zu müssen und zu sagen, dass man lesbisch oder schwul ist und solange wie man nicht in jedem Land die gleichen Rechte hat, solange wird es die Schwule Filmwoche geben. Und solange einige noch denken, Lesben und Schwule sind weniger wert, solange wird es solche Festivals noch geben müssen. Wenn es irgendwann normal wird, dann können wir zumachen und unser Ziel ist erreicht. Aber solange gibt´s uns noch.

Wie siehst du die inhaltliche Zukunft der Schwulen Filmwoche? Wird es schwieriger, eindeutig schwule Filme zu bekommen? Wird es bald nur noch „queere“ Filme geben?


Ich freue mich bei der Filmwoche vor allem darauf, dass ich nicht nur eine kleine schwule Szene in einer Soap zu sehen bekomme, sondern ganz viele gute Filme mit schwuler Thematik, gern auch mit Happy End. Und Gott sei Dank geht uns das Material nicht aus. Es kann sein, dass wir uns inhaltlich ein bisschen öffnen. Aber da müssen wir erstmal abwarten, was nächstes Jahr für Filme kommen. Es gibt ja immer noch sehr wenig Filme über Transgender. Die stehen ja noch weiter abseits als wir und sind noch weniger anerkannt.



Verlosung

fudder verlost je zwei Tickets für 'Tomboy', 'Going down in LaLaLand' und 'Outland 1'. Wer gewinnen möchte, schickt eine E-Mail mit seinem Namen und dem jeweiligen Film als Betreff an gewinnen@fudder.de. Einsendeschluss ist Montag, 30. April 2012, 12 Uhr. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werden am selben Tag per E-Mail benachrichtigt.






Was:
Schwule Filmwoche Freiburg
Wann: Mittwoch 2. bis Mittwoch 9. Mai 2012
Wo: Kino Kandelhof
Ticketreservierung: 0761.283707


 




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 1
Montag, 30.04.12 17:06
 

Gewonnen haben:

Tomboy:
Halina C.
Teresa S.

Going down in LaLaLand:
Kerstin S.
Carolin K.

Outland 1:
Miram B.
Andreas S.

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