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Interview & Last-Minute-Verlosung: Munk in der Jackson Pollock Bar

Am Freitag kommt mit Mathias Modica alias Munk ein Vertreter des aktuellen Münchener Disco-Sounds in die Jackson Pollock Bar. Im Interview erklärt er, weshalb München zur Disco-Hochburg geworden ist und welcher Freiburger DJ ihn musikalisch geprägt hat. fudder verlost zwei Mal je zwei Gästelisteplätze.

Mathias Modica / Munk

Mathias, auf Deinem Album 'The Bird And The Beat' fährst Du ein großes Aufgebot an Feature-Künstlern auf. Wie kommst Du an sie heran?


Da ich mit einigen wenigen Ausnahmen alle Instrumentals selbst einspiele, handelt es sich bei den Künstlern meistens um Sänger oder Sängerinnen. Eine von ihnen ist meine Freundin, und die anderen lerne ich, vereinfacht gesagt, in meinem Arbeitsalltag kennen: In der Stadt, in der ich aktuell lebe, während meiner DJ-Gigs, oder wenn ich irgendwo auf der Durchreise bin.  


Was müssen denn ein Sänger oder eine Sängerin mitbringen, damit Du mit ihnen zusammenarbeitest?


Lass es mich zunächst so formulieren: Was ich überhaupt nicht schätze, sind zu technisch geschulte Stimmen. Diese finde ich langweilig und unpersönlich. Mir ist es lieber, ein Künstler verfehlt jede Note um einen Viertelton, berührt aber meine Seele, statt dass er einen Song klanglich brillant und sauber intoniert, dafür aber sehr mechanisch wirkt. Gerade Sängerinnen und Sänger, die aus dem Pop-Business kommen, haben das, was ich 'Werksstimme' nenne. Man hört die Schulung, vielleicht sogar den Lehrer heraus, aber keine Persönlichkeit. Das möchte ich für meine Produktionen nicht haben.


Und was muss ein Produzent mitbringen, damit Du seine Musik auf Deinem Label Gomma Records veröffentlichst?


Genügt Dir ein Satz? Er muss mich von Anfang an überzeugen. Damit meine ich nicht, dass ein Künstler mir ein Demo-Tape mit ausführlichem Begleitbrief schicken soll, in dem er beschreibt, weshalb gerade er zu Gomma passt. Meist geht so etwas schief, weil der Künstler sich mit seiner Musik an bereits vorhandenen Veröffentlichungen orientiert hat. Doch warum sollten wir etwas veröffentlichen, was es bereits auf Gomma gibt? Letztendlich gilt wie bei der Stimme: Das Saubere, straight Durchproduzierte und transparent Abgemischte mag ich nicht so sehr. Das passt auch nicht zu 'Disco', und Gomma ist ein Disco-Label.


Du bringst das Stichwort: Disco. Wie erklärst Du Dir das Phänomen, dass München seit jeher Disco-Hochburg ist?


Da Du nicht der Erste bist, der mir diese Frage stellt, konnte ich mir im Laufe der Zeit eine lehrbuchtaugliche Antwort erarbeiten. Historisch betrachtet, findet Disco in München schon seit über hundertfünfzig Jahren statt.


Aha.


Ludwig der Erste, Maximilian der Zweite, die Bayerischen Könige, lebten ein selbstgefälliges, hedonistisches Leben. Sie waren dekadent und strebten nach höchster Lusterfüllung. In gesteigerter Form kommt dies beim 'Kini', bei Ludwig dem Zweiten, zum Ausdruck. Er war die erste Disco-Diva: Er hatte homosexuelle Neigungen, war verdrogt, und immer nur auf den Genuß aus. Mehr Disco geht nicht!


Und später?


Später waren es die US-amerikanischen Soldaten, die nach dem Zweiten Weltkrieg den Disco-Gedanken wieder nach München brachten und auslebten. Sie eröffneten Tanzcafés, sendeten über ihren Radiosender AFN Network Rock'n'Roll, Motown-Soul, Funk und alle Ausprägungen dieser Genre. In den Siebziger Jahren war München das Zentrum der Unterhaltungskultur und -industrie. Wim Wenders, Rainer Werner Fassbinder, und so weiter. Wer in Film, Fernsehen und in der Musikbranche etwas auf sich hielt, lebte zu dieser Zeit in München. Siehe nur Freddie Mercury, der hier in den späten Siebziger und frühen Achtziger Jahren mehrere Alben produzierte. Seine pompösen Arrangements sind bis heute unerreicht. Und queer.  


Ein Name fehlt doch noch.

 
Du meinst Giorgio Moroder? Natürlich kommt man um seine Person nicht herum. Er hat ja als Produzent von München aus die Welt erobert, mit eigenen Stücken wie "Arizona Man" oder "Son Of My Father", oder als Produzent von Acts wie Donna Summer, die es als Musical-Sängerin in den Siebziger Jahren ebenfalls nach München verschlagen hat.


Wo schlägt dieses reiche musikalische Erbe in Deiner Arbeit durch?


Das kannst Du mir doch viel besser erklären. Andererseits hört man es als Künstler nicht gern, wenn die eigenen Stücke mit den Worten 'klingt wie' beschrieben werden. Der 'Sound of Munich' kommt bei mir jedoch vor allem darin zum Ausdruck, dass ich in meinen Produktionen auf üppige Harmonien, süßliche Harmonien, und übertrieben aufwändige Arrangements setze. Wie bereits gesagt: Die Instrumentals spiele ich nahezu alle selbst ein.


Lohnt sich dieser Aufwand denn heute noch? Manche anderen Produzenten landen mit plug-in Presets Welthits.


Als studierter Musiker kann ich nicht anders. Ich denke, das zeichnet mich als Künstler und meine Musik aus. Es ist Tanzmusik, die aber nicht ausschließlich für den Dancefloor produziert wird. Diesen Anspruch habe ich auch an Künstler, die auf Gomma veröffentlichen. Und wenn man sich vor Augen hält, wo heute Formationen wie WhoMadeWho oder The Phenomenal Handclap Band stehen, zahlt sich der hohe Arbeitseinsatz aus.


Und welche Stilelemente sind inzwischen typisch für Deine Musik geworden? Gibt es einen 'Munk Sound'?


[lacht] Das ist wieder eine Frage, die Du mir besser beantworten kannst. Als charakteristisch würde ich zum einen den kaputten Gesang nennen. Sänger und Sängerinnen, mit denen ich für meine Tracks zusammenarbeite, haben einfach nicht die glatte, durchgestylte Pop-Stimme. Zudem kennzeichnet eine barocke Üppigkeit meine Arbeiten, und da wären wir wieder beim Pomp des bayerischen Königswahns. Aber jetzt darf ich Dich auch noch etwas fragen.


Nur zu.


Gibt es in Freiburg eigentlich noch den Rainer Trüby?


Ja.


Das ist schon bewundernswert, dass der Rainer nach so vielen Jahren immer noch am Start ist. 'Der Trüby' hat nämlich Mitte der Neunziger Jahre öfters einmal in München aufgelegt, zusammen mit Theo Thönnessen und den anderen Into Somethin'-Jungs. Da war ich meist am Start. Das war prägend für mich und meine Musik.

Verlosung:

fudder verlost zwei Mal je zwei Gästelisteplätze für Munk in der Jackson Pollock Bar. Wer gewinnen möchte, schickt eine E-Mail mit seinem Namen und dem Betreff "Munk" an gewinnen@fudder.de. Einsendeschluss ist Freitag, 27. April 2012, 12 Uhr. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werden am selben Tag per E-Mail benachrichtigt.




 




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 1
Freitag, 27.04.12 12:11
 

UPDATE: Gästelisteplätze für Munk in der Jackson Pollock Bar gewonnen haben:

1. Melanie Z.

2. Daniel K.

Viel Spass!

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