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Diskussion von Piraten und Dekan Engelhardt am Donnerstag: Wie anonym ist das Internet?

In seiner Karfreitagspredigt hatte Markus Engelhardt, Dekan im evangelischen Kirchenbezirk Freiburg 'Anonymität im Internet' kritisiert - und die Piratenpartei. Nach einem offenen Brief der Piraten an den Dekan setzt man sich jetzt zusammen: am Donnerstag wird Dekan Engelhardt im KG I mit André Martens von der Piratenpartei Freiburg diskutieren.



Engelhardt, Dekan im evangelischen Kirchenbezirk Freiburg, hatte in seiner Karfreitagspredigt in der Auferstehungskirche über das einmalige Opfer Jesu Christi (Hebräer 9,15.26b-28) gesprochen und führte auch heutige Opfer an. Dabei kam er auf den Mord an einer Elfjährigen in Emden und die Reaktionen im Internet zu sprechen:

... ganz aktuell: denken Sie an das, was in der vergangenen Woche in Emden vor den Häusern eines zu Unrecht Verdächtigten und dann des mutmaßlichen Täters geschehen ist. Daß so etwas mitten in unserem demokratischen Rechtsstaat möglich ist, ohne daß Polizei und Justiz Mittel oder Willen haben, einem solchen Spuk ein schnelles Ende zu bereiten, treibt einem die Schamesröte ins Gesicht. Und läßt einem alles Gerede von wegen „jüdisch-christlicher Leitkultur“ in unserem Land im Hals stecken bleiben.

Und dann:

Und es sollte uns nachdenklich machen, ob man ernsthaft einer immer mehr als hip und anziehend geltenden Partei die Stimme geben kann, die als ihr politisches Hauptziel die Sicherstellung der „Freiheit im Internet“ propagiert. Einem Medium, das durch seine Anonymität den übelsten Bodensatz dessen befördert, wozu Menschen auch fähig sind.

Die Piraten antworteten mit einem Offenen Brief auf die Predigt:


Was in Emden geschehen ist, ist grauenvoll und wir bedauern ebenso wie sie, was dort passiert ist. Doch ebenfalls sehr beschämend war an dieser Stelle das Versagen der Presse und insbesondere der Polizei. Was Sie aber ausgehend von deren Versagen dazu verleitet, dieses mit der Piratenpartei und der von Ihnen genannten „Freiheit im Internet“ zu verbinden, ist für uns als Bürger und Parteimitglieder nicht nachvollziehbar.

Die Ereignisse von Emden fanden nicht im Internet statt. Etwa 66% aller Bundesbürger nutzen auf unterschiedliche Weise das Internet ebenso selbstverständlich wie andere Kommunikationskanäle (z.B. über das Telefon, Handy, Fax etc.). Man hätte auch telefonisch oder per Brief zum Lynchmob aufrufen können. Deswegen würde man trotzdem nicht Kommunikationsanbieter wie die Deutsche Post oder gar Telefonhersteller verurteilen.

Die Ursache des Lynchmobs waren auch nicht die Aufrufe auf Facebook. Ursächlich für den Lynchmob war unter anderem die fehlerhafte Arbeit der Polizei, welche die Öffentlichkeit schon früh glauben ließ, man habe den Täter bereits gefasst. Wozu eine mangelhafte Abschottung oder gar Vorführung von Verdächtigen führt, hätte der Polizei und der Staatsanwaltschaft bewusst sein müssen.

Die Aufrufe auf Facebook waren die Reaktion einiger Bürger auf die Tat und Folge der oben beschriebenen Probleme und der Darstellung des Falles in der Presse. Diese Wut, die aus einer gefühlten Ohnmacht in pure Aggression umschlägt und welche dazu führt, dass Menschen ohne Urteil als schuldig angesehen werden, finden wir Piraten ebenfalls unerträglich. Allerdings ist dies kein neues Phänomen, das gab es schon vor dem Zeitalter des Internets und damit auch lange vor der Piratenpartei.

Es war nicht die Piratenpartei, die zu dem Lynchmob aufgerufen hat. Es ist auch nicht die Schuld der Piratenpartei oder der Netzgemeinde, dass auch Menschen, die die Folgen Ihres Handelns nicht begreifen, Facebook nutzen.


Im Anschluß luden sie Engelhardt zu einem Parteistammtisch ein. Da die öffentliche Reaktion auf Engelhardts Predigt und das Interesse an einer Debatte zum Thema groß war, veranstaltet man stattdessen eine offene Diskussion zum Thema.

"Es soll eine lockere Diskussionsrunde werden", sagt Tobias Zawisla, Vorstand der Piratenpartei Freiburg. "Wir werden allgemein über Anonymität im Internet und ihre Risiken reden. Ich glaube der Dekan ist sich nicht bewusst gewesen, dass die Hetze in Emden primär auf Facebook stattfand, was ja nun wirklich nicht anonym ist."

Die Piraten hoffen, dass die Debatte nicht verpufft. "Ich hoffe, wir können einen Diskurs starten, der auch über die Veranstaltung hinaus anhält", sagt Zawisla. "Wir sind uns bewusst, dass unsere Positionen manchmal nicht leicht zu verstehen sind, aber wir wollen verstanden werden und wenn in der Diskussion alle Seiten ein bisschen was dazu lernen, wäre das toll."

Für die Piraten sitzt der ehemalige Landesvorsitzende der Piraten André Martens auf dem Podium, durch die Diskussion führt Martin Brink-Abeler.




Was: Diskussion - Anonymität im Internet
Wann: Donnerstag, 26. April 2012, 20 Uhr
Wo: Hörsaal 1221, KG I
Eintritt: frei




© p!xel 66 - Fotolia.com




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 2
Mittwoch, 25.04.12 15:47
 

Facebook und Anonymität:

"CIA's 'Facebook' Program Dramatically Cut Agency's Costs":
http://is.gd/d9VkEZ (The Onion)

Wenns auch Satire ist, so ist es doch nicht völlig abwegig.


FSK18 hat den Kommentar am 25.04.2012 um 15:49 bearbeitet
Mittwoch, 25.04.12 15:56
 

Na, hier gehen zumindest zwei Seiten offen aufeinander zu.
Und beiden unterstelle ich hehre Motive.

Hoffen wir, daß es eine konstruktive Diskussion mit Achtung voreinander wird.

Kann leider nicht dabei sein ...

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