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'Was gesagt werden muss', von einem Schüler interpretiert

Lyrikinterpretation ist in der Oberstufe Pflichtstoff im Deutschunterricht. fudder-Praktikant Jonas Frankenreiter, Elftklässer am Staudinger Gymnasium, hat sich dem meistdiskutierten Stück Lyrik dieser Tage angenommen: Günter Grass umstrittenes Gedicht "Was gesagt werden muss". Und ein Lehrer hat seine Interpretation bewertet.




   
Lyrikinterprätation zu Günter Grass „Was gesagt werden muss“

In Günter Grass Prosagedicht „Was gesagt werden muss“ geht es um den atomaren Konflikt zwischen Israel und dem Iran und das Verhalten des Westens in dieser Situation. Erschienen ist es am 4. April 2012 unter anderem in der Süddeutschen Zeitung.

In Günter Grass Gedicht gibt es weder Strophen noch Verse. Es ist in neun Sätzen verfasst und besitzt kein durchgängig gleichbleibendes Metrum oder Reime. So ist er in seiner Ausdrucksweise nicht eingeschränkt.

Grass verwendet meist lange Sätze. Zu Anfang eines Absatzes kommt es vor, dass sich das lyrische Ich Fragen stellt, die dann später im Gedicht beantwortet werden. Es handelt sich dabei um Fragen, die sich nicht nur das lyrische Ich sondern auch viele Deutsche stellen könnten: Warum sind wir immer noch so übervorsichtig im Umgang mit Israel? Grass will, dass sich der Rezipient diese Fragen stellt, weshalb er sie gleich direkt in sein Gedicht hineinschreibt.

Grass Stil ist klar und direkt ohne Metaphern oder Abschweifungen. Seine Wortwahl enspricht der Alltagssprache. Hiermit will er ein breites Publikum gewinnen. Wenn erste eine Interpretation nötig wäre um die Kritik zu verstehen, könnte man ihn auch missinterpretieren, was er möglichst vermeiden will. Grass Text ist keine Anklageschrift an Deutschland oder Israel, sondern eine Veröffentlichung, die zur Diskussion anregen soll.



Das Gedicht wirft einen kritischen Blick auf den Umgang der westlichen Länder mit Israel und dem Iran und bietet gegen Ende auch Verbesserungsvorschläge zur Entspannung der Lage. Wie schon in der Überschrift erwähnt, ist das lyrische Ich der Auffassung von etwas zu berichten, was gesagt werden muss. Es sträubt sich anfangs noch Israel direkt zu kritisieren, so wie Deutschland Israel aufgrund seiner Vergangenheit noch nicht kritisieren möchte.

In der Mitte des Gedichts wird Israel dann erstmals namentlich genannt und ihm wird vorgeworfen den „ohnehin brüchigen Weltfrieden“ zu gefährden (s.Z. 44-45). Die Tatsache, dass Israel erst jetzt namentlich genannt wird, kann auf die Zukunft übertragen werden. Grass hofft, dass sich Deutschland in Zukunft traut, auch an Israel Kritik zu üben. In diesem Abschnitt (5) kommt Grass von seinem klaren Stil ab und baut stark verschachtelte Sätze ein. Grass muss dieser Abschnitt besonders wichtig sein, da es der längeste Absatz des Gedichts ist und für den Rezipienten, verglichen mit dem Rest seines Textes schwer verständlich ist.

Schließlich möchte es Deutschland vor einer Mitschuld eines Verbrechens gegen den Iran warnen, da nach Israel „ein weiteres U-Boot geliefert [...] werden soll“ (s.Z. 29-30), welches Sprengköpfe dorthin richten kann, wo die Existenz der Atombombe noch nicht mal bewiesen ist.

Als Lösungsvorschlag sieht das lyrische Ich eine „permanente Kontrolle des israelischen atomaren Potenzials und der iranischen Atomanlagen durch eine Internationale Instanz“ (s.Z. 60-63) mit der beide Länder einverstanden sind.

Ich sehe Günter Grass Gedicht „Was gesagt werden muss“ als sinnvoll an, um eine Diskussion anzustoßen. Es kann sicherlich dazu beitragen, dass sich Israel in Zukunft leichter kritisieren lässt und diesbezügliche Hemmungen, die sich gegenüber anderen Ländern oft nicht wahrnehmen lassen, abzubauen.

 
Einschätzung der Interpretation von Bert Färber, Deutschlehrer

Gedichtinterpretationen werden von manchen Schülern im Unterricht als „ätzend“ empfunden. Es ist deshalb erfreulich und mutig, dass Sie in der aktuellen öffentlichen Diskussion, die von Empörung und Widerstand durchsetzt ist, diesen von Grass in Versen abgefassten Kommentar ausgewählt haben und ihn nicht „vollkrass“ interpretieren, Das „Gedicht“ mit dem Titel „Was gesagt werden muss“ von Günter Grass kann zweifellos nicht dem Sternchenthema Liebeslyrik zugeordnet werden und ist damit nur bedingt zur Abi-Vorbereitung geeignet.

Die vorliegende Interpretationsarbeit zeugt damit von einem lobenswerten außerschulischen Engagement. Ihre Untersuchungsmethode berücksichtigt formal und inhaltlich wesentliche Aspekte der Gedichtinterpretation; Ihre Ausführungen sind klar in Einleitung, Hauptteil und Schluss  gegliedert und angemessen zu einem zusammenhängenden Textganzen verknüpft.
Als Schüler einer 11. Klasse bestätigen Sie damit hinreichend Ihre Aufmerksamkeit im fachspezifischen Unterricht.

Sie äußern sich persönlich, eigenständig und überzeugend zu dem ungereimten Text und machen sich einen unaufgeregten eigenen Reim darauf. Für Sie ist der Grass-Text ein sinnvoller „Diskussionsanstoß“, die angespannten politischen Beziehungen zwischen Israel, dem Iran und einzelnen westlichen Staaten vorurteilsfrei und kritisch zu prüfen, um den Weltfrieden abzusichern.









[Fotos: dpa]  




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 5
Dienstag, 17.04.12 09:53
 

Sorry, nee. Das geht mal gar nicht. Also das "Gedicht" mein ich. Reimt sich ja gar nicht. Das kann ja ich besser. Darum rufe ich hiermit hochoffiziell den ersten Fudder-Kommentar-Limerick-Contest aus. Ich fang mal an:

Einem allseits bekannten Diktator
versagte einst sein Ventilator.
Darauf wurd der Beamte
von dem dieser stammte
zum Dessert für den Hausalligator.

Dienstag, 17.04.12 10:22
 

"Gedichtinterpretationen werden von manchen Schülern im Unterricht als „ätzend“ empfunden."

Von manchen? Gedichtsinterpretationen sind die Geisel des Deutschunterrichts, Ingeborg Bachmann wahre Folter!

Ich hab beim Abi damals im 3. Prüfungsfach die freie Erörterung genommen, Lyrik ist doch Kokolores!

Dienstag, 17.04.12 10:51
 

Und wenn ich in Rechtschreibung besser aufgepasst hätte stünde da oben jetzt "Geißel" und nicht "Geisel"!

Dienstag, 17.04.12 10:52
 

Ich habe Gedichtinterpretationen immer geliebt! Die wären fast ein Grund, noch mal zur Schule zu gehen.

Dienstag, 17.04.12 16:26
 

Uf Badisch: Was gsait gehört.

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