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"Das ist kein Urlaub": Bad Krozinger fährt mit dem Fahrrad um die Welt

"Show me the world", heißt das Konzept von Stefan Böhm aus Bad Krozingen. Am 14. April beginnt seine Weltreise, ein Ende ist (noch) nicht geplant. Auf seiner Website showmetheworld.de kann man bestimmen, wo er hinradeln soll, Gehimtips empfehlen und seine Route verfolgen. fudder-Autorin Dana hat ihn gefragt, wie es ihm so kurz vor der Abreise geht.



fudder: Stefan, wenn man mit dem Fahrrad um die Welt reist: Was nimmt man mit?


Stefan Böhm: Ich habe die Wohnung gekündigt, den Job gekündigt, ich löse den ganzen Haushalt auf. Eine Kiste bleibt, die ich bei den Eltern unterstelle, den Rest habe ich auf dem Fahrrad.
Losfahren werde ich mit etwa 40 Kilo. Ich werde ja die meiste Zeit im Zelt leben. Dazu kommen noch Essen und Trinken, wobei ich anfangs in Europa nicht viel mitnehmen muss.


Ist das eine Pilgerreise für dich?


Es ist klar, dass man sich selber extrem verändert. Eine Pilgerreise würde ich das nicht nennen, weil ich alles andere als religiös bin. Eine Reise ins Ich ist es sicherlich schon. Damit muss man bei längeren Projekten rechnen, und das ist auch sicherlich spannend. Aber ich muss schon konkret sagen: Das ist kein Urlaub. Das wird auch Alltag und es wird genügend Strecken und Tage geben, an denen es mir beschissen geht. Aber die Hoffnung ist, dass diese Tage deutlich geringer sind als hier im Alltagsleben.


Wie kamst du auf die Idee, eine Weltreise zu machen?


Die Idee grundsätzlich, irgendwie in der Welt rumzutingeln, die habe ich schon sehr lange. Ich habe mir mit dreizehn Jahren die Auswanderungsunterlagen der kanadischen Botschaft schicken lassen. Vor sechs oder sieben Jahren war ich allein in Schweden mit den Ski unterwegs. Da habe ich beschlossen, ich will sowas wirklich machen. Es macht mir Spaß, wenn ich allein irgendwo hinkomme. Man wird ganz anders von den Leuten aufgenommen. Ich kann nicht ausschließen, dass es in die Hose geht und ich in einem halben Jahr feststelle, das ist doch nicht so mein Ding. Das ist sehr unwahrscheinlich, aber weiß man nicht.


Was ist die Idee hinter deiner Website showmetheworld.de?


Ich verkaufe 2000 Punkte auf der ganzen Welt. Punkt eins kostet 1 Euro, Punkt hundert kostet 100 Euro. Man kann die Nummer kaufen, die noch nicht vergeben ist, sich einen Ort dazu aussuchen und ich werde dorthin reisen, berichten, Fotos machen, Postkarten schreiben. Ich muss die ganze Tour ja irgendwie finanzieren.

Die Idee war auch, Empfehlungen für Orte zu kriege, die immer als Geheimtip laufen und nicht im Reiseführer stehen. Verkauft sind etwa 53 bis jetzt. Inzwischen sind auch Käufer dabei, die ich gar nicht kenne. Ich habe keine große Werbeaktion gemacht. Viele große Geschäfte sagen, sie wollen nicht vorfinanzieren. Das sieht dann anders aus, wenn ich wirklich unterwegs bin und schon einen tollen Reiseblog habe.


Wo fährst du denn jetzt als erstes hin?


Es geht am 14. April 2012 um 12 Uhr in Bad Krozingen los. Ich fahre dann von hier ans Nordkap. Da steht schon die grobe Route fest. Ich möchte danach gerne nach Russland. Das schaffe ich  nicht in einem Monat. Für Russland kriegt man aber normalerweise nur Visa für einen Monat. Ich würde dann gerne Richtung Naher Osten, aber da weiß man ja momentan überhaupt nicht wie es in einem halben Jahr aussieht. Aber ich habe vor 100 Kilometer am Tag zu fahren.

Hast du viel trainiert?


Trainiert habe ich einfach im Alltag, bin mindestens 34 Kilometer täglich Fahrrad gefahren. Mittlerweile hat das Fahrrad auch über 20.000 Kilometer drauf. Ich war oft schwimmen, klettern, wandern und im Winter Ski fahren. Eine gewisse Sportvorliebe ist vorhanden.


Wie lange möchtest du an den einzelnen Orten bleiben?


Eigentlich ist das offen. In einigen Städten muss ich organisatorische Dinge erledigen. Also zum Beispiel Visa-Beschaffung. Aber zum Beispiel am Nordkap werde ich ankommen, ein Foto machen, mich freuen und dann weiterfahren. Aber wenn ich irgendwohin komme und da sind tolle Leute oder eine tolle Landschaft, dann kann es schon sein, dass ich beschließe mehrere Tage Fotourlaub zu machen.


Wovon lebst du auf deiner Tour?


Zu essen bekommt man immer irgendwo. Ich habe ja eine komplette Küche im Gepäck mit Kocher und Topf. Ich denke ich kann für acht bis zehn Tage Essen zuladen. Wasser ist problematischer. Wenn ich in die Wüste fahre, muss ich das gut durchplanen. Entsprechend muss ich dann eben Wasser mitnehmen. Man kann sich ja ausrechnen wieviel Wasser man jeden Tag braucht.
 

Auf welchen Punkt freust du dich am meisten?


Alles hat seinen Reiz. Von den Punkten, die jetzt verkauft sind, wüsste ich keinen, den ich bevorzugen würde. Aber es gibt einen Punkt in China, ein kleines Straßencafé, wo mich ein Käufer hinschickt. So etwas finde ich sauspannend.  


Wo möchtest du denn deinen Geburtstag und Weihnachten verbringen?



Letzte Weihnachten wurde mir bewusst, dass das erstmal das letzte Mal Weihnachten auf die Art ist. Ich habe auch noch an Weihnachten Geburtstag, am 26. Dezember. Das wird sicher lustig. Es gibt ein paar Traveller-Treffpunkte, an denen sich Reisende an Weihnachten treffen. Ich könnte mir gut vorstellen mal bei dreisig Grad am Strand zu liegen an Weihnachten.

Wie lange willst du insgesamt unterwegs sein?


Der große Traum ist eine Art modernes Nomadenleben. Ich habe nicht gesagt, ich möchte in fünf Jahren wieder hier sein. Wenn man mit dem Fahrrad die Welt, also jeden Kontinent bereisen will, braucht man mindestens vier Jahre, weil das von den klimatischen Bedingungen nicht anders machbar ist. Ich könnte mir gut vorstellen zehn bis fünfzehn Jahre durch die Welt zu tingeln. Ich will auch nicht ausschließen, dass ich in ein paar Jahren keine Lust mehr dazu habe. Aber eher: Je länger, desto lieber. Vielleicht bleibe ich auch irgendwo hängen.


Woher nimmst du den Mut für dieses Abenteuer?


Woher nehmen die Leute den Mut eine Familie zu gründen? Ich kann das nicht beantworten. Ich habe schon immer das Bedürfnis selbstbestimmt zu leben. Keine Ahnung. Aber ich sehe das nicht als so wild. Natürlich werde ich Freunde und Familie vermissen. Aber ich denke, was vermisse ich, wenn ich hierbleibe?

Ich habe in Urlauben, die ich auf diese Art gemacht habe gemerkt, dass es mir einfach gut geht, wenn ich so unterwegs bin, richtig gut.




[Bild: Privat]




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