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Mahngebühren und beschädigte Bücher: Interview mit zwei Mitarbeitern der Uni-Bibliothek

Nicht jeder Student bringt sein Buch pünktlich in die Bibliothek zurück. Der eine hat’s verschlampt, der andere zahlt lieber Mahngebühren, weil er das Buch noch dringend braucht, und wieder andere warten auf den richtigen Zeitpunkt zu gestehen, dass das entliehene Medium von Kaffee durchtränkt ist. Über Mahngebühren, Buchschäden und pünktliche Abgaben sprach Claudia Füßler mit den UB-Mitarbeitern Ralf Ohlhoff und Regina Flamm:

 

fudder: Frau Flamm, Herr Ohlhoff, was passiert mit dem Geld, das die Bibliotheksnutzer, die ausgeliehene Bücher nicht rechtzeitig zurückbringen, als Mahngebühr an die Universitätsbibliothek zahlen?


Regina Flamm: Das kommt der UB und ihrem normalem Ausgabeetat zugute, davon werden neue Bücher angeschafft. Im vergangenen Jahr haben wir 165 000 Euro Mahngebühren eingenommen.

Ist Ihnen das zu wenig? Ist doch ein schönes Zubrot für Neuanschaffungen.


Ralf Ohlhoff: Im Gegenteil, das ist ganz klar zu viel. Uns wäre am liebsten, wir würden gar keine Mahngebühren einnehmen. Denn das würde im Umkehrschluss bedeuten, dass alle Bücher pünktlich und unbeschädigt zurückgegeben werden. Damit wären wir alle glücklich. Aber leider halten sich nicht alle Bibliotheksnutzer an Ausleihfristen, so dass wir sie eben ab und an disziplinieren müssen.

Indem Sie mahnen.


Flamm: Genau, und zwar in fünf Stufen. Die erste Mahnung geht ein bis zwei Tage nach dem eigentlichen Rückgabedatum in die Post, da werden 1,50 Euro pro nicht zurück gebrachtem Buch fällig. Bringt der Nutzer das Buch nicht zurück, bekommt er nach einer Woche wieder Post von uns, dann kostet es schon 5 Euro pro Buch.

Bei der dritten und vierten Mahnung berechnen wir jeweils weitere 10 Euro. Sie sind dann nach mehr als vier Wochen schon bei 26,50 Euro Mahngebühren pro Buch. Diese Mahnstufen laufen ganz automatisiert ab. Bringt jemand sein Buch auch nach der vierten Mahnung nicht zurück, werden wir strenger.

Das heißt konkret?


Flamm: Wir verschicken ein Einschreiben, dessen Kosten der säumige Nutzer tragen muss. Es werden noch ein weiteres Mal 10 Euro auf die Mahngebühr aufgeschlagen, das sind dann insgesamt 39,35 Euro pro Buch. Außerdem drohen wir an, das Buch auf Kosten des Nutzers neu anzuschaffen. Wenn wir dann auch nichts von ihm hören, kaufen wir das Buch und schicken ihm die Rechnung.

Wie oft müssen Sie neue Bücher kaufen, weil jemand seine Exemplare partout nicht zurückbringt?


Ohlhoff: Zum Glück verhältnismäßig selten. Wir haben im vergangenen Jahr insgesamt 86.933 Mahnungen verschickt, darunter waren 68.000 1. Mahnungen und etwas mehr als 1000 4. Mahnungen. Von denen haben noch einmal reichlich zehn Prozent ein Einschreiben bekommen. Aber selbst danach kommen noch Bücher zurück. Neu anschaffen mussten wir 2011 insgesamt 291 Bücher, die entweder nicht zurückgebracht, als verloren gemeldet oder so stark beschädigt worden sind, dass sie nicht weiter verliehen werden konnten. Und das bei rund 700.000 ersten Ausleihen im Jahr.

Flamm: Dass sich jemand auf all unsere Mahnungen und das Einschreiben hin überhaupt nicht rührt, das kommt wirklich ganz, ganz selten vor.

Ab wann gilt ein Buch denn als beschädigt? Manche Exemplare zum Ausleihen sind ja schon tüchtig zerlesen.


Flamm: Natürlich wird der normale Verschleiß niemandem angelastet, da sind wir schon relativ großzügig. Aber wir sehen, wenn ein Buch im Kaffee gelegen hat oder – auch das gab es schon – mit einer Ladung Rote-Bete-Saft überschüttet worden ist. Einmal hat ein Student sein Buch reumütig in einer Tüte zurückgebracht – es hatte Bekanntschaft mit Fischsuppe geschlossen. Dem Mitarbeiter war der Geruch lange eindrücklich in Erinnerung.

Oder der Klassiker: Buch fällt in die Badewanne.


Ohlhoff: Das kommt gar nicht so oft vor, glaube ich. Aber die Benutzer verraten uns auch nicht alles. Ob die Seiten von Badewannenfeuchte oder Regenfeuchte gewellt worden sind, können wir leider noch nicht erkennen. Wir rufen aber immer wieder ausdrücklich dazu auf, dass eventuelle Schäden an Büchern schon beim Ausleihen dem Mitarbeiter gezeigt werden. Denn den Letzten beißen die Hunde. "Das war schon, als ich das Buch ausgeliehen habe" können wir nicht nachprüfen, wir machen den Nutzer verantwortlich, der uns das Buch beschädigt zurückbringt.

Stichwort pünktliche Abgabe: Könnten Sie nicht einfach die Mahngebühren erhöhen und auf diese Weise eine noch bessere Rückgabequote erreichen?


Ohlhoff: Das hätte sicher einen Effekt in diese Richtung, aber wir halten das nicht für angemessen. Mahngebühren sollten so niedrig wie möglich und so hoch wie nötig sein.

Flamm: Sie müssen ja bedenken, dass viele mehrere Bücher ausgeliehen haben, im Schnitt zehn bis zwölf Stück. Da wirkt sich der Faktor pro Buch schon entscheidend aus.

Gibt es Studienrichtungen, in denen sich besonders viele faule Zurückbringer tummeln?


Ohlhoff: Nein, zumindest fällt uns das nicht auf. Wir erfassen die Ausleiher ja auch nicht nach bestimmten Kriterien.

Warum geben die Leute ihre Bücher denn zu spät zurück?


Ohlhoff: Der Hauptgrund ist natürlich der, dass der Termin einfach verschusselt wird. Oder aber sie warten bis kurz vor Schluss und schaffen es dann nicht, weil unerwartet etwas dazwischen kommt.

Flamm: Viele sagen auch, Sie hätten den Termin nicht gewusst oder die erste Mahnung nicht bekommen, zum Beispiel, weil sie umgezogen sind. Das lassen wir nicht gelten, die Leihfrist ist für jeden im Internet einsehbar.

Lassen Sie überhaupt eine Entschuldigung gelten? Hilft charmantes Wimpernklimpern bei verspäteter Rückgabe?


Ohlhoff: (lacht) Leider keine Chance. Wir sind der Landeshaushaltsordnung und dem Verwaltungsvollstreckungsgesetz gegenüber verpflichtet, die besagen, wenn wir eine Gebühr erheben, müssen wir sie auch eintreiben. Wir diskutieren nicht, auch wenn die Leute das immer wieder versuchen.

Flamm: In seltenen Härtefällen erlauben wir Ausnahmen, wenn jemand zum Beispiel schwer krank ist. Dann verlangen wir aber ein Attest. Und ein Schnupfen fällt nicht unter "schwer krank", dann können Sie anrufen und Bescheid sagen, dass Sie die Ausleihfrist verlängern müssen, soweit dies möglich ist.

Das sind harte Regeln.


Ohlhoff: Unser Maßstab hierbei lautet: konsequent und gerecht. Andere warten oft auf Bücher, und Prüfungsstress hat so ziemlich jeder. Klar tut es weh, gerade dem studentischen Geldbeutel, das wissen wir. Aber wir setzen auch auf den erzieherischen Effekt, denn wir haben eigentlich nur ein Anliegen: dass die Bücher pünktlich zurückgegeben werden, damit sie wieder verliehen werden können. Das ist unsere Aufgabe, nur so bleiben wir betriebsfähig. Die Mahngebühren sind Mittel zum Zweck. Deshalb ist zum Beispiel jeder für neue Ausleihen gesperrt, der mehr als 10 Euro ausstehende Mahngebühren auf seinem Konto hat.

Ohne Pardon.


Ohlhoff: Ohne Pardon. Wir können einfach nicht jeden Fall und jede Entschuldigung individuell prüfen. Aber wir sind über jedes zurückgegebene Buch immer wieder aufs Neue glücklich.

Zu den Personen

Regina Flamm ist in der Uni-Bibliothek (UB) Abteilungsleiterin Ausleihe und Magazin, Ralf Ohlhoff (44) Leiter des Dezernats Benutzung und Informationsdienste und Fachreferent für Orientalistik und Religionswissenschaft.

Uni-Bibliothek

In der UB werden 3,5 Millionen Medien aufbewahrt, davon 3 Millionen gedruckte Bände. In der UB 1 (Stadthalle) gibt es 200 000 Bände in der Freihandausleihe, dazu kommen 150 000 Bände Lesesaalbestand. 2011 wurden 1,58 Millionen Medien entliehen.





[Fotos: Thomas Kunz]




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 2
k_c
Freitag, 16.03.12 16:49
 

manche ubs handhaben das so, dass die nutzer für den überzogenen zeitraum keine bücher mehr ausleihen können.
wenn es sich nicht gerade um prüfungskandidaten vor der letzten prüfung handelt, ist das recht effektiv.

Freitag, 16.03.12 21:32
 

@k_c War auf jeden Fall früher schon so in der Bib hier, vielleicht hat sich das in den letzten Jahren geändert?

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