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Verbessert rhythmisches Klatschen die Lernfähigkeit?

Musik wird als Beruhigungsmittel beim Zahnarzt, als Lockmittel in Kaufhäusern und als Ausdrucksmittel in Therapien eingesetzt. Kann Musik als Lernmittel in der Schule ebenso effektiv sein? Um das herauszufinden, ließen Maren Woestmann (16) und Naomi Arbely (15), Schülerinnen des Emmendinger Goethe-Gymnasiums, vor dem Unterricht Rhythmen klatschen.

Naomi Arbely und Maren Woestmann

"Wir sind eine musikalische Schule mit Musikprofil. Wir haben zum Beispiel einen Unterstufen-Chor, die Goethe Harmonists, das Vokalensemble LABLAMAGE und Orchester wie die Goethe Groove Connection", erzählt Maren. Sollte nicht in einer solchen Schule auch beim Mathepauken die Musik den Ton angeben? "Wenn man zum Beispiel nervös ist, trommelt man ja auch mit den Fingern auf den Tisch, und die Lehrer sagen dann, man soll es lassen." Tun sie gut daran, das zu sagen? Um diese Frage zu beantworten, wählten Maren und Naomi sechs Testklassen aus.

"Wir haben Zettel geschrieben für die Lehrer, ihnen unser Projekt erklärt und uns auf diese Weise durchgefragt. Einige haben sich tatsächlich gemeldet." Gut wäre es, so hatten es sich die beiden überlegt, mit dem Versuch die Hauptfächer abzudecken und eine Fremdsprache. Die Wahl fiel auf Mathematik, Deutsch und Französisch. Pro Fach beteiligten sich jeweils zwei Klassen an dem Versuch, insgesamt also sechs. Vertreten waren fünfte bis achte Klassen, da es hier häufiger laut und unkonzentriert zugeht. Und: "Die Oberstufenschüler hätten uns nicht mehr ernst genommen", so Maren.

Den Ablauf erklärt sie so: "Unsere Testphase dauerte zwei Wochen. Wenn die Klasse also in Mathe das Projekt durchgeführt hat, haben die Schüler zwei Wochen lang immer vor dem Matheunterricht geklatscht." Naomi und sie machten den Lehrern Vorgaben, wie in die Hände geklatscht werden sollte und wie lange: Für die Dauer von drei bis fünf Minuten sollte der jeweilige Lehrer kompexe, aber nachklatschbare Rhythmen vorgeben, es klatschten immer Lehrer und Gruppe im Wechsel. Konkrete Rhythmen hatten Maren und Naomi dabei nicht festgelegt: "Es geht nicht so sehr darum, was man klatscht. Es geht darum, dass man klatscht", erklärt Maren, "und zwar nicht was ganz Einfaches, sondern was Rhythmisches. Das Entscheidende ist, dass man sich dabei konzentrieren muss."

Nach der Klatsch-Phase zu Beginn der Stunde fand der übliche Unterricht statt. Um die Auswirkungen des Klatschens zu überprüfen, schrieben die Klassen jeweils vor und nach der Projektphase einen Test in dem entsprechenden Fach. "In dem Test vor der Projektphase kam der davor gelernte Stoff, zum Beispiel das schriftliche Multiplizieren, dran. Hatten die Schüler in der Projektphase dann das schriftliche Dividieren gelernt, wurde das im zweiten Test abgefragt. So konnten wir sehen, ob sie das besser behalten haben als den Stoff zuvor."

Deutschtest-Ergebnisse Klasse 8 Alle Tests außer den Französisch-Vokabeltests konzipierten Maren und Naomi selbst, nachdem sie sich über die Unterrichtsinhalte erkundigt hatten – sie wollten die Lehrer nicht mit zusätzlicher Arbeit belasten. Eine Schwierigkeit dabei war die, vor und nach der Versuchsphase Tests auf vergleichbarem Niveau zu entwerfen. "Das hat aber gut geklappt, außer bei der einen Matheklasse, da war der erste Test zu einfach und der zweite im Verhältnis zu schwer", schränkt Maren ein.

Trotzdem: "Der zweite Mathetest fiel nur minimal schlechter aus, obwohl er ziemlich viel schwieriger war. Alle anderen Ergebnisse waren nach der Testphase besser als davor." Trotz der Eindeutigkeit der Ergebnisse macht Maren eine weitere Einschränkung: "Wir haben den Versuch ohne Vergleichsklassen durchgeführt, es war auch so schon ein enormer organisatorischer Aufwand." Eine Klasse haben Maren und Naomi jedoch aufgeteilt; die Hälfte klatschte vor dem Test, die andere nicht. "Da kam auch das Ergebnis raus, dass die, die geklatscht haben, besser waren."

Einen Leistungsvergleich stellten Maren und Naomi auch bei Spielen an. Sie ließen vier Schüler einfache Puzzles zusammensetzen und stoppten dabei die Zeit. Die zwei Schüler, die vor dem Puzzlen geklatscht hatten, waren schneller fertig. Denselben Effekt stellten sie fest, als sie vier Schüler Memory spielen ließen. Von zweien, die gegeneinander spielten, hatte jeweils einer vorher geklatscht. "Die Schüler, die geklatscht hatten, waren konzentrierter und haben dadurch mehr gleiche Paare bekommen", resümiert Maren.


Auswertung des Tests mit Mitose-Lernsong

In kleinem Maßstab testeten Naomi und sie auch Lernsongs auf ihre Wirksamkeit. Sie nahmen sich den sogenannten Mitosesong vor, ein Lied, dessen Text die sieben Phasen der Zellteilung erklärt. "Wir haben die Mitose damals in Biologie mit diesem Song gelernt, und wir können die Abfolge immer noch. Daher wollten wir schauen, ob man den Stoff auf diese Weise wirklich besser behält."

Sie gaben zwei Siebtklässlern Arbeitsblätter über die Zellteilung, zwei weiteren spielten sie in derselben Zeit den Mitosesong vor. "Dann gingen alle vier für zwei Schulstunden in den Unterricht“, erzählt Maren. „Danach haben wir sie abgefragt, und zwar wollten wir die sieben Phasen der Mitose wissen und was in der einen Phase, der Metaphase, genau passiert. Die Schüler, die sich den Song angehört hatten, schnitten deutlich besser ab."

Mitosesong
Quelle: YouTube


Eine Biologielehrerin erklärte Maren und Naomi die bessere Konzentrationsfähigkeit nach dem Klatschen so: Durch den Rhythmus zirkuliert das Blut langsamer, der Sauerstoff kann besser aufgenommen und ins Gehirn transportiert werden. Von verschiedenen Medizinern bekamen Maren und Naomi zudem bestätigt, dass Klatschen und Singen die Gehirnaktivität verstärkt. Das Fazit der beiden endet mit zwei Ausrufezeichen: "Es sollte Pflicht sein, dass vor jeder Klassenarbeit für ein paar Minuten rhythmisch geklatscht und gesungen wird!!"


Disclosure

fudder ist Medienpartner des Regionalwettbewerbs Jugend forscht. Dieser wird in Südbaden zum elften Mal in Folge vom Waldkircher Unternehmen Sick AG durchgeführt. Im Rahmen dieser Kooperation gibt es wieder unser Forscher-Blog mit freundlicher Unterstützung der Sick AG, in dem wir euch mit den interessantesten Themen rund um das Thema Jugend forscht versorgen.




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 2
Dienstag, 21.02.12 13:35
 

früher gabs von Lehrern klatschende Ohrfeigen für verbesserte Merkfähigkeit. Aber das ist ja zum Glück vorbei

Dienstag, 21.02.12 15:00
 

wer sich einmal das musikantenstadel angeschaut hat der weiss das obige ergebnisse niemals stimmen können......

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