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Lass dich nicht k.o. tropfen!

Absolute Wehrlosigkeit und ein stundenlanger Filmriss: Die Wirkung von K.O.-Tropfen im Getränk ist gerade jetzt zur Narrenzeit wieder eine Gefahr beim aushäusigen Feiern. Eine Gefahr, die auch Anne-Catherine Abel (16), Jana Kalmbach (17) und Felix Glaser (17) vom Kant-Gymnasium in Weil am Rhein bewusst ist. Sie entwickelten einen Nachweis für die Substanz GBL.

Felix Glaser, Jana Kalmbach und Anne-Catherine Abel

"Wir haben erst mal recherchiert, was es für K.O.-Tropfen gibt, das ist eine relativ große Bandbreite", erzählt Anne-Catherine. Rasch war klar, es läuft auf GBL (Gamma-Butyrolacton) hinaus – die anderen K.O.-Tropfen unterliegen alle dem Betäubungsmittelschutzgesetz, was bedeutet, dass schwer an sie heranzukommen ist. GBL dagegen wird auch in der Industrie genutzt, daher gibt es lediglich eine freiwillige Selbstkontrolle durch die Händler, die angeben, wenn GBL bei ihnen gekauft wurde. "Als wir das GBL bestellt hatten, hat bei uns der Zoll angerufen. Die wollten den Grund dafür wissen."

Um herauszufinden, ab welcher Konzentration GBL seine fatale Wirkung entfaltet, haben Anne-Catherine, Jana und Felix Kontakt mit dem LKA aufgenommen. "Wir wollten wissen, ob unser Nachweis in der Praxis funktionieren würde. Denn wenn schon Mengen Wirkung zeigen, die so klein sind, dass wir sie nicht nachweisen können, hätte das Ganze ja wenig Sinn gemacht", erklärt Anne-Catherine. Doch die Auskunft des LKA lautete: Man braucht schon einige Milliliter GBL, "und das war für uns völlig ausreichend".

GBL ist die Vorstufe der Säure GHB (Gamma-Hydroxybutansäure), aus der die eigentlichen K.O.-Tropfen bestehen und die im Gegensatz zu GBL im Betäubungsmittelschutzgesetz aufgeführt ist. GBL wird jedoch im Körper automatisch zu GHB umgewandelt und ist daher genauso gefährlich. GHB, mit einer OH-Gruppe versetzte Buttersäure, kann sich selbst verestern und bildet dann als chemische Struktur einen Ring. Der Ring lässt sich wieder öffnen, wenn man eine Lauge dazugibt. Diese Tatsache wollten die drei Schüler sich zunutze machen.



Sie gaben zu dem jeweiligen Getränk GBL hinzu sowie als organisches Lösungsmittel Toluol. Da GBL sowohl in Wasser als auch in Toluol löslich ist, ging daraufhin ein gewisser Teil des GBL in die organische Phase, das Toluol, über. Anne-Catherine, Jana und Felix isolierten das Toluol und fügten als pH-Indikator Phenolphthalein sowie Natronlauge hinzu. Dadurch öffnete sich der Ring, es entstand wieder GHB, das nicht mehr löslich war und daher aus dem Toluol ausfiel.

Das Phenolphthalein, ursprünglich rosa, schlug um zu farblos und zeigte so die Säure GBH an. War der Drink K.O.-tropfenlos, veränderte das Phenolphthalein die Farbe nicht. Soweit, so eindeutig das Ergebnis. Doch: "Dieser Nachweis funktionierte mit Wasser und Ähnlichem ganz gut, aber unser Problem waren Getränke mit Kohlensäure." So wurde zum Beispiel die Blindprobe für Cola, eine Probe ohne GBL, ebenfalls farblos.

Anne-Catherine, Jana und Felix gingen auf die Suche nach anderen Nachweisen. Vom LKA hatten sie einen bereits im Handel erhältlichen Nachweis zugeschickt bekommen. "Der funktioniert sehr gut mit reinem GBL und bewirkt ein sehr schönes Blau, ist aber leider in der Praxis nicht brauchbar. Denn sobald er mit Wasser zusammentrifft, bildet er einen rosafarbenen Komplex, und dann ist es egal, ob GBL dabei ist oder nicht", erklärt Anne-Catherine.



Die Forschergruppe suchte weiter und stieß auf einen Nachweis für GHB im menschlichen Urin, den William C. Alston und Karno Ng im Jahr 2002 veröffentlicht hatten. Dabei wird zuerst das GHB in GBL umgewandelt – ein Schritt, den die Schüler sich sparen konnten, was zugleich eine Vereinfachung des Nachweises bedeutet. Laut Alston und Ng wird eine Lösung aus Hydroxylaminhydrochlorid in Wasser gegeben, der pH-Wert des Gemischs mit Natronlauge auf zehn, danach durch Zugabe von Schwefelsäure auf zwei gebracht. Kommt eine Eisenchloridlösung hinzu, entsteht ein Eisenkomplex mit dem GBL, der ausfällt. Eine Farbreaktion zu einem Lila oder dunklen Rot ist die Folge. "Das Problem mit dem Nachweis war, dass er relativ hohe Konzentrationen von Laugen und Säuren hat. Das heißt, man muss eigentlich mit konzentrierter Schwefelsäure arbeiten, und das ist nicht so besonders praktisch für einen Test, den jeder selber durchführen können soll", sagt Anne-Catherine. Auf der Suche nach einer Vereinfachung fiel den drei Schülern auf, dass die Mengenangaben für Laugen und Säuren sehr hoch waren: "Wir waren schon bei der Hälfte der Menge bei einem viel höheren pH-Wert als dem, den wir erreichen wollten."



Am Ende verwendeten sie nur noch einen Milliliter Natronlauge einer geringen Konzentration und ließen die Schwefelsäure komplett weg. So entwickelten sie einen Nachweis, für den zwei Schritte genügen: Die Hydroxylaminhydrochlorid-Lösung wird mit der Natronlauge kombiniert und die Eisenchloridlösung auf das Teststäbchen aufgebracht. Taucht man dieses Stäbchen nun in die Lösung, verfärbt es sich rot. "Das ist als Nachweis sehr brauchbar. Wir haben auch Tests mit Cola, Orangensaft und alkoholischen Getränken mit verschieden hohen Alkoholkonzentrationen gemacht und sind dabei kaum mehr auf Probleme gestoßen."

Wie könnte auf dieser Basis ein praxistauglicher K.O.-Tropfen-Test aussehen? Anne-Catherine schlägt Folgendes vor: "Man könnte sehr kleine Reagenzgläsern mit der Nachweislösung drin verwenden. Dann müsste man nur noch mit der Pipette eine kleine Probe seines Getränks nehmen, diese in das Reagenzglas geben und dann schauen, ob das Teststäbchen sich verfärbt."

Tipps, um sich vor K.O.-Tropfen-Übergriffen zu schützen
 
  • Gut ist es, in Gruppen auszugehen, so dass den Freunden auffällt, wenn es jemandem schlecht geht, der nur eine Saftschorle oder ein Bier getrunken hat.
  • Sein Getränk nicht unbeaufsichtigt stehen lassen, sondern vor dem Tanzen gehen erst austrinken oder, wenn man vor der Tür eine Zigarettenpause einlegt, die anderen das Glas im Auge behalten lassen. Sich kein Getränk von Fremden spendieren lassen, bei dessen Zubereitung man nicht dabei war.
  • Flaschen bestellen, die erst am Tisch aufgemacht werden
  • Wenn jemand vorher ganz normal ansprechbar war und plötzlich ausfallend wird oder über Übelkeit klagt und dann das Bewusstsein verliert, nicht nur den Notarzt hinzuziehen, sondern auch die Polizei. Ansonsten erhöht sich die ohnehin hohe Dunkelziffer an K.O.-Tropfen-Opfern um einen Fall. Unbedingt auch das Glas, aus dem derjenige getrunken hat, als Beweismittel stehen lassen.
Gründe für K.O.-Tropfen-Attacken können ebenso geplante sexuelle Übergriffe sein wie die Absicht, unbemerkt Handy oder Handtasche zu entwenden oder schlicht die Neugier, was das selbstgebraute Mittelchen alles bewirken kann.


Disclosure

fudder ist Medienpartner des Regionalwettbewerbs Jugend forscht. Dieser wird in Südbaden zum elften Mal in Folge vom Waldkircher Unternehmen Sick AG durchgeführt. Im Rahmen dieser Kooperation gibt es wieder unser Forscher-Blog mit freundlicher Unterstützung der Sick AG, in dem wir euch mit den interessantesten Themen rund um das Thema Jugend forscht versorgen.




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 5
Freitag, 17.02.12 18:29
 

einen strick für die degenerierten flachwichser welche das zeugs einsetzen.

Freitag, 17.02.12 19:09
 

ich erinnere mich noch recht lebhaft an die worte meiner kleinen schwester als wir in einem großen hamburger technoschuppen feiern waren, "pass auf mich auf, ich habe grade von einem seltsamen fremden ein bier angenommen"
ich kann immernoch herzhaft darüber lachen, ist ja nichts passiert.

Freitag, 17.02.12 19:47
 

Sehr schön.. aber um ehrlich zu sein.. wer nimmt Reagenzgläser mit HACL und NaOH sowie Pipetten und Teststreifen mit auf eine Party und testet dann sein trinken. eine super Sache was die drei da entwickelt haben aber bis jetzt denk ich mal eher unpraktikabel.

Freitag, 17.02.12 20:05
 

einen strick für die degenerierten flachwichser welche das zeugs einsetzen.

dto.

Dienstag, 21.02.12 21:46
 

Schützen kann man sich mit nem Schnelltest, der K.O. Tropfen, GHB, Ketamin und Benzodiazepine nachweisen.


http://bls-shop.de/Neuer-Test-erkennt-K.O.-Tropfen-in-Getraenken_detail_242_1197.html

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