Wer nach einem Psychologiestudium als Psychotherapeut arbeiten will, muss erst noch eine lange Ausbildung absolvieren - und das unter prekären Bedingungen. Denn Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA) verdienen bei einem Vollzeitjob weniger als Minijobber. Wie es PiAs in Baden-Württemberg ergeht:
Nicole Peter (29)* hat im Oktober 2010 ihre Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin angefangen, wie die Ausbildung offiziell heißt. Sie rechnet damit, frühestens in sechs Jahren fertig zu sein. Vor ihr liegt eine beschwerliche Zeit, mit viel Verantwortung und wenig Geld. Im Moment befindet sie sich in der Phase der sogenannten Praktischen Tätigkeit: Sie arbeitet 26 Stunden in der Woche in einer Einrichtung für Psychotherapie in Südbaden – für 400 Euro im Monat.„Die umfangreiche Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten stellt für jeden Ausbildungsteilnehmer eine zusätzliche persönliche, zeitliche, finanzielle und ggf. familiäre Belastung über einen längeren Zeitraum dar.“




für mich hört sich das alles nach "buhu ich will zu meiner mami" an. aus dem text geht leider nicht hervor das die arbeitslosenquote unter psychologen gegen 0 geht und die meisten im verhältnis zur durchnittlichen bevölkerung in saus und braus leben.
omg, während der AUSBILDUNG in einem wg zimmer leben, wie tragisch. es fällt mir nicht leicht abgedroschene lebensweisheiten rauszuhauen, aber: lehrjahre sind keine herrenjahre - auch nicht für angehende psychologen
Mir kommen die Tränen.....
Nach abgeschlossener Ausbildung haben die Psychologen ein weites Feld der Berufstätigkeit mit nahezu keiner Möglichkeit arbeitslos zu werden. (Okay: durch eigene Dussligkeit allerdings schon)
Später im Job stehend sind die früheren finanziellen Härtephasen sehr schnell vergessen: es werden extravagante Sammlerwünsche, hochmoderne und exklusive Wohungen neben vielen anderen Dingen des Konsums befriedigt.
Wer von den Psychologen eine eigene Praxis aufmacht kann selbst bei unregelmäßiger Arbeitszeit (viele Betroffene arbeiten nicht mal 20 Stunden in der Woche) ausreichend genug umsetzen damit sich die Praxis in bevorzugeter Lage rechnet. Und keineswegs in Sack und Asche daher geht.
Jammern auf höchstem Niveau - oder ist das eine durch Kollegen behandelbare Erkrankung???
Mensch,Harry......hör doch mal damit auf,ständig irgendwelche Unwahrheiten in die Welt zu setzen. "Viele Betroffene arbeiten nicht mal 20 Stunden die Woche"......was für ein Riesenbullshit.
Erst will die VAG die Nicole nicht mitnehmen weil wegen Fahrrad und so obwohls total glatt is und jetzt sind auch noch bei der BlaBla-ologenausbildung alle gemein zu ihr.
Ich finde es auch ein bisschen viel gejammer. 400 Euro sind nicht viel aber es gibt ja möglichenkeiten wo anders Geld her zu bekommen, jobben, Ausbildungsunterstützung, Wohngeld.
@NYHC: Die sog. "Psychologen" haben bereits das Psychologiestudium abgeschlossen! Die Psychotherapeutenausbildung kommt erst im Anschluss an das Studium und dauert dann in der Regel mindestens 5 Jahre. Wir reden hier also von Menschen mit akademischen Abschluss, die mit 400 Euro im Monat abgespeist werden.
Als "normaler Psychologe" darfst du im übrigen gar nicht therapieren. Und nach der Approbationsprüfung kann man sich zunächst zwar selbstständig in eigener Praxis niederlassen, dh aber noch lange nicht, dass man auch mit den Kassen abrechnen darf - hier entscheidet die Krankenkasse individuell. Wenn man einen Kassensitz (man DARF dann mit der Krankenkasse direkt abrechnen) möchte, muss man a) mehrere Jahre warten (denn wir sind laut Krankenkassen ÜBERVERSORGT in Deutschland mit Therapeuten, obwohl die Wartelisten überquellen und die Patienten in der Regel 3-6 Monate warten müssen) und b) den Kassensitz abkaufen (in der Regel zwischen 20.000 und 40.000 Euro ZUSÄTZLICH zu den bis dato angehäuften Schulden).
Aber ALLE PSYCHOLOGEN haben ja exquisite Sammlerwünsche und verdienen sich nen goldenen Arsch -.-
Die Realität sieht definitiv anders aus.
@vincere: Du verstehst da etwas komplett falsch. In der Ausbildung muss man 1800 Stunden Praktikum absolvieren. In diesem "Praktikum" arbeitet man dann aber wie ein vollwertig angestellter Kollege (nach einer sehr kurzen Einarbeitungszeit). Um dieses Nadelöhr zu durchlaufen braucht man ca. 1,5 Jahre in Vollzeit. Wenn du dann aber nebenher (so wie ich) einer Teilzeitstelle nach gehst (um die Ausbildungskosten irgendwie zu decken und auch um Leben zu können - Wohnung, Essen etc), dann verlängert sich diese "Praktikumszeit gleich mal um ein Jahr. Das heißt dann: Ein Jahr länger in prekären Umständen rumwurschteln...
Nicht vergessen: Alle PIAs haben bereits ein abgeschlossenes Studium hinter sich und werden schlechter behandelt als irgendein Azubi!
@piktor, danke für deine aufklärung, aber ich weiß bereits gut bescheid über den beschwerlichen werdegang eines psychotherapeuten. hab jahrelang eng mit psychologen zusammen gearbeitet und wohne jetzt mit einer zusammen.
trotzdem ist das hier jammern auf höchstem niveau. du wirst mir nicht erzählen wollen das sich die jahre unter "prekären" bedingungen nicht später auszahlen würden.
überhaupt vermischst du meine aussagen mit denen von vdp1100
viel spaß noch beim am hungertuch nagen^^
Die ersten beiden Postings in diesem Thread sind zum Fremdschämen. Selten so eine klischeebehaftete und fern jeglicher Realität befindliche S****ße gelesen. Das ist ehrlich gesagt eine verdammte Frechheit.
Danke Piktor für die Aufklärung. Ich fürchte nur bei Fudder ist es die Mühe schon lange nicht mehr wert.
@NYHC: Ein paar Worte noch. Sicherlich verdiene ich später einmal sehr gut. Keine Frage. Das rechtfertigt allerdings die Ausbildungsbedingungen für den Psychotherapeuten in keinem Fall. Eigentlich ist es sogar mehr als verrückt! Diejenigen die einmal heilen sollen (Psychotherapie ist ein Heilberuf), die müssen sich über Jahre durch eine krankmachende Ausbildung quälen. Bitter.
Und weil es dir so wichtig ist: Klar verdiene ich irgendwann mal 80 Euro für 70 Minuten arbeit. (So viel wird von der Krankenkasse gerechnet. I.d.R. bekommt der Patient davon 50 Min. direkt - die anderen 20 Minuten dienen der Dokumentation der Stunde). Am Tag kann ich dann maximal 8 Patienten behandeln (auch hier gibt es höchst Zahlen... 8 P. pro Tag bei vollem Kassensitz wohlbemerkt), ob ich aber 8 Patienten auch selber --> vertrage
Habe einige Kunden die Psychologen bzw. Therapeuten in der beschriebenen Art sind.
Und deren Wünsche fürs private Sammeln, Einrichten usw. sind teilweise sehr extravagant. Es wird nur zu gerne nach den schönsten Dingen der Welt nachgefragt - und oft sofort geordert!
Von drei MPU Beratern (studierte Psychotherapeuten mit speziellen Arbeitsfeld) weiss ich das sie ihre Praxisstunden maximal auf 20 Stunden pro Woche limitiert haben. Mehr sei ihrer Ansicht nach "raffgierig" und würde die steuerliche Progression unvorteilhaft beeinflussen.
Sicherlich ist die Ausbildungszeit finanziell nicht gerade rosig - jedoch später umso besser. Und gerade das empfinde ich als Jammern auf höchstem Niveau!
Ausser Menschen die von Beruf "Sohn/Tochter" sind haben die meisten Studenten während der Ausbildungszeit keine üppigen Finanzmittel zur Verfügung. Wie oft wird das Studium wegen reger Nebentätigkeit in die Länge gezogen oder es werden gar Schulden angehäuft.
Wenn der Student dann nach Ausbildungsende nur noch solche "Mac-Jobs" finden würde könnte ich Jammern gut verstehen.
Allerdings nicht bei Menschen die mit etwas Geschick und Eifer zu den höchsten Vergütungen kommen die in ihrem Berufszweig möglich sind.
Und es gibt genug Psychotherapeuten die rein privat abrechnen und augenscheinlich nicht gerade schlecht leben können.
sorry piktor, ich finde euer leid einfach nichts besonderes. guck dir die unzähligen menschen an die sich nach dem studium jahrelang mit un- oder unterbezahlten praktika oder anerkennungsjahren rumschlagen müssen. ist doch die gleiche scheiße, nur ohne jobgarantie hinterher
Liebe Fudderianer,
Ihr habt einige Fehler in dem Artikel:
Die 210 Euro (bei einigen Jahrgängen sogar 250 Euro) sind monatliche Gebühren.
Die Superviorenstunde kostet 85 und nicht 58 Euro.
@florian: vielen dank für den hinweis. checken das mit dem autor gegen und korrigieren's gegebenenfalls.
Die Kosten für die Ausbildung kann man hier auf der Homepage der Uniklinik Freiburg nachlesen:
http://www.uniklinik-freiburg.de/psychosomatik/live/lehre/fortbildung/fortbildung.html[..] gibt es Unterschiede, je nach Ausbildungsstätte.
@ NYHC & vdp110:
Ich finde bestimmte Argumentationslinien doch sehr spannend: nur weil andere Hochschulabsolventen sich auch mit unbezahlten Praktika herumplagen müssen oder als Voluntäre geknechtet werden, haben sich die PiAs nicht zu beschweren. Ähnlich logisch wäre es, bspw. Menschen in China als "Jammerer" zu defamieren, schließlich gibt es ja auch in anderen Staaten Menschenrechtsverletzungen.
Übrigens: dass die praktische Tätigkeit der PiAs überhaupt bezahlt wird ist nicht unbedingt die Regel.
Meiner Meinung nach sind die Kosten einer psychoanalytischen Ausbildung sogar noch höher, wie auch im Link von robertglory nachzulesen ist. Bei einer 2 stündigen Lehranalyse (die meisten Institute verlangen über eine gewisse Dauer 3 Stunden pro Woche) ergeben sich Kosten von 2 mal 80 Euro pro Woche, das sind im Monat 640 Euro! Bißchen knapp wenn man 400 Euro verdient und außergewöhnlicherweise noch essen, trinken und wohnen muss.
Aber es ist natürlich schon verwerflich, dass sich Personen, die einen solchen Weg bestritten haben, im späteren Leben, wenn alle Schulden beglichen sind, auch etwas leisten.
Böse, böse Jammerer!
Es menschelt halt überall. Das Hemd ist einem näher als der Rock, sprich: der eigene Horizont/das eigene Interesse ist immer der/das wichtigste. Sowohl bei den Psychos als auch bei den Kommentatoren NYHC u. vdp110.
Ich verwette meinen Hintern, dass beide letzteren laut aufschreien würden, wenn man ihr Einkommen als zu hoch bezeichnet.
So wie es bei den gut im Geschäft seienden (fertig studierten) Psychos auch der Fall sein dürfte.
Denen in der Ausbildung scheint es wirklich nicht allzu gut zu gehen, aber ich maße mir dennoch kein letztgültiges Urteil an.
Etwas älter, aber immer noch lesenswert:
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/politischesfeuilleton/1640123/
Gruß,
barca
Ob ich über ein hohes Einkommen verfüge kann ich nicht beantworten. Hab ne eigene Firma, trage Verantwortung und stehe mit meinen Rücklagen für Verpflichtungen ein. Bis jetzt habe ich ein Dach über dem Kopf, bin anständig gekleidet und muss nicht hungern. Und meine Helfer bekommen pünktlich ihr Gehalt und entrichte die Sozialabgaben ohne Verzögerung.
Während meiner Ausbildung habe ich mir weniger leisten können wie heute, und ich empfinde keine Scham wenn ich mir ein hochwertiges Qualitätsprodukt aus Germany leiste. Qualität ist halt durch nichts zu ersetzen.
Trotzdem empfinde ich die Jammerei der Therapeuten als unmöglich und nicht im realen Zusammenhang vom späteren Job stehend. Eine temporäre Wenigverdienphase hat so gut wie jeder im Rahmen seiner Ausbildung. Und gerade hier ist Klagen nicht gut, vorallem wenn später richtig gut Geld verdient werden kann.
@vdp1100: es geht aber grundsätzlich um die Bedingungen einer Ausbildung, und die sollten so aussehen, dass man einigermaßen leben kann.
Nochmal: die angehenden Psychotherapeuten haben einen Hochschulabschluss, und sollten dementsprechend auch in der praktischen Ausbildung zumindest soviel verdienen, dass eine Existenz ohne Kreditaufnahme oder reiche Eltern möglich ist.
Anders als der Arzt, der in seiner Weiterbildung zum Facharzt ein komplett normales Gehalt erhält, müssen die Diplom-Psychologen um zur Approbation zu gelangen eben diese kostspielige Ausbildung machen.
Übrigens rechnen die Kliniken durchaus damit, dass die Psychologen praktisch umsonst für sie arbeiten. An den meisten Kliniken gibt es weit mehr PiAs als festangestellte Psychologen. Warum auch, wenn ich für den Bruttolohn eines Psychologen mindestens 6 PiAs bekomme! Dabei leisten die PiAs exakt die gleiche Arbeit; die Kassen und damit wir Beitragszahler zahlen übrigens auch das gleiche.
Insgesamt geht es um Verhältnismäßigkeit. Es regt mich auf das hier der Eindruck entsteht, Psychotherapeuten würden im späteren Berufsleben Millionen scheffeln und nichts dafür tun. Bei einer später gut laufenden Praxis kann man durchaus ein Oberarztgehalt erhalten, dass ist richtig. Aber man arbeitet auch soviel und trägt auch ebenso Verantwortung. Wenn sich ein depressiver Patient während der ambulanten Behandlung das Leben nimmt, wird auch der Therapeut zur Verantwortung gezogen und muss nachweisen dass er nach lege artis gehandelt hat!
Meiner Meinung nach stehen die Kosten und Mühen für eine solche Ausbildung NICHT im Verhältnis. Du wirst keinen PiA finden, der die Ausbildung macht weil er später ein ach so einfaches Leben hat.
Hier geht es nicht um Jammern auf hohem Niveau. Da scheint es Missverständnisse und Informationslücken zu geben. Wer eine Psychotherapieausbildung macht, ist bereit, finanziell und psychisch bis an die Grenzen zu gehen. In manchen Fällen könnte man es auch als Selbstausbeutung oder sogar als Masochismus bezeichnen. Wenn ich monatliche Einkünfte von 1000 € habe (400 € aus der Praktischen Tätigkeit und 600 € aus einem Nebenjob) und gleichzeitig Ausgaben von 1600 € habe (960 € für die Lehranalyse und 640 € für Miete + Lebenshaltungskosten) verdiene ich monatlich MINUS 600 €. Das geht nur, wenn ich reiche Eltern bzw. einen reichen Lebenspartner habe, selbst vermögend oder kreditwürdig und gleichzeitig bereit bin, Schulden zu machen.
Der eigentliche Skandal dabei ist, dass ich mit diesen privaten Schulden, die ich mache, der Sparposten im Gesundheitssystem bin. Als PiA leiste ich in der Klinik meinen Beitrag zur Versorgung psychiatrischer und psychosomatischer Patienten. Eigentlich müsste diese Finanzierung durch die Regierung gewährleistet werden, weil es hier um den Versorgungsauftrag geht. Aber warum sollte die Regierung Geld bereitstellen, wenn es doch PiA gibt, die die Arbeit machen? Würde es keine PiA in den Kliniken geben, könnte so manche Station einpacken. Es wird Zeit, dass das PsychThG reformiert wird, damit die Ausbildung zum PP/KJP keine teure Privatangelegenheit ist, sondern als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden wird.
...... lächerliche oberflächliche Argumentation... die Situation ist untragbar! sie wird nicht dadurch besser das andere Berufsgruppen auch ausgebeutet werden. das sind Argumente auf dem Niveau eines Grundschülers (ohne den beleidigen zu wollen) Pias SIND Psychologen nach einem Hochschulstudium deshalb steht ihnen tvöd 13 zu.... "Lehrjahre sind keine Herrenjahre" ich lach mich schlapp.... 400 Euro für ne volle Stelle plus Ausbildungsgebühren.... unerträglich! vollkommen egal was die beiden ersten "Komiker" hier zum Besten geben. wenn ihr mal nen Therapeuten braucht könnt ihr ja gern mal im Erstgespräch erzählen was eurer Meinung nach die Arbeit eines Psychologen Wert ist.....