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Poetry Slam im Ruefetto: „Hier ist alles etwas anders“

Freiburg hat einen neuen Poetry Slam. Er fand gestern Abend zum ersten Mal im Ruefetto in Freiburg statt. Sechs Slammer und eine Slammerin dichteten dort um Rum und Ehre.



Ein enges, kaltes Kellerloch, von fahlem Licht beleuchtet, die Eingangstür öffnet sich auf die Bühne, das Mikrophon ist defekt. Es wirkt alles sehr improvisiert, doch das gehört zum Konzept. Der Ruefetto-Slam will sich von seinem großen Bruder, dem Poetry Slam im Café Atlantik, absetzen und wendet sich ausdrücklich an Slammer aus der Region: „Der Atlantik-Slam ist zu voll, Newcomer haben dort kaum eine Chance. Deswegen gibt es uns”, erklärt Veranstalterin Maria-Xenia Hardt, genannt Maxi, die Idee.

Das Konzept geht auf: Der kleine Keller unter dem Café Ruef ist bis auf den letzten Platz mit auffallend jungen, auffallend schönen Menschen gefüllt. Sie sitzen auf Bänken, Boden und Bühne. Es herrscht eine fröhliche Atmosphäre wie auf einer Klassenfahrt. Mit einem Spielzeugmegaphon verschafft sich das Moderatorenduo Gehör: „Hier ist alles etwas anders“, entschuldigt Maxi die ungewöhnlichen Umstände und macht Witze über PH-Studenten. Die gewöhnlichen Umstände eines Poetry Slams erklärt Tobias Gralke: sieben Teilnehmer, zwei Runden, Abstimmung per körpereigenem Applaus-O-Meter, dazwischen Musik.



Die Slammer Bench, Raphi, Marie, Fabian, Simon-Felix, Cay und Marcel stehen auf der Bühne, bereit für ihre Auftritte. Das Repertoire: Liebeslyrik, philosophische Reflexionen und heiterer Humor. Das Publikum lauscht wohlwollend. Einige halten dabei die Augen geschlossen, bis schließlich der von Slammer Cay vorgetragene Gewaltexzess aus der Küche eines koffeinsüchtigen Cholerikers die konzentrierte Stimmung zum Kippen bringt und für lautes Gelächter sorgt.

Das lustige Küchengemetzel trägt Cay zwar ins Finale der besten Vier, das Abstimmungs-Stechen um die begehrte Flasche Rum gewinnt aber Bench gegen Marie. Beide sind mit ernsten, von lästigem Liebeskummer und schizophrenen Selbstzweifeln geprägten Texten angetreten. Dass sie damit das Finale für sich entschieden, ist keine Selbstverständlichkeit auf Poetry Slams. Allzu oft kann sich der auf schnelle Lacher zielende Klamauk besser behaupten als ernsthafte Poesie.

Die Veranstalter werten dieses Ergebnis als Erfolg und hoffen, dass sich auf dem nächsten Slam am 8. März (Poeten können sich noch anmelden!) wieder experimentelle und anspruchsvolle Texte werden durchsetzen können. Zu wünschen wäre es, damit auch beim nächsten Mal wieder „alles etwas anders“ ist.





[Disclosure: Veranstalterin Maria-Xenia Hardt arbeitet außerdem als Autorin für fudder. Wir hätten aber auch über den Ruefetto-Slam berichtet, wenn dem nicht so wäre.]


Fotos: Paul Gengenbach




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 1
Samstag, 11.02.12 10:38
 

Und das nächste mal bitte wieder mit "auffallend schönen Menschen" im Publikum- es wäre sonst ja nicht das selbe!

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