Hat ein junger Mensch, der aus einem Akademikerelternhaus kommt, es an der Uni leichter als ein Arbeiterkind, das als Erstes in seiner Familie studiert? Der Bildungssoziologe Marcel Helbig beschäftigt sich am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) mit sozialen Ungleichheiten im Bildungsbereich. Sonja Kättner hat mit ihm, der selbst Arbeiterkind ist, über die Ungleichbehandlung von Arbeiter- und Akademikerkindern gesprochen.
Die Weichen für ein Studium werden also oft schon während der Schulzeit gestellt. Was müsste sich in unserem Bildungssystem ändern, damit mehr Arbeiterkinder Abitur machen können?



"Man kann also nicht sagen: 'Du kommst von der Humboldt-Universität, du kannst was' und 'Du kommst von der TU Dresden, du kannst nichts'."
Die Abgrenzung funktioniert auch über die Wahl des Studienfachs ganz gut...
Arbeiterkind.de find ich auf den ersten Blick ne gute Sache!
Schöner Artikel!
Als Arbeiterkind das gerade seinen Doktor rer. nat. macht, wurde ich auch schon von Verwandten gefragt, wo ich denn meine Praxis aufmachen wolle.
Für mich ist im Studium/Umgang mit Komilitonen ein Unterschied weniger spürbar, aber die Kluft zwischen Unialltag einerseits und Familie/alten Freunden andererseits ist schon sehr groß.
"Man muss mal überlegen, was heißt denn eigentlich 500 Euro pro Semester? 500 Euro Studiengebühren, das heißt 80 Euro im Monat. Und das ist dann vielleicht wieder auch nicht ganz so viel. Das Problem ist erst mal, genug Geld zu haben, um eine Wohnung und dergleichen finanzieren zu können. "
Und vor dem Hintergrund, dass Arbeiterkinder eine wesentlich geringere Chance haben überhaupt eine Hochschulzugangsberechtigung zu erlangen, gleichzeitig mit Lohn-/Einkommenssteuer das Bildungssystem zu großen Teilen mitfinanzieren fand ich Studiengebühren schon immer recht sozial.
Mag jetzt aber auch dem Umstand geschuldet sein, dass ich in der Uni selten aufm Boden hocken muss :)
"Zweitens schicken wir unsere Kinder nur vormittags in die Bildungsinstitution Grundschule, anstatt sie noch vier Stunden länger in der Ganztagsbetreuung zu lassen"
Was bitteschön ist so toll an einer Ganztagesschule? Ich weis noch sehr genau, dass ich als Kind schlicht empört war als ich von Älteren mitbekommen habe dass es später Nachmittagsunterricht etc. geben wird.
Wann soll man denn Zeit zum spielen haben?
Man muss doch bedenken dass die Tage von Kindern sehr kurz sind. Bei Anbruch der Dunkelheit rein ins Haus und früh in die Falle.
Ich hab das nicht studiert aber rein instinktiv würde ich sagen dass freie Zeit ohne ständige Überwachung, und auch einfach die Möglichkeit sich alleine mit sich selbst zu beschäftigen enorm wichtig für die Entwicklung eines Kindes sind.
@vivien: was daran so toll sein soll? wahrscheinlich das hier:
"Solche Dinge, die jetzt durch Frau von der Leyen gekommen sind, wie 'Wir müssen jetzt die Vereine an die Schulen bringen', 'Wir müssen Musikunterricht finanzieren für Hartz IV-Kinder', gehören eigentlich in eine Ganztagsschule. Auch Hausaufgabenbetreuung kann in ein Ganztagsschulsystem integriert werden. Somit würden sich die Unterschiede zwischen Arbeiterkindern und Akademikerkindern ein Stückchen nivellieren lassen."
Sind Ganztagesschulen nicht der bildungspolitische Normalfall, abgesehen von Deutschland, natürlich?
@ vivien. also meine eltern sind schon als ich im kindergarten war wieder beide arbeiten gewesen und ich war zunächst bei "gasteltern" wenn der kindergarten, später grundschule geschlossen hatten. dann ein "schlüsselkind". für solche kinder und deren eltern wäre es schon toll wenn eine ganztagesschule hausaufgabenbetreuung und kulturell/musische erziehung teilweise bieten kann, gerade wenn die eltern arbeiten gehen müssen und nicht soviel zeit haben wie sie gerne hätten
--->...Unterschiede zwischen Arbeiterkindern und Akademikerkindern ein Stückchen nivellieren...
und ein bisschen sport könnte dem einen oder anderen, ob arbeiterkind oder nicht, sicher auch nicht schaden. das kann man dann ja auch in einem ganztagesschulmodell integrieren.
...ich fand die Idee der Ganztagsschule als Kind auch doof und war froh, meine Privatheit zu haben. Daran erinnere ich mich gut, das war nämlich mal Thema in einem Deutschaufsatz :) Andererseits ging das auch nur deshalb, weil meine Mutter Hausfrau war, und das ist derzeit nunmal eine aussterbende Gattung (vielleicht wird das Hausfrauendasein auch wieder zum Privilg, wer weiß?).
Außerdem war ich sicher auch deshalb so gern zu Hause, weil wir ein großes Haus UND Garten UND Instrumente UND Geschwister und Nachbarkinder UND tolle Spielsachen hatten. Andere haben das vielleicht nicht und bevor man sich seine Betreuung notdürftig zusammenstoppelt, ist die Ganztagsschule vermutlich die bessere und gerechtere Lösung. Auch wenn dann leider nur die Abende und Wochenenden zum freien Spiel bleiben.
Ich kenn mich damit auch nicht so genau aus, denke aber, dass in einer Ganztagsschule nicht den ganzen Tag gelernt wird. Beinhaltet der Begriff denn nicht auch den Hort? Und noch ein Vorteil: Es gibt dann weniger Hausaufgaben (im Optimalfall).
Ganztagsschulen sind doch nett: ich war schon sehr früh im Internat und das ist auch eine Form der Ganztagsschule.
Prinzipell eine gute Idee - die natürlich auch an der Umsetzung im realen Leben gewertet werden muss.
Für mich war das Internat ein großer Freiraum und die erste Abnabelung vom Zuhause. Natürlich mit Heimweh und Zeiten verbunden in denen ich lieber zuhause mit all den ganzen Bequemlichkeiten gelebt hätte.
Und meine Großmutter (bei der ich aufgewachsen bin) hat eher unter meinem Wunsch ins Internat zu gehen gelitten. Für sie war Aufzucht auf dem Land mit Hausangestellten, Tieren, Garten und dem ganzen Drumrum eines ländlichen Dasein vorteilhafter wie eine Erziehung in der Stadt.
Allerdings hätte ich dort nur als Fahrschüler (Anfahrtsweg einfach ca. 1 1/2 Std) aufs Gymnasium gehen können. So war die Entscheidung schnell klar.
In anderen Ländern wie England, Belgien und Frankreich sind Ganztagsschulen der Normalfall - und warum soll das jetzt plötzlich in Deutschland nicht funktionieren?
Ich habe eine Ganztagsschule besucht und es war ne super Zeit. Von "Überwachung" oder "keine/wenig Zeit zum Spielen" kann keinen Rede sein. Bin sehr dafür.