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Single-Mama trifft Wochenend-Papa: Urlaub für Alleinerziehende

… vier, drei, zwei, eins: Silvester! Ein neues Jahr beginnt, Raketen knallen. Wohin man sieht, fallen sich Paare um den Hals. Wenn es einen Moment gibt, der Singles depressiv macht, ist es der romantische Jahresausklag. Besonders Singleeltern. Denn: Wie feiert man als Kleinstfamilie ein ordentliches Silvesterfest? Eine Lösung dafür bietet das Singleparentshouse in der Schweiz.


[fudder-Autorin Rebekka, Studentin, mit ihrer 3-jährigen Tochter Magdalena]

Im Oktober schießt es mir durch den Kopf: Du musst eine Silvesterreise buchen! Schon im letzten Jahr hatte ich das versucht, allerdings erst eine verzweifelte Woche vorher. Als mir nämlich klar wurde, dass ich nach Weihnachten kein Rama-Komplettfamilienfest mehr verkraften würde. Und weil ich befürchtete, mich auf der ganz normalen Party unter besoffenen, sich im Schnee wälzenden Kinderlosen fehl am Platz zu fühlen. „Silvester für Alleinerziehende“ – solche Urlaubsangebote sind selten und begehrt. Auf der Plattform Singlemama ist Anfang Oktober ein letzter Platz für eine weibliche Mitfeiernde frei. Kurzerhand buche ich eine Woche im Singleparentshouse in der Schweizer Ferienregion Heidiland.

Dann kommt das Warten und Zweifeln. Was bitte ist ein Singleparentshouse? Gibt's dort therapeutisch angeleitetes Problemewälzen? Mit frisch Getrennten zu feiern, das könnte in die Hose gehen … Oder ist das eine Art Kuppelshow? Singlemama ist auch unter der Domain dateevents.de zu finden und wirbt damit, dass das Geschlechterverhältnis unter den Reisenden möglichst ausgeglichen sei. Vier Männer und acht Frauen zwischen 29 und 48 Jahren werden anreisen; das sowie Zahl und Alter der Kinder sehe ich im Vorfeld auf der Website. Was mich ein wenig ärgert, ist, dass die Anreise in das Selbstversorger-Haus nur samstags möglich ist. Somit reisen wir alle nur wenige Stunden vor dem Jahreswechsel an. Silvester mit Fremden also.


[Miriam, Studentin, mit ihren Kindern Alessio (4) und Valentina (6)]

Ralph ist es, der dem Warten ein Ende macht. Mit seiner Tochter Klara (7) hat der Wochenendpapa das Singleparentshouse schon dreimal gebucht. „Es wäre m.E. schön, wenn wir uns im Vorfeld darüber austauschen könnten, wie wir den Silvesterabend miteinander gestalten“, schreibt er, und startet eine Rundmail-Vorstellungsrunde. Super, danke, Ralph aus Mitteldeutschland! Laut Google-Suche könntest Du Autohändler, aber auch Yogalehrer mit Charisma und blonder Mähne sein. Ich kann mich nicht entscheiden, was mir lieber wäre.

Mein Ziel: am Neujahrsmorgen ohne ein schales Gefühl in der Magengegend aufzuwachen, erreiche ich mit einfachen Mitteln: Der Abreisetag, der trist mit frühmorgendlichem Packen und Putzen beginnt, wird durch den Verlust und das Sperren meiner EC-Karte etwas turbulenter. Ich leihe mir Geld. Mittlerweile hat meine Dreijährige das Warten satt und ihr Gepäck wieder im Kinderzimmer verstaut. „Ich will zu Hause bleiben“, skandiert sie verzweifelt über den Hof unseres Mehrfamilienhauses, während ich sie ebenso verzweifelt ins Auto stopfe.

Erst bei Dunkelheit und ohne Schneeketten kurven wir die Serpentinen oberhalb des Walensees hinauf. Im hellerleuchteten Haus Sternen, einem alten Schweizer Holzhaus, dampft bereits das Käsefondue in den Kesseln. „Die Leute sehen … nett … aus …“, denke ich erschöpft, als ich meine Tochter ins Bett bringe. Es ist ein sehr bequemes Bett. Noch nie zuvor habe ich Silvester verpennt, aber es macht mir nichts aus. Vor uns liegt eine Woche Winterurlaub.


[Henriette, Dramaturgin, mit ihrer Tochter Hermine (8)]

Erst Skifahren und Rodeln, dann gemeinsames Abendessen - so sieht der Tag im Singleparentshouse aus. Meine Tochter findet eine gleichaltrige Freundin, mit der sie - trotz der neuen Umgebung - schon am ersten Tag recht selbständig im Haus unterwegs ist. Im großen Speisesaal gibt es Kuschel-Teletubbies, einen Kaufladen, Bastelsachen. Die Skischulkinder schauen abends im Homekino eine DVD an, während ein Teil der Erwachsenen für die anderen kocht. Henriette zum Beispiel, die Dramaturgin ist und mit Hermine (7) schon mal eine Singlemama-Reise gebucht hatte, hat – in aller Voraussicht – schon die Zutaten für 40 Eierkuchen mit Himbeersoße mitgebracht.

Henriette erzählt von ihrem Singlemama-Sommerurlaub auf einer österreichischen Almhütte: „Wir war dort wirklich aufeinander angewiesen“, sagt sie. „Auch, weil es sehr früh dunkel wurde. Jeden Abend gemeinsam spielen und kochen - da lernt man sich innerhalb einer Woche ziemlich gut kennen.“ Vermutlich auch durch die Hellhörigkeit eines Holzhauses: „Nach der Woche war ich urlaubsreif“, erklärt sie. Trotzdem überwiegen für sie die Vorteile der Gemeinschaft im Urlaub mit anderen Singles, das gegenseitige Kochen und Kinderhüten, auch wenn es nur für den kurzen Moment ist, den man über die Straße in die Bäckerei läuft.

Albrecht, der Papa von Tobias (6) und Fiona-Sophia (5) und von Beruf Krankenpfleger, sieht es auch so: „Wenn du allein mit deinen Kindern verreist, bist du der 24-Stunden-Animateur“, meint er. „Hier tun sich die Kinder in ihren Altersgruppen zusammen und du kannst sie besser ruhig halten, als in einem normalen Restaurant.“ Tatsächlich hatten wir Eltern bereits beim ersten Abendessen die Regel vereinbart, dass die größeren Kinder erst nach Vereinbarung und gemeinsam vom Tisch aufstehen, um zu viel Spiellärm im Speisesaal zu vermeiden. Besonders den Vätern scheint die Einhaltung solcher Regeln am Herzen zu liegen – unterschiedliche Erziehungsstile stehen hier sich nicht im Wege, sondern ergänzen sich.


[Das Singleparentshouse von innen]

Abends, im Kaminzimmer, versammeln sich diejenigen, die ihre Kinder erfolgreich im Bett verstaut haben. In der Küche sieden Zitronen und Orangen im hausgemachten Glühwein. „Was macht man denn als Single im Urlaub, wenn das Kind schläft?“, fragt Karen, Lehrerin aus Hamburg und Mutter von Ole (5). Wie einige der anderen Gäste hier hat sie auch schon Familienhotels ausprobiert. Die einhellige Meinung in der Runde: Komplettfamilien wollen im Urlaub unter sich bleiben.

Die Single-Väter klagen über eifersüchtige Ehemänner, Mütter fühlen sich eher als fünftes Rad am Wagen. Da kann ein Urlaub im Familienhotel rasch ziemlich langweilig werden. „Du willst ja Kontakte, das ist es, was Dir als Single fehlt“, erklärt die Berner Juristin Claudia, Mutter von Sebastian (7). Genauso wie ich ist sie aber auch erleichtert darüber, dass es hier nicht vordergründig um Partnervermittlung geht und sich, verstärkt durch die gemeinsame An- und Abreise, im Lauf der Woche eine unverkrampfte Gruppenatmosphäre verbreitet hat. Und am Ende des Spiele-Abends am Kaminfeuer sind wir endlich bei Schilderungen der Macken langjähriger Paare angelangt, die sich durch gegenseitiges Hickhack als Mitreisende, Gäste oder Gastgeber disqualifizieren.


[Das Singleparentshouse von außen]

Das Singleparentshouse:

Das Singleparentshouse (Haus Sternen) befindet sich 70 Kilometer von Zürich entfernt im Skigebiet Amden. Die Familie Giger hat das Haus gerade übernommen und wird möglicherweise Kleinigkeiten am Konzept ändern.

 
Weitere Ferienangebote für Alleinerziehende:
  
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Foto-Galerie: Rebekka Sommer

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.




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