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Endzeitromantik: Ein Theaterstück mit Hitler, Eva Braun und den sieben Todsünden

Schon die Plakate, mit denen für das Theaterstück "Endzeitromantik" geworben wird, sind extrem: extrem fotografierte Porträts zu extremen Gefühlen. Und um extreme Gefühle geht es im Stück - und um die Liebe zwischen Adolf Hitler und Eva Braun. „Es muss durchs Mark gehen,“ sagt Regisseur und Autor Gregor Bauer, 23, über sein Werk, das am Sonntag, 5. Februar 2012, auf der Alemannischen Bühne Premiere feiert.



In "Endzeitromantik" geht Adam auf die Suche nach Eva und verwandelt sich dabei zu Adolf Hitler. Zwischen Eva und Adolf entwickelt sich eine erwartungsgemäß schräge Beziehung. Als Inspiration für das Stück haben nach Angaben von Regisseur Gregor Bauer intime, unveröffentlichte Fotos, die Adolf Hitler und Eva Braun zusammen zeigen, sowie ebenfalls unter Verschluss gehaltene Briefe Hitlers an Eva Braun gedient. Zugang zu den Dokumenten habe er durch eine private Bekanntschaft bekommen.

"Wir haben im Stück auf der einen Seite die Liebe als das unantastbar Bestmögliche und auf der anderen Seite mit Adolf Hitler das Schlechteste, was wir kennen. Für mich war die Frage, was passiert, wenn die beiden Extreme kollidieren?"

In der Auseinandersetzung mit dem Thema Liebe soll im Stück auch eine Umbewertung von positiven und negativen Gefühlen passieren. "Das Glück liegt nicht mehr darin, ein positives Gefühl zu haben. Durch die Intensität negativer Gefühle entsteht eine neue Tiefe des Charakters und eben auch der Liebe. In der emotionalen Stärke von Trauer, von Wut kommt ein neues Glück, eben weil es eine sehr tiefe Emotion ist. Das ist Grundthema des Stücks."




Dabei gibt es für Gregor und die rund 20 Mitglieder der neu entstandenen Theatergruppe keine Tabus – im Gegenteil, es galt, sie aufzubrechen. So will das Stück die Liebe als das "unantastbar Gute" schlechthin antasten, sagt Gregor Bauer: "Es ist gar nicht meine Meinung, dass die Liebe etwas Schlechtes ist – Liebe ist etwas Wundervolles. Aber ich störe mich an Tabus und ich habe das Gefühl, dass fast das Verbot herrscht, über die Liebe nochmal nachzudenken. Die Frage ist zum Beispiel, wie intensiv kann eine Liebe sein, die ohne tieferen Konflikt ist? Und kann man, wenn sie nicht durch Konflikte vertieft wird, noch von Liebe sprechen, ist sie noch genug in diesem Extrem drin, um Liebe zu sein?"

Neben Hitler als dem personifizierten Bösen werden auch die sieben Todsünden nacheinander im Stück abgearbeitet. Gregor empfindet sie als ganz und gar nicht unvereinbar mit einer Liebesbeziehung. "Wir haben die sieben Todsünden mit der Liebe gleichgesetzt, und die Phasen der Liebe haben auf einmal ganz genau dazu gepasst. Der Anfang einer Liebe ist zum Beispiel die Wolllust, dann kommt die Völlerei, dieses starke Übertreiben von Zuneigung und Kontakt. Dann geht es weiter mit dem Geiz: Man möchte den Partner nicht mehr hergeben, man hat eine Art Besitzanspruch und so weiter."

Auf die Fragen "kann Liebe böse sein?" und "kann Bosheit lieben?" antworten die Endzeitromantiker mit einem Theater aller Register: In Sequenzen zwischen den einzelnen Szenen der eigentlichen Handlung widmen sich Tanzeinlagen, Film, Pantomime oder Slapstick einzelnen (Gefühls-)Aspekten des Themas. "Für mich war die Frage, kann man einen intellektuellen Anspruch mit einer Show zusammenbringen? Kann man etwas machen, das die Leute wirklich berührt und aber immer noch eine gewisse Substanz hat und nicht aus reiner Radikalität besteht?", sagt Gregor Bauer  über seine Motivation, ein eigenes Stück zu schreiben. Seine Textvorlage wurde von den Mitwirkenden im Probenprozess noch vielmals umgeschmissen und weiterentwickelt.






Die Gruppe selbst ist sehr heterogen. Ihre Mitglieder sind sind 19 oder 85 Jahre alt, sie besitzen gar keine oder ganz viel Bühnenerfahrung. Zum Beispiel Hanna Linder (19), die Eva spielt und in dieser Rolle zum ersten Mal auf der Bühne steht: "Die Arbeit an dem Stück war eine sehr erfrischende und nervenzehrende Abwechslung in meinem sonst so tristen und langweiligen (Schul-)alltag. Wenn ich durch die Tür des Theatersaals schritt, befand ich mich mit einem Schlag in einer Welt, die mich so faszinierte, dass ich jedesmal enttäuscht war, wenn die Proben schon nach vier Stunden zuende waren."

Alex Kraemer
(22) alias Adam erlebte die Arbeit ähnlich intensiv: "Jetzt, wo wir kurz vor der Aufführung stehen, ist man irgendwie ein Teil des Ganzen geworden. Man hat am Stück mitgewirkt, es geprägt und mit erschaffen, quasi Leben eingehaucht. Ich würde es mir sehr gerne mal live als Zuschauer ansehen, aber das geht leider nicht. Aber ich bin sicher, dass es bei den richtigen Leuten gut ankommen wird."

Welche Leute sollen das sein, wenn es nach den „Endzeitromantikern“ geht? Gregor hat ganz konkrete Vorstellungen: "Wir wollen nicht, dass nur Studenten oder nur das 'intellektuelle Bürgertum' kommt, sondern wir wollen wirklich jedem etwas anbieten. Unsere Vorstellung ist, dass der Zuschauer nicht rauskommt und sagt, 'ach ja, mein Fräulein, das war doch ein genüsslicher Abend', sondern: 'Wow, da ist irgendwas passiert, nicht nur vor mit, sondern auch in mir.'"






Was: Theaterstück "Endzeitromantik"
Wann
: Sonntag, 5. Februar 2012 (Premiere), sowie Dienstag, 7., Freitag, 10.und Samstag, 11. Februar 2012
Wo: Alemannische Bühne, Gerberau 15 (5. Februar), Pavillion der Mensa Rempartstraße (7. Februar), Mensabar in der Rempartstraße (10. und 11. Februar)
Eintritt: 9 Euro, ermäßigt 5 (Premiere), sonst 5 Euro, ermäßigt 3 Euro.




[Fotos: Frank Kloten]





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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 8
Samstag, 04.02.12 16:11
 

"Die Vorlage für das Stück dafür waren intime, unveröffentlichte Fotos, die Adolf Hitler und Eva Braun zusammen zeigen, sowie ebenfalls unter Verschluss gehaltene Briefe Hitlers an Eva Braun. Zugang zu den Dokumenten hatte Regisseur Gregor Bauer durch eine private Bekanntschaft bekommen."

Schtonk?

Samstag, 04.02.12 18:59
 

... wer das glaubt, dem ist echt nicht zu helfen.

Gut 60 Jahre nach dem Holocaust und dann sowas ... wie geschmacklos kann es noch werden?
Aber das ist ja angeblich Kunst ... dann darf man das ja ... ja ja ...

Sonntag, 05.02.12 10:06
 

Was für ein unglaublicher Mist. Wenn ich die Fotos anschaue kommts mir schon fast hoch!

Sonntag, 05.02.12 13:30
 

Ich hoffe mal, dass die alte im Stück blank zieht. Denn wenn Hitler alleine als Aufmerksamkeitsmagnet nicht mehr ausreicht, dann müssen Titten her! Insofern war die Plakatmotivauswahl auch sehr ungeschickt.

Hitler hitlerhitler Hitler hitlerhitlerhitler HITLERHITLER hitler hitler hitler hitler.

+om
Sonntag, 05.02.12 14:55
 

hitler, vagina, pimmel,..hihihi, es ist ja so provokant!!! rtl2 auf der bühne?

Sonntag, 05.02.12 16:38
 

Tanz den Mussolini....

Montag, 06.02.12 23:37
 

Schade, dass fudder zwar eine "Netiquette" anpreist, aber dann nicht auf deren Einhaltung achtet......man kann ein Stück gut finden - oder schlecht. Man kann sich damit auseinandersetzten, es befürworten, kritisieren, ablehnen.... aber: Man sollte es zuvor gesehen haben :-)
Ich war gestern Abend "vor Ort", habe zwar Provokatives, aber nichts "Ekelhaftes" gesehen. Und wer sich anhand einiger Fotos eine Meinung bilden möchte......meinetwegen. Meine neun Euro waren gut angelegt. Ich fand das Stück eindrucksvoll und die schauspielerische Leistung klasse. Aber nochmal die Bitte an fudder: Achtet auf das Geschreibsel der ganz Schlauen hier. Zumindest in Bezug auf sexistischen Dummfug sollte Einigkeit dahingehend bestehen, dass er gegen die Netiquette (auch die von fudder?) verstößt. Danke.

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