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Chaos bei der Sea of Love: Jetzt droht den Veranstaltern ein saftiges Bußgeld

Die Stadt Freiburg hat gegen die Veranstalter der "Sea of Love" ein Verfahren eingeleitet. Den Festivalmachern droht offenbar ein saftiges Bußgeld – doch die wehren sich weiter gegen die Vorwürfe.


Die Stadt wirft den Festivalmachern vor, bei der Veranstaltung im Juli 2011 gegen eine Reihe von Auflagen verstoßen haben. Festivalgründer Bela Gurath wehrt sich für die "MehrSeen GmbH" gegen die Anschuldigungen. Er beklagt seinerseits Versäumnisse der Behörden: Für alle habe der Papstbesuch Priorität gehabt, für die "Sea of Love" sei das Interesse gering gewesen.
Festivalmacher Bela Gurath und Frank Böttinger, sein Mitgeschäftsführer der Veranstaltungsfirma Endless Event, müssen mit Strafen rechnen.

Die Höhe des Bußgeldes wurde noch nicht festgelegt, bis zum 6. Februar haben die Betroffenen Zeit, auf die Liste der Vorwürfe zu antworten. Viel sagen wollte Bela Gurath am Donnerstag gegenüber der Badischen Zeitung nicht: Er müsse erst einmal das Schreiben lesen. "Wir haben sicher Entscheidungen getroffen, die zu Fehlern geführt haben – aber lange nicht in der Dimension, wie sie jetzt im Raum stehen." Gurath beklagt auch, dass es seit Juli nie zum versprochenen Runden Tisch gekommen sei, um die Vorfälle zeitnah, sachlich und fair aufzuklären.

Fest steht: Es gibt zwei Sichtweisen, die sich zum Teil diametral gegenüberstehen. Die Bilanz aus Sicht der Stadt: "Ich habe in den zehn Jahren im Amt bislang noch keine Veranstaltung erlebt, die so chaotisch abgelaufen ist", erklärt Walter Rubsamen, Leiter des Amtes für öffentliche Ordnung. Die Liste der Stadtverwaltung mit den angeblichen Verstößen gegen Auflagen umfasst sieben Punkte.

Drei sind besonders gravierend. Einmal geht es um das gefährliche Gedränge, das am Freitagabend vor der Messehalle entstanden ist. Laut Stadt beschäftigte der Veranstalter viel weniger Ordner als gefordert. Die Halle war voll, davor drängten sich die Menschen. 2000 seien es gewesen, hieß es zuerst; in den Akten der Stadtverwaltung steht heute die Zahl von 900 Besuchern, die in dem dichten Pulk vor der Halle gestanden hätten. Die Veranstalter sprechen dagegen von 300. Das lasse sich durch Videos und durch die Aussagen von Mitarbeitern der Messe belegen. Alle anderen Zahlen seien aus der Luft gegriffen.

Ein zweiter wichtiger Punkt sind die laut Stadt fehlenden Absperrungen und Beleuchtungen an den Fußwegen am Tunisee. An einer Stelle, an der laut Stadt ein Absperrgitter hätte stehen müssen, kletterten Fans die Böschung zur A5 hoch und liefen über die Autobahn. Die "MehrSeen GmbH" hält dagegen, dass an der Stelle keine Sperrgitter gefordert waren. So steht es in einem Schriftwechsel zwischen Stadt und Veranstalter, welcher der Badischen Zeitung aus Gemeinderatskreisen zugespielt wurde.

Hauptkritikpunkt Nummer drei sind die von der Stadt geforderten kostenlosen Wasserstellen. Die Veranstalter sagen, sie hätten dagegen Widerspruch eingelegt und von der Stadt nichts mehr gehört. Am Ende hätten sie dann aber doch versucht, Wassertanks zu bekommen. Das habe nicht geklappt. Im Rathaus dagegen sagt man, die Auflage, die neu war, sei klipp und klar kommuniziert worden. Die Veranstalter dagegen sahen vor dem Festival mangelnden Kooperationswillen der Behörden: "Immer hieß es: Der Papst ist wichtiger", heißt es in dem Schriftwechsel. Kritik übten sie auch an der Polizei und an deren fehlendem Ansprechpartner. Die Polizei dagegen verweist auf den "hochbrisanten Einsatz" an der Messe, der auf "flehentliche Bitten" des Ordnungsdienstes erfolgt sei. "Und jetzt wird es so hingestellt, als hätten wir uns Versäumnisse geleistet", sagt Polizeisprecher Karl-Heinz Schmid.

Wie geht es nun weiter? Sollten die Veranstalter Widerspruch gegen das Bußgeldverfahren der Stadt einlegen, könnte am Ende das Amtsgericht darüber zu befinden haben, wer bei der "Sea of Love" welche Fehler gemacht hat. Aber soweit ist es noch nicht: "Wir sind immer gesprächsbereit", sagt der Erste Bürgermeister Otto Neideck.

Die Stadt Freiburg baut derzeit ihre Strukturen für Großveranstaltungen um. Es soll eine zentrale Anlaufstelle geschaffen werden – das ist eine Folge auch der "Sea of Love"-Probleme. "Wir haben sicherlich Verbesserungsbedarf bei der Kommunikation, aber vor allem bei der Kontrolle unserer Auflagen, während eine Veranstaltung läuft", sagt Neideck.

Die "Sea of Love" solle auf jeden Fall für Freiburg erhalten werden. Für die Neuauflage in diesem Jahr bewirbt sich Konzertveranstalter Koko, der wieder zum ursprünglichen Konzept mit nur zwei Festivaltagen am Tunisee zurückkehren will.





  [Foto: Dominic Rock]




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 12
Freitag, 27.01.12 09:06
 

2000 - 900 - 300
:D :D :D :D
isch klaaaa .....

Freitag, 27.01.12 10:04
 

Um wieviel Bußgeld geht es eigentlich? Hab ich das überlesen?

Freitag, 27.01.12 11:05
 

Paragraf 1: Die Stadt hat immer recht

Paragraf 2: Sollte die Stadt ausnahmsweise einmal nicht recht haben tritt automatisch Paragraf 1 in Kraft

Freitag, 27.01.12 12:01
 

Oh man, was ist denn das für ein Scheiss, lasst die Kirche doch mal im Dorf. Erstmal glaub ich denen aufs Wort mit dem Papst, es ging ja im Sommer um nichts anderes mehr. Dann war ich selbst vor Ort und - oh my god - ja, es war etwas chaotisch, aber lange nicht so, wie es dargestellt wurde. Man, was geht bei anderen Festivals alles schief, macht man da so ein Geschiss drum? Es ist doch niemandem etwas passiert und der Veranstalter hat doch nun schon mehrfach Fehler auch eingestanden.
Aber was soll ich sagen, welcome in Freiburg, hier läuft es offensichtlich anders als in anderen Städten. Ich sag nur Alkoholverbot in der Innenstadt damals. Haha!
Ich finde es allerdings ziemlich merkwürdig, wenn die Stadt bis heute nicht an einem Gespräch interessiert ist, wäre das nicht das Erste, was man eigentlich macht? Sehr sonderbares Vorgehen, sehr sonderbar.

Freitag, 27.01.12 12:09
 

Ist alles ein total Witz !

Ich fand die Veranstaltung klasse (auch wenn es nicht mehr das war, was es eigentlich war)
Wenn ein paar Vollpfosten meinen die Autobahn – auf der Suche nach einem Taxi !!! – hochrennen zu müssen, dann sollen die das machen. Da kann man denke ich dem Veranstalter keinen Vorwurf machen !

Das einzige was man bei der Sea of Love bemängeln könnte ist, dass Endless wieder nur auf Profit aus war !

Freitag, 27.01.12 12:10
 

Wäre sinnvoll wenn die Vorwürfe gegen Guraths Firma komplett aufgeklärt würden. Es kann nicht angehen wenn leichtfertig Auflagen der Stadt unbeachtet bleiben.

Vielleicht ist auch eine juristische Aufarbeitung der Geschehnisse erforderlich - dann könnten unabhängige Gutachter ein genaues Bild der Lage erstellen und ein unabhängiger Richter diese Erkenntnisse in seinem Urteil einarbeiten.

Fest steht das es zu nicht sehr schönen Szenen im Lauf der Veranstaltung gekommen ist. Und genau das muss jetzt von der Stadt und juristischen Organen genauer untersucht werden.

Schön das fudder über die Sache berichtet!

Freitag, 27.01.12 13:33
 

Ich war selbst als Gast bei der Sea of Love und muss auch sagen, dass ich die ganze Diskussion völlig überzogen finde.
Bis auf kleinere Probleme, die bei einer Veranstaltung in dieser Größenordnung aber normal sind, war alles top.

Samstag, 28.01.12 14:43
 

ich bin schon der meinung, dass die firma endless event aufgrund nichteinhaltung von auflagen und massiven infrastrukturellen fehlern ein bußgeld zahlen sollte. da sind einfach einige sachen passiert, die ich auf noch keinem festival sonst erlebt habe. ungeschoren werden die herren nicht davon kommen. naja, aber das thema muß ja nicht schon wieder aufgekocht werden. bleibt abzuwarten, wie es ausgeht.

(...)Für die Neuauflage in diesem Jahr bewirbt sich Konzertveranstalter Koko, der wieder zum ursprünglichen Konzept mit nur zwei Festivaltagen am Tunisee zurückkehren will.(...)

laut fudder-berichten ist koko doch schon als neuer verantstalter eingesprungen.

Samstag, 28.01.12 22:52
 

Ich bin der Meinung, daß für alle potentiellen Teilnehmer künftig bindend ein IQ-Test von Seiten der Veranstalter zur Auflage gemacht werden sollte.

Über die Autobahn laufen ... tz tz tz

Sonntag, 29.01.12 21:08
 

Mehrseen GmbH oder Koko Entertainment = Pest oder Cholera

siehe: http://fudder.de/artikel/2007/09/03/rock-am-see-im-strom-chaos/



Montag, 30.01.12 22:49
 

dass rock am see mies organisiert ist, kann ich nur unterstreichen. ich war 2010 dort zum ersten und letzten mal.

Donnerstag, 09.02.12 06:56
 

Ich gehe schon seit Jahren nicht mehr auf Partys wenn "EndlessEvent" mitmischt :

Bereits vor ca. 9-10 Jahren ist mir mehrfach aufgefallen, daß -wenn DIE Geldgeier mitmischen- immer wieder an den Waschbecken auf den Toilettenanlagen das Wasser abgestellt worden war um recht teures Flaschenwasser verkaufen zu können ; bei einer "bigBang" im Casino/Lahr waren sogar die Wasserhähne entfernt worden.

Ich finde den Gedanken ober-eklig, daß alle möglichen Fäkalkeime dadurch unter den zahlenden Gästen frei kursieren können ( wüüürrrg !! In vielen 3.-Welt-Slums gehts da reinlicher zu ! ).

Bei einem Sommerevent von EndlEv. schleppten meine zierlich-gebaute Freundin und ich eine Frau, die wohl vor allem wegen Dehydrierung auf der Tanzfläche umgekippt war, alleine ins Freie und gaben Ihr (teures) Wasser von uns. Wir hatten zwar nen Security-MA um Hilfe gebeten-ohne Erfolg. Wir passierten zwar den Einlaß, aber von dort auch keine Hilfe trotz der Bewußtlosen im Schlepptau.

Von uns bekommen Bela G.& Co. seitdem keinen müden Euro mehr. Daß Die trotz Sommerhitze und ausverkaufter Veranst. Widerspruch gegen die Wasserabgabepflicht eingelegt haben wollen ist sowas von armselig-typisch für diese Leute.

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