zur Startseite
Passwort vergessen?
 

Bowling: Sporteln wie Homer

Homer Simpson tut es, Al Bundy tut es, Fred Feuerstein tut es, und auch Doug Heffernan tut es: Bowlen. Aber wer geht eigentlich in Südbaden auf die Bowlingbahn? Ramona, Maria und Elena haben nicht nur Disco-Bowler, sondern auch echte Bowling-Sportler getroffen.



„Strike!“
Die schwarze Kugel hat alle zehn Pins umgeworfen.  Auf der Anzeigetafel über der Bowlingbahn Nummer 15 des Magic-X-Bowlingcenter Waldkirch blinkt das Wort immer wieder bunt auf, Comic-Pins hüpfen auf und ab. Mit demonstrativer Lässigkeit dreht sich Bowler Andreas zu seinem Mitspieler Michael. Mit einem herausfordernden Blick greift dieser zu seiner frisch geölten Bowlingkugel, klatscht Andreas ab, tritt auf die Bahn und lässt die Kugel mit einem eleganten Wurf Richtung Pins gleiten.

Für Andreas (Bild unten) und Michael (Bild oben) ist Bowling mehr als irgendeine Freizeitbeschäftigung. „Ein Leben ohne Bowling kann ich mir nicht mehr vorstellen!“, sagt Andreas. Der 31 Jahre alte Waldkircher ist seit mehr als drei Jahren Mitglied des Bowlingclub Waldkirch. Rund 40 Spieler spielen im Verein; die Mannschaft trainiert an festgelegten Abenden für Turniere oder Ligaspiele.

4 bis 5 Stunden dauert eine Trainingseinheit, und  auch Pflege und Anschaffung des Equipments brauchen Zeit – und Geld. Bis zu 600 Euro gibt Andreas jährlich für seine Profiausstattung aus.  Andreas, der schon bei der Sübadischen Meisterschaft teilgenommen hat, trainiert so häufig wie möglich – und arbeitet sogar auf der Bowlingbahn. Er macht dort eine Ausbildung zum Kaufmann für Tourismus und Freizeit. Manchmal trainiert er schon ein, zwei Stunden vor Arbeitsbeginn. „Wenn ich könnte, würde ich jeden Tag trainieren.“



„Für den Sport braucht man viel Zeit“, sagt auch sein Trainingspartner Michael. Der 25 Jahre alte Lagerarbeiter ist aus Zeitmangel aus dem Bowlingclub ausgetreten, aber liebt den Sport  noch immer. Im Bowlingcenter läuft zwar ein Non-Stop-Eurotrash-Soundtrack, aber Michael schätzt die Ruhe des Sports: „Früher habe ich Kampfsport gemacht, damit kann man Bowling ganz gut vergleichen. Es kommt auf Geist und Konzentration an.“


Ein Sport mit Geschichte

Ein kugelförmiges Ding gegen entfernt stehende Dinger zu werfen, ist keine neue Erfindung: schon in der Antike wurde das als Sport praktiziert, und in Europa als Kegelsport ein Erfolg. Deutsche und  holländische Einwanderer brachten das Kegeln nach Nordamerika, wo es als Glücksspiel betrieben wurde. Das Bowling in seiner heutigen Form entstand durch die Prohibition und das Glücksspielverbot Ende des 19. Jahrhundert in den USA. Um das Verbot zu umgehen, veränderten leidenschaftliche Kegler die Bahnverhältnisse, vergrößerten die Lauffläche, die Kugel wurde größer, schwerer und erhielt drei Löcher, und aus neun am Seil hängenden Kegeln beim Kegeln wurden 10 freistehende Pins beim Bowling.. 1936 wurde der mechanische Pinsetter erfunden, der die umgefallenen Pins wiederaufstellt.

Bowling wurde in den USA zum allgegenwärtigen Volkssport. Auch in der US-amerikanischen Popkultur ist Bowling nicht wegzudenken. Es gibt kaum einen männlichen TV- oder Film-Charakter, der nicht wenigsten ab und zu zur Kugel greift:  Homer Simpson, Al Bundy, Fred Feuerstein, Der Dude und Doug Heffernan – sie alle sind Bowler.

In Deutschland war der Bowlingsport bis Ende der 80er Jahre ein Randphänomen. Es gab nur wenige Bahnen, Bowler waren im Deutschen Keglerbund organisiert. Erst Ende 1989 gründeten die Bowler ihren eigenen Verband. Dann kam der Boom. Heute gibt es mehr als 700 Bowlingcenter in Deutschland, mehr als 3,5 Millionen Menschen gehen nach Angaben der Deutschen Bowling Organisation mehrfach im Jahr in ihrer Freizeit bowlen.



18 Bahnen gibt es im Magic-X-Bowlingcenter in Waldkirch, es ist das größte Bowlingcenter in Südbaden. „Bowling ist klasse!“, sagt Meinolf Morczinietz,  Geschäftsführer des Centers.  Dröhnende Chartmusik, großzügige Öffnungszeiten und Veranstaltungen wie ein Sonntagsbrunch oder die Laser Disco-Bowling sollen Kunden in die 2600 Quadratmeter große Halle locken. Auch Turniere der Deutschen Bowlingunion (DBU) werden hier ausgetragen.

21 Euro pro Stunde und Bahn, zuzüglich  Leihschuhe, muss der Kunde  auf den Tresen legen um dabei zu sein. „Die Kunden wundern sich immer über die Preise“, sagt der Geschäftsführer, „Aber eine Bahn inklusive Pin-Aufsteller kostet nun mal 45.000 Euro.“

„ A weng Spaß habe, a weng bowle, a weng was esse!”

Samstagabend. Die Stimmung im Bowlingcenter ist ausgelassen, der Laden brummt, alle Bahnen sind belegt. Die Pins leuchten im Schwarzlicht, eine Lasershow flimmert über die Bahn, ein Song der Venga Boys schallt aus den Lautsprechern. Discofeeling. Gruppen von Jugendlichen, Mittzwanziger-Cliquen aber auch viele Familien sind da. Der Alkoholkonsum steigt mit der Uhrzeit, es wird gegessen, getrunken und gebowlt. Die Ruhe und Konzentration, die Bowler Michael am Bowling schätzt, ist nicht zu finden. An erster Stelle steht der Spaß.



„Ich bin ja schon froh, wenn ich überhaupt einen Pin treffe,“ sagt Corinna aus Walkirch und lacht. Die 25 Jahre alte Industriekauffrau  ist mit ihrem ihrem Freund und seiner Familie hier. Der Besuch im Bowlingcenter war ein Weihnachtsgeschenk des Sohn an die Mutter. „Ich habe mir damit ganz einfach einen abwechslungsreichen Abend für die Familie erhofft“, sagt er. Er besucht das Center öfter und spielt  nach dem Motto „Volle Kanne vom Hocker.“

Ähnlich entspannt wie Corinna sieht auch  die 27 Jahre alte Zahnarzthelferin Astrid aus Waldkirch das Spiel. Auch sie ist mit Freund und Familie beim Schwarzlicht-Bowling.  „Für mich steht ganz klar der Spaß im Vordergrund, doch ich gucke schon, dass ich alle treffe.“ Astrid tritt an die Bahn, holt aus, und schafft es: Strike!

Bowling in Südbaden: Michael und Andreas beim Training
Quelle: YouTube

Die Autorinnen

Ramona Dreher (23), Maria Lerch (22) & Elena Günter (23) studieren Instructional Design und Europäische Ethnologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Am Zentrum für Schlüsselqualifikationen haben sie im Wintersemester 2011/2012 an einem Grundlagenkurs zum Thema "Online-Journalismus" teilgenommen, den die fudder-Redakteure Markus Hofmann und Carolin Buchheim angeboten haben. Diese Multimedia-Reportage ist im Rahmen dieses Kurses entstanden.







Foto-Galerie:

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.




Artikel als E-Mail verschicken Artikel auf Facebook weiterempfehlen Artikel twittern Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen Diesen Artikel bei del.icio.us bookmarken
 



Kommentare
Keine Kommentare
Um einen Kommentar zu verfassen, benötigst du ein fudder-Profil. Registriere dich kostenlos oben rechts auf fudder.






Diese Funktion steht nur für eingeloggte fudder-User zur Verfügung.

» fudder-Netiquette





» Glitz

re: Was hört ihr gerade?
D.Harry- Heart... http:/...

» Jan K.

re: Badische Zeitung offline?
Naja nachdem ich nicht dr...

» Griptape

re: Badische Zeitung offline?
also bei mir klappts.

» Jan K.

Badische Zeitung offline?
Heyho. Die Badische Zeit...

» christianhauck

re: PN
das war ein Standard-Antw...

» ja/nein

re: PN
lokis gedanken hatte ich ...

» Chuckie

re: Neuer Stammtisch der Piraten
Ist das eine offfizielle ...

» Anon

Scientology-CHRONIK des BÖSEN
Hier dokumentieren wir in...