Sie kommen ins KG IV. Sie wollen lernen, und sie sind zahlreich: "Auswärtige", darunter viele Medizinstudenten und Naturwissenschaftler, nehmen den Anglisten und Historikern die Plätze in der Bibliothek weg - und sorgen damit für Unmut.
"Die Mediziner surfen uns das W-Lan weg!" "Mediziner - Volk ohne Raum" - Diese Plakate hängen derzeit in den Fluren des Kollegiengebäude IV (KG IV). Der Konflikt spitzt sich eher zu, als dass die Lage sich entspannt. Nachmittags ist die Verbundbibliothek von Historikern, Politologen, Anglisten und Soziologen besonders voll. "Etwa ab drei", sagt Philipp Weimar (20), der Politik im Hauptfach studiert. "Ich habe auch schon keinen Platz mehr bekommen." Ein Soziologiestudent ist aus diesem Grund inzwischen in die Bibliothek des Biologischen Instituts umgezogen: "Das KG IV ist für den Ansturm nicht gemacht."



Zum Problem trägt ja auch bei, daß die Mediziner usw. das, was sie in der Bib machen, überall tun könnten. Für die Studierenden der KG4-Fächer ist das nicht so einfach: Die Verbundbibliothek ist eine Präsenzbibliothek, aus der man nichts ausleihen kann (seit der Öffnungszeitenverlängerung auch nicht übers Wochenende).
Eben! Die Mediziner haben alle ihre Bücher und wir sind darauf angewiesen, vor Ort in der Bib sein zu können, da z.T. nur dort die Bücher sind.
Die UB ist dafür gemacht, dass jeder Student dort lernen kann, aber nicht die Fach-Präsenz-Bibs.
Kurzer Hinweis: der Beitrag wurde um einen Absatz ergänzt, nachdem wir doch noch ein Statement der Uni-Pressestelle bekommen haben.
Das is ja mal wieder Jammern auf höchstem Niveau. "In unserer Bib sind keine Plätze"... Wir Mediziner wären froh wenn wir eine hätten
Siehe Konstantin/MrsMaryLou. Das ist der entscheidende Punkt. Bei den meisten meiner Hausarbeiten muss ich einfach im KGIV arbeiten können, sofern ich nicht auf weiterführende Literatur verzichten will ;)
Auf der anderen Seite finde ich die Beschwerde der Mediziner jedoch absolut berechtigt: Die "Bibliothek" bzw. deren Lesesaal ist einfach ein Witz, und das bei derartig vielen Studenten. Ganz besch*** geplant.
„Der Konflikt spitzt sich eher zu“ – na ja, man kann Konflikte auch herbeischreiben. Diese künstliche Trennung, zwischen „einheimischen“ Studenten und fachfremden steht einer Lösung doch eher im Weg, auch wenn man natürlich liebgewonnene Vorurteile, wie die des Geisteswissenschafters, der gerne lange schläft, pflegen kann. Während der meisten Zeit des Jahres ist in der KG IV-Bibliothek genügend Platz, auch für fachfremde Studenten. Das grundsätzliche Problem ist, dass seit dem UB-Umbau nicht genügend zentrumsnahe Lernplätze zur Verfügung stehen. Da bietet sich das KG IV natürlich an, nicht zuletzt, weil man sich den mühseligen und langen Weg von 15 Minuten zur UB 1 erspart. So mancher ist unterwegs schon verhungert. Zum Problem wird das Ganze erst, wenn die großen Klausuren in Fächern wie Medizin anstehen. In diesem Zeitraum von etwa sechs bis acht Wochen kommt es zu den beschriebenen Engpässen. Grundsätzlich habe ich kein Problem damit, wenn „die“ Mediziner zum Lernen ins KG IV kommen. Leider handelt es sich hierbei, wie von anderen Kommentatoren bereits beschrieben, um eine Verbundsbibliothek, in der keine Möglichkeit besteht, die Bücher auszuleihen (von der 30 minütigen Kurzleihe einmal abgesehen). Die KG IV-Studenten haben eben nicht die Möglichkeit sämtliche Arbeitsmaterialen mitzunehmen, sondern sind auf diese Bibliothek als Arbeitsplatz angewiesen. Alle fachfremden Studenten rauswerfen ist natürlich die schlechteste Alternative von allen, nicht zuletzt, weil sie nichts dafür können, wenn ihnen die Fakultät/Uni nicht genügend Plätze zum Lernen zur Verfügung stellt. Am besten wäre es sicher, innenstadtnah reine Lernplätze (z.B. freie Hörsäle o.ä.) zu schaffen. Da das Geld kostet, wird daraus kurzfristig wahrscheinlich nichts. Daher möchte ich anregen, dass die KG IV-Bibliothek für einen Zeitraum von 6 Wochen vor Semesterende bis zum Abschluss der letzten großen Klausuren in Fächern wie Medizin die Arbeitsplätze in den Fachbereichen (außen an den Fenstern) ausschließlich für Studenten der KG IV Fächer reserviert. So kann der Überfüllung zumindest die Spitze genommen werden, die entsteht, wenn zu viele fachfremde Studenten im KG IV lernen. Denn nicht wenige KG IV-Studenten haben vormittags Pflichtveranstaltungen mit Anwesenheitspflicht. Diesen sollte die unbekannte Medizinstudentin die Sache mit dem frühen Aufstehen doch nochmal erklären. Denn wer früh morgens aufsteht, kann in der UB 1, auf eine große Auswahl von freien Arbeitsplätzen zurückgreifen, vorausgesetzt, man nimmt den beschwerlichen Weg in Kauf.
Liebe anonyme Medizinerin,
ich möchte dich mit den Gepflogenheiten geisteswissenschaftlicher Studiengänge bekannt machen. In diesen dauern Seminare und Vorlesungen das ganze Semester an, dazwischen sitzt man in der Bibliothek, um Referate und künftige Seminarsitzungen vorzubereiten, Essays zu schreiben und vielleicht schon etwas die Hausarbeiten vorzubereiten, die man in der vorlesungsfreien Zeit (ja das passt bei uns besser als Semesterferien) schreibt. Das heißt, dass wenn Student xy um 12 kommt er oder sie vielleicht schon zwei oder vier Stunden Seminare hinter sich hat und dann in die Bib geht, um ein Referat vorzubereiten. Dazu braucht er - auch das ist hier schon äußerst detailliert beschrieben worden - die Bücher aus dem KG IV, einer Präsenzbibliothek. Bücher, die oft an der Uni nur einmal vorhanden sind, weil sie keine Lehrbücher sind, die alle paar Jahre aktualisiert werden und die man sich irgendwann im Studium zulegt, sondern hochspezielle Forschungsbeiträge, beispielsweise über die soziale Zusammensetzung des Straßburger Klosters St. Marx im Spätmittelalter, die deutsche Besatzungspolitik in Litauen in der zweiten Hälfte 1944, Metaphern in der amerikanischen Kurzgeschichte der 1960er Jahre, oder die Bedeutung des Gerechtigkeitsbegriffs im Werk von Hannah Ahrendt ...
Er oder Sie kann also nicht einfach wo anders arbeiten, sondern ist auf die KG IV-Bibliothek angewiesen. Dummerweise braucht er meist auch noch einen Laptop und ärgert sich, dass er wenn er um viertel vor 12 aus einem Seminar kommt, nur noch die Plätze in der Mitte ohne Stromanschluss frei sind, weil die mit dem frühen Vogel den Wurm fangenden und im Frühtau zu Berge ziehenden Fremdnutzer mit medizinischer Fachlektüre oder dem obligaten Schönfelder und der Karteikartenbox die Fensterplätze in Beschlag genommen haben, schließlich ist es da ja schöner.
In sofern würde ich Dich höflich bitten, deine Vorurteile beiseite zu legen und hier nicht einen Wer-steht-am-frühsten-auf-Wettbewerb zu starten.
Herzlichst
Johannes
P.S. Hat Mühe gekostet, das Ganze statt "Troll dich, wenn du keine Ahnung hast" in gesittete Worte zu fassen.
P.P.S. Ich verstehe völlig, dass es zu wenig Arbeitsplätze für Mediziner und andere Fächer gibt, aber man muss die Last besser verteilen. Romanstik und Germanistik haben auch große Bibliotheken, diese sind aber viel hässlicher und damit längst nicht so voll. In sofern plädiere ich dafür im KG IV einen bestimmten Teil der Plätze für externe Nutzer freizugeben, aber auch einen gewissen Platzanteil für die dort "hauptansässigen" Studierenden vorzuhalten.
scheiß mediziner rufen, aber wehe einem wird der bauch aufgeschlitzt, dann will sich plötzlich keiner von nem historiker zunähen lassen
Nähen wird total überschätzt... das hat mir ein Stabsarzt in einer ruhigen Stunde am lebenden Objekt beigebracht...
Unsere Institutsbilbiothek ist die hässlichste und eine der kleinsten Bibliotheken für die größte Studierendenschaft
KANN MIR JEMAND SAGEN, wo sich diese Bibliothek befindet?
@JW:
Die Germanistik /Skandinavistik Bib ist im Moment auch recht voll, zumindest mittags/abends an den Laptop- und Fensterplätzen. Und ausleihen können wir nur über das WE..
Zum Thema Konflikt herbei schreiben. Etwas seltsam finde ich es ja, dass fudder im FS Raum der KG4 Fachschaften anruft, da man, Zitat, "noch einen Medizinerhass o ton braucht". Nach Ablehnung hat man aber auch nicht weiter nach der Meinung der Fachschaften gefragt, hatten die sich vielleicht differenziert geäußert? Liest sich aber halt nicht so gut wie ein "Konflikt". In diese Kerbe schlägt ja auch die Wortwahl, sh. "Artfremd".
Wir könnten ja mal in typisch Freiburger Manier die Redaktionsräume von Fudder besetzen um auf die Unzulänglichkeiten der Medizinerbib aufmerksam zu machen.
Ausserdem ist hat diese "Invasion" auch ihre guten Seiten.
1) Man kann im KGIV ruhigen Gewissens einen Herzinfarkt bekommen
2) Finden sich vielleich auch mal Fächerübergreifende Paarbildungen und die Fachstudenten hören damit auf sich den eigenen Fachinternen Nachwuchs zu züchten.
Getreu der Vorstellung:
Erst lernt der Historiker seine Medizinerfreundin und künftige Frau am KGIV Kopieren kennen und kann sich dann später zur Scheidung von dem Anwalt Vertreten lassen mit dem er sich zu Studienzeiten um einen Platz in der Osteuropäischen Geschichte geprügelt hat.
Eigens für Mediziner eingerichtete Plätze gibt es:
70 Plätze im Weissmannsaal im Institutsviertel (mit Lehrbuchsammlung)
14 Plätze in der Chirurgie
5 im Studiendekanat
_______
89 Plätze
Medizinstudenten gibt es über 2600.
You do the math.
Seid doch froh, dass ihr fachfremde Studenten zu Gesicht bekommt. Wenn ihr am Flugplatz Informatik o.ä. studieren würdet, hättet ihr nur die Chance auf Gleichgesinnte zu treffen.
Man fühlt sich ein bisschen wie bei der 'Big Bang Theory'.
... Halt! Es gab ja noch den Tofu-Verkäufer, quasi als Alien. Gibt's den noch?
Damals, als ich noch studiert hab, stand in der alten Uni auf der Wegweisertafel in der Eingangshalle jahrelang mit Eding geschrieben:"Scheiss Studi Wixxer"
Das hat jetzt nix sooo viel mit dem Artikel zu tun, ich wollt's aber mal loswerden.
@oszillator:
Es gibt die UB, die hat verdammt viele Plätze und ist gerade auch für Lerner, die nicht auf Bücher aus dem Präsenzbestand angewiesen sind, da.
an alle Medzinier:
Es tut mir leid für euch, dass ihr keine richtige eigene Bib habt. Dennoch seid ihr auf keine Präsenz-Bücher angewiesen und könnt in der großen UB lernen. Die anderen Studenten dürfen schließlich nicht darunter leiden, dass irgendwelche Leute es vercheckt haben, keine geeignete Lernplätze im Insti-Viertel für euch zu bauen.