
Einzigartig in Deutschland sei es, vielleicht sogar auf der ganzen Welt, stellt
Erich Thomann (81) sein Müllmuseum vor. Stets begrüßt er seine in- und ausländischen Besucher persönlich, überhaupt ist die Atmosphäre in dem verwinkelten Museum auf fünf Etagen heimelig und familiär.
Die wohnzimmergroßen Räume sind
Schatzkammern für die Hundertschaften an originalen Fundstücken, die über den Umweg Mülldeponie hier ihren Platz gefunden haben. Im Erdgeschoss sind uralte Nähmaschinen, antike Bügeleisen aller Formen und Farben, verblichene Stopfeier, vergilbte Stickmustervorlagen einer "Hauptlehrerin an der Schule für Arbeitslehrerinnen in Karlsruhe" ausgestellt: ein Eldorado für die gesittete Hausfrau.
Flohmärkte, erklärt Erich Thomann, habe es in den 70ern in der Region noch nicht gegeben, von eBay ganz zu schweigen. "Wenn die Großmutter gestorben oder umgezogen ist, hat man halt einen Container bestellt." So kommt es, dass man als Besucher von einem präparierten Feldhasen hinter Plexiglas dabei beobachtet wird, wie man sich anhand des Weggeworfenen den Alltag des vergangenen, teils sogar des vorvergangenen Jahrhunderts vergegenwärtigt.
"Um die Zeitzeugen wäre es schade!" - dieser Gedanke ging dem Museumsgründer durch den Kopf: 20 Jahre lang war Erich Thomann Planierraupenfahrer auf der benachbarten Mülldeponie Lachengraben, sein Job war es, das Weggeworfene plattzuwalzen. Davor schaute er jedoch alles durch, vieles fand den Weg zu ihm nach Hause: "Für unsere fünf Kinder war jeden Tag Weihnachten."

Ein nicht mehr geliebter Teddy in grüner Stricklatzhose machte den bescheidenen Anfang, doch bald schon brachte Erich Thomanns Sammelwut, von der der Besucher heute profitiert, seine Familie in räumliche Bedrängnis. Eine Entscheidung musste her, und so schafften die Thomanns ihre 100 Schweine ab und bauten eigenhändig den Stall um. Der Schritt hin zum Müllmuseum nahm zwei weitere Jahre in Anspruch. Trotz all der Arbeit, die die Thomanns investiert haben, verlangen sie
keinen Eintritt: "Die Leute sollen nicht denken, wir machen mit dem, was sie weggeschmissen haben, Geld", erklärt Erich Thomann.
Mit seinem Sohn Karl Thomann repariert er die alten Radios und Märklin-Eisenbahnen des Museums, "so habe ich meine Beschäftigung", seine Frau Agnes hält alles sauber und Tochter Helena Joos (56), Dekorateurin, sorgt für die richtige Optik. Zum Beispiel bei der aktuellen Sonderausstellung zum Thema Musik samt ausgedientem Dudelsack in Schottenkaros und Elvis-Schallplatten.

Ein Stockwerk höher ist eine komplett eingerichtete Schuhmacherwerkstatt samt riesiger Werkzeugsammlung ausgestellt, den Dachstuhl bevölkert eine überwältigende Anzahl verschiedenster alter und neuerer
Puppen. Die Besucherin Antonia Gallmann (73) fühlt sich an ihre Kindheit erinnert: "So eine Schildkröt-Puppe hatte ich auch, immer zu Weihnachten gab`s ein neues Puppenkleid. In der Nachkriegszeit war es nicht wie heute, wo ich meinen Enkeln bei jedem Besuch was mitbringe."
Tatsächlich dokumentiert das Müllmuseum als Chronik des Wegwerfens eine hierzulande verbreitete Einstellung, findet Helena Joos: "Wir sind eine Wegwerfgesellschaft. Da nehme ich mich nicht aus. Russen oder Süditaliener finden unser Museum merkwürdig: Die alten Sachen sind bei ihnen häufig noch in Verwendung." In dem Moment kommt eine Nachbarin vorbei: Ob Thomanns eine alte Vorrichtung zum Wolle Aufwickeln brauchen könnten? Erich Thomann winkt ab: "Davon haben wir schon ein paar."
Öffnungszeiten
Donnerstag
15 bis 17 Uhr
Sonntag
14 bis 17 Uhr
oder nach
Vereinbarung. Der Eintritt ist frei.
Adresse
Müllmuseum Bad Säckingen/WallbachHauptstraße 162
79713 Bad Säckingen-Wallbach
Web: Müllmuseum Bad Säckingen-Wallbach
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