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Cruisen, Carven, Sliden: Mit dem Longboard auf der Himmelreich-Tour

Selbst im spätesten Herbst cruisten die Freiburger Longboarder noch durch die Regio. fudder-Volontär Manuel ist früher selbst mal geskatet - allerdings noch auf handelsüblichen Shortboards. Vor Kurzem stieg er zum ersten Mal aufs Langbrett. Teil 3 unseres wehmütigen Longboard-Abschieds vom Herbst. [Mit Foto-Galerie!]



Ich merke, dass das Longboard zu schnell wird, steuere auf eine Wiese zu und leg’ mich voll auf die Fresse. Gerade hatte ich mich noch darüber gefreut, dass ich alles unter Kontrolle habe, hatte das lange Brett auf dem Asphalt der Landstraße laufen lassen. Jetzt lieg ich im Gras und halt mir den rechten Ellenbogen. Sofort ist Seppo da: “Alles gut? Hast du dir weh getan?” - “Danke. Geht schon.” Es hätte schlimmer kommen können. Zum Beispiel auf Asphalt.

Zwei Stunden vorher auf dem Augustinerplatz: Es ist vielleicht der letzte sonnendurchflutete Samstag des Jahres. Der Herbst dauert heuer besonders lang an, und so trägt die Kastanie auf dem Plateau immer noch rostbraunes Laub. Vor ihr sitzt ein Dutzend junger Menschen in Pullis, Jeans und Sneakers. Was sie auszeichnet: Sie alle haben einen Helm und ein Longboard dabei.

Auch ich habe einen Helm und ein Longboard dabei – nur dass ich mir die beiden Utensilien beim Layback-Shop ausgeliehen habe, der gleich um die Ecke liegt. Der Layback-Shop ist die Hauptanlaufstelle für Longboarder aus Freiburg und Umgebung. Dort werden aber nicht nur Longboards und longboardige Klamotten verkauft. Der Layback-Shop veranstaltet auch den sogenannten Stammtisch – der mit Bierseligkeit und Wiener Schnitzel allerdings wenig gemein hat. Vielmehr bedeutet Stammtisch hier: Man trifft sich regelmäßig, um gemeinsam longboarden zu gehen.

Genau das Richtige für mich

Ich bin nicht unerfahren, was Bretter angeht. Als Jugendlicher bin ich einigermaßen leidenschaftlich geskatet. Außerdem war ich ein paar Mal snowboarden. Ich verfüge über ein gutes Gleichgewichtsgefühl und bin draufgängerischer gesinnt, als meine dicken Brillengläser es vermuten lassen. Zugegeben: Ich hab‘ heute nicht ganz die richtigen Klamotten an – Sakko und Kordhose. Aber von solchen Oberflächlichkeiten lasse ich mich nicht einschüchtern. Furchtlos stelle ich mich auf mein Longboard und gebe Gas.

Heute fahren wir die sogenannte Himmelreich-Tour – samt Abstecher nach Stegen, zum Sliden. Sie beginnt im Buchenbacher Ortsteil Himmelsreich, 15 Kilometer südöstlich von Freiburg, und führt auf breiten, ebenen Radwegen durchs Dreisamtal dorthin zurück. Eine Anfängerstrecke ohne große Herausforderungen. Genau das Richtige für mich. Und obwohl die Strecke so einfach ist, fahren immer wieder auch Profis mit. „Einfach, weil sie so schön ist“, sagt Tom vom Layback-Shop, der den heutigen Ausflug koordiniert.



Wiehre – Littenweiler – Kirchzarten – Himmelreich. Immer wieder steigen junge Menschen mit Helm und Longboard zu. „Salli! Lang nicht mehr gesehen!“ Man kennt sich und fängt gleich an draufloszuschwätzen. Die bunte Truppe benimmt sich musterhaft. Und doch erregt sie die Aufmerksamkeit der Mitreisenden. „Machen sie einen Klassenausflug?“ fragt eine alte Dame interessiert. So viele 13- bis 33-Jährige hat sie wohl lange nicht mehr auf einem Haufen gesehen. Höflichkeit und Freundlichkeit allenthalben.

Das größte Problem bereitet mir das Bremsen. Dazu muss man die Schuhsole über den Asphalt schlürfen lassen. Das ist schwieriger, als es klingt. Was gefragt ist: Körperspannung, Timing und Gleichgewicht. Zwei, drei Mal weiß ich mir nicht anders zu helfen, als vom rollenden Brett zu springen und es alleine weiterfahren zu lassen. Derartige Manöver führen dazu, dass ich schnell das Schlusslicht der langgezogenen Kolonne bin. Aber immer wieder wird aufeinander gewartet, sodass keinem der gut 20 Ausflüglern droht, unterwegs verschütt zugehen – selbst mir nicht.



Weiden, Weiler, Kirchen, Kreuze. Ein mittelalter Mann steht auf einer Treppenleiter und stutzt die hohe Hecke, die sein Anwesen von der Straße abschirmt. Eine alte, buckelige Frau in Kittelschürze kehrt den Gehweg vor ihrem kleinen, hutzeligen Haus. Zwei Jungs spielen in einem Garten Fußball. Hier scheint die Welt noch in Ordnung zu sein, und auch die lange Longboard-Karawane ändert daran nichts. Die Ansässigen nehmen die Spazierfahrer zwar wahr, halten kurz inne und schauen ihnen lächelnd nach – dann widmen sie sich aber wieder ihrer samstäglichen Beschäftigung.

„Die Kurve knallt ohne Ende!“

Unterwegs lerne ich drei Longboarder kennen, die mir zeigen, wie heterogen die Szene ist. Cengiz, 30, der seit den Anfängen jener Sportart in Freiburg dabei ist. Als Betreuer bei der Arbeiter-Samariter-Jugend bringt er Kindern, Jugendlichen und aber auch Senioren das Longboarden bei. Barbara, 20, Studentin aus Lörrach, die klassische Perlenohrringe mit nonchalanter Streetwear zu kombinieren weiß. Sie sagt: „Mädels, die Longboarden, sind immer rar. Wahrscheinlich weil’s ein so draufgängerischer Sport ist.“ Und Seppo, 24, der auch für Action à la Parkour und Mountainbiken zu haben ist. Er ist Physiotherapeut und bereitet das Longboard-Team des Layback-Shops körperlich auf Wettkämpfe vor.


Vom Slide-Spot im Stegener Ortsteil Rechtenbach hat Layback-Tom vor ein paar Tagen ein Freund erzählt. Sowohl er als auch die anderen Longboardern sind heute zum ersten Mal hier. „Auf Google Maps sah der Spot nicht ganz so schwer aus“, sagt er und schaut die steile Straße hinunter. Sie beschreibt zwei scharfe Kurven und führt dann ins Dorf hinein. Ein elektrischer Weidezaun begrenzt die Straße auf beiden Seiten; rechts grast eine Herde Schwarzwälder Füchse. Anspannung und Konzentration. Die Fortgeschrittenen ziehen sich ruhig ihre Knieschoner an, die Anfänger klopfen nervös Sprüche: „Mach ich’s? Oder mach ich’s nicht?“ – „Alter Schwede: Die Kurve knallt ohne Ende!“ – „Ich schau mir das erstmal ganz genau an.“



Und schon rauscht der erste Boarder Richtung erste Kurve. Er kriegt ganz schön Speed drauf, bremst diesen aber immer wieder ab, indem er das Brett ruckartig querstellt, seinen Oberkörper nach hinten verlagert, sich mit seinen schutzbehandschuhten Händen auf dem Boden abstützt und die Rollen über den Asphalt rutschen lässt. Er slidet – was ein lautes, aggressives Scharren produziert und die Pferde scheu macht. Sie schnauben und bäumen sich auf, sodass nach dem dritten, vierten Longboarder nicht mehr daran zu denken ist, weiterzumachen. Und so begeben wir uns unverrichteter Dinge auf den Rückweg. 

Wunderbar, so dahinzurollen, zu cruisen, die Schwarzwaldidylle zu genießen, langsam schneller zu werden, immer schneller, und schneller und – na ja: den Rest kennt ihr ja schon.



Tom vom Layback-Shop hat uns die Himmelreichstrecke und die wichtigsten Freiburger Longboard-Spots in eine Google Map gezeichnet:

Himmelreich Longboardtour auf einer größeren Karte anzeigen



 
Foto-Galerie: Martin Jost

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 16
Donnerstag, 15.12.11 17:32
 

longboarder: die ph-studenten unter den leuten mit brettern, das nordic walking für leute unter 40, ein netter sport für nette menschen, mehr als geradeausfahren ist nicht drin.

Donnerstag, 15.12.11 19:51
 

longboards sind so wabbelig. und kommt da nicht das "hacken" zu kurz? ich find am besten normale skateboards mit genug länge aber nicht zuviel mit mittelgrossen runden halbharten rollen

+om
Donnerstag, 15.12.11 19:52
 

longboard skate hard. hahaha, thats funny!

Donnerstag, 15.12.11 23:16
 

coole fotos, war sicher ne lässige tour :))

Freitag, 16.12.11 08:49
 

Schöne Fotos! Aber die bekomme ich mit der Tour auf der Karte nicht in Übereinstimmung. Kann das sein, erst die Höllentalstraße runter bis zum "Stegemer Kreisel", dann Richtung Stegen, in Unterbirken dann rechts nach Oberbirken und dann das Rechtenbach hoch? Zumindest, wenn die Bilder alle von einer Tour stammen.

Im Sommer habe ich mal morgens auf einer Mountainbiketour 2 Typen mit Longboards das Zastler hochlaufen sehen, je nach dem wie weit die gelaufen sind muss das dann bergab ein Mordspaß gewesen sein!

Freitag, 16.12.11 10:00
 

schnoog:

wir haben ja einen abstecher nach rechtenbach gemacht ...

Freitag, 16.12.11 10:57
 

Lernt Skaten!

Freitag, 16.12.11 11:11
 

@necrotizing: warum?

Freitag, 16.12.11 11:42
 

Dann müssten die armen Tröpfe nicht mehr Longboarden und würden ganz nebenbei mein ästetisches Empfinden schonen.....

Freitag, 16.12.11 11:47
 

@necro: aber die wollen das wahrscheinlich, longboarden, oder?

Freitag, 16.12.11 14:06
 

Lieblingsspruch von dem Ausflug: „Ich hab noch Scheiße aus Frankreich am Rad.“

Freitag, 16.12.11 14:59
 

Ich glaub es hieß: "Ich hab noch Scheiße aus der Schweiz am Brett." ;)


supermanuel hat den Kommentar am 16.12.2011 um 14:59 bearbeitet
Freitag, 16.12.11 20:03
 

Na zum Glück warst du für Zitate verantwortlich.

Darüber hinaus: Same-same.

Freitag, 16.12.11 23:48
 

jaja, so machen die redakteure ihr momentanes hobby zum neuen jugendkulturhype......

no offence - jedem sein spaß, aber ich bin oldschooler und deswegen pro skateboard, denn es kommt nicht immer auf die länge an ;)


die Nächtliche hat den Kommentar am 16.12.2011 um 23:52 bearbeitet
Samstag, 17.12.11 02:15
 

http://www.facebook.com/longboardgc :-D

Mittwoch, 21.03.12 11:20
 

@Longboarder

Wie ich gerade sehen konnte lässt die Gemeinde Kirchzarten aktuell die Radwege von den Streusplitbergen des Winters befreien. Der Radweg an der Höllentalstraße von Birkenhof am Wilden Mann vorbei ist zum Beispiel schon sauber.
Dieser Bescheid ergeht kostenfrei! ;-)

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