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Interview: Ömer Toprak über die Nationalelf und Bayer-Freiburg

Obwohl Leverkusens Ömer Toprak mit der deutschen U19 Europameister wurde, möchte er lieber für das Heimatland seines Vaters spielen. 11Freunde-Autor Marius Gutowski sprach mit ihm über seine Entscheidung und die Rückkehr mit Bayer zum SC Freiburg.

Ömer Toprak  

Ömer Toprak, im Oktober 2010 sagten Sie in einem 11FREUNDE-Interview: »Für Spieler mit meinem Hintergrund ist es das Beste, für Deutschland zu spielen.« Seit einigen Wochen besitzen Sie einen türkischen Pass. Wieso?


Ömer Toprak: Ich habe reichlich überlegt und denke, dass die Entscheidung für die Türkei zu spielen, die einzig Richtige ist. Es ist eine Herzensangelegenheit.

Wenn Mesut Özil sich für die Türkei entschieden hätte, hätte er 2010 keine WM gespielt und wäre vermutlich nicht zu Real Madrid gewechselt. Spielen bei so einer Entscheidung nicht auch rationale Gründe eine Rolle?


Mittlerweile werden viele Entscheidungen für die Karriere getroffen, wenn es um Sachen wie den Marktwert geht. Für mich wäre es rational sicher besser gewesen, wenn ich mich für Deutschland entschieden hätte, weil ich hier spiele und die Türkei ein Stück weg ist, man aber nicht so im Fokus steht wie in der Süper Lig.

Hatten Sie auch das Schicksal anderer Kollegen im Kopf? Serdar Tasci etwa spielt eine starke Saison, hat aber beim Bundestrainer derzeit keine Chancen.


Überhaupt nicht. Bei so etwas darf man nicht nach den anderen schauen, sondern muss das tun, was man mit sich selbst vereinbaren kann. Falls ich später enttäuscht sein sollte, habe ich wenigstens meinen eigenen Willen durchgesetzt.

Gegen Deutschland und Aserbaidschan durften Sie jedenfalls noch nicht spielen ...


Reinschnuppern aber schon. Es war absolut fantastisch, ich habe mich sofort wohlgefühlt mit den anderen Jungs.

In Deutschland war das anders?


Nein. Ich war auch immer gerne bei der deutschen U19, wir sind zusammen Europameister geworden.

Was war dann letztlich ausschlaggebend?


Immer wenn Deutschland gegen die Türkei gespielt hat, war ich eben diesen einen Funken mehr für die Türkei. Das ist mir bei der EM 2008 aufgefallen und auch im Qualifikations-Hinspiel.

Nicht zuletzt von den Medien wurde die Entscheidung für die Türkei zu spielen hinterfragt. Sie haben ihr ganzes Leben in Deutschland verbracht.


Sicher muss man davon ausgehen, dass man es nicht allen Recht machen kann. Wenn ich mich für Deutschland entschieden hätte, wären die Türken enttäuscht gewesen.

Haben Sie noch etwas vom DFB gehört?


Persönlich ist niemand auf mich zugekommen und hat mit mir geredet.

Es wird immer wieder davon gesprochen, dass der türkische Verband sehr aggressiv um Talente wirbt.


Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie dieses Gerücht zustande kommt. Der Verband hat sich über Jahre fürsorglich um mich bemüht, da gab es keinerlei Druck von irgendeiner Seite. Die Verantwortlichen haben immer wieder betont, dass es meine eigene Entscheidung ist. Ich hätte genau so gut sagen können: »Hört auf mich endlich anzurufen!« Sie hätten das akzeptiert.

Lassen Sie uns über Bayer Leverkusen sprechen. Im Champions League Spiel gegen Valencia ...


... waren wir in der ersten Halbzeit richtig schlecht.

Dann kommen Sie aus der Pause und drehen die Partie innerhalb von fünf Minuten mit zwei herrlichen Treffern von André Schürrle und Sidney Sam. Was hat Ihnen Robin Dutt in den Pausentee gemischt?


Wir waren einfach selber unheimlich sauer auf die eigene Leistung. Wir haben dann so gut wie alles, was in der ersten Halbzeit falsch gemacht wurde, plötzlich richtig gemacht. So etwas psychologisch zu erklären ist eigentlich unmöglich.

Am Freitag kehren Sie zusammen mit Ihrem Trainer Robin Dutt nach Freiburg zurück. Der Abschied war nicht gerade freundlich, Sie wurden ausgepfiffen, Robin Dutt sprach von einem »Stich ins Herz«. Was erwartet Sie in Freiburg?


Ich habe keine Ahnung, wie die Fans mich begrüßen werden. Keine Frage, es hat sehr wehgetan vom eigenen Publikum so runtergemacht zu werden. Aber ich hatte eine tolle Zeit in Freiburg, habe schon in der Jugend für den Sportclub gespielt, von daher gibt es kein böses Blut.

[Das Interview führte Marius Gutowski; Quelle: 11Freunde.de]

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[Bild: dpa]




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 5
Freitag, 28.10.11 12:57
 

1) Reisende soll man nicht aufhalten
2) Wer im Fussballgeschäft behauptet, es ginge um Herzensangelegenheiten und nicht um Rationales, muss sich die Frage stellen lassen, warum er den erst besten Zug nach Leverkusen genommen hat, nach der ganzen Vorgeschichte!
2.1) Ich behaupte das Herr Tobrak, zur Zeit und in naher Zukunft, man schaue sich den aktuellen Kader an, keine Chance gehabt hätte in der DFB Elf zu spielen und das weiss der Herr sicherlich auch selbst
3) Reisende soll man nicht aufhalten...

Freitag, 28.10.11 13:35
 

ich finde es gut das er sich für die türkei entschieden hat.

Freitag, 28.10.11 14:45
 

@wodan: warum soll man reisende eigentlich nicht aufhalten? nur, weil's gut klingt?

Freitag, 28.10.11 17:05
 

@Wodan
da gebe ich dir in allen Punkten Recht!

Samstag, 29.10.11 09:38
 

Supermanuel, wenn man jemanden aufhält, kann es sein, daß man es bereut, daß man ihn hat nicht ziehen lassen. Oder man bekommt von jener Person den Vorwurf, man hätte sie seiner Chance beraubt...
Deshalb, nie aufhalten, gehen lassen!

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