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3 Jahre Sinnestäuschung: Freiburgs wilde Partymacher

Aron Lederer und Deniz Binay haben Freiburgs Clubszene einen neuen Kick gegeben: Bei ihren Techno-Partys erlebt man häufig den totalen Freak-out mit kreischenden Menschen und einem hohen Ausrastfaktor. Am Wochenende feiert ihre Partyorganisation "Sinnestäuschung" ihren dritten Geburtstag. Bernhard Amelung fragt die beiden Partymacher, was war - und was wird:

Sinnestäuschung Party

Sinnestäuschung Eventmanagement ist in diesem September drei Jahre alt geworden. Zeit für eine Zwischenbilanz: Wo seid ihr vor drei Jahren gestanden?


Deniz: Damals waren wir ein sehr kleines Veranstalterkollektiv...

Aron: ...und wir haben Veranstaltungen mit weniger Selbstvertrauen organisiert.

... und wo steht ihr heute?



Aron (Foto unten: links): Sinnestäuschung Eventmanagement goes Pro.

Deniz (Foto: rechts): Wir sind sehr schnell gewachsen. Ein Indikator dafür ist auf jeden Fall Facebook. Inzwischen haben wir über 4000 Leute in unserem Netzwerk. Täglich erhalten wir bis zu zehn Freundschaftsanfragen. Unzählige DJs schicken uns ihre Promo-Tapes. Auch Clubs und Firmen sind auf uns aufmerksam geworden. Auch Clubs aus anderen Regionen fragen uns an, ob wir nicht eine Clubnacht bei ihnen gestalten wollen.

Deniz Binay (links) und Aron Lederer


Was habt ihr in diesen drei Jahren erreicht - und was habt ihr in dieser Zeit nicht erreicht?


Aron:
Nicht erreicht haben wir, das große Geld damit zu verdienen. Von unserer Veranstaltertätigkeit können wir nicht leben. Unser persönlicher Gewinn sind jedoch die vielen Erfahrungen, die wir auf dem Gebiet des Eventmanagements erwerben konnten.

Deniz: Wir sind inzwischen anerkannt, haben eine Crowd gewonnen und das Vertrauen der Leute erworben, die zu uns feiern kommen.

Der Bekanntheitsgrad von euren Veranstaltungen wächst beständig. Wie hat diese Bekanntheit euch selbst verändert?


Aron:
Wir sind sehr viel sicherer im Auftreten geworden, aber auch zurückhaltender.

Deniz: Zu Beginn haben wir fast alle unsere Gäste mit Handschlag begrüßt. Jetzt nimmt uns die Organisation der Clubnächte so sehr in Anspruch, dass wir gar nicht mehr bei jedem stehen bleiben können. Wir kennen auch längst nicht mehr alle, die auf unseren Veranstaltungen feiern.

Aron: Manche haben uns deswegen als arrogant bezeichnet...

Deniz: ...aber wenn man Events wie die „LUNA Live Tour“ von Stephan Bodzin und Marc Romboy ausrichtet, hat man für Small Talk einfach keine Zeit mehr. Aber wir haben keine Mauer zwischen uns und unseren Gästen aufgebaut, wir sind weiterhin Teil der Feiergemeinschaft, auch wenn wir jetzt professioneller auftreten.

Die „LUNA Live Tour“ war ein Highlight in eurem Programm. Aber auch die anderen Veranstaltungen zeichnet ein ausgewähltes Booking aus. Woher nehmt ihr die Ideen dafür?


Deniz: Eigentlich ist das ganz einfach: Als Veranstalter muss man sehr gut zuhören und schauen, was die Leute auf die Tanzfläche treibt. Ich denke, das tun wir. Wir hören beide sehr viel elektronische Clubmusik, gehen weiterhin sehr viel weg und haben Augen und Ohren weit geöffnet.

Aron: Wir sind sehr leicht zu begeistern für alles, was Groove hat. Und mit dieser Begeisterung wollen wir unsere Freunde und Bekannten anstecken und alle, die auf unseren Partys abgehen.

fudders-Nightlife-Guru über die Partys von Sinnestäuschung (25. März 2011):

Eines muss man neidlos anerkennen: Die Sinnestäuscher haben in der Freiburger Techno-Szene ein Feierfeuer entfacht, dass kaum mehr heller brennen kann. Ausgewähltes Booking, straff durchorganisierte Veranstaltung, und dennoch genug Freiraum für Selbstexperimente jeglicher Art. Wer’s minimal und technoid mag, gehe hin.


Dafür sind eure Parties nicht gerade günstig. Wie reagieren denn die Leute an der Tür, wenn sie mehr als zehn Euro Eintritt bezahlen müssen?


Aron: Bei der allerersten Veranstaltung im Stinnes Areal haben sie schon gemault...

Deniz: ...aber das hat sich sehr schnell gelegt. Es ist ja auch für alle ersichtlich, dass wir uns daran nicht bereichern, sondern damit lediglich die Kosten für die Künstler, Technik und so weiter abdecken wollen, ohne am Ende drauf zahlen zu müssen. Auch der werbliche Aufwand ist sehr hoch.

Habt ihr gerade bei Events dieser Größenordnung einen Berater, auf dessen Beistand ihr zurückgreifen könnt?


Deniz: Berater nicht im eigentlichen Sinn. Aber bei einigen Veranstaltungen arbeiten wir mit Daniel Schmidt und Michael Kugler zusammen, die sich mit Nitebeat Events oder Big Bang Events einen Namen gemacht haben.

Aron: Wir kennen die beiden noch aus unserer Anfangszeit im 18Months, das sie ja betrieben haben. Sie haben uns sozusagen groß gezogen und jetzt begegnen wir uns auf Augenhöhe.

Deniz: Die Zusammenarbeit bezieht sich vor allem auf das Marketing und auf das Standing, das sie und wir gegenüber den Booking-Agenturen haben. Auch bewerben wir unsere Veranstaltungen gegenseitig...

Aron: ...und sprechen uns dahingehend ab, dass im Güterbahnhof keine Veranstaltungen stattfinden, wenn wir im Stinnes Areal ein Event organisieren. Und umgekehrt.

Habt ihr auch Kontakte zu anderen Veranstaltern in Freiburg?


Deniz: Sehr viele Veranstalter aus der Region stehen zwar in unserem E-Mail-Verteiler, aber eine direkte Zusammenarbeit außer zu Werbezwecken kommt mit anderen Agenturen nicht zustande. Eine weitere werbliche Partnerschaft besteht auch mit der Agentur cosmopop, die so bekannte Events wie die Time Warp in Mannheim oder „Love Family Park“ in Hanau ausrichtet.

Eine selbstkritische Einschätzung: Wäre Sinnestäuschung auch ohne diese Partnerschaften denkbar?


Aron: Nein, Sinnestäuschung ist gerade durch diese Kontakte entstanden...

Deniz: ...ohne Kontakte geht im Veranstaltungs-Business nichts.

Und was ist eure Einschätzung zur Szene in Freiburg?


Deniz:
In den vergangenen zwei Jahren hat sich etwas getan. Die musikalische Qualität auf manchen Veranstaltungen ist definitiv gestiegen...

Aron: ...weil andere Veranstalter nun auch auf das Line Up achten. Vielleicht haben wir mit unseren Bookings eine Sogwirkung entfacht

Deniz: Der Freiburger Szene kommt das nur zu Gute, denn vor ein paar Jahren war Freiburg wirklich ein Technoloch. Da war nichts los...

Aron: ...und Tiefschwarz & Co. hatte man einfach satt.

Wie ist es denn um die Clubkultur in Freiburg bestellt?

Deniz: In Freiburg fehlt ein Club, der ausschließlich auf elektronische Musik setzt und der eine entsprechende Infrastruktur bietet. Das fängt beim Raum an und hört bei der Anlage auf. Mit einem solchen Club könnte man als Veranstalter auch ganz anders kalkulieren. Denn wir stecken jede Menge Zeit, Energie und Geld in die Technik, in die Shuttlebusse. Und auch der Werbeetat liegt im vierstelligen Bereich.

Aron: Auch dürfte der Einfluss der Regierung und Kirche nicht so stark sein. Die Sperrzeitenregelung an Sonn- und Feiertagen muss ja nicht gleich wegfallen, aber wenigstens um zwei Stunden nach hinten verschoben werden. Die gute Zeit auf den Events beginnt doch in der Regel erst ab drei Uhr.

Deniz: An dieser Stelle müssen wir allerdings unser Publikum loben. Die Leute, die zu uns kommen, feiern wie Sau...

Aron: ...die Leute schreien, reißen die Arme hoch, gehen einfach ab.

 

Ihr seid ja sehr nah dran an der Szene: Gibt es einen jungen, wilden DJ in den Startlöchern, von dem wir in Zukunft noch hören werden?


Aron:
Kevin Prochotta. Er hat auf unserem Newcomer-Abend in der Harmonie aufgelegt und hat ein sehr druckvolles Techno-Set gespielt.

Deniz: Tscherno und Dimitri Dilano. Sind seit einem Jahr die heißesten Newcomer in unseren Reihen.

Pläne für die Zukunft?


Aron:
Weiter machen, am Ball bleiben, auf keinen Fall die Lust an der Musik verlieren...

Deniz: ...wir müssen noch besser werden, was die Organisation unserer Veranstaltungen betrifft. Da haben wir auf jeden Fall noch ein großes Entwicklungspotenzial, denn was sind schon drei Jahre auf dem Gebiet des Veranstaltungsmanagements?

Aron: Drei Jahre sind gar nichts. Da hat man gerade erst die Grundschritte gelernt.





Wer steckt hinter Sinnestäuschung?

Die Köpfe von Sinnestäuschung heißen Aron Lederer und Deniz Binay. Aron Lederer, 22, arbeitet als Kaufmann in einem Esoterik-Versandhandel; Deniz Binay, 21, schliesst derzeit seine Ausbildung im Gross-/Einzelhandel ab.


Mehr dazu

Was:
3 Jahre Sinnestäuschung-Party (Headliner: Oliver Koletzki)
Wann: Samstag, 15. Oktober 2011, 22 Uhr
Wo: Altes Stinnes Areal, Hans-Bunte-Straße 16c
Alle Partys am kommenden Wochenende: Wo rockt's?





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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 7
Freitag, 14.10.11 14:21
 

Bodzin & Romboy in Freiburg war schon geil. Wünsch' den beiden auf jeden Fall weiterhin alles Gute für ihr Projekt.

Freitag, 14.10.11 15:58
 

Super sympathische jungs, und sehr viel wahres. Definitiv eine der sehr wenigen, besten Veranstaltungsreihen in Freiburg.
Aber dass durch sie die anderen Veranstalter nun mehr auf Lineups mit professionellen DJs achten finde ich dann doch etwas zu hoch angemaßt ;) In Freiburg hat sich einfach sehr viel getan in der letzten Zeit was elektronische Musik angeht, langsam breitet sich auch eine richtige Fusion Szene hier aus.
Dennoch fehlen einfach noch Clubs wie der Hinterhof, das erst frisch entstandene Lokal oder die Kuppel in Basel. Clubs die sich regelmäßig auf elektronische Veranstaltungen spezialisieren mit Lineups die ein wirkliches Hintergrundwissen der Mainbooker vorraussetzen. Große Namen liest man neben den Güterbahnhofveranstaltungen (die aber zum Großteil eben aus Tiefschwarz, Monika Kruse oder Lexy & K-Paul bestehen) momentan in regelmäßigen Abständen eben nur bei Sinnestäuschung.

Freitag, 14.10.11 19:38
 

@stay at home: gute bookings hast du u.a. auch bei somebody scream,levon vincent mal als beispiel. was aber viele davon abschreckt, künstler zu buchen, ist sicher die rip-off mentalität vieler clubbetreiber, die sich so einen unfug wie "clubmiete" ausdenken... so etwas kenne ich nur aus FR. dass man einen prozentsatz der abendeinnahmen abführt, ist ja okay, aber clubmiete?! und ja, viele haben auch keine ahnung...in sachen programmgestaltung...

Freitag, 14.10.11 19:57
 

@ keep it deep
denke genauso...aber mich faszinierd das die werbung einen vierstelligen bereich ausmacht....hut ab jungs...
was sagst du keep? ich denke grade die etwas alternativeren locations bieten doch sehr regelmäßige insider headliner? u.a. die von dir genannten VA´s!

lg

MJ
Samstag, 15.10.11 13:37
 

Die Partys von den Jungs wären soweit in Ordnung wegen den Acts und so, wenn diese Partys nicht immer soviele Vollidioten und assoziales Pack anziehen würde.

Ich wünsche "Sinnestäuschung" aber trotzdem viel Glück für fie Zukunft! Für die Leute, die sie anziehen, können sie ja nur bedingt was...

Sonntag, 16.10.11 18:07
 

@keep-it-deep
Ja natürlich, somebody scream, root down und ohrbital sind Veranstaltungen die für gute Musik garantieren. Trotzdem würde ich auch mal gerne "kommerziellere" Bookings aus dem Underground Bereich haben.
Aber ich denke neben Clubmiete werden potentielle Veranstalter auch von der Eintrittspreis Mentalität die sich bei den Freiburgern eingestellt hat zurückgehalten etwas auszuprobieren.
Die Leute haben kein Problem damit für dj [irgendein regio typ], der jedes Wochenende dieselbe Musik im selben Club auflegt 5 Euro zu zahlen, sobald dann aber ein Booking da ist bei dem man rechnerisch einfach 6 oder 7 Euro Eintritt verlangen muss heulen die Leute rum.
Die Clubs selbst hätten die Möglichkeit durch ihre Getränkeeinnahmen sich gute Bookings ins Haus zu holen, aber nein, da wird lieber eine neue 5 Euro Eintritt Veranstaltung von semi-professionellen externen Veranstaltern geholt, bei der dieselbe Musik und die selben Leute nur unter anderem Namen aufzufinden sind und dazu noch Miete abgezwackt wird. Und dann hast du noch nichtmal eine gute PA gesichert...

Montag, 17.10.11 09:06
 

finanziert sich ein laden nicht rein technisch gesehen über die getränkeeinnahmen? wo da noch spielraum für die xhundert/tausend euro für die gage sein soll erschließt sich mir nicht. also muss es in aller regel über den eintritt laufen. haste aber x tausend an bookinggagen (plus unterkunft, koka, nutten etcpp.) musste dann auch abstriche bei der qualität des publikums in kauf nehmen um deine ausgaben wieder reinzuholen. quadratur des kreises und so. und nur weil *setzehierirgendeintrendein* draufsteht, seh ich als veranstalter nicht ein, warum ich n haufen kohle für nichts riskieren soll. dann doch lieber den lieben kollegen von um die ecke, der zwar regional ist, aber zumindest qualitaitv bzw. muikalisch das vertritt, was ich mit meiner veranstaltung erreichen will. und mir finanziell den spielraum lässt, gezielt nach "meinem" publikum zu suchen und nicht jede nase "ansprechen" zu müssen. dann kommt dann noch sowas dämliches wie ein (manchmal utopischer) mindestthekenumsatz, den man garantieren muss, um veranstalten zu dürfen und und und...quadratur des kreises...

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