In einem Interview mit dem Spiegel hat Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich als Reaktion auf die Terroranschläge in Norwegen gefordert, dass "Blogger ihre wahre Identität" offenbaren müssen. Auch Google+ fordert Klarnamen; Nutzer mit Pseudonymen wurden dort anfangs ohne Vorwarnung einfach gelöscht. Netzforscher und Aktivisten hingegen argumentieren für die (Pseudo-)Anonymität im Netz. Wie seht ihr das?




Gibts da wirklich noch was zu diskutieren? Wer Klarnamen im Netz fordert hat den Arsch offen. Und wer es umsetzt wurde von uns schon immer bemängelt. China, Nordkorea - wollen wir so einem Beispiel folgen? Nope. Und rechtsradikales Gedankengut werden wir damit auch nicht los.
Ich bin fast ueberall unter Klarnamen unterwegs, freiwillig, aber ich würde das nicht jedermann empfehlen und als Pflicht finde ich es unerträglich, autoritär, repressiv, ausserdem naiv.
Einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft unangemessen.
auch wenn es draußen stürmt und schneit (naja, fast..): es ist sommerloch, und damit taucht diese völlig abseitige debatte, angeführt von einem völlig abseitigen minister, wieder mal auf. welch ein glück, daß udo vetter alles, was man dazu einwenden kann, schon aufgeschrieben hat: http://blog.zdf.de/hyperland/2011/08/anonymitaet-im-netz-schutz-gegen-die-tyrannei-der-mehrheit/
Darüber muss nicht groß diskutiert werden:
1) ist es in der Praxis eh nicht umsetzbar
2) will der Innenminister damit nur vom gerade stattfindenden innerparteilichen Richtungsstreit in der CDU ablenken.
Ganz nach dem Motto: Gib dem Volk was zum aufregen, damit niemand merkt wie wir uns grade selbst demontieren.
nein, bloss nicht, sonst würden die vorgesetzten ja plötzlich mitbekommen mit welchem schwachsinn sich die angestellten wärend der arbeitszeit aufhalten.
und schon rudert er zurück: es sei "ein Appell an die Zivilgesellschaft gewesen" und gehe nicht um ein neues Gesetz, sagte seine Sprecherin.
ja klar, wie auch ...
Dass ausgerechnet Google zu den militanten Verfechtern der Klarnamenpflicht gehört, ist ulkig. Zu werden, wer und was man will ist doch die Essenz des „amerikanischen Traums“ – ein Land, in dem keiner einen Personalausweis hat und in dem keine Meldepflicht besteht und jeder seine Identität selbst gestalten kann (vgl. «The Great Gatsby»).
Von allen Argumenten sind Danah Boyds gesammelte Zitate von Gewaltopfern die überzeugendsten. Menschen, die Angst haben, aufgespürt zu werden, würde man die Redefreiheit nehmen, wenn man sie zu Klarnamen zwingt. (Abgesehen davon kann ich mir nicht denken, wie man so eine Vorgabe durchsetzen wollte. Beispiel Klarnamenpflicht auf BZ-Online: Ich weiß von n Leuten, die einen Namen benutzen, der nicht mal an ihren wirklichen erinnert. Maßgabe ist, es muss aussehen wie ein richtiger Name – zwei Teile, Leerzeichen dazwischen, keine Sonderzeichen.)
Ist doch Quatsch, das endet wie unser Steuersystem: Wer sich auskennt kommt drum rum und wer nicht ist der Depp.
Und dann ?
Je nachdem welche Meinung man vertritt - schon ist man verdächtig ?!
Oder man hat eben keine (öffentliche) Meinung mehr ...
Welcher Hirni denkt sich so etwas aus !
Ist etwa genau so sinnvoll wie die Frage der amerikanischen Einwanderungsbehörde "Planen sie terroristische Anschläge in den USA?"
Ich hatte einen Leserbrief in der BZ zum Thema "Kirche" veröffentlicht - sachlich, aber als misshandeltes ehemaliges Heimkind naturgemäß kritisch (geht ja dort nur unter Klarnamen!), seitdem habe ich einen "Christlamisten" am Hals, der sich die Mühe gemacht hat meine Adresse rauszufinden - anonym natürlich !
huch, was ist denn ein christlamist?
zur umsetzbarkeit: für seiten, die deutschem oder europäischem recht unterliegen wäre eine klarnamenpflicht schon durchführbar. mit hilfe des elektronischen persos oder erfindungen wie de-mail/de-ident wäre es möglich. man könnte seitenbetreiber gesetzlich verpflichten, die nutzung ihrer dienste nur noch zu gestatten, wenn man sich mittels e-perso, oder einer offiziell verifizierten e-mail adresse auf der seite anmeldet.
das internet wäre für mich gestorben. na gut, vielleicht noch zum pornos gucken und frisches gemüse bei amazon bestellen.
der friedrich ist richtig gefährlich oder richtig dämlich. oh moment, er kann beides sein. dann beides.
Braucht das Netz eine Klarnamenpflicht?
- Gute Frage. Die Badische Zeitung sieht das so:
http://tinyurl.com/3w6ggby
Wie ich das sehe, steht in den Kommentaren drunter.
Mich würde interessieren, warum die Badische Zeitung Friedrichs Klarnamen-Initiative nicht kommentiert und begrüßt hat.
Ich jedenfalls weigere mich, dort unter meinem echten Namen zu kommentieren, weil ich sonst massive berufliche Nachteile befürchten müsste. Und da bin ich nicht der einzige. Das interessiert die Badische Zeitung aber nicht, lieber nimmt sie in Kauf, von ca. 80-90 Prozent ihrer sogenannten Echtnamen-Kommentatoren verarscht zu werden. Der Rest sind fast ausschließlich Irre und Berufsquerulanten, die nichts zu verlieren haben.
(P.S.: "Hans-Peter Friedrich" ist der Böse, ich bin der Gute und mein Ex-BZ-Pseudonym lautete - bis zur scharfsinnigen Entarnung und Sperrung durch BZ-Investigativ-Spezialistin A.S. am Tag vor der OB-Wahl - "Joseph Friedrich", nur dass es da keine Missverständnisse gibt...)
@jos: falls die geschichte nicht zu viele persönliche details enthält, würde mich schon SEHR interessieren, wie user "enttarnt" werden. das geht ja GAR nicht.
Hm... Sagen wir mal so: Es war ja jedem klar, dass "Joseph Friedrich" mein Pseudonym war. Und irgendwann hatte jemand aus der Redaktion, der mich kennt, dort eine entsprechende Bemerkung fallen lassen, allerdings wohl nicht in der Absicht, mich sperren zu lassen. Das war übrigens auch nicht der Verfasser des Artikels, den ich verlinkt habe. Daraufhin war es dann "offiziell" und ich konnte "regelgerecht" gesperrt werden. Ich wurde dann, weil ich protestierte und und nicht nur mich, sondern wohl auch Teile der BZ-Redaktion meine Sperrung unmittelbar vor der OB-Wahl, in der ich mich im BZ-Forum massiv gegen Salomon und für Rausch engagiert hatte, etwas irritierte, kurzfristig wieder entsperrt. Aber nur aus Kulanzgründen und auch nur vorläufig. Danach stand ich vor der Wahl, entweder unter meinem Klarnamen weiter zu kommentieren oder mir ein anderes Pseudonym zuzulegen und als Klarnamen auszugeben, wie das fast alle machen. Ersteres kommt aus beruflichen Gründen nicht in Frage, Letzteres ist mir zu albern.
die faz hat irgendwann mal einfach so aufgehört, ihre kommentare von der googleindexierung auszunehmen. freundlich. ah ich könnte mal den namen da ändern.
edit: so, jetzt habe ich einen ziemlich witzigen neuen namen. keine ahnung warum ich mich da überhaupt mit klarnamen angemeldet hab, irgendwie aus verpeiltheit oder so.
Die Probleme gehen ja schon los, wenn man ein bestimmtes Thema kommentiert, und sei Deine Meinung noch so staatstragend:
- Warum schreibt meine Lehrerin / der Staatsanwalt / die Rathaus-Mitarbeiterin / mein Redaktionskollege... dort überhaupt?
- Wieso ausgerechnet in diesem Themenbereich (Palästina-Konflikt, Kindermissbrauch, Vauban-Besetzer...)?
- Wieso hat er dazu Zeit?
man muss keine gründe für eine ablehnung von klarnamenpflichten suchen, finde ich. sie liegen auf der hand und die liste wär endlos.
Ja. Deswegen kann ich es auch bis heute nicht fassen, dass die Badische Zeitung all diese guten Gründe schlicht ignoriert.
Und zwar mit der Behauptung, die Qualität der Kommentare hätte sich seit der Einführung der Klarnamenregelung signifikant verbessert. Kein Witz! Tatsächlich kann sich jeder selbst überzeugen, dass das einfach Quatsch ist.
Typen, die - mal abgesehen vom Massenmord? - Breiviks Manifest jederzeit unterschreiben würden, tummeln sich da allerdings einige. Unter ihrem "Klarnamen", versteht sich...
"huch, was ist denn ein christlamist?"
Das Gegenstück zum Islamist - also nicht Moslem, nicht Christ, sondern christlicher" Fundamentalist
Jos:
"Das interessiert die Badische Zeitung aber nicht, lieber nimmt sie in Kauf, von ca. 80-90 Prozent ihrer sogenannten Echtnamen-Kommentatoren verarscht zu werden
...
Deswegen kann ich es auch bis heute nicht fassen, dass die Badische Zeitung all diese guten Gründe schlicht ignoriert."
Nein, auf meinen Vorhalt bezüglich der Belästigungen aufgrund meines Leserbriefes und dem Vorschlag, daß es doch durchaus ausreichen würde wenn die BZ den Namen des Schreibers kennt kam bislang keinerlei Reaktion...
Ein kleiner Ausschnitt aus der "endlosen Liste" (ja/nein) aus einem SPON-Beitrag der "Internetforscherin" Danah Boyd:
http://tinyurl.com/3dua9xk
Streit um Internet-Pseudonyme
Klarnamenzwang? Nein Danke!
[...]
Ein Blog-Eintrag, geschrieben von Kirrily "Skud" Robert, enthält eine Liste von Gründen, die ihr Pseudonym-Nutzer genannt haben. Unter anderem:
"Ich bin Lehrer an einer Highschool, Privatsphäre ist für mich äußerst wichtig."
"Ich fühle mich nicht sicher dabei, meinen richtigen Namen anzugeben. Ich wurde über meine Online-Präsenz aufgespürt und Kollegen haben meine Privatsphäre verletzt."
"Ich wurde gestalked. Ich habe eine Vergewaltigung überlebt. [...]"
"Ich nutze diesen Nickname seit etwa sieben Jahren, weil ich Opfer von Stalking war [...]."
"[Dieser Name] ist ein Pseudonym, mit dem ich mich selbst schütze. Meine Website kann recht kontrovers sein, das wurde schon einmal gegen mich verwendet."
"[...] Ich möchte mit meinen Ansichten nicht konservative oder religiöse Bekannte und Verwandte beleidigen. Außerdem will ich nicht, dass die Karriere meines Mannes, der für die Regierung arbeitet, von seiner meinungsstarken Ehefrau beeinflusst wird, oder dass sich seine Mitarbeiter irgendwie unwohl fühlen wegen meiner Ansichten."
"Ich sorge mich um meine Privatsphäre, weil ich in der Vergangenheit gestalked wurde. Ich werde nicht für eine Seite auf Google+ meinen Namen ändern. Der Preis, den ich dafür bezahlen müsste, ist es nicht wert."
"Wir bekommen Morddrohungen über das Blog."
"Diese Identität habe ich genutzt, um meine richtige Identität zu schützen. Ich bin schwul und meine Familie lebt in einem kleinen Dorf, wenn das dort bekannt wäre, würden sie Probleme bekommen."
"Ich nutze ein Pseudonym, um sicherer zu sein. Als Frau bin ich auf der Hut vor Internetbelästigungen."
Man kann hier ein Muster erkennen. Auf der Website "My Name Is Me" gibt es weitere Gründe für Pseudonyme. Auffällig ist, wen der Klarnamenzwang alles trifft: Darunter sind Missbrauchsopfer, Aktivisten, Lesben, Schwule, Bi- und Transsexuelle, Frauen und junge Menschen. [...] Die Menschen, die sich am häufigsten im Internet auf Pseudonyme verlassen, sind diejenigen, die von der Gesellschaft am meisten ausgegrenzt werden. Klarnamen-Regeln machen Menschen nicht stärker, sie sind eine autoritäre Machtausübung gegenüber verletzlichen Menschen. [...]
(Zitat Ende)
[...]
Aber wenn man es nur so sieht wird es gefährlich. etwa: ich habe einen guten Grund warum ich besser anonym sein muss.
Ich finde im Gegensatz dazu, daß selbstgewählte Anonymität ein selbstverständliches Bürgerrecht ist das nicht begründet werden muss. Es darf keine Rechtfertigungspflicht geben - für "Privatmenschen". Es ist meine ganz beliebige Willkür ob ich Vorhänge an meine Fenster mache oder nicht, oder ob ich anonym/pseudonym in Netz bin oder mit Klarnamen.
Was ich mich bei diesen hoch bezahlten Politikernasen wie dem Friedrich manchmal frage ist, ob er die Menschen tatsächlich für so dumm hält, die Mär von der Amokläufer- oder Terrorismusbekämpfung wirklich zu glauben.
Spinnen wir den Gedanken mal einen Augenblick weiter und lassen diese Regelung kommen. Das von Terrorismus und Breivik verängstigte und auch sonst sehr folgsame Stimmvieh meldet sich im Netz mit Klarnamen an. Was würde passieren?
Nun, die Marketing-Brance würde sich die Hände reiben und gleich mal neue Speicherkapazitäten anmieten.
Die Internet-Kriminellen würde sich die Hände reiben und sich gleich mal schnellere Rechner bestellen und ein paar Minijobber einstellen.
Und Amokläufer oder Terroristen?
Any questions?
Eine bliebe da am Ende noch:
Ist unser Innenminister so doof dass er nicht von Null Uhr bis Mitternacht denken kann, oder hält der die Bevölkerung für so doof?
Stimmte das erstere, wäre es noch verzeihlich, dann wäre der Mann halt so dumm wie zehn Meter Feldweg. Trifft das zweite jedoch zu, dann darf man hier nicht schreiben für was ich den Mann halte. Das würde gegen die Netiquette verstossen.
Ich glaub - leider - dass viele Leute, sowohl Politiker als auch Normalos, das wirklich glauben.
Zumindest hab ich das bei der ähnlich gelagertes Diskussion um Kinderpornographie und Internetzensur so erlebt.
Sie wissen es nicht besser und der dumme fehlgeleitete Angstreflex siegt.
Dazu passt ein Zitat von Gauck, heute im Deutschlandradio:
"Im Hinblick auf die Anpassung der Menschen nannte er Deutschland ein Land der Furcht und der Angsthasen und fügte wörtlich hinzu: "Wir alle haben die Freiheit etwas weniger lieb als die Sicherheit"."
http://www.dradio.de/nachrichten/2011080908/9/
Kommt die Klarnamenregelung, werde ich meinen Amoklauf eben nicht auf Facebook, Twitter und Youtube ankündigen... dann setzt ich mich ein paar Stunden vorher nochmal an den Schreibtisch und bringe meine Gedanken zu Papier oder spreche sie als Live-Kommentar auf die Diktierfuntion von meinem Iphone....
Ich lasse mich doch nicht von so einem Fuzzy von meinen Plänen abbringen!
Wenn auch alle Polizeibeamten Klarnamen an der Uniform tragen, dann wäre ich eventuell noch mal diskussionsbereit ...
Keine Klarnamen für Polizisten - aber geheime eindeutige codes, pro einsatz, damit die spaeter allenfalls - nach Richerlicher Anordnung der Identitaetsoffenlegung - identifiziert werden koennen.
Ein Polizist ist ja auch ein Mensch, und will nicht als Privatperson bedrocht und erpresst werden. Und ich will nicht in einem Land leben, wo Polizisten bedroht und erpresst werden.
hans peterle geht durch den wald.
an einer kreuzung kommt von rechts eine fremd aussehende person.
h.p : wer bist den du?
perosn: ich bin ein inder
h.p: du bist aber nett, hast du einen namen ?
person: klar hab ich einen namen, aber den sage ich dir nicht.
und so kam es zu hans peterles forderung nach klarnamen im internet
Ich weiß nicht, was ihr habt - Ich jedenfalls habe nichts vor dem Staat zu verbergen und würde deswegen anstandslos sofort unter meinem Klarnamen Kapitän Bromf das Netz bereisen.
genau, und Dein Ava ist ein echtes Foto, das selbe wie im Ausweis: http://tinyurl.com/65phlp6
Mich würden ja die beruflichen Gründe von josfritz sehr interessieren die verhindern, dass er mit Klarnamen im BZ-Forum schreibt. Ich kann das nicht so ganz nachvollziehen, außer vielleicht dass seine Vorgesetzten ausflippen würden wenn sie mitbekämen, wie oft und zu welcher Zeit ihr Mitarbeiter im Netz weilt, oder aber er ist Spekulant was sich mit den hier dargestellten politischen Ansichten nicht unbedingt decken würde und Kunden vergraulen könnte. Ansonsten, mein Senf, so ein Forum ist meiner Ansicht nach ein freiwillige Veranstaltung und wenn mir die Bedingungen nicht passen lass ich's halt bleiben.