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Stress im Bachelor: Alles Lüge?

Bachelor-Studierende klagen oft über zu viel Stress und zu wenig Zeit. Eine neue Studie will beweisen, dass Studierende längst nicht so viel zu tun haben, wie behauptet - 23 Stunden pro Woche sollen es nur sein. Was Freiburger Studierende dazu sagen und wie man sein Zeitmanagement verbessern kann:

Als in der Freiburger Innenstadt gelbe Bildungsstreik-Transparente durch die Luft wirbelten, war Tobias Hein nicht dabei. „Ich hatte einfach keine Zeit“, sagt der VWL-Student. Welche Ironie. Denn einer der Hauptkritikpunkte an der Bologna-Reform ist der volle Stundenplan - Hobby-Killer und Zerstörer sozialer Beziehungen.

„Stimmt nicht ganz“, sagt der Hamburger Forscher Prof. Dr. Rolf Schulmeister. Er ist Leiter des Projekts „ZEITlast“, in dem er das Zeitmanagement von Studierenden in Bachelor- und Masterstudiengängen untersucht. Seine Studie hat ein verblüffendes Ergebnis erzielt: Gerade einmal 23 Stunden wenden die Studierenden pro Woche für ihr Studium auf. „Wir waren ziemlich überrascht“, sagt Schulmeister.

In der methodisch bisher einmaligen Erhebung wurde der Zeitaufwand der Studierenden fünf Monate lang erfasst. 403 Probanden aus 14 Studiengängen registrierten in Web-Tagebüchern alle Stunden, die sie für ihr Studium aufwendeten. Selbst Gespräche mit Kommilitonen, die Minuten im Copy-Shop und das Bücherausleihen in der Bibliothek zählten dazu.

„Bologna ist eine Katastrophe“

Reformbefürworter ziehen einen optimistischen Schluss aus den Erkenntnissen: Nichts wird so heiß gegessen wie gekocht. Auch die Bildungs-Bolognese nicht. Doch nehme das Ergebnis Bologna-Kritikern keinesfalls den Wind aus den Segeln, so Schulmeister. Im Gegenteil.

„Was da gemacht worden ist, halte ich für eine Katastrophe. Denn die Lehrstruktur wurde beibehalten. Es werden immer noch acht bis zehn Fächer parallel unterrichtet statt in Blöcken. Ein Studium, das auf acht Semester angelegt wurde und bis auf 14 Semester verlängerbar war, wird nun in 6 Semestern studiert.“

Dass die Studenten weniger Zeit dafür aufbringen als erwartet, liege an den herabgesetzten Anforderungen, vermutet der Forscher. „Durch Multiple-Choice-Tests werden zum Beispiel nur zwei Fähigkeiten gefördert: so schnell und so aufwandsfrei wie möglich auswendig zu lernen. Das kann doch nicht Ziel der universitären Lehre sein.“ Schulmeister versteht seine Studie nicht als Schlag gegen jammernde Studenten. Seine Ergebnisse sollen zeigen, was Bologna falsch gemacht hat.

Das richtige Zeitmanagement

Julia Bayer (Bild links)studiert im sechsten Semester an der Fakultät für Forstwissenschaft. „Ich hatte ein recht entspanntes Studium, aber nur, weil ich mir meine Zeit eingeteilt habe“ sagt die 23-Jährige. „Ich konnte trotz der vielen Aufgaben für die Uni meinen Hobbies nachgehen, mich bei einer Naturschutz AG engagieren, meinen Jagdschein machen.“ An der reinen Stundenzahl könne man den Stressfaktor aber nicht ablesen.

Claudia von Schultzendorff, Zeitspar-Trainerin aus Freiburg, sieht im richtigen Zeitmanagement die größte Herausforderung für die Studierenden der neuen Abschlüsse. „Während des Semesters einen Nebenjob zu haben wird schwierig, weil es sich fast immer um Kurse mit Anwesenheitspflicht handelt. Es ist nicht mehr möglich, Stoff selbst nachzuarbeiten. Oft finden Kurse und Klausuren auch noch in den Ferien statt.“

Viele Studierende fühlen sich zu sehr an einen Zeitplan gebunden. „Wir haben fast nur Pflichtfächer, alles ist wie in der Schule“, klagt Rosa Dafonte, 42 (Bild rechts), die letztes Jahr ihr Abitur nachgeholt hat und jetzt im zweiten Semester Psychologie studiert. „Der Druck, der auf einem lastet, ist einfach enorm. Vor allem, weil von Anfang an alle Noten zählen.“ Einen Masterplatz gibt es nur mit einer Note ab 2,5. Und den wollen die meisten. „Das Paradoxe daran ist: Wir lernen ja in Biopsychologie, was mit unserem Körper in Stresssituationen passiert. Aber wir selbst können ihn nicht abbauen.“ Rolf Schulmeister versteht diese Klage nur teilweise. „Es wird auch viel Zeit verdödelt,“ findet der Bildungsforscher. „Pausen werden nicht richtig genutzt, Stundenpläne sind ja oft richtige Flickenteppiche. In den zwei Stunden zwischen den Veranstaltungen geht man dann nicht in die Bibliothek, sondern auf Facebook oder ins Café.“ Oft werde die Zeit auch nur auf die Vorlesungszeit berechnet. Nicht auf das ganze Semester, das auch die vorlesungsfreie Zeit beinhaltet.




Fester Zeitplan als Chance

Zeitspartrainerin Claudia von Schultzendorff gibt auch Einzelcoachings in Unternehmen. „In den letzten Jahren habe ich einen klaren Wandel bemerkt. Man sitzt nicht mehr nur da und macht eine Aufgabe. Heute ist alles projektorientiert. Ist ein Projekt abgeschlossen, zack, zack, kommt das nächste“, sagt die studierte Betriebswirtin, die sich auf Wirtschaftspsychologie spezialisiert hat.

So gesehen bereitet der Bachelor vielleicht besser auf die Arbeitswelt vor, weil man sich von Anfang an mit einem effizienten Zeitmanagement befassen muss. „Man darf nicht vergessen, dass sich viele Magister- und Diplomstudierende verloren haben in der ganzen Offenheit und Freiheit. Das hängt ganz vom Typ ab, vielen tut ein geregelter Zeitplan auch gut.“

5 Tipps von der Zeitspartrainerin:
 
  • Kontinuierlich arbeiten: „Sagen Sie sich nie wieder: Hätte ich doch von Anfang an gearbeitet. Tun Sie es wirklich.“
  • To-Do-Listen schreiben: „Es wichtig, sich für einen Tag erreichbare Ziele zu setzen. Am Abend schaut man dann, was man alles abhaken kann und was man eventuell am nächsten Tag noch erledigen muss.“
  • Freizeit einplanen:Man sollte immer daran denken, sich als Person nicht zu vergessen. Am besten plant man gezielt Zeit ein, in der man nichts für die Uni macht. Eis essen, Freunde treffen, ins Kino gehen. Ganz wichtig ist dabei, dass man diese freie Zeit dann auch genießt. Belohnen Sie sich mit einem Film, einer Stunde Nichtstun, einem Eis.“
  • Mit Puffern arbeiten: „Hetzen Sie nicht von Termin zu Termin – das nimmt Ihnen die Energie und generiert Stress. Und vor allem: Mensch bleiben, nicht nur nach Methode leben!“
  • Die Internetfalle umgehen: "Begrenzen Sie Ihre Surfzeit. Facebook, fudder und Emailprogramm darf und muss man nutzen – aber bitte nicht neben dem Lernen. Nehmen Sie sich vor, 30 Minuten zu surfen und gehen Sie dann zurück an die Arbeit.“
 





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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 28
Donnerstag, 21.07.11 10:00
 

Ehrlich gesagt überrascht mich die Studie nicht so sonderlich. Ich wundere mich manchmal wieviel Zeit manche Studenten für so viel anderes aufbringen, und dann meckern im Studium wäre es zu viel. Aber man muss auch feststellen, dass es stark vom Studiengang abhängig ist, wie stressig es ist.

Donnerstag, 21.07.11 10:23
 

Programmpunkt 5 auf der To-Do-Liste oben gefällt mir! :)

Donnerstag, 21.07.11 10:27
 

Bachelor, ist auch ein Wortspiel im weiteren Sinne.
Bachl, steht im schwäbischen für ungeschickter Mensch, und or- selbsterklärend;-)

Donnerstag, 21.07.11 10:28
 

"...Durch Multiple-Joice-Tests..."

Nicht wirklich oder? :) Entweder Juice oder Choice, aber Joice gibts nicht ;) Ich glaube Choice wäre eine gute Wahl :p

Zum Thema: Spannende Schätzung. In meinem Bachelor-Studium hatten wir alleine 24 SWS (Semester-Wochenstunden). Also 24*0,75h = 18h. da kamen dann noch Projekte, Hausarbeiten etc. dazu. Plus das etwa 2 monatige massive lernen vor den Klausuren. Im Schnitt müsste da schon etwas mehr als 23h pro Woche rausgekommen sein. Nichts desto trotz stimme ich zu dass mein Studium alles in allem recht entspannt war und ich wesentlich mehr Freizeit hatte als jetzt (40 Stunden-Woche). Wenn man allerdings noch 2 Jobs hat um das Studium zu finanzieren siehts bestimmt auch gleich anders aus. Die musste ich glücklicherweise durch ein Stipendium nicht ausfüllen.

bsm
Donnerstag, 21.07.11 10:42
 

Da gehört schon auch etwas Ehrlichkeit hinzu. Und Stress hat nicht unbedingt etwas mit Zeitdruck und -dichte zu tun. Als ich Abitur gemacht habe, dachte ich Gott was für ein Stress, so viel lernen. Im Studium, dachte ich Gott was für ein Sterss, soviel lernen, da war das Abi ja voll locker dagegen, im Job denke ich oft, Gott war es locker, Studium, Examen und Referendariat, ich wäre froh mal etwas mehr Luft zu haben, so ab 50 Stunden die Woche wird es anstrengend,...

Was mich mehr ärgern würde, udn da kann ich die Studis heute nicht verstehen, dass sie sich alles gefallen lassen. Die Proteste gegen BA udn MA und Gebühren auch wenn die Studis das als dramatisch wahrgenommen haben, sind doch mehr als verhalten gewesen, dafür dass es um dei Zukunft geht? Das kann ich nicht nachvollziehen, das man da den Arsch nicht wirklich hoch bekommen hat.

Donnerstag, 21.07.11 11:11
 

Ich kann zumindest auf den Psychologie-Studiengang bezogen sagen, dass diese Studie absoluter Nonsens ist. Wahrscheinlich wurden hier tatsächlich nur die Semesterwochenstunden erfasst.
Meine Freundin hat ca. 20 Semesterwochenstunden, dazu kommt noch mal mindestens die gleiche Anzahl an Arbeit, die zuhause dafür aufzuwenden ist. Und da ist noch keine Lernzeit für Klausuren, Prüfungen etc. miteingerechnet, die im Studiengang immer (!) anfällt. Dazu kommen dann noch externe Studien, Praktika etc. die man in den sogenannten "Semesterferien" ableistet und der permanente Noten- und Leistungsdruck.
Alles in allem würde ich den wöchentlichen Aufwand von 50 bis 100 Stunden in der Spitze pro Woche einschätzen. Und das geht seit drei Jahren so ohne größere Ruhephasen oder so etwas wie Urlaub.

Wenn ich dann manchmal solche angeblichen Studien lesen muss, die indirekt auch noch Studenten Zeitmanagementprobleme vorwerfen, geht mir echt der Hut hoch!

Donnerstag, 21.07.11 11:13
 

Vielleicht sollte man mal schauen was der Typ für Studiengänge untersucht hat. Ich habe pro Woche alleine ca. 25 Kontaktstunden im letzten Semester waren es durch Turtorate noch mehr. Ich denke dass dies generell für Bsc. Studiiengänge gilt. Dazu kommt dann natürlich noch die ein oder andere Stunde zuhause erstrecht gegen Ende des Semesters wenn zwar die Vorlesungen wegfallen aber stundenlanges Bolemielernen (egal ob "Joice" oder nicht diese Stoffmengen behält man einfach nicht langfristig im Kopf) angesagt ist. Zudem: Früher hatte man noch Semesterferien, die kenne ich nicht, da schreibe ich Klausuren im Wochentakt welche entsprechend vorbereitet werden wollen.
Also: Der gute Schulmeister hat sich da eine schöne Studie zusammengebastelt und redet von einem Schnitt den es überhaupt nicht gibt. Vielleicht sollte er erstmal mehr als 14 Studiengänge nehmen und dann Kategorien schaffen, also zB. einen Vergleich zwischen Bsc. und Ba. sowie Unterscheidungen zum Anteil der Kontaktstunden, Heimarbeit, und Tutorate. Usw. usf. Aber das lässt sich dann natürlich nicht so schön pauschalisieren und noch weniger schön abdrucken.


Ease hat den Kommentar am 21.07.2011 um 11:20 bearbeitet
Donnerstag, 21.07.11 12:01
 

Diese Zeitmanagementgurus hab ich gefressen, das ist oft naiv frommes Blabla Gepredige - man sollte dies oder das, dieses ist gut, dieses ist schlecht ...
Die Menschen sind verschieden, jeder muss seinen eigenen Stil herausfinden. Ich bin zum Beispiel ein extremer Multitasker, ich bin waehrend der Arbeit auf fudder und sonstwo und bekomm trotzdem sehr viel geregelt. Nicht immer das was ich geplant habe dafuer oft genug was anderes, noch besseres ;-) Das passt halt zu mir aber für andere passt es nicht, oder doch, oder Teile davon, muss man eben ausprobieren.
Und: jeder hat 24 Stunden pro Tag und jeder hat potentiell immer mehr zu tun als wirklich machbar ist. Es ist also eine Frage der klugen Auswahl, des Weglassens, des Neinsagens, des Mutes auf Perfektion zu verzichten.
Also: selbst denken, experimentieren, herausfinden was geht. Aber dann halt auch tun. Doing by doing.

Donnerstag, 21.07.11 12:14
 

Ich fand nur das erste Semester stressig, weil ich da gependelt bin und damit 2,5h am Tag verbringen musste. Und wenn man halt noch nicht weiß, wie alles läuft, wie man ne Hausarbeit schreibt, etc.

Danach war's nicht so schwierig, man kann sich ja die Vorlesungen nach dem 2. Semester selbst aussuchen, und wenn man was macht, was einem gefällt, ist der Aufwand nicht so hoch, finde ich.

Donnerstag, 21.07.11 12:47
 

Wer neben 23h pro Woche auch noch einen Nebenjob hat, arbeitet de facto so viel wie in einer Vollzeitstelle. Und selbst wenn nicht - ich habe noch ein Magisterstudium gemacht und mehr als 8-10 SWS hatte ich nie. Nur was da dann noch an Stunden für Hausarbeiten, Referate, Nachbearbeitung dazukam, keine Ahnung, aber es war einiges. Und im letzten Jahr vor dem Abschluss gab es eigentlich immer nur 60h-Woche. Somit relativiert sich das alles.

Aber von dem ganzen Schwanzvergleich - wer arbeitet am meisten und wer ist ein fauler Sack - mal abgesehen: Jeden, der nicht dazu gezwungen ist, 40h pro Woche zu arbeiten, kann man sich eigentlich nur als glücklichen Menschen vorstellen.

Donnerstag, 21.07.11 13:07
 

23h :D wenn man als erste bachelor das OGP gemacht hat, dann war man 20h pro Woche im labor,

Donnerstag, 21.07.11 13:16
 

#Labor - das erste was ich im Chemiestudium damals gelernt habe: es gibt keine Semesterferien, es gibt nur vorlesungsfreie Zeit.

Donnerstag, 21.07.11 13:28
 

@ch: das ist ein satz, den man auch als geisteswissenschaftlerin bald lern. und er gibt die realität wieder, zumindest in meinem studium.

Donnerstag, 21.07.11 14:08
 

@binski: wenn du im ogp 20h pro woche im labor stehst heißt das ja nur, dass du zu blöd bist, um dein zeug ohne nachkochtag zu schaffen ;-) dass damit allerdings 90% der studenten zu doof sind merkt keiner, zumindest nicht die profs, die was ändern könnten...

Donnerstag, 21.07.11 14:12
 

wasn ogp?

Donnerstag, 21.07.11 14:15
 

Der Mumpitz-Verdacht liegt nahe, man müsste aber erstmal einen Blick in die Studie werfen. Allein auf die durchschnittliche Arbeitszeit abzustellen und das dann mit "zusammenreißen"-Hinweisen heilen zu wollen ist in mehrfacher Hinsicht zu kurz gedacht.

Beispielsweise hält er es für einen Fehler, daß "die Zeit oft auch nur auf die Vorlesungszeit berechnet" werde. Andersrum wird ein Schuh draus: Druck, Stress, Überarbeitung und all das entsteht nicht durch irgendeine errechenbare Durchschnittsbelastung, sondern durch Spitzenlastzeiten, etwa durch (absurde und absurd häufige) Abgabedeadlines. Nicht umsonst wirbt das Studentenwerk gerade jetzt für seinen Burnout-Präventionskurs ( http://www.studentenwerk.uni-freiburg.de/seminare-pbs/ ), dessen Anmeldedeadline morgen ist.

Man sollte mit Burnout und Depression auch bei Studierenden nicht spaßen. Wie Stress, Creditpointhamsterei und Geschwindigkeit jungen Leuten Studium und Leben verleiden können kann man zB hier lesen: http://www.spiegel.de/spiegel/unispiegel/d-79243428.html

Oder man schaut sich mal den Auslastungszuwachs der psychotherapeutischen Beratungsstelle des Studentenwerks an.


Konstantin hat den Kommentar am 21.07.2011 um 14:16 bearbeitet
Donnerstag, 21.07.11 14:25
 

ogp = organikpraktikum, also im endeffekt im labor stehen und kochen...

Donnerstag, 21.07.11 14:55
 

ah, danke.

Donnerstag, 21.07.11 16:02
 

"efen" hat Recht, es kommt auf den Studiengang an, wie stressig das Studium ist. Ich habe Politik und Deutsch studiert und das war zeitmäßig echt ein Witz. Wenn's hochkam, hatte ich 10 oder 12 SWS, es waren auch mal 6. In einem Semester hatte ich meine Kurse hintereinander an einem einzigen Tag. An den restlichen vier Werktagen hatte ich also "frei" und konnte das machen, was sonst noch anfiel (Vor- und Nachbearbeitung, Referate vorbereiten etc.).

Ich kann also echt sagen, dass meine Schulzeit (vor allem die letzten zwei Jahre) um einiges stressiger war, als mein Bachelor-Studium.

Donnerstag, 21.07.11 18:16
 

Entweder das Ergebnis der Studie ist absichtlich provokant formuliert oder komplett falsch. Wenn überhaupt, dann wenden Studenten IM SCHNITT 23h pro Woche auf. Das geht aber auch nur, wenn man nur wenige arbeitsintensive Studiengänge in der Studie betrachtet hat. Sicher gibt es die, teilweise sicher sogar mit deutlich weniger als 23h Arbeitsaufwand. Ich hab zum Beispiel Wirtschaftswissenschaften im Nebenfach gemacht, da reicht es halt wenn man sich zwei Tage vor der Klausur hinsetzt und Übungszettel durchrechnet. Mit mittelmäßiger Abiturmathematik und gesundem Menschenverstand reicht es dann zur sehr guten Note.
Das hat mit den meisten anderen Studiengängen aber leider gar nix zu tun, da wär man verdammt froh über 23h/Woche...

Donnerstag, 21.07.11 18:58
 

@Leland:

Da ich diese Geschichte schon öfter gehört habe, möchte ich dazu kurz was sagen:
Also ich habe den Studiengang Psychologie in Freiburg als relativ entspannt und unstressig (aber trotzdem sehr lehrreich) empfunden. Hatte fast immer viel Freizeit, habe das Studentenleben genossen und habe trotzdem in Regelstudienzeit mit guten Noten abgeschlossen. Viele meiner Kommilitonen ebenso. Mir scheint als sei das auch Einstellungssache. Bei uns gab es auch Leute im Studiengang, die sich 5 Jahre lang selbst geknechtet haben um die Illusion aufrecht zu erhalten das Studium sei unglaublich zeitaufwendig, total stressig und nur mit enornem Zeitaufwand zu bewältigen. Diese Leute waren trotzdem nicht unbedingt schneller mit dem Studium fertig und haben auch keine besseren Ergebnisse erzielt (eher im Gegenteil; viele unserer 1,0er haben das Studium locker gesehen und ordentlich gefeiert).

Ein bisschen Pragmatimus, verständnisorientiertes, fokussiertes Lernen sind einfach wichtiger als reiner Zeitaufwand. Zum Zeitaufwand sollte man evtl. auch noch sagen, dass die 24sws sicherlich einschließen, dass alle Vorlesungen besucht werden. Ob ich in die Vorlesung gehe oder mir lieber später die E-Lecture anschaue oder die Prüfungstexte lerne, ist aber meine freie Entscheidung und keine Vorgabe des gemeinen, zeitraubenden STudiums. Ich glaube das gilt so oder so ähnlich für viele Fächer. Ob Medizin, Geschichte oder Physik, überall keine ich Leute, die permanent gestresst sind und Leute, die mit etwas mehr Lockerheit trotzdem durchs STudium kommen.

PS: Ja, ich gebe zu, dass die Bachelor durch die schriftlichen Prüfungen im Semester deutlich mehr Stress haben als "wir" Diplomer. Dafür sind aber die Semesterferien zur freien Verfügung und nicht für Lernen auf das Vordiplom geblockt. Außerdem wurde der SToff im Bachelor teilweise stark reduziert. Allgemein hatte ich den Eindruck, dass unsere Psychologie-Bachelor trotz zeitweisem Stress und viel Meckern über die mangelhafte Umsetzung des Bsc/Msc-Systems, allgemein doch ein fröhliches Völkchen waren, das durchaus noch etwas vom Studentenleben hatte.


ÄndySch hat den Kommentar am 21.07.2011 um 18:59 bearbeitet
Freitag, 22.07.11 08:33
 

Zitat: "Ich habe Politik und Deutsch studiert und das war zeitmäßig echt ein Witz. Wenn's hochkam, hatte ich 10 oder 12 SWS..."

Oh, das erklärt doch so manches in Deutschland :-)

Mangelhafte Politiker und Rechtschreibung ...

Freitag, 22.07.11 08:49
 

Es ist schon seltsam wenn Leute sich über zu wenig Zeitaufwand auslassen. Dann kann man doch noch andere Veranstaltungen besuchen, sich sonstwie weiterbilden, oder selbst etwas organisieren. Muss man denn nur tun was man vorgeschrieben bekommt?

Noch was zum Zeitaufwand: durch laengere Arbeitszeit schafft man maximal doppelt so viel (8 Stunden "normal", mehr als 16 pro Tag hält man nicht lange durch). Also ist die bessere Möglichkeit die Produktivität entscheidend (mehr als Faktor 2) zu steigern: ANDERS zu arbeiten - nicht länger.


christianhauck hat den Kommentar am 22.07.2011 um 08:51 bearbeitet
Freitag, 22.07.11 11:39
 

@Biber
Die Gleichung Politikwissenschaft studieren = Politiker werden ist ein weit verbreitetes Klischee und hat mit der Realität nichts zu tun. Die wenigsten Politik-Studenten gehen später auch in die Politik. Im Bundestag sitzen zumeist ehemalige Jura-Studenten, etc.

Die Beobachtungen von ÄndySch kann ich im Großen und Ganzen bestätigen. Natürlich gab es auch bei uns Leute, die gefühlte 12 Stunden täglich in der Bibliothek saßen und praktisch auf dem Campus gelebt haben. Die haben im Endeffekt aber auch nicht viel besser abgeschnitten als die, die die ganze Sache entspannt angegangen sind.

@christianhauck
Ich bin durchaus froh, dass ich ein so entspanntes Studium hatte. Das war keine Beschwerde. Ich finde nur z.B. die großen Unterschiede bei den SWS von Studiengang zu Studiengang etwas "merkwürdig". Das ist ja etwas, was von der Uni vorgegeben ist und da haben manche von vorne herein riesen Stress und andere haben praktisch nichts zu tun.

Montag, 25.07.11 00:04
 

Bachelorstudierende haben nicht wirklich Semesterferien. Manche Klausuren werden auf die Ferien geschoben, weil z.B das Lernen für sechs Klausuren kaum zu schaffen ist. Zudem müssen sogenannte BOK-Seminare besucht werden, ein 8-wöchiges Praktikum, ein Wahlpflichtfach und sogenannte Versuchspersonenstunden absolviert werden. Hinzu kommen die Hausarbeiten, die man am Anfang der vorlesungsfreien Zeit schreiben muss. Ich denke, man sollte klar zwischen den Studiengängen, den Anforderungen und dem Vorher-Nachhermodell (Bachelor vs. Diplom) differenzieren. Es kann doch kein Zufall sein, dass immer mehr Bachelorstudierende unter Burn-out leiden? Man muss auch bedenken, dass manche Studierende nebenher arbeiten müssen, um sich das Studium zu finanzieren (Studiengebühren, Semestergebühren, Lebenshaltungskosten, Bücher & Kopiergeld e.c.t) und andere haben Familie, um die sie sich kümmern müssen. Unsere Gesellschaft entwickelt sich immer mehr zur Leistungsgesellschaft, wo qualitatives Lernen, egal ob in G8-Gymnasien oder im Bachelor-Studium, kaum mehr möglich ist. Dem Staat ist es dabei enorm wichtig, dass man schnell mit Schule und Studium fertig wird, um dem Arbeitsmarkt als Steuerzahler und zur Verfügung zu stehen. Überall wird an Leistungen gekürzt.....und an der freien Zeit aller Bürger!

Montag, 25.07.11 09:24
 

Ach ja - früher war alles besser: http://tinyurl.com/4yqa2ug

Im Ernst: mein Studium war arbeitsaufwändig - aber selbstbestimmt. Ich glaube das macht einen grossen Unterschied: ob man den (teils unsinningen) Anforderungen anderer hilflos ausgesetzt ist, oder ob man sich selbst diesem oder jenem zuwendet weil man es interessant findet.

Montag, 25.07.11 10:25
 

Ein Problem bei uns im Bachelor war, dass man selbst, wenn man wollte, nicht mehr Kurse belegen konnte als im Vorlesungsverzeichnis für dieses Semester vorgesehen.
Zum einen waren die Kurse schon mit den Studierenden, die es als Pflicht- oder Wahlpflichtveranstaltung hatten voll, zum anderen konnte man sich, falls es dann doch gegangen wäre, dann das Seminar nirgends anrechnen lassen, weil man nur eine bestimmte Anzahl Credits pro Semester absolvieren darf und diese schon gerecht unter den fest eingeplanten Veranstaltungen aufgeteilt waren.
So saßen wir dann (dank Anwesenheitspflicht) in Vorlesungen und Seminaren, die uns nicht interessiert haben oder deren Inhalte man locker hätte nachlesen können und andere Veranstaltungen, die uns wirklich etwas für unsere berufliche Schwerpunktsetzung gebracht hätten, durften wir nicht belegen.

(fast) 13 Jahre Schule arbeitet man darauf hin, dass man dann wenigstens kurze Zeit mal selbstbestimmt leben, lernen und arbeiten kann und dann wird der Bachelor eingeführt... ;)

Mittwoch, 09.11.11 22:07
 

an alle die zuviel zeit haben...:geht was richtiges studieren oder fangt an euch selbst zu weiter zu bilden....! ich persönlich hab jeden monat mehr unerledigtes auf meiner 2 do liste stehen als punkte mit häckchen dahinter....

Solche Artikel machen mich aggressiv...vor allem wenn dann so eine hochwissenschaftliche Fachrichtung wie Forstwirtschaft als Beispiel genannt wird.

Versteht mich bitte nicht falsch....aber diverse Studiengänge sind meiner Meinung nach eben anspruchsloser als andere.

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