
Sein Netz aus Musik hat Giora Feidman nach dem Publikum ausgeworfen. Wie ein Schlangenbeschwörer schwingt er seine Klarinette im Takt des hebräischen Klassikers. Als er den Platz vor der Bühne erreicht singt das Publikum gedämpft: „Hava nagila, hava nagila…“ Also, lasst uns glücklich sein, denn Giora Feidman feiert seinen
75 Geburtstag!
1957 reist Feidman, Sohn osteuropäischer Juden, in Israel ein. Sein festes Engagement im Israel Philharmonic Orchestra ermöglichen ihm 1968 seine erste Reise nach Deutschland. Obwohl er selbst die Schoa nicht selbst miterlebte, ist seine Familie gezeichnet. Sechs Geschwister der Eltern kamen unter der Herrschaft der Nationalsozialisten ums Leben. Mit Neugier betritt er das „verfluchte Land“, wie sein Vater es nennt. Doch was er findet ist eine
zweite Heimat. So verliebt ist er in Deutschland, dass er sich 1984 sogar als Theaterschauspieler versucht. In Peter Zadeks Inszenierung von „Ghetto“ tritt er an der deutschen Bühne in Berlin auf. Für ihn ist wichtig, heute wie damals, dass nach dem Krieg „a process of healing beginnt, damit wir können beginnen to be a mischpokhe again.“
„Yah“, ruft Feidman. Seine Füße lassen die Dielen der Bühne erzittern. Eine Hand schwingt den Takt der Musik während die andere die Klarinette spielt. Zur Feier anlässlich seines 75. Geburtstages im März diesen Jahres gaben sich gestern neben Schauspieler Michael Mendl, welcher mit kurzen Lesestücken aus Feidmans Biographie „Du gehst, du sprichst, du singst, du tanzt“ traurig-schöne Momente dessen Lebens vortrug, auch verschiedene Musiker die Ehre.

Das Gershwin-Quartett verzauberte gemeinsam mit dem Klarinettisten mit Klassik, wie Mozart und das Thema aus Schindlers Liste. Bei Moye Kolonin durfte Giora Feidman einfach genießen. Auf dem Klavier überbrachte ihm der diesjährige ZMF-Preisträger ein Geburtstagsständchen von Chopin. Den Abschluss bildete ein Auftritt Feidmans mit seinem Ensemble. Klassisch jüdischer Klezmer: Akkordeon, Trommeln, Mandoline, Saxophon und Piccoloflöte unterstützen den Virtuosen, unter anderem bei seiner Eigenkomposition der deutsch-israelisch-palästinensischen Nationlhymne.
Drei Stunden und eben so viele Zugaben später erklingen ein letztes Mal die Töne die von „Hava nagila“. Schneller, lauter, fröhlicher. Erneut erhallt der Text im Zelt. Noch immer hält Feidman mit seinem Zauber gefangen.
Foto-Galerie: Julia Nikschick & Marc Röhlig
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