Das Spiegelzelt war nur zur Hälfte gefüllt als am Samstagabend die HipHop-Band Lingua Loca auf dem ZMF spielte. Zu Beginn hatten die elf Tübinger Mühe, das Publikum auf Temperatur zu bringen. Doch am Ende hüpfte das ganze Zelt und schmiss die Arme Richtung Diskokugel.

Nach dem dritten Song klafft eine drei-Meter-Lücke zwischen Bühnenrand und Publikum. "Ey, kommt doch mal n bisschen nach vorne. Wir haben auch alle Deo benutzt", sagt Rapper Teee und grinst dabei breit in die Menge. "Stimmt, die haben sich vorhin nämlich alle mein Deo geliehen", schiebt Rapper Ari hinterher. Die symphatische Ansage kommt an. Die meisten Zuschauer, Altersspanne von 16 bis 45, gehen nach vorne.
Von Song zu Song sinkt die Hemmschwelle zum Groove der Tübinger HipHop-Kombo abzugehen. Als bei der Zugabe "Lord" alle in die Knie gehen, um danach gemeinsam durchzudrehen, entfaltete sich der volle Lingua Loca-Sound: druckvolle Bläser, dicker Bass, mitreißende Rapper. Es war geschafft: Das Zelt brannte.
Die zwei Rapper Ari und Teee präsentierten viele Songs des im März veröffentlichten Albums Elf. Elf wegen den elf Songs der Scheibe, den elf Musikern der Band und dem Jahr 2011. Wirklich groß war "Leb dein Leben". Ein mitreißender Aufruf, nicht zu warten, sondern im Hier und Jetzt alles zu geben ("Carpe diem, weil es irgendwann zu Ende ist"). Hammer auch der Song "Rein in den Klub" bei dem Ari und Teee einen Türsteher davon überzeugen wollen, sie in einen Klub zu lassen.
Beim Refrain bouncte die Band synchron von links nach rechts. Das Publikum konnte gar nicht anders, als mitzumachen. Aber die Tübinger stimmten auch kritische Töne an. Im Song "Komisch" beschreiben sie eine Welt, die Kopf steht. Penner schmeißen da ihr Fahrrad in die Dreisam, Pfarrer gehen vögeln und Microsoft entwickelt die USB-Vagina.
Der Sound der Band ist abwechslungsreich und eingängig. Typische HipHop-Beats treffen auf Funk-, Soul- und Jazzelemente. Die drei Bläser, Trompete, Saxophon und Posaune, bekommen viel Platz. Regelmäßig dürfen sie Soli spielen, was gerade bei ruhigen Stücken richtig gut ankommt. Aber auch die restlichen Musiker (Percussion, Schlagzeug, Bass, Keyboard und 2x Gitarre) durften ihr Können mit Soli unter Beweis stellen. Die zwei Rapper sind nicht nur gut eingespielt, sie ergänzen sich auch gut. Teee ist der aktivere, aufgedrehtere. Seine Stimme hat verblüffende Ähnlichkeit mit der von Dendemann. Ari mit seiner kräftigen Statur und einer druckvollen Stimme ist der Gelassene der beiden.
Lingua Loca hat am Samstag gezeigt, dass sie nicht nur rein in den Klub wollen, sondern auch rauf auf die großen Bühnen. Mit der absolut im Trend stehenden Kombination aus Rapper und Band haben die Tübinger das Potential, die großen Bühnen zu entern. Wenn der Saal ausverkauft ist, wird’s auch einfacher Schwung in die Bude zu bringen.
Als Ari die Zusage ansagen will kreischen einige Fans aus den vorderen Reihen ekstatisch. Ein Mädel nimmt das "Free Hugs" (kostenlose Umarmungen) auf dem T-Shirt des Rappers wörtlich und schreit: "Ariiii, ich will einen Free Hug von dir". Nach kurzem Überlegen willigt er ein. Sie steigt auf die Bühne, umarmt ihn. Ob Ari, wie zu Beginn angekündigt, wirklich Deo benutzt hat, konnten wir nicht auflösen. Das Mädel, das ihn umarmt hat wird es jedenfalls wissen.




Tut mir leid, aber das Konzert gestern war im Großen und Ganzen eine krasse Enttäuschung. Jedes mal, als es kurz davor war, endlich mal zu rocken, wurde die Stimmung wieder zu nichte gemacht, indem ein ruhiges Lied gespielt wurde und sich Lingua Loca an einer Choreographie versucht haben.
Die Band war wirklich klasse, aber die beiden Rapper waren leider nur peinlich. Wer die ganze Zeit davon spricht "real" und "true school" zu sein, kann sich nicht hinstellen und über "Sweet love" singen oder eine (derart langweilige) Show aufziehen.
Dass die Menge irgendwann einigermaßen dazu abgegangen ist, lag mehr daran, dass einige Zuschauer Mitleid hatten und zumindest ein Wenig versucht haben, die anderen mitzureißen.
Schade, dass aus so viel Potenzial, welches in der Band steckt, so wenig gemacht wurde.
Und einen der beiden Rapper mit Dendemann zu vergleichen ist in meinen Augen Blasphemie!
Ich habe die show nicht als langweilig empfunden. ist natürlich geschmackssache.
im text heißt es "Seine Stimme hat verblüffende Ähnlichkeit mit der von Dendemann". es geht also um die stimme. nicht um die qualität als rapper.
Der Widerspruch zwischen real oder true und nem Liebeslieb leuchtet mir nicht ganz ein. Textlich sind die Jungs cool unterwegs, und Band is auch fett.
Der Widerspruch zwischen real oder true und nem Liebeslieb leuchtet mir nicht ganz ein. Textlich sind die Jungs cool unterwegs, und Band is auch fett.
...das klingt doch ganzschön nach neid...homeboi..., hoffentlich kannst du dir auf die fahne schreiben selber zu rappen und auf dem zmf am samstag abend für 14 öcken den laden mit 300 leuten zu füllen um letzendlich "sweet love" zu spielen...ich mein hoffentlich bist du zu den jungs gegangen und hast ihnen deine kritik vorgebracht so auf alter "true school" art - denn wenn du das nicht gemacht hast - bist du leider nur n hater...und by the way...hater sind nicht "real"!
PEACE