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Hip Hop im Crash: Golden Era Jam mit den Stieber Twins

Laut. Heiß. Dreckig. Hip Hop. Unter diesem inoffiziellen Motto fand am Samstag im Crash die Golden Era Jam statt. Zu Gast waren dabei mit den Stieber Twins, Aphroe und Cora E offizielle Legenden des Deutschrap. Daniel war auch dabei an diesem Abend, der sich fest ins städtische Hip Hop-Gedächtnis brennen wird.

Golden Era Jam Crash Stieber Twins

„Hip Hop lebt weiter.“
Es waren die letzten Worte des Abends, die Martin Stieber da um kurz vor 3 Uhr aussprach. Und sie waren passend. Ganz weit weg von irgendwelchen der 2000 Klischees nahm die Golden Era Jam einen mit auf eine Zeitreise in die Neunziger. Tagsüber waren Graffiti-Writer an der Wall Of Fame bei der Gaskugel in Betzenhausen aktiv, abends im Crash waren die weiteren Säulen der Kultur Hip Hop dran. Breakdance, DJing und eben Rap.

Die neun lokalen Acts losten untereinander aus, in welcher Reihenfolge der Auftakt zu den Headlinern des Abends bestritten wurde. Jeder hatte etwa eine Viertelstunde, bis es dann um etwa 1 Uhr Zeit war für Einmal Macco, zweimal Stieber und einmal Aphroe. Die Stieber Twins haben vor 15 Jahren mit „Fenster zum Hof“ ein Album gebraut, das noch heute als Deutschraps Reinheitsgebot gilt. Die Fachzeitschrift Juice ernannte es zum besten Deutschen Rap-Album aller Zeiten.

Golden Era Jam Crash Stieber Twins

Seither haben die Enddreißiger aus Heidelberg nichts Neues mehr gemacht und sind dennoch nicht alt geworden. Zeilen wie „Hip Hop für mich, was für deine Eltern Flower Power“, gehen heute noch in Mark und Bein und werden immer wieder in Vocalcuts anderer Künstler verwendet. Platten und CDs von „Fenster zum Hof“ sind zu raren und wertvollen Sammlerstücken geworden. Cora E ist ebenso in den Rapruhestand getreten, nachdem sie in den Neunzigern schon gesellschaftskritische Songs wie „Schlüsselkind“ herausbrachte, die heute auch als Genreklassiker gelten. Und dann noch Aphroe, ein Lyriker vor dem Herren, mit einem Rucksack voller Deutschrapkulturgüter aus Zeiten mit seiner Gruppe RAG, der sich aktuell aufmacht, sein lang erwartetes erstes Soloalbum zu veröffentlichen.

Nun standen sie auf der Bühne im Crash, und das gleich gemeinsam im Dreierpaket. Draußen von der frischen Luft an der Straße und vom Nebenraum waren alle zur „Bühne“ gekommen. Die Heads mit Mützen drängelten sich in den ersten Reihen,  „gefühlte tausend Grad“ herrschten laut den Stiebers, die mit „Schlangen sind giftig“ das Set eröffneten und mit ihren markanten Stimmen die Texte meist im Doppelpack rappten.

Golden Era Jam Crash Stieber Twins

„Wenn Rap auf deutsch, dann richtig.“ Eben. Nachdem zuerst Aphroe und dann Cora E zu den Stiebers hinzugestoßen war, folgte ein 90-minütiger Saunabesuch mit ordentlich Bummtschakk-Aufguß in den Ohren, Händen in den Lüften und Erinnerungen, die im Damals schwelgten. Dass die Gebrüder Stieber, Frau E und Herr Aphroe ebenso ordentlich Spaß hatten, war an ihren Gesichtern abzulesen. Oder an den ständigen High Fives mit der Meute vor der Bühne. Oder daran, dass sie es eben immer wieder sagten. Sofern sie denn gerade ein Mikrofon in den Händen hatten, das richtig eingepegelt war, nicht an irgendeiner Stelle auf der Bühne übersteuerte oder überhaupt funktionierte.

Die Anlage im Crash war traditionell am Limit. Die eigenen und gemeinsamen Klassiker wurden mit lautstarker Unterstützung vom Publikum performt. „Aphroe, Cora, Stieber Twins / Wieder so wie früher, stimmt's ?“ lautete der Refrain eines improvisierten Stückes am Schluss. Stimmte. Und wie.

Golden Era Jam Crash Stieber Twins

Am Ende rappte Martin Stieber die letzte Zeile von „Fenster zum Hof“ acapella. Die Schlusszeile lautet: „Ach, gegen den Verkauf von Hip Hop hab ich gar nichts / Was ich hass', ist der Verkauf von falschen Images.“ 15 Jahre alt und aktuell wie noch was. Auf der Golden Era Jam war an diesem denkwürdigen Abend kein einziges falsches Image zu sehen. Schön, dass es so etwas noch, oder wieder, oder zumindest ab und zu mal gibt.

Laut. Heiß. Dreckig. Hip Hop. Er lebt weiter. Martin Stieber deutete auf sein Herz. „Hier drin.“




 
Foto-Galerie: Janos Ruf (Party), Fabian Bielefeld (Graffiti)
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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 11
Montag, 27.06.11 15:32
 

"Den Schmerz, den der Kommerz verursacht, lindern..."

Montag, 27.06.11 16:01
 

schwer zu toppen, war geil!

Montag, 27.06.11 17:43
 

frage: gibts in freiburg sprayer bei denen man sich ein pony-graffiti wünschen kann ? :D ich will unbedingt eins :(

Montag, 27.06.11 18:12
 

oh mann. und ich konnte absolut nicht.

demnächst: stieber twins und cora e hören bei mir zuhause.

Montag, 27.06.11 19:24
 

cool! jetzt gibt's nach den Sixties-Parties, den Flower-Power-Parties, den Summer-of-Love-Parties, den 80er-NDW-Parties auch die 90er-Hiphop-Nostalgie-Parties. Was feiern unsere Kinder? Lady-Gaga-Gedächtnis-Abende? Damals, als alles noch real und nackt war....

Montag, 27.06.11 20:13
 

Etwas, das so energiegeladen im Jetzt stattfindet, würde ich nicht unter "Nostalgie" verbuchen...

Montag, 27.06.11 20:35
 

@ fabienne: manche werden die nineties immer feiern :)

Montag, 27.06.11 21:32
 

an sich ein guter abend ... allerdings war die anlage vom crash nicht nur "am limit" sondern hat wirklich absolut versagt ! den ohne ende übersteuerten sound dann auch noch aufs unerträglichste aufzudrehen fand ich dann fast schon eine frechheit. die reaktion des publikums war eindeutig: stiebers kommen auf die bühne, ausraster olé, fast pogo-ähnliche zustände, fett! aber nach gut 20minuten hat es dann halt nur noch die hälfte (exclusive mir) ausgehalten und sich lieber zum biertrinken verzogen, was meiner meinung nach schlicht und ergreifend an dem wirklich unerträglichen sound lag. schade für die stimmung, schade für die künstler. bitte unbedingt auf besserung für das (hoffentlich stattfindende) nächste mal!
huck ich habe gesprochen.

Dienstag, 28.06.11 08:38
 

ja: ich kann mich lu.kas nur anschließen. ich stand während des gesamten mainacts in relativer nähe zu den boxen, und habe mehrmals meinen drang, die leute am sound anzusprechen oder den raum zu verlassen ankämpfen müssen. nicht nur, dass die bässe unerträglich traurigschredderten, auch die worte zu verstehen war, von aphroe einmal abgesehen, stellenweise dadurch unmöglich. schade!

Dienstag, 28.06.11 19:04
 

@s´vögele
schau mal hier vorbei:
http://www.graffitigestaltung.com/

Dienstag, 28.06.11 22:28
 

stieber twins, cora e und aphroe nach freiburg zu holen war ne geile idee. das crash passt auch vom design bestens zu einer golden era jam. aber der sound war unter aller kanone. schlechter geht kaum.

wie geil wäre es gewesen, mehr als nur jedes zehnte wort zu verstehen!?

das nächste mal bitte andere location oder neue anlage fürs crash!

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