"Oh! Da war ich schon mal!" Das ist die primäre Leser-Reaktion, auf die es bei der Lektüre eines Romans mit Lokalbezug ankommt. Hanna Donaths Freiburg-Roman "Wem die Nacht gehört" bietet nicht nur haufenweise Widererkennungsmomente, sondern dazu auch noch eine ganze Menge Sex. [Mit Video-Gewinnspiel!]
Und für die ist die unterhaltsame Geschichte auch gemacht: Lotte ist 30 und rastloser Single, als sie bei einem One-Night-Stand ungewollt schwanger wird – von einem Mann, von dem sie nur den Vornamen kennt. Sie macht sich im Freiburger Nachtleben auf die Suche nach dem Unbekannten und zieht von Kneipe zu Kneipe.


Ich fand' es auch wirklich sehr unterhaltsam. Wir waren in der Redaktion ja eigentlich in der Stimmung, uns darüber lustig zu machen, als wir vor diversen Monaten erstmals davon gehört haben, aber dazu war das Buch, als wir es dann bekommen haben, dann doch viel zu schade. Sehr lustig und ein Super-Mitbringsel!
Ich kann zu dem Buch nix sagen - ist nicht so meine Stilrichtung, ABER ...
... ich find's einfach schlimm wie die Autorin im Video die Textpassagen runterleiert! In einem Affentempo ohne Gefühl für Rhythmik und Betonung ... keine gute Werbung (außer vielleicht absichtlich so schnell um zu beweisen, dass es flüssig lesbar ist und man nicht über komplizierte Worte (da nicht vorhanden) stolpert)
Da kann wirklich jeder Freiburger sagen: „Da war ich schon mal!“
oder
Da kann wirklich jeder Freiburger sagen: „Da habe ich´s auch schon mal gemacht!“
zwischen zwei zigaretten würde ich das buch auch einmal lesen. und annele hat recht: vorgelesen / vorgetragen hat die autorin die passagen wirklich miserabel. sehr gleichgültig und monoton. wenn das rückschlüsse auf inhalt, wortwahl, schreibstil, etc. zulässt, dann...fülle ich die zeit zwischen zwei zigaretten mit anderen inhalten an.
Das übliche Problem dieses Genres: Es wird so getan, als seien solche Dinge normal, dabei träumen 99% der Menschen bloß davon, erlebt hat es aber fast noch niemand. So werden unerfüllbare Phantasien erzeugt, die nur dazu führen, das Gefühl zu haben, man habe ein unerfülltes Sexualleben. Somit irgendwie auch traurig. Aber wer weiß, vielleicht kurbelt die Hoffnung, daß es vielleicht am nächsten Wochenende so weit sein könnte, ja wenigsten den Umsatz in der Gastro an.
hm,
"Da kann wirklich jeder Freiburger sagen: „Da war ich schon mal!“
oder
Da kann wirklich jeder Freiburger sagen: „Da habe ich´s auch schon mal gemacht!“
besser passt doch, wenn jeder freiburger sagen kann: "da war ich schon mal drin" @ romanheldin.
ja, so gings mir auch, @caro, als ich die überschrift las, dacht ich nur: ohje... der artikel macht aber lust auf mehr.
zum vorlesen könnt ich mir vorstellen: das ist bescheidenheit der autorin. nur nix aufbauschen etc.. aber eindeutig: verbesserungswürdiger vorlesestil.
last bur not least: vor einigen monaten habe ich indirekt mitbekommen, dass in freiburgs autonomen zentrum während einer elektronischen tanzveranstaltung gv vollzogen worden sein soll: empörung all around! was für reaktionen soll das nur im nicht alternativen-rest-freiburg erst hervorrufen??! :)
Wo ist das Problem wenns wirklich konsensuell ist, und nicht gerade im Münster oder vor dem Kindergarten? Erregung (!) öffentlichen Aergernisses? Oder Lärmbelästigung, wie so oft? Augenkrebsgefahr? Freiburg ist ja nicht das prüde Amerika - wir haben ja sogar eine bunte Säule der Toleranz.
(@ ^pi - die "alternativen" sind nicht unbedingt die allertolerantesten Menschen hier)
Vorlesende Autoren - ich hab schon Autoren genialer Bücher grottenschlecht vorlesen gehört. Sind halt verschiedene Talente und Fähigkeiten.
@tollerante menschen: ja, das habe ich auch schon des öfteren gemerkt.. manchmal scheint es wirklich gar so zu sein: je freakiger einer aussieht, desto konservativer sein blick auf die welt. gut, ist ne blöde verallgemeinerung. habs aber mehrfach erlebt. ganz arg wird es dann, wenn es richtung vermeintlicher "political correctness" oder auch "anti-deutscher" geht.
manchmal habe ich übrigens schon den eindruck, dass als so alternativ/grün/gemütlich verschrieene freiburg sei in wahrheit min. so prüde wie amiland. :)
@miss, @ch: Sorry, aber dafür bin ich zu bürgerlich. Das hat für mich mit Liberalität (und Erotik schon mal gar nicht) wenig zu tun, mit Stilfragen umso mehr. Da lasse ich mich sehr gern als konservativ betiteln. Die Staatsmacht würde ich nicht rufen, aber mich abwenden mit Sicherheit. Dieser permanente Selbstdarstellungszwang geht mir inzwischen so was von auf die Nerven. Und die USA spielen für mich noch in einer ganz anderen, widerlichen Liga.
Würde ich einen Porno mit meiner Frau und mir ins Netz stellen? Nie im Leben! Und genausowenig kann ich öffentlichen GV in der KTS gutheißen. Und da gibt es absolut kein Vertun.
Links hin oder her; es wäre für mich an jedem Ort daneben. Nicht nur an "sensiblen" Lokalitäten wie dem Münster bzw. einem Kindergarten. BTW: Warum sollten ausgerechnet die davon ausgenommen sein, wenn wir doch so "aufgeklärt" sind?
Warum die (und andere Orte und Umstände) ausgenommen: Aus Rücksicht natürlich.
Auf Nicht-Erwachsene. Auf Erwachsene die das unangenehm finden. Auf Leute und Institutionen und Situationen wo Orte und Umstände besondere Bedeutung haben - geweiht, heilig, lebensmittelrechtlich kontrolliert, was auch immer. Ich will ja auch nicht Exhibitionismus oder Angeberei propagieren, sondern Toleranz.
über sex lesen ist mit das langweiligste was es gibt, jedenfalls sobald man fertigmasturbiert hat. habe nie verstanden warum es diese literatursparte gibt.
mhm, ja...die klebrigen finger und so...wie kann man da je ein buch fertigschreiben? ach so, händewaschen...
@ch: Und warum soll die Rücksicht dann nicht in der KTS gelten? Falls ich dort gewesen wäre: Ich gehöre genau zu den Erwachsenen, die das unangenehm finden.
Bitte, mich nicht falsch zu verstehen, die können dort - im wahrsten Sinne des Wortes - treiben, was sie wollen.
But it's definitely not my cup of tea.
Und es gab ja auch mal ein Video (Fake oder nicht? Ich kann darüber nichts aussagen) aus der Wiener (Berliner?) U-Bahn, wo es heftig zur Sache ging.
Auch nicht meins.
Apropos: Richard Sennett - den man nach klassischer Lesart nicht als Rechten bezeichnen kann - hat schon Mitte der 90er Jahre sehr klarsichtig vor dem "Terror der Intimität" gewarnt, bei der die öffentliche Sphäre zunehmend durch "private" Elemente aufgeweicht wird. Das zeugt natürlich von "bürgerlichen" Einstellungen, aber na und?
Rücksicht geht von innen nach aussen, nicht von aussen nach innen. Also: auf Grund von Bildung und Erziehung und Sozialisation nimmt man anderer Leute Bedürfnisse freiwillig wichtig und sich selbst etwas zurück; etwas, nicht total.
KTS: wir reden hier von der KTS http://www.kts-freiburg.org/ und nicht vom Konzerthaus http://konzerthaus.freiburg.de/ was früher mal KTS hies.
U-Bahn - nein, ich bin weder fürs Belästigen anderer Leute noch für Mutprobeneskaltion oder Exhibitionismus.
Aber ich denke dass es mehr unregulierte Plätze auch im öffentlichen Raum geben sollte - öffentlicher Raum, Gemeingut, "Almende" - wo man Musik machen darf, Picknicken, Party, oder einfach herumsitzen. Oder Quickies. Und bitte schön aber auch keinen Müll hinterlässt - auch Rücksicht und Verantwortung, nicht aus Zwang. Hier (ich bin gerade in Amerika) sind überall Schilder "no loitering" also man darf dort nicht herumlungern. Man darf eigentlich nicht an der Bushaltestelle sitzen wenn man nicht in den nächsten Bus einsteigt. Furchtbar - und ich seh die Tendenz auch in Freiburg.
Und ich glaube dass die Leute durch zu viele Regeln verlernen selbst verantwortungsvoll zu handeln, sich selbst Beschränkungen aufzuerlegen. Wenn es nicht verboten ist kann ichs also tun. Wenn da kein Verbotsschild ist kann ich meine Wodkaflasche einfach liegen lassen ...
ich glaub ich mach lieber Schluss bevor ich mich wieder über Glasscherben auslasse und total off-topic abwandere.
[quote=Tatoocheck]Da kann wirklich jeder Freiburger sagen: „Da habe ich´s auch schon mal gemacht!“[/quote]
Och Mensch, ich bin so langweilig ...
ja, nein, aber sonst lenk ich doch total von den Erotikaspekten ab ausser für die Minderheit die auf Glascherbenspiele steht ;-)
vielleicht schaffst du es ja, eine zeile gesellschaftskritik mit einer zeile schmuddel-kommentar auszugleichen.
da hätten wir alle was davon^^
(also nicht nur 2 zeilen, sondern gern abwechselnd)
@ch: Ich meinte schon die KTS in der Basler Straße.
Ansonsten große Zustimmung zu deinen Äußerungen.
Aufgrund meiner Erziehung/Sozialisation bin ich immer bestrebt, Rücksicht walten zu lassen. Ich würde mir nur wünschen, dass gewisse "Standards" selbstverständlicher wären - ohne dies oktroyieren zu wollen. Als Spießer (der für mich mit totalitären, illiberalen Merkmalen ausgestattet ist; mMn wird dieser Begriff aber hierzulande inflationär gebraucht).
Ebenfalls d'accord, was die zunehmende Regulierung des öffentlichen Raumes angeht. Die "Schilderwut" in den USA habe ich selbst erlebt: grausam! "Freelusion", wohin man schaut, egal, ob demokratisch oder republikanisch regiert.
Aber ob ich Quickies in Anwesenheit anderer Personen goutieren kann? Eher nein. Im Schwarzwald, ganz privatissime, sieht's nochmal anders aus ;-)
also, muss auch noch ma kurz: ausser in der wilden natur hatte ich auch bislang wenig sex in der öffentlichkeit. es reitzt mich auch nicht sonderlich/exorbitant. auch denke ich nicht, dass ich mich (besondere, seltene zustände ausgenommen) am anblick zweier schnakselnder laben würde - ich würd wohl auch einfach weitergehen, jedenfalls nicht starren. aber ich bin eben auch für freiheit. und der felsenfesten überzeugung, dass, je mehr freiheit man nimmt, die unselbständigkeit umso größer wird. nicht umgekehrt!(von wegen: "da gibt man ihenn das kleine bisschen freiheit, und selbst damit können sie nicht umgehen")
ich weiß auch nicht, was schlimm daran ist, wenn zwei willige sich auf ner wiwilibrücke oder weißgottwosonstnoch beglücken. vorrausgesetzt, der platz wird sauber verlassen, was ich aber prinzipiell selbstverständlich finde, egal wo man sich zu welchem zwecke aufhält. wers nicht sehen will, muss nicht hinschauen, so einfach ist das. :)
also das mit der Sauberheit ist so ne Sache in Freiburg. Gerade hier ist mir besonders aufgefallen, dass einfach alles schutzig ist. Egal ob im Stadtgarten, an der Dreisam, oder im Garten des Studentenwohnheims, die Leute lassen einfach alles liegen, vorallem Zigarettenkippen. Von Freiburg hatte ich eigentlich etwas anderes erwartet
Jesses, wie es früher (Gott ja vor 20 Jahren) im und ums Crash zur Sache ging, als der alte Güterschuppen und die zig Gleise Gegenüber noch existierten....
In den Autos auf den Parkplätzen, auf dem Flipper.
Okay andere Zeit, andere Leute... wir waren doch von den 80er geprägt. Wenn man ständig Angst vor der atomaren Auslöschung hat, wird man wohl enthemmter.
Ist der Nackttänzer im Crash noch aktiv?
falls ja ist es wohl einer der dienstälteren nackttänzer der republik
edit für komparativ weil superlativ für prolls ist
hab deine probeaufnahmen gesehen und verstehe jetzt, warum sie meinten, du solltest es lieber "bei einem heft mit landwirtschaftlichem bezug" versuchen. dachte ja erst nur "hä?"
go eat... der hat halt seine exhibiotionistische Ader dort ausgelebt... *g* kam immer im String rein (meist um 3 Uhr) tanzte 2 Lieder, und schwupp, Stoff runter (johl!), ein paar Lieder rumhüpfen und verschwinden...
Letzter Ausweg "Literatur" oder Trockengebiete am Überlaufen.
Penetrationsdurst vernachlässigter Selbstverwirklichung fabuliert Alternativrealitäten als Fluchtpunkt der Verzweiflung.
Mein Beileid.
zum Thema Erotik:
http://www.original-freiburg.de (Beitrag vom 23.06.11)
Die schreibt Fiktion bestimmt mit c...
Ich nehme für "go eat..." am >Videogewinnspiel< (einfallsreich!) mit, wenn ihr eine Nummer mit der Autorin auf der WW-Brücke verlost (ausgehungerte Wasser sind eine Umweltkatastrophe)...
Die richtige Lösung lautet:
Kagan
Schlappen
Räng Teng Teng
11 Einsender lagen richtig. Unter ihnen wurden die drei Bücher verlost. Sie gehen an:
Timo G.
Helen V.
Julia C.
Die Bücher sind auf dem Weg zu Euch. Viel Spaß bei der Lektüre!
Auf YouTube:
TV-Beitrag in der Landesschau (SWR) über das Buch
http://www.youtube.com/watch?v=34U1kRQqkxs