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Klassik im Club: Interview mit DJ Canisius

Cocoon, Cookies, Berghain: Wo normalerweise elektronische Clubmusik erklingt, legt David "DJ" Canisius Bach, Beethoven und Brahms auf. Der 42-jährige Berliner ist Resident-DJ der Yellow Lounge - einer Veranstaltungsreihe, die Klassik in den Club bringt. Sonntagabend kommt Canisius im Rahmen des SWR Young CLASSIX Day ins E-Werk. Manuel hat ihm vorher ein paar Fragen gestellt.

 

fudder: David, legst du auch elektronische Clubmusik auf?


David Canisius: Ja, vor allem Minimal. Ist jetzt aber nicht so interessant für mich, weil es hier in Berlin ohne Ende Techno- und House-DJs gibt, aber kaum Klassik-DJs. Daher ist es für mich schlichtweg einfacher, in der Klassik unterwegs zu sein.

Was fasziniert dich daran, einen Club mit klassischer Musik zu beschallen?


Insbesondere, dass andere sich dafür faszinieren. Solche Abende sind ja Türöffner für Menschen, die zwar allgemein sehr viel Musik konsumieren, aber keine klassische. Präsentiert man ihnen diese in ihrem gewohnten Umfeld, im Club, haben sie nicht mit jenen Ritualen zu kämpfen, die ihnen nicht vertraut sind und die Berührungsängste hervorrufen: ins Konzerthaus zu gehen, entsprechende Klamotten tragen zu müssen. Dinge, die sehr alt sind und befremdlich wirken können.

Wenn du Klassik auflegst: Kommen da also nicht die typischen Konzerthausgänger?


Überwiegend nicht. Die kommen aber auch, weil sie die Klassikstars, die an Yellow-Lounge-Abenden live auftreten, mal so nah und in einem anderen Kontext sehen wollen.

Legst du Klassik anders auf als Techno?


Klar. Bei Clubmusik muss ich aufs Tanzen achten, den Beat einhalten und saubere Übergänge hinlegen. Bei klassischer Musik geht es um Atmosphäre: Die funktioniert weniger vertikal und mehr horizontal. Man muss eine Stimmung schaffen und diese dann weiterführen. Viel mit den Augen auflegen und darauf achten, ob die Leute nervös, aufgeregt oder gelangweilt sind. Es kommt auch immer sehr darauf an, wer an jenem Abend der live-Act ist.

 

Wie muss ich mir das technisch vorstellen?


Es gibt ein paar Klassik-DJs, die die Stücke tatsächlich ausspielen. Das find ich aber langweilig, denn: Auf Start und Stopp drücken, das kann jeder. Was ich spannender finde: Dass man Parts aus Stücken ausschneidet, ein Seitenthema aus einem Satz nimmt und mit etwas anderem verbindet, dass man nicht fadet, sondern direkt hineinspielt, auch wenn’s musikalisch aus einer ganz anderen Epoche oder von einem ganz anderen Komponisten kommt. Der Charakter, die Atmosphäre kann ja trotzdem ähnlich oder weiterführend sein. Und das ist das einzige, was zählt.

Ich mische und schneide viel in den Stücken herum. Alles live. Wenn man etwas Motorisches hat, lässt sich das wunderbar loopen – wie in der Clubmusik auch. Zum Beispiel eine Stelle bei Bartók, die sehr rhythmisch und energiegeladen ist: Die loop ich dann und hol’ sie im Laufe des Abends vier, fünf Mal wieder hervor, wenn’s passt.

Was ist daran besonders schwierig?


Man muss die Stücke eben kennen, wissen, bei welchem Stück irgendwo eine Zäsur ist, in die man hineingehen kann, und welche Stellen sich dazu anbieten, in ein anderes Stück überzublenden. Das ist dann wie bei einem normalen DJ-Set: Bässe raus, rübergehen, die originalen Bässe langsam wieder reinholen.

Wie groß ist deine Sammlung an Klassik-Tonträgern?


Mittlerer vierstelliger Bereich.

Platten, CDs, MP3s?


Vor allem CDs, aber immer mehr auch Platten. Keine MP3s. Zu denen hab' ich einfach kein Verhältnis. Ich kann besser entscheiden, wenn die Tonträger anfassbar sind.


Zur Person

David Canisius ist klassischer Geiger im Deutschen Kammerorchester in Berlin, künstlerischer Leiter der Big Band "The Capital Dance Orchestra" und organisiert Musikshows im Fernsehen. Seit 2003 ist er Resident-DJ und Host der Yellow Lounge, einer Veranstaltungsreihe der Deutschen Grammophon, die klassische Musik in den Clubkontext bringt. Bei der Deutschen Grammophon veröffentlichte er bislang drei Mix-Alben zur Yellow Lounge.

Mehr dazu

Was: SWR Young CLASSIX Day
Wann: Sonntag, 5. Juni 2011 - DJ-Set von Canisius und Visuals von Safy Sniper ab 21 Uhr
Wo: E-Werk




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 2
Samstag, 04.06.11 12:35
 

dr. miehling übernehmen sie :-D :-D :-D

Samstag, 04.06.11 16:15
 

Klingt interessant, aber richtig vorstellen kann ich mir das nicht.

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