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Luisa Robbin, eine Singer-Songwriterin aus Freiburg

Im August 2010 hat die Freiburger Sängerin Luisa Robbin ihr Debütalbum „Reason“ veröffentlicht. Elf der zwölf Lieder darauf hat sie selbst geschrieben. „Im Moment mache ich wohl eher Singer und Songwriter-Sachen“, sagt sie. Aber Luisa möchte sich nur ungern festlegen lassen, denn ihre musikalischen Wurzeln liegen eigentlich ganz woanders.



„Mein erstes Lied war ein Rap", sagt Luisa. "Heute finde ich den Song nicht mehr so toll, vor allem meinen Rap, aber ich höre immer noch viel Hiphop, und vielleicht mache ich in diese Richtung in Zukunft wieder mehr.“ An Ihrer Kleidung merkt man, dass sie dieser Musikrichtung immer noch sehr nahe steht. Weite Jogginghose, enges Oberteil. „Im Moment höre ich viel Lauryn Hill. Aber auch die frühen Sachen von Eminem. Ich analysiere seine Texte, schaue mir an, wie er reimt, welche Wörter er benützt."

Wenn Luisa selbst Lieder schreibt, dann bleibt sie auch schon mal eine Nacht auf. „Ich brauche einfach den Erfolg, eine Nacht nur vier Akkorde gespielt zu haben, bis das Lied fertig ist.“ Früher hatte sie die Freiheit zu schreiben, wann und so viel sie wollte, mit ihrer Ausbildung zur Staudengärtnerin wurde das schwieriger. Und jetzt, da sie ein ganzes Team hinter sich hat, gibt es auch den zusätzlichen Druck, schreiben zu müssen. „Das war erstmal schon komisch für mich, dass ich mich hinsetzen muss, um Stücke fertig zu kriegen.“

Der erste selbstgeschriebene Song kam nach der Trennung von ihrem Freund, einem Kanadier, zustande. „Es war meine Art damit umzugehen. Im Nachhinein möchte ich mich bei meinem Ex bedanken, da er mir erst die Möglichkeiten zum Songwriting eröffnet hat.“ Außerdem blieb Englisch als Liedersprache erhalten. „Seit meinem 15. Lebensjahr war ich jeden Sommer bei Verwandten in Kanada. Daher waren auch meine ersten Lieder immer englisch. Außerdem kommen auf Englisch die Emotionen nicht so nahe an mich ran wie auf Deutsch.“

Dass sie jemals hauptberufliche Musikerin werden könnte, hatte sie lange nicht gedacht. Auf der Geburtstagsparty ihrer Mutter in ihrem Heimatort Schliengen spielte sie eins ihrer Lieder. Ein Gast, Ray Austin, war so begeistert von der jungen Sängerin, dass er mit Luisa sofort ihre Lieder in einem Studio aufnehmen wollte. „Ich weiß noch, dass ich damals vor allem irritiert war, dass ein Fremder so begeistert von meinen Liedern war. Da wollte jemand dafür zahlen, dass ich singe.“ Trotz ihrer Zweifel ließ sie sich schnell von Austin, selbst eine Größe in der lokalen Musikszene, zu mehr überreden. Er holte mit Chris Weller einen weiteren Unterstützer und Sponsor an Bord. Dieser wiederum knüpfte Kontakt zu Peter Walsh. Der englische Produzent mit Sitz in Düsseldorf  hat schon mit den Simple Minds, Pulp und Peter Gabriel zusammengebarbeitet. Nach zwei Jahren harter Arbeit war das Album fertig.

Das Alles ging sehr schnell für die 22-Jährige. „Ich stand plötzlich in einem Studio mit Profis und hatte selbst keinerlei musikalische Erfahrung.“ Gelegentlich fühlte sie sich dabei wohl auch etwas überrumpelt. „Ich bin aber sehr dankbar für die Unterstützung, die ich dort bekommen habe und habe während der letzen zwei Jahre unglaublich viel gelernt. Daher wollte ich nicht die Diva raushängen lassen, wenn was nicht genau nach meinen Vorstellungen ging.“

Manche ihrer Freunde befürchten deswegen, dass sie sich zu sehr auf eine kommerzielle Ebene drängen lässt. „Kommerzieller Erfolg wäre nicht unbedingt schlecht. Je mehr Zuspruch ich erhalte, desto sicherer werde ich. Dennoch will ich keinen belanglosen Diskobeat machen, so wie es eben viele Musiker mit größerem Erfolg machen, sondern über tiefgehendere Sachen schreiben.“ Bei ihrem nächsten Projekt möchte sie deswegen vermehrt ihre eigenen Ideen einbringen. „Jetzt will ich wieder mehr Akustik- und Live-Sachen machen und würde mich dabei aber auch gerne bei Lauryn Hill anlehnen.“



Auch die Themen in den Liedern haben sich verändert. „Früher schrieb ich viel über meine Beziehungen, Liebeskummer eben. Heute interessieren mich andere Themen. Wo will ich hin? Wie geht es mir, wenn ich in meinen Konzerten über Themen singe, die doch eigentlich längst abgeschlossen sind für mich? Wie geht man mit Erfolg um? Welchen Weg soll man im Leben gehen?“

Allgemein redet Luisa viel lieber über ihre Zukunftspläne und das jetzt, als über ihre Anfänge. Ihre Entdeckungsstory bezeichnet sie selbst als „eine ziemlich langweilige Geschichte“, und sie gibt zu, dass sie sich manchmal schwer tut auf ihren Konzerten manche alte Lieder zu spielen. „Ich mag alle Lieder noch, aber mit den Problemen von damals habe ich längst abgeschlossen und es fühlt sich seltsam an, wenn ich auf meinen Konzerten meine letzten Jahre immer wieder hervorkramen muss.“

Es gibt aber ein Lied, das ihr immer noch sehr nahe geht. Es heißt Papili und ist ein Lied an ihren verstorbenen Großvater. „Einmal ist nach diesem Lied in einem Konzert in Kanada ein bärengroßer Mann zu mir gekommen, mit Tränen in den Augen und hat mir seine Tattoos mit den Namen seiner Enkel gezeigt. Das hat mich sehr berührt.“

Für ihre weitere Zukunft hat Luisa genaue Pläne. „Im Juli beende ich meine Lehre. Dann werde ich in der Jazz- und Rockschule in Freiburg einen Basisstudiengang belegen. Dort lerne ich dann die notwendigen Grundlagen, um mich im nächsten Jahr in der Mannheimer Pop-Akademie bewerben zu können.“ Dabei möchte sie aber nicht nur an ihrer Musik selbst arbeiten, sondern auch an ihren Auftritten. „Am wohlsten fühle ich mich, wenn ich einfach nur spielen kann. Das ganze Drumherum, zum Beispiel die Ansagen ans Publikum, die ja auch sehr wichtig sind, liegen mir nicht. Das will ich lernen.“

Bevor sie zu studieren anfängt, will sie nach ihrem Abschluss erst mal wieder in die KaJo und ihre Lieder dort spielen. Auf der Straße machten sie ihre ersten Erfahrungen. Sie nahm einmal zwei Wochen Urlaub, um sich in deutsche Städte mit ihrer Gitarre in die Fußgängerzonen zu stellen. „Ich hab es letzten Winter mal wieder gemacht, das war aber dann echt hart, weil die Finger sehr kalt wurden. Im Sommer, nach meiner Prüfung will ich das aber wieder machen. Ich habe so richtig Bock drauf.“

Die Ehrlichkeit ihres Publikums schätzt sie bei diesen spontanen Auftritten besonders. „Wenn jemand dann stehen bleibt, um mir zuzuhören oder ein Kind seine Eltern vor mir anhält, dann macht es am meisten Spaß.“ Zu diesen Auftritten hatte sie während ihrer Ausbildung und den Studioarbeiten wenig Zeit. „Dafür habe ich wahnsinnig viel neues Material angesammelt.“ Vier neue Lieder wurden schon aufgenommen. Weitere folgen noch. Das nächste Album ist schon in Arbeit.







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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 1
Dienstag, 24.05.11 12:06
 

Das Ding, wo man Songs aufnimmt heißt Studio, nicht Studium. ;)

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