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SWR-Orchester führt Stück von Schülern auf

Sechs Schülerinnen und Schüler des Wentzinger-Gymnasiums nehmen an einem außergewöhnlichen Projekt teil: Mit Unterstützung ihres Musiklehrers haben sie ein Stück komponiert, das am kommenden Dienstag um 20 Uhr im Konzerthaus aufgeführt wird.

Lehrer Ivo Schäfer (links) mit seinen komponierenden Schülern (von links): Emil Benrath, Erik Brauer, Morten Grage, Sascha Hauser, Dagmar Jäger und Lavinia Reimann mit der Partitur ihres Werks

Doch nicht nur die Spielstätte ist prominent, auch das Orchester: Kein Geringerer als das renommierte SWR-Sinfonieorchester wird das Werk der Jugendlichen aus dem Bereich Neue Musik spielen. Auch für das Orchester ist das Projekt eine neue Erfahrung, noch nie zuvor hat es ein Stück von Schülern gespielt.

Ein bisschen stolz sind Sascha Hauser, Dagmar Jäger, Lavinia Reimann, Erik Brauer, Morten Grage und Emil Benrath schon, wird ihre Eigenkomposition "Konstrakt" im Programmheft doch neben Stücken von Debussy, Beethoven und dem 75 Jahre alten Helmut Lachenmann aufgeführt, der zu den bedeutenden Komponisten der Neuen Musik gehört. "Dass wir für so ein Orchester schreiben dürfen und nichts fürs Schulorchester...", sagt der 18 Jahre alte Emil. Am Dienstag werden sie nun alle sechs auf der Bühne des Konzerthauses stehen und – wie es sich für bei der Premiere anwesende Komponisten gehört – von Dirigent Sylvain Cambreling die Hand geschüttelt bekommen.

"Klangvisionen" heißt das Projekt des SWR-Sinfonieorchesters mit Schulen in Kaiserslautern, Donaueschingen, Friedrichshafen und Freiburg. Angefangen haben die Wentzinger-Schüler im Seminarkurs mit der Analyse von Werken Neuer Musik von György Ligeti und Helmut Lachenmann, sie studierten deren Aufbau und Partituren. "Wir wollten erst einmal schauen, wie Neue Musik überhaupt funktioniert", erklärt Musiklehrer Ivo Schäfer. Lachenmanns "Double (Grido II)" diente den Jugendlichen insofern als Orientierung, als dass sie sich entschlossen, ihr Stück für die gleiche Orchesterbesetzung – 48 Streicher – zu schreiben.

Natürlich gehören Schäfers Schüler zu denjenigen mit besonderer musikalischer Begabung und dem Willen, viel Zeit – auch so manches Wochenende – in die Musik zu stecken. Kompositionserfahrung konnte keiner von ihnen vorweisen, Ahnung von zeitgenössischer klassischer Musik hatten die wenigsten. Wenn etwas gut klinge, dann sei das bei Neuer Musik "ja eher doof", glaubt der 16-jährige Morten. "Es hört sich immer ein bisschen gespenstisch, nach Katzenmusik an."

Der Besuch der "Donaueschinger Musiktage" wird zum Erlebnis

Man müsse sich reinhören, sagt Dagmar und räumt ein, dass sie Neue Musik anfangs abstoßend fand. "Aber wenn man sich damit auseinandersetzt, merkt man, wie viel da drinsteckt." "Ich habe das eher mit Geräuschen verbunden", sagt die 18-jährige Lavinia, die gerne Metal hört. Ein einschneidendes Erlebnis für die jungen Komponisten war der Besuch der "Donaueschinger Musiktage", eines der führenden Festivals für Neue Musik.

"Da haben wir einen Eindruck bekommen, was alles möglich ist", sagt Sascha. Anschließend trafen sich die Schüler mit dem Dirigenten des SWR-Sinfonieorchesters, Sylvain Cambreling, der sie in Techniken einführte und ihnen zeigte, wie man Ideen in Noten umsetzt; auch mit Komponist Lachenmann trafen sich die Schüler. Und die Orchestermusiker erklärten ihnen, was auf einem Streichinstrument überhaupt möglich ist.

Jeder machte sich ausgehend von einer Grundidee wie Regen oder Freude oder einem musikalischen Grundmuster wie Rhythmus erst einmal alleine ans Werk. "Ich hätte nicht gedacht, dass ich so etwas überhaupt kann", sagt Dagmar. Und Lavinia erzählt: "Ich hatte am Anfang keine großartige Idee." Viel habe beim Komponieren auch mit Zufall zu tun, glaubt Morten. Wichtig sei auch gewesen, in der Gruppe zu diskutieren, sagt Lehrer Schäfer.

"Wenn man jemandem etwas erklären muss, dann lösen sich die Probleme oft auf." Im März gab es eine erste Probe mit dem Orchester. "Am Anfang klang es richtig gut, dann wurde es irgendwann zu Brei", erinnert sich Morten. Sascha war positiv überrascht: "Das war schon ein Klangerlebnis." Danach machte sich jeder nochmal allein ans Komponieren, ehe die Einzelstücke verbunden wurden.

Seit gestern studiert das SWR-Sinfonieorchester die fertigen Kompositionen der Schüler ein. Zeit für große Änderungen ist nicht mehr, es geht jetzt um Feinheiten. "Ich denke schon, dass es ein Hörgenuss wird, sagt Lehrer Schäfer und verspricht: "Langweilig wird es auf keinen Fall."

Was: Konzert des SWR-Sinfonieorchesters unter der Leitung von Sylvain Cambreling: "Klangvisionen" - Debussy: Prélude à l’après-midi d’un faune; Lachenmann: Double (Grido II) für Streichorchester; Schülerkomposition(en); Beethoven: Sinfonie Nr. 1 C-Dur op.21
Wann: Dienstag, 24. Mai 2011, 20 Uhr
Wo: Konzerthaus Freiburg

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[Foto © Michael Bamberger]




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 1
Freitag, 20.05.11 15:50
 

Hätte ich nicht vor 3 Jahren die Schule gewechselt, säße ich jetzt auch in diesem Musik-4-Stünder :( Nicht dass ich eifersüchtig wäre oder so ...

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» Marks

re: Was hört ihr gerade?
Depeche Mode- Told You So

» Kathleen

re: Suche Schaufensterpuppe
Lieber VDP, da ich mir mi...

» vdp1100

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Liebe Kathleen, mit &...

» Kathleen

re: Suche Schaufensterpuppe
VDP, er sucht keine Büste...

» vdp1100

re: Suche Schaufensterpuppe
...oder mal bei Breuninge...

» ShinjiIkari

re: Suche Schaufensterpuppe
Ok das hat natürlich was....

» grundel

re: Aus Easy Sports wurden Sportpark City Club´s
Hallo Jan, danke für ...

» Tatoocheck

re: Suche Schaufensterpuppe
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» ShinjiIkari

re: Suche Schaufensterpuppe
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