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Wie Studenten sich auf ungewöhnliche Weise etwas dazuverdienen

Nachhilfe, Babysitten und Kellnern: Das sind die typischen Tätigkeiten, mit denen Studenten ihr Geld verdienen. Doch einige Freiburger Studierenden haben außerhalb des Hörsaals sehr spezielle Beschäftigungen.

Das neue Semester steht vor der Tür, am 2. Mai beginnen die Vorlesungen. Die Studenten kommen aus dem Urlaub zurück und mit dem Vorlesungsbeginn nehmen sie auch ihre Studentenjobs wieder auf. Einige Freiburger erzählen, wie sie mit ausgefallenen Möglichkeiten ihr Taschengeld aufbessern.

   
Straßenbahnfahrer

Straßenbahnfahrer

Ohne es zu wissen, kennen einige sicherlich den Theologie-Studenten Ralf Schöffmann. Wenn er nicht in der Uni ist, findet man ihn nämlich ab und an in der Straßenbahn der Freiburger Verkehrs-AG (VAG). "Ich fahre alle Bahnen und alle Linien", sagt der 27-Jährige. Schon seit eineinhalb Jahren hat er diesen Nebenjob. Als Aushilfe gehört er zur Fahrdienstgruppe "Abruf" und wird flexibel eingeteilt, wenn ein anderer Fahrer krank oder im Urlaub ist oder zusätzliche Bahnen eingesetzt werden müssen.

Deshalb wird er auch manchmal kurzfristig angerufen, wenn Not am Mann ist. "Wir sind sozusagen die Feuerwehr der VAG", sagt Schöffmann schmunzelnd. Der Schichtdienst ist für ihn sehr praktisch, da er seine Arbeit gut mit dem Uni-Alltag vereinen kann. Im Monat sitzt er ungefähr 25 Stunden im Fahrerhäuschen der Linien eins, zwei, drei oder fünf.

Schon als kleiner Junge spielte er mit einer Modelleisenbahn und träumte davon, Lokführer zu werden. Seine Vorliebe für Schienenverkehr hat er bis heute behalten und im Gespräch mit einem Straßenbahnfahrer kam ihm die Idee, seinen Traum wahr zu machen. Seine Bewerbung lag ein Jahr bei der VAG, bis er zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen wurde.

Nach der Zusage musste er dann den Straßenbahn-Führerschein machen. Grundvoraussetzung dafür ist ein Auto-Führerschein. Also besuchte Schöffmann die VAG-Fahrschule. Nach einer theoretischen und einer praktischen Prüfung durfte er dann im normalen Verkehr fahren. Allerdings mit einem sogenannten Lehrfahrer, der ihm noch bei den Feinheiten half. "Am Anfang war ich natürlich unsicher und fuhr ganz vorsichtig. Schließlich muss man sich an die 33- bis 42-Meter lange Bahn zuerst einmal gewöhnen", so Schöffmann.

Der Lehrfahrer erklärte ihm, wie man zum Beispiel am Morgen mit vielen Schulkindern in der Bahn fährt, mit Zeitdruck umgeht oder möglichst schnell den Fahrer wechselt. Danach folgte eine zweite praktische Prüfung. "Bei der geht es vor allem um den Fahrstil. Schließlich wollen die Gäste ein angenehmes Fahrgefühl und trotzdem zügig ankommen", sagt der 27-jährige Student.

Am meisten Spaß macht ihm seine Arbeit, wenn er eine der alten Straßenbahnen fährt, die im Inneren noch Treppenstufen haben. "Die finde ich echt schick", sagt Schöffmann. Auch den Kontakt mit Fahrgästen, die einen Fahrschein kaufen wollen oder eine Auskunft brauchen, mag der Student. Schöffmann plant, im nächsten Jahr sein Theologie-Diplom zu machen, aber Straßenbahn fahren würde er auch gerne nach seiner Studentenzeit noch.

Den schönsten Satz hörte er nach einem SC-Spiel, als er die Linie eins von Littenweiler in Richtung Hauptbahnhof fuhr. Beim Aussteigen sagte ein Mann zu ihm: "Heia, gespielt ham se schlecht, aber gut gefahr’n bisch."

Flohmarktflötist

Flohmarkt Flöte

Die Luxemburgerin Sandra Morroni macht zwei Auslandssemester in Freiburg. In ihrer zweiten Woche in Deutschland durchforstete sie die Jobvermittlung des Studentenwerks. Sie fand eine Anzeige, in der nach musikalischer Gestaltung für einen Edelflohmarkt gesucht wurde. Die 21-Jährige spielt schon seit ihrem achten Lebensjahr Querflöte, sie singt in verschiedenen Chören und leitet in Luxemburg sogar selbst einen Kinder- und Jugendchor.

Kurzerhand meldete sie sich für den Job und wurde unter drei Bewerbern ausgewählt. "Ich hatte gar nicht viele Noten mit nach Deutschland gebracht. Als dann die Zusage kam, suchte ich im Internet und in der Bibliothek nach passenden Stücken", erzählt Morroni. Sie konnte die Lieder selbst aussuchen und stellte eine Mischung aus Klassik, Jazz und Musical-Songs zusammen.

Der Edelflohmarkt für einen guten Zweck fand im Café Artjamming an der Günterstalstraße statt. Vier Stunden lang begeisterte die Querflötenspielerin dort die Besucher. Eine ältere Dame unterbrach sie sogar mitten in einem Stück, um ihr ein Kompliment zu machen. "Musik machen an sich ist schon toll. Es macht mir Spaß, wenn ich anderen Leuten damit eine Freude machen kann. Dabei dann auch noch Geld zu verdienen, ist natürlich super", sagt die Luxemburgerin grinsend. Seither hat sie leider keine ähnliche Anzeige mehr gefunden, doch sie würde sich sofort noch einmal bewerben.

Spielplatzbauer

Spielplatzbauer

Stefan Urig ist bei der pädagogischen Ideenwerkstatt Bagage aus Freiburg beschäftigt. Der 29-Jährige hilft beim Bau von Spielplätzen und ist für die sogenannten Aktionstage zuständig. An diesen Tagen sind die Kinder, die den Spielplatz später benutzen, dazu eingeladen, auf der Baustelle mitzuhelfen.

"Ich leite die Kinder dann zum Beispiel an, mit Handschuhen und Kelle eine Palisadenreihe zu betonieren. Oder wir entfernen Steine und Ähnliches von einer Fläche, auf der Rasen verlegt werden soll. Jeder bekommt einen Eimer und wir machen ein Spiel daraus, wessen Eimer am Ende am vollsten ist", beschreibt Urig seine Arbeit. An einigen Plätzen werden während der Aktionstage auch lange Mosaikschlangen in bunten Farben gefliest.

Durch die Beteiligung der Kinder am Bau sollen sie eine Beziehung zu "ihrem" Spielplatz bekommen und deshalb auch besser auf die Spielgeräte aufpassen. Diese Methode gefällt dem Freiburger, der Philosophie, Theologie und Geschichte studiert. Er arbeitet zirka 25 Stunden im Monat beim Verein Bagage. Dabei hilft ihm vor allem seine Landschaftsgärtner-Ausbildung, die er vor seinem Studium gemacht hat.

"Dadurch habe ich die handwerkliche Grundkenntnis. Zum Beispiel kann ich mit einer Kettensäge umgehen", sagt Urig. Für ihn ist dieser Nebenjob eine Fortbildung der besonderen Art, denn während seiner Ausbildung kümmerte er sich vor allem um Privatgärten. Mit Kindern hat er schon immer gerne gearbeitet, als Organisator von Ministranten-Freizeiten oder Jugendtreffs und Mitarbeiter im DLRG.

"In meinem Job gefällt mir besonders das Betriebsklima. Außerdem mag ich, dass wir nicht einfach eine Schaukel und einen Sandkasten irgendwohin stellen, sondern bei jedem Spielplatz mit den Verantwortlichen ein individuelles Konzept erarbeitet wird", so Urig.

Der Verein hat vor allem Aufträge im Südwesten, aber die Spielplatzbauer waren auch schon bundesweit und in Polen und Österreich im Einsatz. "Wenn ich es von der Uni her einrichten kann, fahre ich gerne überall mit hin", sagt Urig.

Kuchendosenmodel

Kuchendosenmodel

In der Bäckerei Ruf strahlt einen das Gesicht von Stephanie Graf an. Dort ziert es den Schwarzwälder Kirschkuchen in der Dose. Die 23-jährige Studentin wurde von einer Werbeagentur aus Kirchzarten angesprochen. Das war eigentlich ein Zufall, denn sie verteilte auf der Freiburger Existenzgründermesse im Rahmen eines anderen Nebenjobs Flyer. Die Werbeagentur hatte einen Stand neben ihrem und schlug ihr den Job vor.

"Beim Fototermin dann war ich ziemlich aufgeregt. Ich wurde geschminkt und meine Haare wurden zurückgebunden. Dann bekam ich eine Schwarzwälder Tracht mit Bollenhut", erzählt Graf, die im Saarland aufgewachsen ist. In diesen für sie ungewöhnlichen Kleidern ließ sie sich für den Kuchen in der Dose ablichten.

"Als ich meinen Freunden davon erzählte, dachten sie, es sei ein Scherz. Doch als sie dann die Kuchendosen im Supermarkt oder beim Bäcker sahen, waren sie begeistert", sagt Graf. Viele würden sie auf dem Foto aber auch gar nicht erkennen. "Man schaut da ja auch nicht so genau hin, weil man nicht davon ausgeht, diejenige auf dem Foto zu kennen."

Für die 23-Jährige, die Europäische Ethnologie und Portugiesisch studiert, war der Job eine einfache Möglichkeit, um Geld zu verdienen. Außerdem sei es witzig, die Kuchendosen an Verwandte und Freunde zu verschenken.

Hörgeräte-Akustikerin

Hörgeräte

Hanna Franz arbeitet neben ihrem Studium bei Hörgeräte Huber in der Bertoldstraße. Sie ist dort aber nicht nur Aushilfe, sondern hat eine Ausbildung zur Hörgeräte-Akustikerin gemacht. "Der Job macht mir Spaß, aber irgendwie hatte ich nach der Ausbildung Lust, noch mehr zu machen", sagt die 26-Jährige. Deshalb entschied sie sich dazu, Gesundheitspädagogik zu studieren.

Als Nebenjob kann sie nun weiterhin in ihrem Ausbildungsbetrieb arbeiten. Zwei Samstage im Monat und in den Semesterferien ist sie dort und hilft beim Anpassen der Hörgeräte, erledigt Bürokram wie Abrechnungen oder nimmt kleine Reparaturen vor. "Da ich eingelernt war, war mein Chef froh, dass ich weiterhin dort arbeiten wollte", so Franz. Außerdem sei es natürlich praktisch, dass sie Urlaubsvertretungen übernehmen kann. "Ich bin froh, dass ich samstags dort arbeiten kann und nicht nach einem langen Unitag noch irgendwo kellnern muss. Außerdem ist mein Gesellengehalt natürlich höher als der Verdienst bei normalen Nebenjobs", sagt Franz.

Die Idee, eine Ausbildung als Hörgeräte-Akustiker zu machen, kam ihr schon früh. Als sie in der siebten Klasse war, bekam ihre Oma Hörgeräte, und die Enkelin war beim Hörtest dabei. "Ich fand diese piepsenden Töne so witzig", gesteht die 26-Jährige. Nach einem Schulpraktikum dann war sie sich sicher, dass sie diesen Beruf erlernen wollte.

Ihr gefällt vor allem die Mischung aus handwerklichen Tätigkeiten und dem Kontakt mit den Menschen. In ihrem Studium profitiert sie von dem Vorwissen, weil es einige fachliche Überschneidungen gibt. Außerdem glaubt sie, dass sie während der Ausbildungszeit viel über den Umgang mit Menschen gelernt hat.

Ihr Studentendasein genießt Franz sehr: "Wenn man weiß, was es bedeutet, acht Stunden am Tag zu arbeiten, schätzt man die Studienzeit und die damit verbundenen Annehmlichkeiten mehr", sagt Hanna Franz.







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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 5
Freitag, 15.04.11 15:30
 

Der erste Satz ist der Knüller:
"Das neue Semester steht vor der Tür, am 2. Mai beginnen die Vorlesungen. Die Studenten kommen aus dem Urlaub zurück..."

Genau, alle Studis kommen pünktlich zum 2. Mai aus ihren Winterquartieren in der Karibik, den Malediven und Thailand zurück. So hört es sich für mich amüsanterweise an.

Zur Info: viele habe Praktikum, Hausarbeiten oder auch Prüfungsvorbereitungen in den Semesterferien vor der Nase. "Urlaub" wäre mal wieder schön ...

Freitag, 15.04.11 15:35
 

Wenn wir schon dabei sind: Der zweite Satz ist aus meiner studentischen Sicht auch unkorrekt - "Einige Freiburger erzählen, wie sie mit ausgefallenen Möglichkeiten ihr Taschengeld aufbessern." - idR geht es nicht um "Taschengeld", sondern man muss von irgendwas leben...

Freitag, 15.04.11 16:16
 

Die Studenten heutzutage ... neeneenee ... lassen keine Gelegenheit zum Jammern aus!

Freitag, 15.04.11 22:04
 

für 46 € kannste dich als Student in Bernburg anmelden und sonstwo leben und arbeiten. Es ist also noch möglich

Sonntag, 17.04.11 18:08
 

BildZeitungOnline 17.04.2026 dcd+++

Afghanistan.
Nachdem mit mehrheitlichen Beschluss des Bundeswirtschaftsparlaments und der Pharmaindustrie Afghanistan in die Bundeswirtschaftsrepublik aufgenommen wurde, legt das Bundesamt für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Bildungswesen ein Integrationskonzept vor:

Die Eindeutschung Afghanistans soll durch die Verlagerung der Universitäten initiiert werden.
Ein Sprecher des BAfwZuBw begründet dieses Vorgehen anhand der Vorteile:
Durch die Entfernung zur Heimat sollen endlich die immer wieder aufkochenden radikalen Entdeutschungstendenzen der heranwachsenden Produktionskräfte unterbunden werden.
Schließlich ist man in der Fremde um so heimattreuer.
Außerdem werden regionale Arbeitsmärkte entlastet, da viele Studenten ihren Unterhalt nun durch den Anbau von Schlafmohn für die Pharmaindustrie verdienen können.

Stimmen im Parlament fordern nun wieder verstärkt die Abschaffung bestimmter Studiengänge wie zB. Philosophie.

Die Freiburger Universitäts AG reagiert verhalten:
Wir sehen den wirtschaftlichen Aspekt und die sozialen Vorteile, bestätigt der stellv.Klon des wieder amtierenden Vorstandsvorsitzenden Jäger, Studenten wären endlich einmal wieder gefordert.
Dennoch werden die medizinischen Kosten kritisiert: Die Ersatzklone für Ausfälle durch Attentate und Überdosis haben die Universitäten zu tragen.

Die Deutschen selbst sehen es gelassener, denn ob nun Studenten oder Tagelöhner die Brötchen aufbacken macht für sie keinen Unterschied.+++

Artikel-Reihe auf http://www.original-freiburg.de

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