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Sonntag: Preisgekrönter Dokumentarfilm "Kleine Wölfe" im Friedrichsbau

"Kleine Wölfe" ist das Portrait des elfjährigen nepalesischen Straßenjungen Sonu und seinen Freunden. Dokumentarfilmer Justin Peach verbrachte fast drei Monate mit dem "Rudel" auf der Straße der chaotischen Haupstadt Katmandu und begleitete sie beim routinierten Überlebenskampf. Wir haben mit ihm über den Film und die Zeit auf der Straße gesprochen.



Der Film "Kleine Wölfe" ist nach Direct-Cinema-Art gedreht und kommt also ohne Sprecher, Musik und Inszenierung aus. Ab der ersten Minute hat der Zuschauer das Gefühl, direkt dabei zu sein. Er wird Teil des Rudels und damit einer Welt, die knallhart, intensiv aber auch humorvoll ist.

Am Sonntag zeigt das Friedrichsbau-Kino den mit dem Deutschen Nachwuschsfilmpreis ausgezeichneten und grimmepreisnominierten Dokumentarfilm, der schon im ZDF und auf zahlreichen internationalen Festivals lief. Los geht's um 11 Uhr in Anwesenheit von Filmemacher Justin Peach.

Justin, wie kamst du dazu, etwas über Straßenkinder in Katmandu zu drehen?


Ich war vorher schon mit dem Rucksack in Nepal unterwegs und war vom Land fasziniert. Für meine Diplomarbeit in Mediendesign wollte ich mit meinem Freund Andreas Volz eigentlich einen Rikschafahrer porträtieren. Das klappte leider überhaupt nicht, und dann saß ich frustriert in einem Café, als ich die Jungs sah.

Sofort kam mir die Assoziation mit einem Rudel kleiner Wölfe, denn die Gruppe hatte eine bestimmte Hierarchie und diesen starken Zusammenhalt. Der erste Kontakt war dann ziemlich leicht, denn sie leben im Touristen-Stadtteil Thamel und müssen sozusagen beruflich in allen Sprachen auf die Leute zugehen.


War es schwierig, das Interesse der Kinder für die Filmidee zu wecken?


Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir einen Film drehen wollen. Das war für sie kein Problem, da sie Touristen, die fotografieren, oder Kamerateams gewöhnt sind. Die ersten zwei Wochen sind wir ohne Kamera hin, um uns offen und ehrlich anzunähern. Dass sie kein Geld kriegen würden, wurde ihnen dann schnell klar. Ansonsten haben wir ja nicht gestört, im Gegenteil, denn teilweise war es für sie auch sehr vorteilhaft mit uns rumzuhängen, denn dann hat die Tourismuspolizei nicht direkt zugeschlagen.


Kleine Wölfe


Wie hat das Rudel auf die ständige Kamerabegleitung reagiert?


Die ersten ein, zwei Monate haben sie noch viel Blödsinn für die Kamera gemacht und sich inszeniert, manchmal auch mit brutalen Spielchen, nach dem Motto: Schau mal, ich hau' dem anderen die Neonröhre über den Kopf! Solche "Sensationsbilder" wollten wir nicht zeigen. Erst mit der Zeit kam das Vertrauen. Meist kam ich früh morgens und ging erst spät abends wieder, hatte Läuse und habe vielleicht siebenmal bei ihnen übernachtet. Und da haben die Jungs gemerkt, hey, der ist ja immer noch da und der geht auch nicht mehr weg.

Da fing es dann an, dass auch sie Fragen an uns gestellt haben und uns kennenlernen wollten. Auch die Kamera war irgendwann gewohnt und langweilig. In diesem Augenblick wurden die Aufnahmen authentisch. Im Video-Schnitt haben wir dann fast nur Material aus dem letzten Monat genutzt.


Wie war es, das Rudel und gleichzeitig deren große Probleme zu verlassen, nach so einer intensiven Zeit?


Eine wirkliche Reflektion kam erst in den Jahren danach, und das war für mich schlimmer, als vor Ort zu sein. Das Rudel lässt mich nicht locker. Es gibt kaum einen Tag, an dem ich nicht an sie denke: Wenn ich zum Beispiel abends ein Bier in der Kneipe trinke, dann denke ich oft, dass die drei Euro Sonu und den Jungs schon helfen könnten.

Andererseits hätten die Jungs auch Möglichkeiten zur Schule zu gehen. Irgendwie ist es auch ihre Wahl, zu den "bösen Jungs" zu gehören - ein schwieriges Thema. Es war mir aber ein großes Anliegen und ein Versprechen, den Film auch in Katmandu zu zeigen. Nachdem wir den Deutschen Nachwuchsfilmpreis gewonnen hatten, sind wir von der Kohle direkt nach Nepal geflogen.

Wir haben erst eine Privatvorstellung für das Rudel gemacht und danach eine öffentliche Vorstellung mit 200 Zuschauern. Die Reaktion der Jungs war zuerst euphorisch und es wurde viel gegrölt. Ich hatte aber das Gefühl, dass der Protagonist Sonu irgendwann ruhiger wurde und nachdenklich - als hätte ihm der Film einen Spiegel vorgehalten.  

Kleine Wölfe / Lonely Pack Documentary Trailer
Quelle: Vimeo




Was: Dokumentarfilm "Kleine Wölfe"
Wann: Sonntag, 17. April 2011, 11 Uhr
Wo: Friedrichsbau-Kino
Eintritt: 5 Euro, ermäßigt 4 Euro


[Bilder: Justin Peach, Andreas Volz]




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 2
Samstag, 16.04.11 11:11
 

watch!

Sonntag, 17.04.11 09:31
 

ja, ich würd ihn mir auch anschauen, wenn ich könnte. sieht nach nem richtig guten film aus.

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