Am Freitag abend hat die Freiraumkampagne „Plätze.Häuser.Alles.“ ein Haus in der Johann-Sebastian-Bach-Strasse in Herdern besetzt. Die Besetzer protestieren damit gegen den geplanten Abriss einer Wohnanlage für Kleinrentner aus den 1950ern, die einem Neubau weichen soll. Die Freiburger Stadtbau, Besitzerin des Hauses, hat bereits einen Räumungsantrag gestellt. Philipp hat sich vor Ort umgeschaut.
Die Sonne scheint auf das abgesperrte Straßenstück der Johann-Sebastian-Bach-Strasse und auf das Haus mit der Nummer 36. Es ist seit Freitag besetzt, und sieht so aus, wie man sich ein frisch besetztes Haus vorstellt: Drinnen ein Schlafsacklager und Sprüche an den Wänden, draußen wehen Banner, es wird jongliert und diskutiert. Einer der Besetzter legt ein Beet an.
Einer, der nicht wegziehen möchte ist Klaus Hering (Bild oben). Er wohnt seit 6 Jahren im Erdgeschoss der Hausnummer 39. Die Wohnung sei zwar schlecht isoliert, berichtet er bei einer Führung, und im Winter schon mal ziemlich kalt. Zwei von der Stadtbau angebotene Alternativwohnungen hat der Hartz IV-Empfänger dennoch abgelehnt. „Die Wohnung ist zwar unterer Standard, aber dafür ist sie in Ordnung. Es ist ein schönes Lebensgefühl hier und die Umgebung ist grün, etwas vergleichbares bekommt man kaum.“
Die Freiburger Stadtbau hat einen Antrag auf Räumung der Johann-Sebastian-Bach-Strasse 36 gestellt, der am heutigen Dienstag bei der Polizei Freiburg eingehen wird. Über den Zeitpunkt einer Räumung wollte man dort keine Angaben machen.



"...untere Einkommensschichten so systematisch aus der Innenstadt verdrängt."
Na, was soll denn auch sonst der Papst bei seinem Besuch für einen Eindruck bekommen !
Schliesslich legte ja bekanntlich auch der Sohn seines obersten Dienstherren bei seinen öffentlichen Auftritten stets Wert auf den Umgang mit einem ausschliesslich gehobenen Publikum ...
http://linksunten.indymedia.org/de/node/36918
"Herdermer BewohnerInnen und BesetzerInnen stellen Freiburger Stadtbau zur Rede"
Hier ein, wie ich finde, doch sehr interessanter Text der Besetzer_innen. Den Besetzer_innen scheints tatsächlich um günstigen Wohnraum und eine kluge Stadtbau-Politik zu gehen, wenn man das so liest - und die Stadtbau lässt offensichtlich wirklich viele viele Fragen offen.
Sehr schön! Meinen Glückwunsch und volle Unterstützung der Ziele. Fast schon unglaublich am Tag 5 der Besetzung gibt es Berichte bei BZ und fudder. Warum erst jetzt?
Also google findet dazu schon viel früher PMs und Co.
Zum Beispiel hier: http://www.rechtaufstadt-freiburg.de/
oder wie immer bei linksunten http://linksunten.indymedia.org/de
Sind da etwas alle bei BZ und fudder beim Marathon mitgelaufen und keine Zeit für eine Besetzung an der Wegstrecke mal kurz vorbei zu schauen? ;)
Was ist denn schlimm daran ein Haus abzureissen das uralt und grösstenteils unbewohnt ist ?
Die paar Mieter bekommen eben eine Abfindung und woanders eine Wohnung.
Wo ist das Problem ?
"Die paar Mieter bekommen eben eine Abfindung und woanders eine Wohnung.
Wo ist das Problem ? "
1. Die Wohnungen sind unbewohnt, weil die Stadtbau sie seit 2 Jahren nicht mehr neu vermietet.
2. Die angebotenen Alternativwohnungen am Tennenbacher Platz kosten ca. 150 Euro mehr im Monat. Nicht wenig, wenn man von niedriger Renter lebt und plötzlich gezwungen ist 150 Euro mehr zu zahlen.
3. Die Neubauten werden Mieten von über 10 EUR / m² haben. Bisher liegt die Miete deutlich niedriger. So werden Menschen mit wenig Geld in der Bach-Str. bald nicht mehr wohnen können. So fördert man soziale Segregation - in Herdern nur noch die Reichen, in Weingarten die Armen. Durch eine Sanierung könnte eine Durchmischung der Stadtteile erhalten werden.
4. Wenn es in Herdern bald gar keine günstigen Wohnungen mehr gibt, dreht sich die Spirale der Aufwertung weiter. Die Stadtbau könnte durch eine bedarfs- statt marktorientierte Politik hier Gegenpunkte setzen.
war/ist bei dem haus in der freiligrathstrasse, dass vor einem guten halben jahr mal besetzt wurde, ja auch nicht anders. gehört auch der stadtbau, und steht seit ewigkeiten leer.
laut stadtbau wird es nicht vermietet, sondern "soll verkauft werden". vermietung ist wahrscheinlich genauseowenig "wirtschaftlich" wie energetische sanierung. ich fürchte kleinrentner und und andere arme schlucker sind auch nicht wirtschaftlich. memo an mich selbst: berufswunsch kleinrentner überdenken.
halte es für vernünftiger alte nichtsanierungsfähige bruchbuden abzureissen und stattdessen die stadtbau zu verpflichten eine bestimmt menge an günstigem wohnraum auf alle stadtteile mittels eines schlüssels verteilt bereitzustellen.
da ist halt vernünftige wohnpolitik gefragt. gibt genug beispiele, wo das erfolgreich praktiziert wurde.
@ andres: wenns funktioniert , dann ja
man sollte bei der ganzen diskussion auch in betracht ziehen das bei einer angebotenen alternativwohnung die miete zwar höher sein mag, die nebenkosten aufgrund besserer ausstattung aber sicher niedriger.
ich kenne leute die zwar in günstigen wohnungen leben aber bei der letzten nebenkostenabrechnubg von 1500,- eur aus den latschen gekippt sind.
hab gerade eine schöne Mail bekommen die sich mit dem Energiebilanz (Graue Energie) beim Hausbau beschäftigt.
"In einem konventionellen Haus verbraucht man in 30 bis 40 Jahren für die Beheizung die gleiche Energiemenge, wie zur Herstellung nötig ist. Insbesondere bei energetisch sehr guten Häusern (z.B. bei Passivhäusern) sollte die graue Energie besonders beachtet werden, weil diese Häuser im Betrieb sehr wenig Energie benötigen und - relativ gesehen - mehr Energie bei der Errichtung benötigt wird als beim Betrieb."
Quelle: http://www.energiesparhaus.at/fachbegriffe/graue_energie.htm
@nyhc: hab mal nen artikel dazu gelesen, da waren mehrere beispiele genannt. war ziemlich inetressant. weiss grad nur nicht mehr wo. wenn ich ihn find, post ich ihn hier.
das meiste war halt auf die vergangenheit bezogen, weil man in den letzten 10 oder 15 jahren davon abgekommen ist. es waren halt auch beispiele aus dem ausland.
es wurde aber als beispiel berlin genannt, wo, egal in welchem stadtteil, im schönen vorderhaus die teuren wohnungen lagen und weiter hinten im hof dann die mit den niedrigeren mieten. das sei so gewollt gewesen und hätte dazu geführt, dass in berlin alles schön durchmischt gewesen sei und sich kaum oder keine armen- und reichenghettos gebildet hätten. ist jetzt zugegebenermassen ne vorkriegssache und nicht 1:1 auf heute übertragbar, aber da waren auch aktuellere beispiele dabei.
Naja, Problem ist ja auch: Bei jemandem, der von Alg II oder Grundsicherung (auch ergänzend) lebt, trägt das Jobcenter bzw. Grundsicherungsträger die Kosten für Unterkunft bis zu einem bestimmten Betrag KALTMIETE. Wird die Wohnung auf einmal bei der Kaltmiete teurer als vorgeschrieben (momentan mehr als 305,- kalt) interessierts den Leistungsträger nicht wie viel Nebenkosten er spart. Der Leistungsempfänger darf sich ne neue Wohnung suchen die günstiger ist (wovon es ja in Freiburg so viele gibt...) oder die Miete ganz (von was auch immer?!) selbst zahlen. Nur wenige Sachbearbeiter gehen auf den Deal ein, dass man den Rest vom Regelsatz draufzahlt und ehrlich gesagt würde ich auch jedem Leistungsempfänger davon abraten bevor er nicht sicher weiß wieviel er an Nebenkosten spart...
Düsenberg.Zukunftsticker: Freiburg 2026
Die letzte Eskalation der Gewalt in den SozialGHETTOS Freiburgs führte zu einer Isolation der Stadtbezirke Weingarten und Haslach durch die erst kürzlich verstärkte Garnison Müllheim.
Diese mittlerweile auch Kleinwarschau genannten Viertel sind seit Jahren nicht mehr polizeilich zu kontrollieren, darum beschloß der Stadtrat bereits 2020 zum Schutz der sozio-ökonomischen Stadtsphäre deren partielle Isolation.
Sozialhilfeempfängern, illegal Studierenden und Tagelöhnern wurde der Zugang zu anderen Stadtbereichen aufgrund des hohen Kriminalitätsrisikos untersagt.
Seit der Abschaffung der Sozialhilfe vor 2 Jahren jedoch greifen die Unruhen nun wieder verstärkt auf angrenzende Stadtteile über.
Die Zahl der Opfer der derzeit 16 Bombenattentate und weiteren Übergriffe krimineller Banden und neokommunistischer Guerrillas übersteigt die Tausend.
Der Stadtrat unterstreicht angesichts der militärischen Maßnahme die Weitsicht der damaligen räumlichen Befriedung durch Entzug der Gelder und Einzäunungsmaßnahmen.
http://www.original-freiburg.de
@Stiflers Mom: Haha, das denk ich bei so Aktionen auch immer :-)
Bin beim Joggen an der Aktion vorbeigelaufen und habe mich gewundert. Ich wusste nichtmal dass die Häuser größtenteils nicht bewohnt sind und dachte, die Jungs und Mädels die da sowieso wohnen machen ein Strassenfest :-)
Noch mehr Eigentumswohnblöcke für Großverdiener ist jetzt auch nicht unbedingt was Herdern braucht, und passt auch nicht wirklich in diese Strasse. Wir haben mehr als genug Rentner/Anwälte/Ärzte.
szenarien wie "soziale unruhen" scheinen sich anhänger bestimmter politischer strömungen ja geradezu herbei zu sehnen