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Eine Bühne für die Filmemacher von morgen

In der kommenden Woche findet zum elften Mal das Schülerfilmforum im Kommunalen Kino statt, diesmal mit 59 Beiträgen junger Regisseure, mehr als jemals zuvor.



"Wir zeigen alles vom Erstlingswerk bis zum Bewerberfilm für die Filmhochschule. Und wir nehmen alles gleich wichtig", sagt Wolfgang Stickel von der Medienwerkstatt Freiburg über den Filmnachwuchs, der von kommenden Donnerstag bis Samstag seine Werke – Spiel-, Animations- und Dokumentarfilme – beim Schülerfilmforum im Kommunalen Kino präsentiert. Zu sehen sind 59 Beiträge, mehr als jemals zuvor. Die jungen Schauspieler und Regisseure kommen aus ganz Südbaden, drei Freiburger Schüler berichten über die Dreharbeiten.

Joachim Klingner

Der 19 Jahre alte Joachim Klingner ist ein großer Fan von Rollenspielen und Fantasyfilmen wie Peter Jacksons "Herr-der-Ringe"-Trilogie. Klar, dass es nahelag, einen Fantasyfilm zu drehen. "Das ist ein Filmgenre, das deutlich aufwendiger als andere ist", sagt Joachim, der an der Gertrud-Luckner-Gewerbeschule eine Ausbildung zum foto- und medientechnischen Assistenten macht.

Der Aufwand geht bei den mittelalterlichen Kostümen los und endet bei der Auswahl der Schauplätze. "Es durften keine modernen Häuser, keine Strommasten und Pfosten, nichts Neuartiges zu sehen sein." Joachim hatte Glück, denn er wuchs in Königsfeld im Schwarzwald auf, wo es genug Schauplätze gibt, die sich bestens dafür eignen. "Dort ist es nicht so dicht besiedelt und man hat kein Problem, so zu drehen, dass man keine modernen Häuser sieht." Das Drehbuch hat Joachim nach den Drehorten geschrieben, die er zur Verfügung hatte. "Dass wir kein aufwendiges Dorf haben würden, war klar. Wir haben uns auf Wiesen, Wälder, Seen beschränkt."

Im Wald lebt die Elbin Cyra, die Heldin seines gleichnamigen Sieben-Minuten-Spielfilms. Als kleines Mädchen wurde sie von Menschen gefunden und aufgezogen. "Meine Geburt liegt im Dunkeln", sagt sie im Film. Doch die Dorfbevölkerung ist argwöhnisch, denn Cyra ist anders als alle um sie herum, sie hat spitze Ohren und hört und sieht besser. Es ist dieses Anderssein, das sie zum Sündenbock der Dorfbewohner macht, als die Ernte schlecht ausfällt. Die Ausgestoßene ergreift die Flucht; sie will das Volk der Elben finden. "Gibt es noch mehr von meiner Art?", fragt sie sich.

Joachim hat bei "Cyra", seinem ersten Kurzspielfilm, nicht nur Regie geführt und die Handlung erfunden, sondern er war auch verantwortlich für die Kamera und hat das Drehbuch geschrieben. Freunde und die kleine Schwester konnte Joachim als Schauspieler gewinnen, Cyra-Darstellerin Jana Schirmaier ist die Freundin eines Freundes. Insgesamt wirken acht junge Schauspieler mit. Gedreht wurde an drei Tagen in den Herbstferien. "Das war eine schöne Erfahrung", erinnert sich Joachim.

Mit dem fertigen Film ist er zufrieden. "Cyra" ist der praktische Teil seiner Abschlussprüfung an der Gertrud-Luckner-Schule, nach dem Schulabschluss will Joachim die Fachhochschulreife machen und entweder Fotograf werden oder an einer Filmhochschule studieren. Seine Lehrerin hatte ihn auf das Schülerfilmforum aufmerksam gemacht, auf das er sich freut, denn bisher haben "Cyra" nur seine Familie und einige Freunde gesehen. "Mich interessiert, was andere andere über den Film denken. Ich habe ihn ja nicht für mich, sondern für andere gemacht."

Ruben Degendorfer


"Inverted" ist der erste Film, bei dem der 18-jährige Ruben Degendorfer Regie geführt hat. Das Drehbuch hat er mit Michelle Scholz geschrieben. Bislang hat er stets als Schauspieler in Filmen mitgespielt. Als Regisseur und Produzent zu fungieren, war für ihn eine ganz neue Erfahrung. Als Produzent musste er sich um die Organisation, um Drehorte und Drehpläne, kümmern.

"Das war ganz schön stressig und mit viel mehr Arbeit verbunden, als ich dachte. Als Produzent muss man jedem sagen, wo er hinkommen muss und auch noch aufs Wetter achten." Vieles, sagt Ruben, war Learning by doing. Das Regieführen hat ihm Spaß gemacht, auch wenn er mit seinem Erstling – noch – nicht zufrieden ist. "Vielleicht", sagt Ruben, "mag ich ihn in einem halben Jahr."

Ruben besucht die zwölfte Klasse der Staudinger-Gesamtschule. Er ist Mitglied der Freiburger Nachwuchsfilmgruppe Blackwood Films. Deren Erstling "Next Door Left" handelte von Mobbing und Alkoholproblemen an einer Schule, Ruben spielte die Hauptrolle. Das neue Werk "Inverted", mit 60 Minuten der längste Beitrag des Schülerfilmforums, ist eine Mischung aus Mystery- und Psychothriller. Warum ein düsterer Stoff und keine Komödie? "Lustig sein ist viel schwieriger. Und es braucht sehr gute Schauspieler", weiß Ruben, der die Idee zum Film geliefert hat.

Die Hauptfigur Jan, gespielt von Daniel Seifert, ist zum Studieren nach Freiburg gekommen. Er wohnt allein im Haus seiner verstorbenen Großmutter. Plötzlich ist eines Morgens ein Fenster geöffnet, das am Vorabend zu war, und auf einem Blumentopf prangt ein umgedrehtes Pentagramm. Wer ist der Einbrecher und Schmierfink? Jan steigert sich in eine Art Wahnzustand, er hört Stimmen, fühlt sich verfolgt, selbst die eigene Freundin wird zur Dämonin, schwarze Magie spielt eine Rolle.

Entstanden ist "Inverted" zwischen Frühling und Silvester 2010. Aus den geplanten 22 Drehtagen wurden ein paar mehr, am Ende hatte Ruben 19 Stunden Filmmaterial. "Da s Schneiden ist die große Kunst. Wir versuchen, durch das Kürzen so viel Spannung wie möglich reinzubekommen. Wenn die Sequenzen zu lang sind verliert der Film an Spannung." Das Schülerfilmforum betrachtet Ruben als Möglichkeit, ein erstes Feedback zu bekommen, ehe der Film im Mai im Haus der Jugend Premiere hat.

Gedreht wurde unter anderem nachts um vier im Wald auf dem Schlossberg; das Jugendzentrum 197 in Littenweiler, das die Grußße zur Verfügung gestellt bekam, fungierte als Jans Zuhause, weitere Drehorte waren die Innenstadt, Bad und Dachboden von Rubens Zuhause und die Küche des Vaters einer Freundin.

"Dass das so viele verschiedene Orte sind, fällt keinem auf", findet er und erzählt von den Problemen, einen Film, der im Hochsommer spielt, bei Schnee zu beenden. "Wir hatten zum Glück gerade alle Außendrehs beendet, als der erste Schnee fiel." Eine Szene musste aber so umgeschrieben werden, dass der Rollladen unten und die Schneelandschaft nicht zu sehen ist. Ob Ruben die Filmarbeit zum Beruf macht, weiß er noch nicht. Die Filmhochschule ist nur eine von mehreren Optionen.

Sophia Leitmayer



Sophia Leitmayer und ihre drei Freundinnen Sophie Neu, Elisa Klatt und Julia Voswinckel sind alle Mitglieder der Video AG am Droste-Hülshoff-Gymnasium. Mit ihrem siebenminütigen Beitrag "Zi-korn" (jiddisch für "Erinnerung") tritt das Quartett im Kurzfilmwettbewerb des Regioverkehrsverbunds Freiburg (RVF) gegen elf andere Teams an. "Zeitreise" lautet das Wettbewerbsthema.

"Zi-korn" sei ein History Drama", sagt Sophia, die die Geschichte entwickelt hat. Im Film gehen drei Freundinnen auf dem Weg zu einem Ball im Konzerthaus über die Blaue Brücke. Einem der Mädchen, gespielt von der 14-jährigen Sophia, fällt der bronzene Mantel auf, der an die Deportation der badischen Juden 1940 ins französische Lager Gurs erinnert.

Erinnerungen an Hitler-Deutschland werden wach, quälen sie... "Manchmal wünscht man sich, man hätte sich nie erinnert. Doch die Vergangenheit wird immer Teil unseres Lebens bleiben", sagt das Mädchen am Ende des siebenminütigen Films.

Sophia hat sich im Religionsunterricht mit der Judenverfolgung in Freiburg befasst, so kam ihr die Idee für das Drehbuch. "Vorher wusste ich nicht, was der Mantel bedeutet", sagt Sophia, die von ihrem Opa motiviert wurde, mit dem Filmen anzufangen. Gedreht wurde zwischen Dezember und Februar mit einer Hand- und einer Pocketkamera. Die Ballszenen entstanden beim Abschlussball der Tanzschule Gutmann, die Gefängnisszenen wurden bei Elisa im Keller gedreht, ein anderer Drehort war ein Container am Droste-Gymnasium.

Sophia freut sich schon sehr auf das Schülerfilmforum. "Ich hoffe, dass der Film verstanden wird." Ob’s zum ersten Platz reicht? "Ich bin gespannt."





Was:
Schülerfilmforum
Wann: Donnerstag, 31. März 2011, 17 Uhr, Freitag, 1. April, 9.30 Uhr und Samstag, 2. April, 13.30 Uhr
Wo: Kommunalen Kino, Urachstraße 40
Eintritt: frei


[Bilder: Ingo Schneider]




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