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Zu jung für die Uni?

Bei Benedikt war alles mehr als perfekt: Mit 17 Abi, dann an die Uni und ins eigene Leben. Aber auf die Herausforderungen, die dort auf ihn warteten, hatte ihn scheinbar keiner vorbereitet. Sein Erfahrungsbericht:

Studieren

BenediktMai 2009: Abi mit 17 klingt erstmal verrückt. Als Wunderkind oder Überflieger fühlte ich mich nie (Bild rechts). Die Schule fiel mir zwar nie schwer, aber ich war auch kein typischer Musterschüler. Nach dem Abi und der gesundheitsbedingten Ausmusterung war mein Entschluss klar: so schnell wie möglich studieren!

Die Suche nach einer passenden Uni hatte ich schon im Herbst 2008 begonnen und so stand schnell fest, dass ich, ohne weitere Zeit zu vergeuden, ein Wirtschaftsstudium in Fribourg (Schweiz) beginnen würde. Während viele meiner Freunde und Stufenkollegen ihren Zivildienst ableisteten oder auf Reisen gingen, wählte ich also schnurstracks den Weg in die Hörsäle. Warum eigentlich?

Ein FSJ oder Auslandsjahr stand für mich nie zur Debatte. Zu gering erschien mir damals der Ertrag und Wert eines solchen Aufenthalts für meinen Lebenslauf - ein unnötiger Umweg auf dem Weg an die Uni und ins Berufsleben. Zu keinem Zeitpunkt war mir der enorme Wert von ersten Arbeitserfahrungen bewusst. Auch wenn mir meine Eltern und diverse Berufsberater dies einzubläuen versuchten.

September 2009: Ich wurde 18 und begann das Studium – eigentlich ohne das, was man Lebenserfahrung nennt. Schnell stellte ich fest, dass nicht alles reibungslos lief. Bereits die Wohnungssuche gestaltete sich schwierig. Als Neuling in der Uni-Welt und in einer mir fremden Stadt suchte ich nach Anschluss, nach einer Wohngemeinschaft, die mir helfen sollte, mich zurechtzufinden. Doch wer nimmt schon einen 18-Jährigen in seine WG?

Innerhalb weniger Wochen sammelte ich fünf Absagen; schließlich bekam ich ein Zimmer in einem Wohnheim. Auch mein Schulfreund Philipp (Bild unten links), der genauso wie ich den direkten Weg von der Schule an die Uni gewählt hatte, blieb auf der Suche nach einer WG glücklos und fand schließlich mit Unterstützung seiner Eltern eine eigene Wohnung in Mannheim. Eines galt für uns beide: Die Integration fällt schwerer, wenn man nur in Vorlesungen Kontakt zu Kommilitonen hat.

PhilippVöllig unerfahren im Führen eines Haushalts war ich von der Doppelbelastung Studium/Haushalt naiverweise überrascht und überfordert. Philipp war diese Problematik fremd: „Die ersten Monate in Mannheim waren großartig. Endlich ohne Eltern, ohne dauernde Kontrolle.“

Doch nach diesen ersten Wochen fingen die Probleme auch bei ihm an. Das von ihm gewählte Studienfach Unternehmensrecht ist trocken, sehr trocken. Ohne Umschweife werden dicke Gesetzesbücher vorgestellt und den Erstsemestern zum Auswendiglernen ausgehändigt. Das „ Verstehen und Lernen“-Konzept, was uns in der Schule vertraut geworden war, wich einem sturen Pauken. Theorien und Konzepte zu verstehen war nicht mehr wichtig; in den ersten Prüfungen wurde eher nach dem Wortlaut eines Theoriebuches als nach der eigentlichen Funktionsweise des Konzepts gefragt.

In meinen Wirtschaftskursen machte ich eine ähnliche Erfahrung. Die Namen der relevanten Wissenschaftler zu kennen wurde wichtiger als der Inhalt seiner Artikel, das Erscheinungsdatum wichtiger als der Zusammenhang mit dem restlichen Stoff. Nun liegt die Argumentation nahe, dass das Lernen an der Uni nun mal anders sei und somit auch die Anforderung an die Studenten anders ist als in der Schule. Dies will ich gar nicht bestreiten. Problematisch war in meinem Fall aber, dass es mich in den Prüfungen so unerwartet traf. Details wurden abgefragt, die ich, noch im alten Lernmodus verharrend, nicht parat hatte. Auf diese Umstellung fühlte ich mich nicht richtig vorbereitet. Bis auf eine Stadtführung und einen Stundenplan war die Unterstützung durch die Uni sporadisch und nicht besonders hilfreich.

Während Philipp seine Zelte in Mannheim bald wieder abbrach und zurück nach Freiburg zog, um seinen Wehrdienst abzuleisten, machte ich den Fehler, nach schlechten Prüfungsergebnissen mit einem „Jetzt erst recht!“ auf den Lippen weiterzumachen. Mir erschien das Studium immer noch sinnvoll, der Abschluss immer noch erstrebenswert. Doch zum unpassenden Fach mischte sich nun auch Frustration über mein Abschneiden.

Mir fiel es immer schwerer, mich sozial zu integrieren und seriös für das Studium zu arbeiten. Im Herbst 2010 zog ich die Reißleine. Ich brach das Studium ab und zog zurück nach Freiburg. Wie Horst Schulte-Würth, Berufsberater im Hochschulteam der Agentur für Arbeit in Freiburg, weiß, ist diese Art von Überbelastung kein Einzelfall. Die Zahl solcher Fälle nimmt zu: „Bei einer Befragung nach den Gründen für ihren Studienabbruch 2008 nannten 31 Prozent Überforderung. 2000 gaben noch lediglich 20 Prozent diesen Grund an.“

Mir stellt sich in beiden Fällen die Frage, ob die Zeit zwischen Abitur und Studienbeginn lang genug war, um eine fundierte Entscheidung zu treffen - ob man in diesem Alter überhaupt schon reif genug ist, eine so weitreichende Entscheidung zu treffen. Ohne groß nachzudenken, hatten Philipp und ich uns beworben; ohne uns genau über das Fach zu informieren, hatten wir es ausgesucht und waren auf die Schnauze gefallen. Horst Schulte-Würth: „An die Zumutungen, die diese Beschleunigung für die Jugendlichen bedeutet, ist kaum gedacht worden. Ich glaube, dass vielen Jugendlichen die Zeit für Erfahrungen außerhalb des Schulsystems fehlen wird.“

Doch auch wenn der Sprung auf die Uni gelingt, kann den Absolventen der Einstieg ins Arbeitsleben sehr schwer fallen, da ihnen einfach die Erfahrung fehlt. Noch einmal Schulte-Würth: „Selbst Personalmanager beklagen manchmal die allzu glatten, stromlinienförmigen Lebensläufe der Bewerber.“

Ein Jahr Pause, ein Jahr des Luftholens, des Nachdenkens kann helfen. Es kann auch ein Jahr des Reifens sein, in dem man sich von zu Hause löst.

Mittlerweile ist Frühjahr 2011 und während Philipp seine Bundeswehrzeit zu Ende bringt und über eine Verlängerung nachdenkt, bin ich auf der Suche nach einem FSJ-Platz. Ich sehe die Zeit in Fribourg inzwischen nicht mehr als Verschwendung an, doch ich bin der Meinung, dass es wichtig ist, nicht nur den Erfolg zu feiern, sondern auch das Scheitern als Chance zu sehen, als Chance sich weiterzuentwickeln und vielleicht auch als Chance, einfach mal etwas auszuprobieren.




  [Bild 1: Fotolia; Bild 2 & 3: privat]  




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 37
Montag, 24.01.11 19:50
 

Interessiert 'nen Toten.

Montag, 24.01.11 19:58
 

... zu intelligent ist für das dumme Faktenpauken. Ich denk nicht dass das was mit dem Alter zu tun hat.

Montag, 24.01.11 20:09
 

mich interessiert es


roms hat den Kommentar am 24.01.2011 um 20:09 bearbeitet
Montag, 24.01.11 20:31
 

Also. Alle FSJ machen, damit der NC von Medizin auch mal unter 1,0 fällt.

:/

Montag, 24.01.11 20:36
 

@ Jos

Wenn du dich mit Bildungspolitik beschäftigst sollte es dich interessieren. Demnächst pilgern nämlich massenweise solch junge Menschen an die Universitäten und die wenigsten davon sind Hochbegabt. (Stichwort G8 Abitur)
Das Problem eines (dieses) einzelnen wird dann ein Problem einer ganzen Generation.

Montag, 24.01.11 20:44
 

Mikey, dann bestht die Gefahr von lauter Fachidioten? Genie auf ihrem Berufsfeld, aber zu dumm zum Einkaufen, kochen, Wäschewaschen???

Montag, 24.01.11 20:51
 

Horst Schulte-Würth von der Agentur für Arbeit ist ein klasse Typ!

War dort auch 2x und ich muss sagen, der konnte mir prima helfen. Wer mit dem Gedanken spielt aufzuhören sollte über seinen Schatten springen und dort mal vorbeischauen. Lohnt sich.

Montag, 24.01.11 21:00
 

@Tatoo

Ich lass ja selten ein gutes Haar an Studenten aber das ist jetzt unfair was du schreibst.
Ich hab Studenten als sehr einfallsreich bei der Meisterung des ausseruniversitären Lebens kennen gelernt. Da brauchst du ein Improvisationsvermögen wie du es bei den wenigsten Facharbeitern ausserhalb ihres Fachbereichs findest.

Und solche Fachidioten haben dieses Forum aufgebaut und gestalten es für uns. Diese Fachidioten operieren uns wenn wir einen Unfall hatten, sie beraten uns wenn uns jemand gerichtlich was will und sie geben uns neue Innovationen, die wiederum jedem Facharbeiter den Arbeitsplatz sichert.


Mikey hat den Kommentar am 24.01.2011 um 21:00 bearbeitet
Montag, 24.01.11 21:00
 

Herrje, was soll mich denn sonst noch alles interessieren?

Soll doch froh sein, dass er mit 17 schon an die Uni darf, ich musste noch zur Schule gehen, ist das vielleicht wenioger tragisch?

Aber gut, dann eben konstruktiv: Bene, Du schaffst das schon...

Montag, 24.01.11 21:01
 

vielleicht kriegen wir dann zustände wie in nordamerika an der uni. alle erstmals von zuhause weg, alle 18, und ein halbes jahr später hat die hälfte tripper und zwei drittel ein alkoholproblem

Montag, 24.01.11 21:07
 

Braver Jos ;-)

@Ants

Das passt schon, wir haben genug US-Amerikanische Austauschstudenten hier.
Die können dann Tutorate oder Tandempartnerschaften zum Thema "Richtig ausgelassen, jung Leben und Studieren" geben.

FSJ-ler
Montag, 24.01.11 21:21
 

Wieso "muss" nicht jeder junge Mensch nach seiner Schulausbildung ein FSJ ableisten?

Ich bin froh, dass ich durch den Zivildienst vom direkten Weg an die Uni abgebracht wurde.
Mehr und mehr erkenne ich, wieso und in wie fern dieses eine Jahr meinen Horizont erweitert.

Zur Info und Anregung: Ich mache mittlerweile seit einem halben Jahr ein FSJ als Rettungssanitäter beim Rettungsdienst Freiburg (DRK).

Kann ich den Stromlinienförmigen unter euch nur brennend empfehlen!

Think about it, take a second.. bing

Montag, 24.01.11 21:52
 

lebt hier irgendwer für den lebenslauf bzw.: hat hier irgendwer für den lebenslauf gelebt?

loveroflife
Montag, 24.01.11 23:57
 

Das hat nichts mit zu jung zu tun.
Es geht auch darum, was ein "gap year" bringt und wie intensiv man sich mit Berufsfindung und seinem Studienfach vorher beschäftigt hat.
Außerdem spricht dieser Artikel dieses Wirtschafts-Karriere-Denken und "ja keine Zeit verlieren"-Denken an.

Dienstag, 25.01.11 00:32
 

wenn ich dieses wintersemester mein studium beginne, liegt mein abitur 7 jahre zurück. hab in dieser zeit viele verrückte dinge gemacht wie zivildienst, berufsausbildung, reisen, arbeiten, rumgammeln. diese kunstpause möchte ich auf keinen fall missen, ich war bisher einfach nicht bereit für ein studium und ich glaube das mir meine bisher gesammelten erfahrungen auch während dem studium zu gute kommen

Dienstag, 25.01.11 08:34
 

Mikey, ich habe doch nur gefragt, nicht festgestellt... ;-)
Aber mich beschleicht das Gefühl, daß jener junger Mann zu Hause einen recht Lockeren schieben konnte, ohne einen Handstreich zu machen...

Dienstag, 25.01.11 09:14
 

"...ein halbes jahr später hat die hälfte tripper und zwei drittel ein alkoholproblem"

Das wären dann sieben Sechstel Kranke !

Erschreckend !!!


Biber hat den Kommentar am 25.01.2011 um 09:16 bearbeitet
Dienstag, 25.01.11 09:15
 

Mach' Dir ein paar schöne Stunden ! Geh' zum Bund !

Dienstag, 25.01.11 09:53
 

@Mikey

"@ Jos
Wenn du dich mit Bildungspolitik beschäftigst sollte es dich interessieren. Demnächst pilgern nämlich massenweise solch junge Menschen an die Universitäten und die wenigsten davon sind Hochbegabt. (Stichwort G8 Abitur)
Das Problem eines (dieses) einzelnen wird dann ein Problem einer ganzen Generation. "


Und um genau das zur Diskussion zu stellen, haben wir Benedikts Erfahrungsbericht veröffentlicht.

Die übergeordnete Frage ist natürlich: bereiten einen Schule, Familie, Gesellschaft heute ausreichend auf das 'Leben nach der Schule' vor? (Ich möchte das eigentlich auch gar nicht auf Abiturienten beschränken). Welche Vor- aber auch Nachteile hat ein früh erreichtes Abitur?

Dienstag, 25.01.11 09:55
 

alles halb so wild. bricht man halt ab und macht was anderes. jeder sollte auch mal was anderes studiert haben, als das, was er letztendlich zum abschluss bringt. ich hab auch erst mal wild drauflos studiert und dann noch mal nen neuanfang gemacht. was bringts einem, wenn man mit 18 anfängt und mit 21 fertig ist?
ok, zugegebenermassen ist das heut mit den studiengebühren und dem straffer organisierten studium nicht mehr so einfach, wie zu meiner zeit.

Dienstag, 25.01.11 10:34
 

Was die Vorteile eines frühen Abiturs sind?
Man hat Zeit rumzueiern, Abenteuer zu erleben und sich auszuprobieren!
Wir arbeiten schließlich lang genug.
Die Zeit die man vor den 40 Jahren Schufterei hat sollte auf jedenfall sinnvoll genutzt werden, womit ich nicht Arbeiten meine!

Ansonsten sehe ich keinen Vorteil darin, dass in kürzerer Zeit unfassbar viel Stoff in einen reingepresst wird.

Dienstag, 25.01.11 11:13
 

@biber
ein alkoholproblem bieten keinen 100%igen schutz vor tripper und umgekehrt, folglich kann es zwischen den gruppen überlappungen geben!

Dienstag, 25.01.11 11:21
 

Leben für den Lebenslauf, was für eine schwachsinnige Idee. Gerade die Zeit nach der Schule, Ausbildung sollte genutzt werden. Sonst geht es so wie mir und man steht vor der Frage, Beruf, Wohnung etc. erstmal hinschmeißen und ab ins Ausland, oder weiter arbeiten und Trott bleiben. Ich habe mich dann fürs Ausland entschieden und hatte eine sau geile Zeit in der so einigeres klarer geworden ist.

Dienstag, 25.01.11 12:06
 

@Josfritz: Über den Artikeln bei Fudder steht immer ein Absatz Kurzfassung. Der ist, damit man abschätzen kann, ob einen der Text interessiert. Ich zum Beispiel lese mehr Artikel nicht von vorn bis hinten als ich lese (das ist kein Fudder-Diss, das mach ich mit allen Buchstaben auf der Welt so).

Rettungssanitäter beim Reddungsdienschd kann ich ebenfalls aus eigener Erfahrung empfehlen. Aber auch ein Jahr DVDs kucken und über sein Leben nachdenken halte ich noch für sinnvoller als sich gleich ins Studium zu stürzen. Mir ist wichtig, mich als selbstständigen Menschen zu sehen, der sich mit einer Erwartung in die Uni begibt und nicht sich ihren Mühlen unterordnet, als wäre er beschränkt geschäftsfähig und müsse den Weg zur Bildung gezeigt bekommen. Ich würde mich ungern als in erster Linie Student definieren. (Genau genommen verschweige ich das, wo ich kann.)

Mir liegt immer die Frage quer, die auch im Artikel aufkommt: Ist man mit 17 (oder 18 oder 19) vielleicht noch zu jung um eine so weitreichende Entscheidung zu treffen wie welchen Berufsweg man einschlägt? Ähm. Wie soll ich sagen. Gibt es nicht ganz viele Leute, die ihre erste Berufsausbildung mit 18 schon abschließen und im Gegensatz zum Studi wenigstens finanziell selbstständig sind? Und davon auch nicht umkommen? Also ich glaube nicht, dass man pauschal zu jung für eine Entscheidung sein kann. Entscheidungen stellt man sich ständig im Leben – immer, wenn sie kommen. Und dass man einen Pfad verlässt und einen anderen Weg ausprobiert (wie Benedikt, der sein abgebrochenes Studium nicht als Verschwendung ansieht), ist doch kein Rückschritt. Lebenserfahrung kann man ja nicht verlieren, oder?

Dienstag, 25.01.11 12:28
 

Ich geb martinjost recht

Sehe den Unterschied nicht, ob ich mit 17, 18, 19 oder 20 aus der Schule raus komme, die beschreibenen Probleme stellen sich da immer.
Ich bin auch mit knapp 18 aus der Schule raus und war ehrlich froh, die ersten zwei Jahre noch bei Mami wohnen zu können. Erst nach der Zwischenprüfung musste ich da mal weg und bin nach Freiburg gewechselt. Und selbst heute noch blicke ich beschämd und schmunzelnd auf die Naivität meines 20jährigen Ichs.
Frisch aus der Schule, direkt zur Uni, neue Stadt, neue Leute, Selbstständigkeit lernen, das alles auf einmal ist jawohl immer ein krasser Streß.

Dienstag, 25.01.11 12:31
 

bundeswehr ist auch ziemlich lehrreich. man muss halt aufpassen dass man nicht zu den fallis geht, sonst besteht das risiko dass man in AFG angesprengt wird. aber insgesamt kriegt man da ne menge perspektive über die menschheit.

Dienstag, 25.01.11 12:39
 

"Die übergeordnete Frage ist natürlich: bereiten einen Schule, Familie, Gesellschaft heute ausreichend auf das 'Leben nach der Schule' vor? (Ich möchte das eigentlich auch gar nicht auf Abiturienten beschränken). Welche Vor- aber auch Nachteile hat ein früh erreichtes Abitur?"

und genau das kann man doch nicht pauschal sagen.

ein 17 jähriger, der eine"gute" schule besucht hat, dessen eltern ihn auf gewisse dinge vorbereitet haben , weil so etwas wie erziehung stattgefunden hat und der vielleicht schon einige eigenen erfahrungen gesammelt hat, kann besser vorbereitet sein als ein 20 jähriger der nach dem abi erst mal rumgesumpft hat.
letztendlich hängt es davon ab wie konkret die vorstellung des einzelnen ist ,von dem was er tun möchte

Dienstag, 25.01.11 13:44
 

@Martin Jost

"Und dass man einen Pfad verlässt und einen anderen Weg ausprobiert (wie Benedikt, der sein abgebrochenes Studium nicht als Verschwendung ansieht), ist doch kein Rückschritt. Lebenserfahrung kann man ja nicht verlieren, oder?"

Stimmt.

Dienstag, 25.01.11 14:08
 

zustimmung@martin jost.

ich gebe auch wolke recht, dass man solche pauschalurteile nicht fällen kann. aber ich würde schon sagen, dass die schule meist keine gute vorbereitung auf die uni und andere dinge, die auf junge menschen nach dem abschluss zukommen, bietet.

vieles ist auch gar nicht aufgabe der schule und welche arbeiten in einem haushalt so anfallen und wie man sie bewältigt, davon sollten kinder schon lange vor dem abschluss ein bild bekommen und es auch praktisch "einüben". allein schon, weil die eltern nicht deren dienstboten sind. aber eben auch, weil es "total praktisch" ist. ich würde in meine wg auch niemanden aufnehmen, der grad von zuhause kommt und keinen schimmer hat, dass zb erst saugen, dann wischen die sinnvolle reihenfolge ist. als partner eignen sich solche leute erst recht nicht, solange sie sich nicht mit diesen alltäglichkeiten vertraut gemacht haben.

aber zurück zur schule: ich habe abi gemacht und danach meine zwei lieblingsfächer studiert. ein halbes semester lang. weil von all dem interessanten, nachdenklichen und vor allem kreativen nach der verakademisierung nichts mehr übrig blieb.
das war eine erfahrung. keine besonders schlechte, aber geärgert hab ich mich schon, dass die jeweiligen lehrer an der schule in keinem nebensatz etwas über - ich sags mal ganz pauschal, weil auch das zutrifft - "die uni" gesagt haben.
und auch, dass es viel spannendere fächer gibt, als die allgemein bekannten, musste ich erst in detektivischer recherche rausfinden.
die schule bereitet einen nicht auf das selbstständige lernen vor, das ein grundwerkzeug des studiums ist.
die schule hilft einem wenig, zu sehen, wie man die in 13 jahren teilweise mühsam erworbenen kenntnisse im späteren leben anwenden kann.
sie hilft einem so gut wie gar nicht, seinen späteren berufswunsch zu finden.
die schule zeigt einem erst recht keine wege zum jeweiligen traumberuf auf.
man bekommt in der schule keinen einblick in den alltag an einer uni und verlässt diese ohne einen blassen schimmer, was einen im studium so erwarten könnte.
die schule presst einen mit "wissen" voll, das nach dem abschluss grösstenteils wertlos wird und bietet vor allem keinen anknüpfungspunbkt ins "echte leben", dass dann ja bekanntlich losgehen soll.
zumindest ist das meine erfahrung.

der ausgeglichenheit halber sag ich jetzt noch, dass die schule auch ihre guten seiten hat und ich meine guten erfahrungen dann gerne im kommentar zum dazugehörigen artikel ausführe.

fazit: als ich die schule verliess, hat mich die uni erst mal unangenehm überrascht. und ich war nicht die einzige.

hoffnungsschimmer: nach meinem abgebrochenen studium und einer lücke im lebenslauf habe ich was passendes für mich gefunden. dieses hin und her gibt mir auch die energie, das angefangene zu ende zu bringen. denn nach all dem war etwas anderes als eine sehr bewusste entscheidung gar nicht möglich.
ich beneide benekdikt um die 1-3 jahre, die er sinnvoll nutzen kann, ohne plötzlich alt auszusehen.

Dienstag, 25.01.11 14:19
 

Bundeswehr is fürn Arsch. Rausgeschmissene Lebenszeit in der Dir irgendwelche Deppen sagen was du tun oder lassen sollst. Obwohl. Für manche ist es wohl nich schlecht ein bisschen Struktur ins Leben zu bekommen....

Dienstag, 25.01.11 14:19
 

@ja/nein - ich hatte Benedikt umgekehrt verstanden: dass die Schule ihn fuer selbststaendiges Lernen vorbereitet hatte („ Verstehen und Lernen“-Konzept, kenn ich nicht) und an der Uni wurde er gegaengelt?

Dienstag, 25.01.11 14:21
 

Ich hab mit 19 angefangen zu studieren und bin im 2. Semester ausgezogen. Für mich ist eigentlich alles gut gelaufen, auch wenn die ersten paar Monate natürlich seltsam waren.

Ich fand's gut, dass ich im 1. Semester immer noch zu meinen Eltern nach Hause konnte und dort unterstützt wurde, dann hat mich die Pendelei aber so genervt, dass ich umziehen wollte.

Und was die Studienfachwahl betrifft.... war bei mir vermutlich auch Glück :-)

Dienstag, 25.01.11 14:38
 

@christian:
ich habe es so verstanden, dass benedikt in der schule noch nachdenken musste und dann eigene gedanken formulieren konnte und dieses an der uni nicht erwünscht ist. so kenne ich es zumindest auch: dass "meinungen" zum thema unwissenschaftlich sind und höchstens in der mensa besprochen werden. jetzt mal grob.
mit "selbstständigem lernen" meinte ich auch eher, dass keiner die hausaufgaben einsammelt, es aber trotzdem teilweise sinnvoll ist, sie zu machen. und dass man seine hausarbeiten schreiben kann, einem aber niemand hinterher läuft, wenn man es nicht tut. man ist eben auf sich gestellt und braucht eine relativ starke motivation, um sich wochenlang in ein thema einzulesen oder auch nur seine notizen ein zweites mal anzuschauen.
in der schule gibt es teilweise mehrmals täglich solche "kontroll"-situationen, in denen es auch rückmeldung gibt.
an der uni bekommt man teilweise wochenlang kein feedback, manchmal auch nach einer klausur oder einem essay nur ein "pass" oder schlimmstenfalls "fail" elektronisch zugestellt.
dieses lernen ohne (greifbare/unmittelbare) äussere anreize erfordert meiner meinung nach eine ordentliche portion selbstständigkeit - neben vielem anderen.

Dienstag, 25.01.11 17:59
 

Ich hab nach dem Abi ein Jahr pause gemacht. War gut für mich, hab einiges erlebt und am Ende auch noch das passende Studienfach gefunden glaub ich^^

Dienstag, 25.01.11 19:41
 

Bester Abiturient im Interview Abi mit 0,7 - aber keinen Studienplatz:

http://www.sueddeutsche.de/karriere/bester-abiturient-im-interview-abi-mit-aber-kei[..]

Dienstag, 25.01.11 19:44
 

Headhunter im Gespräch "80 Prozent aller Lebensläufe sind Schrott"

http://www.sueddeutsche.de/karriere/headhunter-im-interview-prozent-aller-lebenslaeufe-s[..]

Samstag, 29.01.11 20:40
 

@supermanuel,

genau das wollte ich auch eben posten [0,7-Schnitt-Opfer]
HERRLICH SOETWAS, TRAUMHAFT!


chelios hat den Kommentar am 29.01.2011 um 20:41 bearbeitet
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